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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-24 · Heft 17 (24.4.1891) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 Honoratioren der Gemeinde im Restaurant des Herrn Levy, Da^ Fest wurde durch treffliche Speisen, durch gute Reden und -durch Gesangsvorträge gewürzt. Nachdem der Vorsteher Herr Cohn den Kaisertoast, in den Alle begeistert emstimmten, ausgebracht hatt§ erhob sich unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. Schreier und. feierte in schwungvollen begeisterten Worten den Jubilar. Tiefgerührt erhob sich dieser, um dem Redner, sowie der Gemeinde für die Beweis? der Liebe am heutigen Tage und in früheren Jahren zu danken. Er trank auf „den Frieden in der Gemeinde". Unter lautloser Stille sprach darauf der stellvertretende Rabbiner Herr D. Kaszriel Peßachsohn auf die Familie des Jubilars. Er führte ungefähr Folgendes aus: (Auch diese Rede unseres neuen Herrn Mitarbeiters glaubten wir streichen zu sollen. Die Redaktion.) Begeistert stimmten Alle in das Hoch ein. Es würde zu weit führen, wenn ich die sämmtlichen trefflichen Redner anführen wollte, die den Abend durch ihre Beredtsamkeit verschönten. Kurz, es war ein schönes Fest, wie solche selten in Israel gefeiert werden. Nun, lieber Herr Doktor, was sagen Sie zu dieser Leistung? Ist sie nicht originell? Ich möchte Sie bitten, mir diesen Bericht zu patcntiren, denn fast ist zu fürchten, daß, wenn ein Mal anderswo ein ähnliches Fest durch Zufall sich ereignen sollte, die dortigen Bauern mit-meinem Kalbe werden Pflügen wollen. Meinen nächsten Bericht sende ich Ihnen über den großen Schamoßim-Tag, der Hierselbst zu Pfingsten stattfindet. Auf der Tagesordnung steht unter Anderem die Gründung einer eigenen Pensionskaffe für Synagogendiener. Ihr Peßachsohn. Vergessen Sie ja nicht wegen der Reformgemeinde! d Frtterarische MrttheUungen. Buch der Gradationen. Ein Beitrag zur Geschichte der arabisch-jüdischen Philosophie des 13. Jahrhunderts. Von Dr. L. Ven etianer, Szegedin, 1890. — Unter diesem Titel ist kürzlich eine sehr interessante Monographie erschienen, welche in erschöpfender Weise ein gleichnamiges ethisches Werk deH Schemtob ibn Falakora behandelt. Das Letztere ist nur handschriftlich vorhanden, und der Verfasser hat die meisten existirenden Handschriften sorgfältig untersucht und verglichen, Falakbra war bekanntlich einer der gelehrtesten und fruchtbarsten jüdischen Schriftsteller des 13. Jahrhunderts, der, obschon er die Philosoph^ schen Ergebnisse des Zeitalters zu keiner höheren Entwickelung brachte, doch als fleißiger Sammler sich um unsere Litteratur wesentliche Verdienste erwarb. Er war es auch, der Auszüge aus dem „Mekor Chajim" des Salomo ibn Gabirol hebräisch bearbeitete, dessen arabisches Original verloren gegangen. Und so haben wir es denn Palakära, der übrigens stets aus der ersten Quelle schöpfte, zu verdanken, daß einige Stellen aus der wichtigen Schrift gerettet wurden. In der vorliegenden ziemlich umfangreichen Arbeit wird uns eine auf psychologischer Grundlage beruhende Ethik des Falakera vorgeführt, nämlich: „Das Buch der Gradationen". Dasselbe ist um so bedeutsamer, als es die erste wissenschaftliche Ethik in der Geschichte der jüdisch-arabischen Philosophie bildet. Es erhebt aber in keiner Weise auf Originalität Anspruch, da Falakära's Ansichten den arabischen Peripatetikern entlehnt sind. Es wäre gewiß erwünscht, wenn der Verfasser des vorliegenden Werkes, Dr. Venetianer, auch die Handschrift Falaköra's selbst herauszngeben sich entschlösse.; E. H. ¥ Die Eröffnung des neuen zweiten israelitischen Wolschaner Friedhofes am 6. Juli 1890 in Prag, Einbegleitung und historische Entwickelungsgeschichte dieses Friedhofes, die Eröffnungsrede von Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld und eine Zusammenstellung der hervorragenden Persönlichkeiten mit kurzer Biographie von Koppel- M an n-Li eben, Prag 1890. Wie man weiß, gehört der alte, jüdische Friedhof zu den bedeutendsten Denkmälern, die aus früherer Zeit vorhanden si.nd. Es ist das große Verdienst des Herrn Koppelmann-Lieben, daß er in Gal-Ed die Grabschriften veröffentlicht hat. Dieses Werk ist für die Geschichte der Juden von besonderer Bedeutung und ist. dasselbe noch werthvoller durch die Vorreden Rappaports und die Noten Simon Hocks. Wenn auch nicht von gleicher Bedeutung wie Gal-Ed, so ist doch die vorliegende Arbeit Koppelmann-Liebe ns sehr beachtenswert). Eine stattliche Reihe großer rukv bedeutender Männer zieht an uns vorüber, die mit wenigen Worten charakterisirt werden. Wir wollen nur einige wenige hervorheben: Ezechiel Landau, Israel Hönig Edler von Hönigsberg, der von Josef II. geadelt wurde und dem es gestattet war, die Herrschaft Velm zu kaufen, Peter Beer, Herz Homberg, Nehemias Trebitsch, Landrabbiner in Mähren,.Wolf- Mayer, Verfasser einer hebräischen Grammatik, Moses Landau, Salomon Löb Nappaport rc. Bezüglich Jonas Jeiteles S. 18 Nr. 12 haben wir Folgendes zu ergänzen. Am 20. Juli 1784 kam der Dekan der medizinischen Fakultät der Prager Universität. Prof. Mikan, in eine Apotheke daselbst und faub ein Rezept von Med. Dr. Jonas Jeiteles, der an der Jenaer Universität promovirt wurde, für einen katholischen Geistlichen. Der Herr Dekan geräth in Zorn und konfiszirte das Rezept. In Folge dessen klagte Jeiteles beim Kaiser, und die Hofkanzlei schlug vor: dem Professor Mikan in der medizinischen Fakultät ist zu bedeuten, das künftighin nicht nur allein diesem Jeiteles, sondern and) jedem andern Juden, der auf einer ausländischen Universität geprüft und approbirt worden ist, die freie Praxis uneingeschränkt zu gestatten sei, und fügte bei: „Jedoch muß dem Professor Mikan, wenn das Faktum wahr befunden wird, solches von dem Gubernio scharf verboten werden." — Möge es Herrn Lieben noch lange gegönnt sein, die Geschichte der Juden zu fördern. G. W. In Nr. 1 dieses gesch. Bl. (S. 12) soll der Beweis geführt werden, daß es schon in grauer Vorzeit — lange vor Moses — berühmte jüdische (!) Aerzte gegeben habe. Vergebens habe ich bis jetzt von berufener Seite eine Zurückweisung dieser Behauptung erwartet. Herr Dr. Joachim, der gesch. Verfasser obiger These, macht sich — natürlich ohne jede Absicht — eines gleichen Fehlers schuldig, wie die Antisemiten hinsichtlich des Ehrennamens, den sie sich beigelegt haben, als ob unter Semiten die Juden allein 51t verstehen seien. Der semitische Arzt aus der phoinikischen Stadt Byblos, von welchem der Papyros Ebers spricht, kann eben nur ein Phoinikier gewesen sein. Dr. Ehrlich-Riga. O — Das Interesse, das mehrere, selbst kleinere jüdische Gemeinden für ihre geschichtliche Vergangenheit, besonders für die Geschichte der in jeder jüdischen Gemeinde bestehenden Chewra Kadischa an den Tag legen, ist als eine erfreuliche Erscheinung freudig zu begrüßen. Vor mehreren Jahren bearbeitete Dr. Im manuel Löw die Geschichte der Szegediner Chewra Kadischa, jetzt liegt uns die der Chewra Kadischa in Moor, ebenfalls in ungarischer Sprache, unter dem Titel „A Moöri Chewra- Kadischa tortenete. 1791—1891" (Budapest 1891), von Rabbiner P. Büchler vor. Aus Moor gingen mehrere den Litterarhistvrikern nicht unbekannte Persönlichkeiten hervor, deren Epitaphien Herr Büchler in seinem Schriftchen mittheilt. Wir nennen nur: Naphtali Rosenthal, einen Jugendfreund Moses Mendelssohns, und dessen gelehrte Gattin Tscharna, deren Söhne Elias und Salomo Rosenthal und deren Schwiegersohn Philipp Gomperz. den früh verstorbenen Salomon Löwisohn, der u. A. „Vorlesungen über die Geschichte der Juden" veröffentlichte. Löwisohn starb nicht 1822, wie Zunz und Andere angeben, sondern den 25. Nissan 5581 — nicht den 15. Statt wo tsnr6 1VV nir»n p'W dt6 muß es nnm NVLN heißen ----- 27. April 1821. In dem Epitaph Gomperz' (S. 18) ist statt ■HWl' 5 .'HWD DVU zu lesen. Herr B. theilt -noch mit: Die Epitaphien des Rabbinatsverwesers Jsai Schönberg, dessen Sohn S. B. Schönberg 1829 als Arzt in Berlin lebte und ein Gedicht zu Mendelssohns hundertjährigem Geburtstag veröffentlichte, der Moorer Rabbiner Philipp Wallerstein (starb 26. Dezember 1829) und Jsak Sternfeld (starb 25. Juli 1849) u. A. m. M. K. Druck uni) Verlag von Rudolf Motte in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion-. Mar. Bauchwitz in Berlin.

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