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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-03 · Heft 14 (3.4.1891) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 14 (3.4.1891)
Date
1891-04-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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des Kindes enthält, beigefügt sein. Ebenso muß in dem ärztlichen Atteste eine Bescheinigung darüber sich finden, daß in der Familie des Kindes während der Letzten sechs Wochen eine ansteckende Krankheit nicht vorgekom men ist. Für einen vierwöchentlichen Knrgebrauch, welcher Wohnung, vollständige Verpflegung, Bade- und Trinkkur, ärztliche Behandlung und erziehliche Aufsicht in sich schließt, sind in der Regel die Selbstkosten von 60 Mark im Voraus zu zahlen. Minder bemittelten Kindern kann auf Antrag ein ermäßigter Preis gewährt werden. Arme Kinder, welche ein Mittellosigkeits-Zeugniß von der Ortsbehörde oder von dem Synagogengemeinde Vorstande beibriugen, können ganz unentgeltlich ausgenommen werden. 2. Bielefeld, 31. März. Am 29. und 30. März fand hier, wie bereits augekündigt war, die konstituirende Versammlung des Westfüli scheel Gemeindebundes statt. 24 Gemeinden, darunter sümmtliche größere Gemeinden der Provinz, sind dem Bunde definitiv beigetreteu. Von den Zielen, die sich der Gemeindebund gesteckt, heben wir folgende besonders hervor: 1. Einheitliche Regelung der Armenpflege. 2. Erstrebung eines möglichst einheitlichen Gottesdienstes unter Zugrundelegung eines einheitlichen Gebetuub Gesangbuches. 3. Aufstellung gleicher Lehrpläne für den Religionsunterricht in den Gemeinden des Verbandes. 4. Schlichtung innerer Streitigkeiten in den Gemeinden auf schiedsrichterlicher Basis. 5. Unterstützung leistungsunsähiger Gemeinden und des D. I. G.-B. In den Ausschuß des Verbandes sind folgende Herren gewählt: M. Katzenstein - Bielefeld , Steinberg - Münster, I. Goldschmidt-Dortmund, Liebenfeld-Bocbum, Steinberg-Gelsenkirchen, Schönebeck-Rieheim, N. Levy-Hagen, Emanuel-Hexter, Nenkamp-Soest, Lehrer Coblenz-Bielefeld, Lehrer Ostwald-Witten und Lehrer Laubheim-Bochum. Wir behalten uns vor, einen ausführlichen Bericht über diese Versammlung in der nächsten Nummer zu bringen. Möge der zustande gekommene Verband blühen und gedeihen zum Heile und zur Ehre unseres Glaubens. G Darmstadt, 22. Mürz. Letzten Freitag wurde Herr Rabbiner Dr. Selver neben Herrn Pfarrer Kocher und Herrn Pfarrer Waas (ersterer katholisch, letzterer evangelisch) als neu eintretendes Mitglied des städtischen Schulvorstandes eingeführt. Hierbei gedachte der Vorsitzende mit warmen Worten seines Vorgängers, des vor Jahresfrist Heimgegangener: Landesrabbiners Dr. Julius Landsberger. Die Versammlung ehrte das Andenken desselben durch Erheben voll den Sitzen. * Darmstadt, 25. März. Gestern hat sich hier unter lebhafter Betheiligung eine Vereinigung zur Abwehr des Antisemitismus gebildet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Direkor Dr. Wutckow ernannt. Die angeregten und interessanten Debatten lassen auf eine erfolgreiche Wirksamkeit in unserem von starken antisemitischen Strömungen durchsetzten Lande hoffen. Besonders fand die Anregung allgemeine Billigung, daß dem Religionsunterricht der Heranwachsenden israelitischen Jugend größere Sorgfalt zngewendet werden müsse, und zwar durch eine regelmäßige staatliche Aufsicht seitens der jüdischen Geistlichkeit. Kassel, 22. März. Am 15. April d. I. feiert der Direktor des hiesigen jüdischen Lehrerseminars, Herr Dr. Jacob Stein, das Fest seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit als Leiter dieser Anstalt. Dr. Stein hat in Rücksicht auf die allgemeinere Bedeutung, welche einer solchen Feier gewöhnlich beigemessen wird, einen Bericht über seine Amtsthätigkeit in den letzten 25 Jahren erscheinen lassen. Der Bericht bildet zugleich eine kurzgefaßte Geschichte des Seminars und enthält zahlreiche interessante Einzelheiten. Statistisch sei erwähnt, daß während des genannten Zeitraums 106 Lehrer auf dem Seminar ausgebildet worden sind, von denen noch 102 ihre Thätigkeit ausüben; 86 Lehrer haben während dieser Zeit ihre zweite Lehrerprüfung am hiesigen Seminar abgelegt. Im laufenden Schuljahr wird das Seminar von 24 Zöglingen und einem Hospitanten besucht, von denen 6 und ein Hospitant zu Ostern entlassen werden. In der mit dem Seminar verbundenen Elementarschule sind in den 25 Jahren 219 Schüler und Schülerinnen unterrichtet worden, die theils der Gemeinde, theils dem israelitischen Waisenhause angehört haben. Oesterreich - Ungarn. w Wien, 22. März. Zu dem Artikel: „Der Rabbiner der Zukunft", 9tr. 11 der „Allg. Ztg. d. Judenth.", sind wir in der Lage, darauf hinzuweisen, daß ein derartiges Verhältniß seit dem Bestehen der neuen Schulgesetze bei uns in Oesterreich vorhanden ist. Im Kreis-, Bezirks- und Landesschnlrath müssen nach dem bestehenden Gesetz Vertreter der Konfessionen als solche Mitglieder dieser Körperschaften fernwas uns Juden betrifft, so wählen die Vorsteher der Gemeinden die Vertreter. In großen Gemeinden, wie in Wien und Prag, wählen die Vorstände ein Mitglied aus ihrer Mitte, da viele Herren auf dieses Ehrenamt aspiriren. Hingegen sitzt im Landesschulrath für Ober- Oesterreich, in Linz, der Rabbiner im Landesschulrath. Es mag auch hervorgehoben werden, daß die Zahl der Bekenner der betreffenden Konfession nicht maßgebend ist. Sv ist, um bei Ober-Oesterreich stehen zu bleiben, die Zahl der Juden daselbst eine verschwindend kleine, und doch haben die Katholiken wie die Juden nur einen Vertreter in den genannten Körperschaften. K Wien, 23. März. Im vorigen Jahre berichtete ich, daß der Vorstand beschlossen habe, die Uebersetzung der Bibel im Urtext in den Lehrplan wieder aufzunehmen. Vor 12 Jahren hat nämlich der Vorstand beschlossen, da sich mehrere Mitglieder der Gemeinde gegen diese Disziplin ausgesprochen hatten, sie aufzuheben und statt derselben hebräisch Lesen verbunden mit Siddurlektion und der Uebersetzung der wichtigsten Gebetstücke einzuführen. Dieser Unterricht schloß mit der zweiten Klasse der Mittelschule. Im Laufe der Zeit zeigte sich dieser Unterricht als fruchtlos. Nur zwei Schüler konnten hebräisch lesen, die voni Hause unterstützt wurden. Wo das nicht der Fall war, da hatten die Abiturienten der Mittelschulen das Hebräischlesen bereits vergessen, da sie es nur in den untersten zwei Klassen übten. Nun erhob sich aber neuerdings Opposition gegen dieses Vorhaben. Der Beschluß wurde daher zunächst sistirt. Die Unhaltbarkeit des jetzigen Zustandes zeigte sich jedoch aufs Neue. Der Vorstand hat daher den Gegenstand aufs Neue berathen und gestern wurde beschlossen, vom nächsten Schuljahre den Unterricht der Bibel im Urtext, bis inklusive der obersten Gymnasialklasse wieder aufzunehmen. Hoffentlich gestatten Sie mir, auf diesen Gegenstand zurückzukommeu. Ich halte diesen Beschluß als ein vorzügliches Angebinde, mit welchem der Vorstand die Gemeinde zu Wien beschenkte. * Wien, 24. März. Vor dem Landesgerichte als Preßgericht unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. v. Holzinger und in Anwesenheit des Staatsanwaltes Oberlandesgerichtsrathes v. Soos erhob gestern Dr. Porzer Namens des Verlegers Johann Heindl gegen die Beschlagnahme derBroschüre „Gottesfeinde undVolksbrüder" von Conrad v. Bolanden Einspruch. Der Staatsanwalt begründete dann die Beschlagnahme in folgender Weise: Die Schrift sei mit der Tendenz geschrieben worden, um die Bauern auf die jüdischen Bedrücker aufmerksam zu machen, und daher werde immer allgemein von der Judenschaft gesprochen. Es sei klar, daß, wenn ein solches Druckwerk in Massen auf dem Lande verbreitet werde, die Bauernschaft gegen die Juden aufgereizt würde. Der Gerichtshof gab dem Einspruch nicht statt, weil eine Reihe von höchst verwerflicheil und gehässigell Eigenschaften den Juden überhaupt zur Last gelegt werden. * Wien, 25. März. Der hiesige „Bet ha-Midrasch" veröffentlicht seinen Rechnungs-Ausweis, sowie den Bericht über die Vorlesungen im geschlossenen Semester. Die Vorrede des Berichtes enthält nachstehende Mittheilungen über das neu zu begründende österreichische Rabbinerseminar. „Die Bemühungen unseres Vereins seit den letzten Jahrell, den Wirkungskreis des Bet Ha-Midrasch zu erweitern, denen die Regierung fördernd und wohlwollend entgegenkam, werden bald ihr Ziel erreichen, und zwar durch die Hochherzigkeit und warme Begeisterung der Herren Wilhelm nnd^David Ritter von Gntmann für das Judenthum und die jüdische Wissenschaft. Dieses edle Brüderpaar, hochgeehrt auch außerhalb der Wiener Kultusgemeillde wegen seiner großartigen Wohlthätigkeit mtb seiner vielseitigen Förderung alles Guten, hat vor mehr denn einem Vierteljahrhundert viel zur Gründung des Bet Ha-Midrasch materiell und moralisch beigetragen, war während dieses langen Zeitraumes ununterbrochen für das Gedeihen desselben durch feinen Besitz und seinen Einfluß erfolgreich thütig und hat seinem wirksamen Interesse für die Pflege jüdischer Wissenschaft und für die würdige Vertretung der Kultusgemeinden durch gelehrte Rabbiner die Krone aufgesetzt, indem es der Errichtung einer Lehranstalt zur Heranbildung von Rabbinern und Religionslehrern eine jährliche Subvention von 10,000 fl. zusicherte. Es ist nun ein Komitee niedergesetzt worden, um über diese für die Juden in Oesterreich hochwichtige Angelegenheit zu berathen, einen Organisationsplan zu entwerfen unb die uöthigen Schritte zu unternehmen, damit die Regierung diese jüdische Fakultät anerkenne. In diesem Komitee sind die Herren Brüder von Gutmann, der Vorstand

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