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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-10 · Heft 15 (10.4.1891) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 15 (10.4.1891)
Date
1891-04-10
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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H, 15: jpjnoi ist nur auf die Tonzeichen zurückzuführen, indem der seltene Fall von vier Munachs vor einem Paser tonisch markirt wird. U. 17. DN^'I wird nach Machsor M. Z. toie II, 4 melodisch hervorgehobcn, möglicherweise weil Kalir es im Morgengebete poetisch ausschmückt. Auch bei Vorlesung der Thora werden im Gebetbuch vorkommende Stellen tonisch markirt, wie 12V VV. fn’1 u. s. w. Dies geschah in dem Bestreben, die Aufmerksamkeit der Frauen und Kinder zu erregen, wie ich es bereits in meinem ersten Artikel dargelegt habe. Das zweite Kapitel hat keinen musikalischen Schluß, jedoch wird in solchen! Falle die mixolydische große Terz markirt. HI, 15: ftpiE? Tim wird mit dem nächsten Vers nach den Accenten der Klagelieder gesungen und bildet so den musikalischen Schluß des III. Kapitels. IV, 1: '2inv1 wird, wie bereits gesagt, im Tone der Klagelieder vorgetragen. Diese Vorschrift fehlt im Machsor ML Z., wie es überhaupt nirgends auf die Klagelieder hinweist. Das Targum bemerkt hier wie in II, 5, daß Mardochai um Rettung seines Volkes zu Gott betete. Das Gebet in den Apokryphen (Stücke in Esther, Kap. 2) scheint demnach hierher zu gehören. Der Ton der Klagelieder ist hier besonders angebracht, da das Targum ausdrücklich bemerkt *?p2 IV, 8: Shi *?28 wird ebenfalls im Tone der Klagelieder rezitirt. IV, 14: nSjfm nn wird nach dem Machsor N. Z. tonisch hervorgehoben. Es ist Brauch, das niö£' im Tone des „Ausrufens zur Thora" zu singen, um auch hier die Aufmerksamkeit der Frauen und Kinder zu erregen. Das JHV 'Dl wird in Nachahmung des Jargons markirt, weil es im Mittelalter als geflügeltes Wort in der Umgangssprache gebräuchlich war. Das Targum übersetzt es: T xa’OPI K1H |Sö1 INI' »Wer ist so klug, es zu wissen". IV, 10: Th2K TPK21 im Tone der Klagelieder auf Grund des Targum, welches erklärt, Esther habe in großer Mißstimmung gesagt: „Bin ich schon verlaffen, daß ich mein elterlich Haus verloren und von dir gewaltsam getrennt wurde, so mag ich auch ganz zu Grunde gehen, wenn nur dem Volk Israel dadurch Rettung wird" Der Schluß wie in II, 17. V, 4: 82' wird auf Grund der kabbalistischen Deutung, daß in den vier Worten der Gottesname enthalten sei, tonisch hervorgehoben. V, 7: Das Targum erklärt: Ahasverus habe der Esther jede Bitte, und beträfe sie das halbe Königreich, gewähren wollen, mit Ausnahine der Wiederherstellung des Tempels. Darauf habe Esther geantwortet, sie erbitte weder das Eine noch das Andere. In Erinnerung an den Tempel wird nun diese Stelle im Tone der Klagelieder rezitirt. V, 8: 812' ebenso wie V, 4 (8"1N' DV). V, 13: nt wird wie V, 4 nach den Endbuchstaben gedeutet. Tieje Tradition fehlt im Machsor M. Z. und scheint späteren Ursprungs zu sein. Das Kapitel schließt wie II, 17. VI, 1: nb'bs- Hier wird der ganze Vordersatz tonisch hervorgehoben und das Wort tj^fcn nach der bekannten Neujahrsmelodie gesungen. Letzteres scheint jungen Ursprungs zu sein, da der Gebrauch der Neujahrsmelodie sowohl dein „Maharil" (gest. 1427) wie auch dem Machsor M. Z. unbekannt war. Dagegen weiß Jos. Koschmann in dem Werke Noheg kazon Joseph 52, 3, zu erzählen, daß er in den Jahren 1700—1703 von dem Chasan der Pinkas-Schul in Prag, R. Jehuda, dieses nach der Neujahrsmelodie habe Vorträgen hören. Von dem Brauch der Spanier, diesen Vers von der Gemeinde rezitiren zu lassen, ist bereits gesprochen worden. VI, 10: DK Mp. Nach dem Machsor N. Z. sind die drei Verse 9—11, vom ersten bis zum zweiten niwn N22 im hohen Ton vorzutragen. VI, 11: rrw rD2 siehe die vorige Anmerkung. Schluß des Kapitels wie II, 17. VI I, 3: jnjn wird nach dem gleichlautenden Refrain des Pismon VUÖp int? gesungen. VII, 5: nt XIH 'ü wird wegen der Endbuchstaben (K"*|pp QV) hervorgehoben. VII, (5: 12t WK wird auch tonsich hervorgehoben, fehlt aber im Machsor M. Z. Das Targum bringt hier die ganze Genealogie Mardochai's. VII, 7: Hfibs 'S ist nach dem Machsor M. Z. wegen der Endbuchstaben hervorzuheben. VII, 9: pJH run DJ- Wegen des seltenen Accents Karne Phara mit vorangehendem Jareach ben Jomo wird diese Stelle nach den Tollzeichen breit gesungen. Die Nennung Haman's wurde hier mit obligatem „Hamanklopfen" begleitet'). Vorschrift aller Decisoren. VII, 10: wird tonisch hervorgehoben, fehlt jedoch im Machsor M. Z. Die Italiener zählen diesen Vers zu den Gäulah- Versen. (f. Anm. 3, S. 177, Spalte 2.) l) Die Sitte des Hamanklopfens ist sehr alt. Die orientalischen Juden pflegten ehemals sogar eine Hamanpuppe ans Kreuz 311 schlagen, was zu falschen Deutnllgen Anlaß gad und gesetzlich verboten wurde. Siche Ersch und Gruber, II. Sect., Theil 27, S. 23, Anni. 79, und vgl. hierzu Löw, Lebensalter S. 296—97, Güdemann, Geschichte, I. 155—56. Nach Margantha, Der gantz Jüdisch glaub (Leipz. 1531) Blatt G III, 4 ist das Hamanklopfen vielleicht gar — christlichen Ursprungs. Die den Forscherll entgangene Stelle lautet: „ ... yre jungen machen hültzene klappern vnd wie wir vber den armen Judas am Ningelchen! gutten freytag klappern! also klappern sie vber den Hamman rc." — Von den Frankfurter Juden erzählt Schudt, Jüd. Merkwürdigkeiten II. p. 378, daß sie während der Vorlesung der Megilla ein ganzes Wachsgehäuse aufstellten: „Wobey als etwas sonderliches, daß sie wie ein Schloß von lauter Wachs, hol und durchsichtig, gar örtlich und künstlich, auch vergüldet, oben über den Almemor gestettet, darin der Haman nebst dem Henker war; dieses wurde bey Anfang des Lesens des Buches Esther angezündet, wie auch der Seres seines Weibes Machine, so gar plaisirlich anzusehen war, auffbeyden Seiten waren zwey etwann anderthalb Spannen große Männer nach dem Leben, sehr zierlich von Wachs gemacht und schwartzen Hüten mit einer goldenen Borden eingefasset, weisse Parucken, der zur rechten Seythe hatte ein roth Kleyd an, eine Tabackspfeiffe im Mund und grossen Degen an der Seythe. der zur linken Hand ein grünes Kleyd, in der rechten Hand einen güldenen Stab, in der linken eine Tabackspfeiffe u. s. w." (Ersch-und Gruber a. a.^O. S. 79, Anm. 31.) — Friedr. Alb. Christian, der vor seiner Taufe Chafan in Bruchsal gewesen und dem wir Musiknoten zur Haggadah verdanken (vgl. über ihn Delitzsch, Wissenschaft, Kunst u. s. w. S. 301, und Fürst, Bibi, judaiea I. 178, wonach er später wieder zum Judenthum zurückgekehrt), erzählt in seiner „Kurtzen Beschreibung von den Jüdischen Fastnachten" (Leipz. 1677): „Nach Vollendung des Abend-Gebets werden in der Synagog unterschiedene Fackeln, in welche Pulver hiueingeflochten, angezündet, damit zu' Bezeugung ihrer Freude solche einen Knall von sich geben (vgl. Koschmann, Noheg Kazon Joseph 53a: nn Ött Dü*? TlSlS D'p'blDtT N1N |D72 D“lS2D . . . Bey Meldung des Worts Haman. nehmen alle Jüdische Knaben, so mit in der Synagoga drinnen, ein Klopfhöltzlein, so sie Hamans- Klüppel nennen, schlagen damit an Wände und Stüle, daß es ein groß Getümmel erreget, gleich als wollen sie den Haman tod schlagen, und dessen Gedächtniß und Nahmen ausrotten ..."

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