Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227877-3227894--47877-3270365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

s §iö»£uatemd)t ertheilen zu lassen, bei der geringen Zahl der daselbst wohnenden Familien, waren die Mittel hierzu nicht aufzubringen. Herr' Hugo Lehmann, der Vorstand der jüdischen Bereinigung daselbst^ wandte' sich daher an Herrn Rabbiner Dr. Winter in Dresden, durch desM Bemühung bewilligten der Deutsch-israelitische Gemeindebund und die Gemeinde Dresden zu diesem Zwecke eine Unterstützung, und so erhalten seit Anfang dieses Monats neun Kinder den ersehnten Unterricht von dem Beamten der jüdischen Gemeinde zu Zittau, vorerst noch in einer Privatwohnung, es ist jedoch gute Aussicht, daß die Stadtvertretung ehestens ein Schulzimmer hierzu bewilligt. * Glogair, 9. April. Die Feier der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge fand heute Vormittag 10 Uhr unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen Gemeinde und christlichen Bevölkerung statt. Den einleitenden Theil des Programms bildete der Gesang des Psalm 95 von Mendelssohn, welcher wwitx Leitung des Herrn Kapellmeisters Bratsisch vortrefflich zur Geltung gebracht wurde. Nach einer Recitation des Herrn Kantor Frankel Psalm 26, hielt Herr. Rabbiner Dr. Ripp ne r die Festpredigt, die in ihrer Schlichtheit und Innigkeit eine ergreifende Wirkung auf sämmtliche Hörer ausübte. Hierauf folgte die Verlesung der Stiftungsurkunde durch den Vorsitzenden der Synagogeiigemeinde, Herrn Bankier Landsberger. In derselben wird namentlich der Verdienste des Vorstandes, des Herrn Stadtbauraths Wiugen und der Architekten Abesser und Kröger in Berlin, welche den Plan zum Synagogenbau entworfen, Erwähnung gethan. Sodann geschah die Einsenkung der Urkundenbüchse, welche außer den zeitigen Berichten über den Stand der jüdischen Gemeinde und der städtischen Verwaltung, dör Geschichte der Juden in Glogau rc., auch die gegenwärtig kursirendin Geldwerthe von 20 Mark an bis zum Einpfennigstück und je eine Nummer der beiden hiesigen Zeitungen vom heutigen Tage enthält. Der nun folgende Hauptaktus der Feier, die Zumauerung des Grundsteins, geschah unter den üblichen Sinnsprüchen. Herr Dr. Rippner that die ersten Hammerschläge und begleitete den feierlichen Akt mit folgendein Sinnspruch-. „Der Grundstein ist: Gott und den Nächsten innig lieben; dies Grundwort bleib' dem Grund der Herzen eingeschrieben!" Herr Landsberger sprach: „Den Gottlosen zur Bekehrung, der Gemeinde zur Belehrung und Gott zur Verehrung!" Herr Rechtsanwalt Friedmann: „Des Bösen Eckstein, des Guten Grundstein, der Gemeinde EdelsteinAuch die anderen Herren, die durch ihr Amt dazu berufen waren, die Hammerschläge auszuführen, sowie die Herren Stadtbaurath Wingen, Baumeister Krause und Schade, Architekt Abesser rc., begleiteten diese Handlung mit weihevollen und erbaulichen Worten. Den Schluß der erhebenden Feierlichkeit bildete der von der Gemeinde gesungene Ehoral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren." -gsk- Posen, 11. April. In der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes wurde mitgetheilt, der Abgeordnete Richter habe in seiner Rede über.den Welfenfonds u. A. der Ansicht Raum gegeben, daß derselbe auch zur Unterstützung der antisemitischen Agitation gebierst habe. Judenhetzorgane beschuldigten ihn deshalb der „Verleumdung". Nun wird der „Pos. Ztg." von ihrem Berliner Korrespondenten geschrieben: „Darüber würde am Ende das „Deutsche Tagebl." Auskunft geben können, von welchem Eingeweihte wissen wollen, daß es sämmtlich? vorhandenen Unterstützungsquellen für antisemitische Zwecke aus eigenster Erfahrung genau kannte. Namentlich kommen aber jetzt, also nicht aus einem geheimen Fonds, so große Summen an die antisemitische Fraktion, daß die antisemitische „Partei" vielleicht als die reichste von allen gelten muß, auch die sozialdemokratische nicht ausgenommen. Beim Weine verrathen die antisemitischen Führer wohl noK ein wenig über die Herkunft der Gelder; die zufälligen Zuhörer aus anderen Parteien find so diskret, nichts weiter zu erzählen, wenigstens nicht, bis man sie nöthigen sollte." Cg} Wolferrbüttel, 11. April. Die Samsonschule wurde im Schuljahre 1890/91 von 113 Schülern besucht, von denen 98 der jüdischen Religion angehörten. Unter den 92 Alumnen waren 21 Freizöglinge, 14 zu halber Pension und 4 in besonderer Rücksicht begünstigte. 10 Zöglinge bestanden die Entlassungsprüfung. Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde Inder Anstalt eine Schülerwerk statte eingerichtet, in der 28 Zöglinge arbeiteten. Das Lehrerkollegium besteht außer dem Direktor Dr. Tachau aus 10 Herren. <I> Münster, 8. April. Die Sonntagsruhe unserer Stadt wurde gestern durch eine Hetz versa mm lun g gestört/ welche der hiesigd sogenannte „Reformverein" nach der Festhalle berufen hatte. Der bekannte Dr. König aus Witten hielt die Rede, die sich in den üblichen Phrasen bewegte und mit deu tlichen Unwahrheiten, aus welchen der ÄnUseMiFmus sich aüfbaüt, gespickt war. Aufhebung der Jüdenemanzipation, das sei das Ziel, nach welchem der Antisemitismus strebe, so lautete die Quintessenz des Vortrags. Zwei Gegner, Hrrr Professor Dr. K aufm ann und ein Sozialdemokrat Haas, unterzogen sich der werüg. beneidenswerthen Aufgabe, der Versammlung die gegentheiligen Meinungen vorzutragen. Sie kamen natürlich kaum zu Wort. Düsseldorf, 7. April. Der Jahresbericht über die Wirksamkeit des, „Vereins zur Werbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" ist erschienen und giebt Zeugniß von einerumfassenden Thätigkeit. 102. Lehrlinge waren in der Pflege des Vereins. Wir entnehmen dem Berichte ferner die folgende bemerkenswerten Notizen: „Mit sehr wenigen Ausnahmen haben die Lehrlinge die Zufriedenheit der Meister sich erworben und dadurch andere Meister angeregt, sich bei uns um Lehrlinge zu bewerben. Das Angebot seitens der Lehrherren war so groß, daß wir nicht alle Wünsche befriedigen konnten. Neben diesen innerhalb unseres Vereins beobachteten Erfolgen zeigt sich aber auch in vielen andern Kreisen ein reger Eifer zur Förderung der von uns vertretenen Sache. Es wurde angeregt, in jeder Stadt einen besonderen Verein znr Ausbildung von Lehrlingen zu gründen. Dieser Antrag wurde zunächst einem Ausschuß überwiesen mit der Weisung, eine Denkschrift über diesen Gegenstand vorzulegen. Wenn der Erfolg maßgebend sein darf, so dürfen wir wohl mit einiger Befriedigung auf unsere Erfolge und auf die uns vielseitig gewordene Anerkennung wie auch auf vielfache Beweise des Wohlwollens Hinweisen, welche wir in den einzelnen Jahresberichten regelmäßig melden konnten. Großen Werth legen wir dabei auf die günstige Beurteilung, welche unser Verein durch die Presse erfahren. Besonders haben wir uns gefreut, daß auch unsere Erziehungsmaßregeln in richtiger Weise von ihr gewürdigt wurden. Ja, ein Artikel eines hiesigen Blattes wies darauf hin, daß unser Verein ein sehr geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sei, und forderte die Bildung ähnlicher Vereine. Während das Leben in beit Handwerkerfamilien dem bei seinem Meister wohnenden Lehrling früher ein schönes Vorbild gab und ihn zur Einfachheit, Mäßigkeit, Sparsamkeit, Anspruchslosigkeit anleitete, so wird der Lehrling jetzt für Kost und Logis gewöhnlich durch Geld abgefundeu und erlangt aus Dankbarkeit für den Gewinn, den er „der Familie verschafft", von den Eltern nicht selten einen Freibrief für gar viele Laster. Verschwendung, Unsittlichkeit, Unpünktlichkeit -und Arbeitsunlust sind dann die Vorläufer, welche die moralische und körperliche Kraft untergraben, — eine stets wachsende Unzufriedenheit erzeugen und das Verhältniß zum Arbeitgeber immer feindseliger gestalten. Vor diesen Fehlern werden unsere Zöglinge durch die sorgfältige Beobachtung und Erziehung bewahrt. Einen nicht geringen Erfolg unserer Bestrebungen erblicken wir daher in dem fast durchweg recht innigen Verhältniß unserer Lehrlinge zu ihren Lehrherren. Zur weiteren Ausbildung in andern Fächern bot den Lehrlingen Gelegenheit der Besuch der städtischen Fortbildungs- resp. Abendschule, sowie der von Herrn Hauptlehrer Westendorff zweimal in der Woche in mehreren Abtheüungen ertheilte Unterricht in den Realien, in deutscher Grammatik und im schriftlichen Ausdruck, sowie die Benutzung der Volksbibliothek unter sorgfältigster Kontrole der gewählten Bücher. In Köln wurde der Unterricht in den Elementar- und Realsächern Montag und Donnerstags von 8V2—10, in der Religion Samstag von kO—12 Uhr durch den Lehrer Toelson ertheilt." # Wiesbaden, 12. April. Der von Herrn Rabbiner Dr. Silberstein geleitete „Israelitische Unterstützungs- Verein" hat, wie aus dem soeben herausgegebenen zwanzigsten Jahresbericht hervorgeht, im verflossenen Jahre eine recht segensreiche Thätigkeit entfaltet. Es wurden für monatliche Unterstützungen an hiesige Arme 933 M., an Arme hiesiger Umgegend in lU, V« jährlichen, und einmaligen Unterstützungen 681 M. 80 Pf., an fremde Kranke und durchreisende Arme .1595 M. 9 Pf. verausgabt. Die Erhöhung des Vereinsvermögens gestattet bereits, höhere Ziele ins Auge zu fassen. Als ein immer mehr hervortretendes Bedürfniß erscheint für unsere Gemeinde und die Nachbar-Gemeinden eine Versorgungs-Anstalt für ältere Pers onen, für deren Aufnahme nur sehr schwer geeignete Familien zu finden sind. . Welcher Segen wäre es, wenn der Verein bald dieses oft schon tief empfundene Bedürfniß in gleicher Weise, wie dies in anderen größeren Gemeinden der Fall, entsprechend zn befriedigen in der Lage sein würde. * Leipzig, 12. April. Wie dem. „Leipziger Tages-Anzeiger" mitgetheilt wird, sott hier ein den t sch-s oziocler Part ei tag zu Pfingsten i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.