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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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{Berlin, 17. ApM 1891. 56. Jahrgang, ttr. 16, ♦ betrage zur „Allgemeinen Zeitung des ZuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Drntschland. * Berlin, 13. April. Eine Marmortafel zum Andenken, an die verblichene Kaiserin Augusta wird in dem Gebäude der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburgerstraße auf Beschluß des Vorstandes angebracht worden. Die hohe menschenfreundliche Frau hatte stets ein reges Interesse für diese Anstalt gezeigt und auch dadurch bethätigt, daß sie dieselbe wiederholt mit ihrem Besuch beehrte und auch tu ihrem Testament bedachte. # Berlin, 14. April. Ein tiefer Widerwillen bemächtigt sich eines jeden edlen Menschen, so er dem verwerflichen Treiben der Antisemiten einige Aufmerksamkeit schenkt. Sie haben, geehrter Herr Redakteur, in Nr. 13 dieses Blattes einen Leitartikel „Eine Mahnung" veröffentlicht, der thatsächlich die größte Beherzigung seitens unserer Glaubensgenossen, ohne Unterschied der religiösen Richtung, verdient. Denn die Herren Antisemiten befolgen die zehn Gebote ihres Katechismus, auf den Sie mit Recht schon öfters aufmerksam gemacht haben, mit großem Eifer. Namentlich das sechste Gebot, wo von Juden zu kaufen untersagt wird, suchen sie der christlichen Welt, und namentlich der Landbevölkerung, immer mehr einzuschärfen. So wurde vor Ostern in Hannover, Westfalen und auch in der Nheinprovinz ein Flugblatt kolportirt, in welchem in der unerhörtesten Weise das Judenthum beleidigt und auf den Talmud und Schulchan-Aruch hingewiesen wurde, die den Christen zu betrügen gestatten. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß diese Apostel des Glaubens- und Rassenhasses den Talmud und Schulchan-Aruch nur dem Namen »ach kenne». n*mn flK rbpbpti .IXWN, „Haß und Feindschaft lehren unsere Weisen, verdrehen die Geradheit und fälschen die Wahrheit". Wir wollen hier nur konstatiren, daß in dem erwähnten Flugblatt zwischen orthodoxen und reformirten Juden kein Unterschied gemacht wird, was am besten bekundet, wie sehr Herr Stöcker und seine Gesinnungsgenossen die orthodoxen Juden lieben. Allein es läßt sich nicht leugnen, daß derartige Flugblätter der jüdischer! Geschäftswelt Verdruß, Aerger und auch pekuniären Schaden verursachen. Einem solchen Treiben, das viele Hunderte Existenzen zu vernichten droht, muß endlich ein Damm entgegengesetzt werden. — Von jeher herrschten verschiedene religiöse Ansichten im Judenthum, aber das Bewußtsein, daß wir Alle aus „einem Felsen gehauen", daß der Glaube an den einen einzigen Gott uns Allen eigen ist, hat uns jeder Zeit zu einenr Volk von Brüdern gemacht. Wollen wir den Antisemitismus mit Erfolg bekämpfen, so müssen wir das gelockerte Band der Zusammengehörigkeit wieder.befestigen. Vergessen wir nicht, daß nur Einigkeit stark macht! Die jetzigen Antisemiten sind nicht die ersten, die unfern Namen auszumerzen suchen! In jedem Geschlecht und in jedem Zeitalter, so lesen wir an den Pessachabenden, standen Feinde gegen-uns auf, um uns zu vertilgen — Gott aber errettet uns aus ihren.Händen. Ja, Gott, der, wie Unsere Weisen treffend bemerken, mit Israel und der Thora unlösbar verbunden ist; die gemeinsame Idee der Einheit Gottes und der Einigkeit Israels, die uns. die Thora verkündet, hat uns allezeit zu Siegen gegen unsere Feinde verholfen und wird uns auch gegenwärtig, so wir von der Wahrheit dieser Idee durchdrungen sind, zu unserm Recht verhelfen. „Ach, wo in uustät wildem L.ohen Der Klassenhab entfacht zum Brand, Wo schleicht mit gifterfülltem Drohen DerRassenhaßimVaterland — O Geisteslenz, da thau hernieder Und weck' das finst're Herze wieder Mit deinem warmen Pessachkutz! Daß es, umhäucht von Blumendüften, Umkost von frischen Morgenlüften, Sich deiner Pracht erschließen muß." Albert Katz. jl QD Berlin, ,15. April. Soeben geht uns der Bericht über die Tätigkeit des Rabbiner-Verbandes in Deutschland vom Jahre 1887—1890 zu. Er enthält die Verhandlungen der Generalversammlung zu Breslau und des Centralausschusses in Berlin, den KKffenbericht, das Mitglieder-Verzeichniß, den Bericht über die Pensionskasfe, die Miltheilungen aus den Kommissionen und eine Denkschrift dZs Lgydrabbiners Dr. Feilchenseld in Schwerin über die Nothwendigkeit einer Präparandie für jüdische Religionslehrer in Deutschland. Wir kommen auf die bedeutsame Schrift in nächster Nummer zurück. * Berlin, 15. April. Wie ein hiesiges Blatt meldet, würde im Hause der Abgeordneten von konservativer Seite der bekannte Vorgang bezüglich der Hildesheimer Referendare, welche nicht mit einem Juden zusammen speisen wollten, zur Sprache gebracht werden. Uns kann's recht sein. i * Berlin, 10. April. Vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" sind neuerdings die nachfolgenden Flugblätter herausgegeben worden: Nr. 1. Ein Beispiel für die Agitationsweise der Antisemiten. Nr. 2. Die Judenfrage in der zweiten Kammer des Grotzhsrzogthums Hessen. Nr. 3. Der Juden Antheil am Verbrechen. Nr. 4. Die Antisemiten und das Christenthum. Ferner die Broschüre „Phasver. Ein Mahnruf in der Judenfrage." Die genannten Schriften, siyd klar, überzeugend und mit Wärme geschrieben und eignen sich vortrefflich zur Massenverbreitung. Zu beziehen sind dieselben durch das Bureau des Vereins, Berlin W., Leipzigerstr. 134. * Berlin, 12. April. Abg. Böckel, der Herausgeber des „Reichsherold", hat soeben ein zweites Organ, den „Deutschen Sonntagsboten", begründet. Ob dieser Konkurrenz ist der Eigenthümer des „Kasseler Sonntagsblattes", Föbus, gewaltig ergrimmt, und er plaudert folgendermaßen aus der Schule: „Was Herr Böckel gegen uns ins Leben rufen will, ist nicht von Gott, sondern von Herrn Köhler erdacht und wird auch nicht bestehen. Ich habe meinen Beruf von Gott dem Herrn und werde mich von Niemandem verdrängen lassen. Herr Köhler hat sich vergangenen Winter in Berlin einen Geschäftsanzeiger gegründet, den er mir zur Probe mitbrachte. Schade, daß ich ihn nicht Jedermann zum Lesen geben kann, sonst sollten Alle einmal die vielen Judenauzeigen lesen, die darin sind. Aber so wird's gemacht: heute ist'man Judenknecht, um etwas zu verdienen, und morgen kann man Antisemit sein, sogar christlicher, wenn man etwas damit verdienen kann. O, ihr Meschäfts-Antisemiten!" Wir haben dieser köstlichen Schilderung nichts hinzuzufügen. * Berlin, 12. April. Die Konstituirung des „Allgemeinen Deutschen Verbandes", welche sich vor einigen Tagen im Architektenhänse vollzog, hat einem sonst wenig bekannten Herrn von Wardeck, Äändtagsabgeordneten, die Gelegenheit gegeben, sich als Kumpan von Böckel und Pickenbach hervvrzuthun. Nachdem eine Anzahl von Rednern bereits gesprochen hatte, erhob er sich und klagte, er habe unter den verlesenen Namen von Männern, welche dem Verein beigetreten sind, drei gefunden (Arons, Morgenstern und Lilienthal), die einem Volksstamm eigen seien, der in allen nationalen Fragen in der Opposition stehe, und mit dem man nicht Hand in Hand gehen könne, wenn man auf das Nationalbewußtsein der Deutschen einwirken wolle. Es scheine auch hier der Satz gelten zu sollen, „ein Jude müsse überall dabei sein". Die Belebung des vaterländischen Bewußtseins werde nur möglich sein, wenn man sich nicht scheue, offen gegen den jüdischen Geist aufzutreten, wie er sich namentlich in der Presse zeige. Dr. Peters, der Einberufer dH? Versammlung, erklärte demgegenüber, daß dem Bunde Jeder willkommen sein müsse, der den Zwecken des Verbandes dienen, d. h. zahlen wolle. Dieses Argument schien denn auch dem Herrn von Wardeck einzuleuchten/ denn er opponirte nicht ferner. Ob nach diesem Vorfall die beiden jüdischen Herren (einer entpuppte sich, wie wir das bei antisemitischen Anführungen ja gewohnt sind, als Nichtjude) dem Verein treu geblieben find, wissen wir nicht zu berichten. ‘ SS Alts der Oberlartfitz. Viele Jahre hindurch haben sich die jüdischen Bewohner Bautzens vergebens bemüht, ihren Kindern Reli-

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