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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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einer genügenden Anzahl würdiger Funktionärinnen wird es in Perlin nicht fehlen. ' . , - . Ci/! Und dies führt uns zu.einer weiteren Erwägung. Mit einem Gefühl der Hochachtung betrachten wir die Zusammensetzung zahlreicher christlicher Kirchenchöre; nicht besoldete Sänger und Sängerinnen, sondern Söhne und Töchter der zur Gemeinde gehörigen Familien treten da freiwillig zusammen und erachten'es als heilige, religiöse Pflicht, am gottesdienstlichen Gesänge Theil zu nehmen. Dieses Beispiel echter Religiosität ist auch jüdischerseits an manchen Orten nachgeahmt worden, so in Wiesbaden, so namentlich in Leipzig, wo der Chorverein „Psalterion" unter Jadassons trefflicher Leitung Bedeutendes wirkt! sehnliches dürfte auch, wenn nur an der' rechten Stelle die Begeisterung dafür, geweckt würde, in Berlin wohl zu erreichen sein. Uns schwebt als Zukunftsbild vor, daß der Synagogengesang in den' Berliner. Tempeln von stimmlich-begabten, für Religion und Gottesdienst begeisterten, Männern,und Frauen, der Gemeinde ausgeübt werde, die zu einem Synagogenchorvereine verbunden auch außer der von ihnen übernommenen Funktionen sich der Pflege des geistlichen Gesanges mit Eifer widmen würden. Ein solcher Verein in eben so viele Zweigvereine gegliedert, wie Synagogenchöre vorhanden sind, und von einem der. tüchtigen Dirigenten geleitet, an denen unsere Glaubensgenoffenschaft reich ist, würde unendlichen Segen stiften; er würde den Mitwirkenden Freude und Befriedigung gewähren, den synagogalen Gesang zu der ihm gebührenden Stellung emporheben und dem Gottesdienste Weihe und Läuterung bringen. Ne Bibel über den Gehorsam gegen König, Staat und Obrigkeit. Von Dr. A dolph Ko H ut. Der Judenhaß aller Zeiten und Länder war immer crsinderisch in Scheingründen zur Rechtfertigung seines.Raffenkampfes,, Die Juden wurden für Alles verantwortlich gemacht; , bald hatten sie Brunnen vergiftet, bald die Pest, bald die Cholera hervorgerufen, und bald Christenkinder, geschlachtet. Als solche absurde Beschuldigungen von der großen Menge nicht mehr blindlings geglaubt, wurden, beliebten die Stöckers, Rohlings, Schönerersund Genoffen, den Charakter unserer Glaubensgenoffen zu verdächtigen. Daß die Judenihre Nebenmenschen ausbeuten, Millionen einheimsen und — schlechte Patrioten sind, stand für diese Demagogen-fest; und selbst die russischen Hamane, welche die Unterthanen des Zaren ihres israelitischen Glaubens wegen verfolgen und verjagen, haben die kühne Stirn, die Verleumdung in die Welt zu setzen: unsere Brüder , kennen nur ein Vaterland: Palästina; sie fühlen sich fremd unter ihren Mitmenschen, sie bilden einen Staat, im . Staate, — kurz, sie seien Staatsbürger zweiter Klasse! , , Für jeden Wahrheits - und Gerechtigkeitsliebenden bedarf eskeines Beweises, daß solche.Verdächtigungen durchaus aus. der Luft gegriffen sind. Die Geschichte lehrt, daß nie und niemals —die Flucht aus Aegypten ansgenommen — die Juden gegen ihre Obrigkeit sich empört haben, Die unmenschlichste Behandlung, die schändlichste Bedrückung vermochte ihre Loyalität nicht zu. tiidten; nur auf gesetzlichem Wege, durch Bitten und Flehen, durch, vernünftige Vorstellungen waren sie bestrebt, ihre Lage zu verbxffern und der Menschlichkeit endlich zum Siege zu verhelfen. Stets vertraten - sie das Recht des Bestehende», die Interessen der von Gott eingesetzten Obrigkeit und wiesen alle Versuche, mit den Umstürzlern zu paktiren, aufs Entschiedenste, von sich. Es ist ja freilich nicht zu leugnen, daß unter den Nihilisten und Nihilistinnen sich auch — aber in verschwindend , geringer Anzahl.-^ Juden und Jüdinnen befinden, aber wer wird für das Verbrechen der Einzelnen die Gcsammtheit als solche verantwortlich machen wollen? Seitdem die Sonne der Emanzipation uns lächelt, ist Dankbarkeit die Pflicht unserer Brüder, und allerorten sehen wir^wie sie diese Tugend dem Staate gegenüber zu bethätigen bemüht sind. Ans Vaterland, ans theure, schließen wir uns an, das halten wir fest mit ganzem Herzen. Wenn wir auch Jerusalem ehren, so ist dieser religiöse Gedanke keineswegs ein Ersatz für das vaterländische Gefühl, das uns beseelt lind beseelen muß. Aber wie hätte dies auch anders sein können! Die Liebe , zum Vaterlande , der Gehorsam gegen König, Staat lind Obrigkeit ist eine der wichtigsten, bedeutsamsten und.dringendsten Forderungen der Bibel — und wir Alle, denen die Bibel der Urquell der Sittlichkeit ist, folgen dem göttlichen. Gebot. Sehen wir uns diese Auffassung der heiligen Schrift etwas genauer an: Die Bibel wird nicht müde, den Unterthanen den Gehorsam gegen den König und deffen von Gott eingesetzte Herrschaft aufs Wärmste zu empfehlen. Die zahlreichen Lehren, welche uns das alte Testament üher die diesbezüglichen Pflichten einschärft, sind wahrlich goldene Früchte in silbernen Schalen. Noch heut zu Tage strahlen dieselben in unverlöschlichem Glanze, noch heut bewähren sie ihre Wahrhaftigkeit und göttliche Kraft, und das Beste, was unsere großen Geister über diesen Gegenstand gedacht und geschrieben haben, trägt unverkennbar den Stempel des ganzen biblischen Gedankens an seiner Stirn. Die Weisheit des Orients, die im Prediger Salomonis und dem „Sirych" solch' edle Blüthen getrieben, verkündet ganz besonders die Ehrfurcht vor der Majestät mit flammenden Zügen. Man höre z. B.: „Fürchte wie Gott den König, laß dich mit Revolutionären nicht ein; denn plötzlich zieht Unwetter über sie herein, und die Strafe ist alsdann unberechenbar." (Sprüche Sal., 24, 21—22; Sir. 7, 7—8). — „Des Königs Befehle beachte und sei eingedenk des dem Herrn geleisteten Eides."(Pred. Sal. 8, 2). — „Der Befehl des Königs ist ein Machtgebot: wer darf ihn fragen, warum thust Du das?" (Pred. Sal. 8, 4). — „Wer den Befehl des Königs beachtet, dem wird keine schlimme Sache widerfahren." (Pred. Sal. 8, 5).. Der König ist nicht wie etwa der Präsident einer Gesellschaft, sondern ein Regent von Gottes Gnaden. „Der König ist der Gesalbte d'es Herrn" heißt es 1. Sam. 24, 7, 26; 9, 11. 16, 23; 2. Sam. 1, 14, 16; 1. Chr. 16, 22. Die Ehrfurcht vor ihm und die Liebe zu ihm wird aller Orten eindringlich eingeschärft. „Wer will Hand an den Gesalbten des Herrn legen und ungestraft bleiben?" heißt es im Buche Sam., 1, 26, 9. „Eine Zauberkraft liegt auf den Lippen des Königs", heißt es in den Sprüchen Sal. 16, 10; und in begeisterter Weisebestngt der königliche Sänger David den guten König mit den Worten:. „Du bist der Schönste unter den Menschen; Reiz ist ausgegoffen über deine Lippen, darum bist du der Gesegnete Gottes! Gürte, o Held, das Schwert um deine Lenden, das ist deine Zierde und dein Schmuck. In dieser Pracht zieh' hinaus ins Feld, zieh' aus, für die Wahrheit, für die Geknechteten^ für die Unschuld: Deine Rechte wird alsdann Wunder thun! Dann sind scharf deine Pfeile. Völker fallen unter deine Füße.... Dein Thron bleibt ewig bestehen, denn das Szepter deines Reichs ist das Szepter des Rechts." (Ps. 45, 2—7). Bei einer

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