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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 192 (sequence 12)
Language
German
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er sich zum Schluß in einen Sessel warf, that er es mit so Kel -Feuer, daß der Seffel zusammenbrach. s | » Nlin ging er bei Dawison in die Schule. Zwei Monate genoß er den Unterricht des großen Mimen, hierauf kam er in die Schule der Frau Bender. Vom Schneiderhandwerk war selbstverständlich nicht mehr die Rede, seinen Lebensunterhalt fristete er durch Lektionen. Schon im Jahre 1851 wurde er von Dawison dent Direktor des Burgtheaters, Heinrich Laube, als ein talentvoller Anfänger t^tgestellt. Laubes Rath war, wie dies Anfängern gegenüber in her Regel der Fall ist, sich zunächst auf Provinzbühnen herumzutreiben, d^ch nahm er ihn vorläufig, bis sich ein passendes Engagement finden werde, als Statist an. So war Sonnenthal denn zum zweiten Mal Statist; jetzt natürlich unter ganz andern Auspizien, unter andern Aussichten; wußte er doch, daß dies nur ein Durchgangspunkt, ein zu durchlaufendes Stadium für ihn sei, aus dem er sich'bald emporarbeiten werde. a In der That erhielt er schon rach einigen Wochen durch Dawisons Vermittelung ein Engagement als erster jugendlicher Held und Liebhaber an dem Theater in Temesvar. 1: Jetzt galt es, bei seinen Eltern den Widerwillen gegen das Theater zu überwinden, und auch hierin stand ihm Dawison hilfreich zur Seite. Dieser treffliche Künstler übernahm es, die Eltern üher die Begabung ihres Sohnes aufzuklären, und solchem Zeugniß vertrauend, willigten diese ein. Am 30. Oktober 1851 trat der junge Schauspieler zum ersten Mal in Temesvar als Hauptmann Phöbus im „Glöckner von Notre-Dame" auf. Er war jetzt auf den PEätz gestellt, wohin er sich seit der Knabenzeit sehnte; es lag nun an ihm, .was weiter aus ihm werden sollte. Daß der schlaue Theaterdirektor dessen Anfängerschaft zum Vorwand nahm, um ihm die Monatsgage von 30 Fl. auf 20 Fl. zu reduziren, scheint den nach dem Hähern strebenden Kunstjünger wenig genirt zu haben; er lebte von HimmÄskost, er lebte in seiner Kunst. Nach Verlauf eines halben Jahres Hog der ganze Trupp nach Hermannstadt, und hier war es, wo des jugendlichen Künstlers eigentliche Carriöre zuerst begann. Zu der allgemeinen Anerkennung, die sein Talent hier gefunden, gesellte sich eine von'Saison zu Saison aufwärtssteigende Gagenerhöhung. '; Im Frühling 1854 ging er nach Graz. Auf der Durchreise trat er in seiner Vaterstadt in mehreren Rollen („Don Carlos"', Baron Wallbeck im „Gefängniß" und Ferdinand in „Kabale und Liebe") auf, wo ihn seine Eltern zum ersten Mal auf einem wstklichen Theater spielen sahen. 5 Sein Debüt in Graz, wo er als Mortimer austrat, füllt guf den 8. Mai 1854. Er hatte entschiedenen Erfolg und wurde engagixt. Hier wurde er mit Holtet befreundet, der auf ihn als ein väterlicher Rathgeber von heilsamem Einfluß war. Auch hatte er hier schon Gelegenheit, große Tragöden kennen zu lernen, die ab und zu gastirken, so Jra Aldrige, Karl Devrient und Ludwig Löwe, seinen nachmalißen Göny.er, mit dem er später vereint auf Gastspiele reiste. Nach kaum einem Jahre erhielt Sonnenthal einen Ruf nach Königsberg in Preußen. Er folgte demselben und fand an dem neuen Orte, wohin er nach kurzem Besuch bei den Eltern sich hegeben hatte, die freundlichste^Aufnahme. ( Ueber seine Kunst strebte er ins Klare zu kommen, und daß, er die Vorgefundenen Zustände und Verhältnisse nicht immer in Übereinstimmung fand mit den Idealen, wie sie in ihm lebten, darf nicht Wunder nehmen. Eine Stelle aus einem Brief aus Königsberg (16. November 1855) an einen Freund in Berlin ist charakteristisch genug, um hier einen Platz zu finden. Sie lautet: „Glauben Sie,Dir, junger Freund, es ist in unserm Jahrhundert sehr schwer, ein guter Schauspieler unter solchen Menschen zu sein, und noch weit schwerer, ein guter Mensch unter solchen Schauspielern zu bleiM!" Sonnenthäl erhielt bald darauf aus Dresden einen Antrag auf drei Gastrollen mit Borbehalt eines Engagements; aber Heinrich Marr, der inzwischen in Königsberg gastirte, schrieb an Laube, und so traf nun auch von Wien aus der Antrag zu einem auf Engagement abzielenden Gastspiel ein. - Die Wahl war nicht schwer. Am 18. Mai 1856 betrat Sonnenthal die Bretter des Wiener Burgtheaters als Mortimer.. Nach der zweiten Rolle in Hackländers „Geheimem Agenten" wurde er sofort auf drei Jahre engagirt. Und nach Ablauf dieser Zeit erhielt er das Dekret als wirklicher k. k. Hofschauspieler mit 8000 Fl. Jahresgage und damit verbundener Pensionsfähigkeit. Nun hatte er als fünfundzwanzigjähriger Mann das Ziel erreicht, welches seine kühnsten Hoffnungen und seligsten Jugendträume überstieg; er lebt seit jener Zeit treu seinem Beruf als das geachtetste und beliebteste Mitglied des ersten Kunstinstituts in Deutschland. Ueber seinen weitern Lebenslauf ist wenig zu sagen. Die Kämpfe hatten ein Ende; nun begannen für ihn die goldenen Früchte emsigen Fleißes und unerschütterlicher Ausdauer zu reifen. Im Juli 1860 verheiräthete er sich mit Fräulein Pauline Pappenheim. Das ist in unserer ehefeindlichen Zeit die letzte Heldenthat, die wir von seinem Leben außer der Bühne zu berichten haben. Im Jahre 1870 wurde er zum Regisseur, 1884 zum Stellvertreter des Direktors ernannt, 1881 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone in den Adelstand erhoben. Die Quelle, der wir die hier mitgetheilten biographischen Daten entnommen haben, heißt: Beth-El, Ehrentempel verdienter ungarischer Israeliten. Von Ignaz Reich. Es bleibt uns nur wenig hinzuzufügen übrig. Sonnenthal ist Jude, nicht Auch-Jude oder Noch-Jude, sondern wirklich überzeugter Jude im Gegensatz zu so vielen seiner minderberühmten Fachgenoffen. Er gilt nach dem einstimmigen Urtheil der deutschen Kritik als der hervorragendste Vertreter eleganter Kavalierrollen im Konversationsstück und vornehmer Heldeurvllen in der klassischen Tragödie. Und das sind doch gerade zwei Eigenschaften, die man mit Vorliebe den Juden adgekprochen hat. So erfüllt es uns mit Genugthuung, daß ein jüdischer Künstler gegenwärtig als der erste Repräsentant der deutschen Schauspielkunst von allen berufenen Faktoren , von der Kritik, dem Publikum und selbst von den Fachgenoffen angesehen wird. K- Litterarische MittheUungen. — Haggadah für Pesach. Mit Uebersetzung, deutschem Kommentar und musikalischen Beilagen von I. M. Japhet. Zweite Auflage. (Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann). Die vorliegende Ausgabe der Pesach-Haggadah zeichnet sich durch mancherlei aus. Zunächst ist die Ausstattung zu rühmen, da deutlicher und splendider Druck nur zu häufig bei solchen Werken vermißt wird. Die Uebersetzung ist geschmackvoll, soweit der Verfasser sich nicht bemüßigt gefühlt hat, die gebundene Rede anzuwenden. Bei den poetischen Uebertragungen dagegen zeigt sich mitunter ein wenig Unnatur im Gebrauch der Sprache. Auch einige Herkömmlichkeiten in der Wiedergabe der Schlußlieder, wie die Wörter „schiere", „allzuschier" und die Diminutiva „Wasserlein", „Feuerlein" u. s. w. wären besser vermieden worden. Lehrreich und klar dagegen find die zahlreichen Anmerkungen, die in gleicher Weise Inhalt und Sprache der Haggadah erläuternd begleiten. Die musikalischen Beigaben, zwei-und vierstimmig gesetzt, werden gleichfalls dazu beitragen, der Japhet'schen Ausgabe Freunde zu verschaffen. B. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für ine Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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