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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-03-27 · Heft 13 (27.3.1891) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 13 (27.3.1891)
Date
1891-03-27
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Gelehrtenkreis ist nicht so weit, daß man ihn verengen könnte. Daran laborirte die Monatsschrift bis heute. Ihr Hauptziel war die HWnfchaft, und da konnte sie weder Neues noch Gutes bieten. — Aber auch gesellschaftlich änderte sich die Lage. Der Streit zwischen Orthodoxen und Neologen spitzte sich immer mehr zw der Antisemitismus faßte Wurzel in den nichtjüdischen Kreisen Ungarns; es mußte nach Innen und Außen gekämpft werden, die schärfere Tonart in vornehmer Form mußte eingeführt werden und dieser entsprach die bis nun verkündete Tendenz der Monatsschrift nur im geringen Maße. — In Folge dieser Umstande, sodann in Folge wissenschaftlicher Ueberbürdung des.einen, geschwächter Gesundheit des anderen Redakteurs ging die „Ungarischjüdische Revue" mit Anfang dieses Jahres in die Hände junger, streitbarer Kräfte über. Dr. Blau, die jüngste Lehrkraft der Budapester Rabbinerschule, ist als bedeutender Talmudist und durchdringender Forscher der Redakteur des wissenschaftlichen Theiles, Dr. Pkezey als Jurist und Stylist gleich hochbegabt, leitet den zweiten Theil. Schon in der Anordnung bekundet sich die neue Tendenz. Die ersten Spalten füllt „Die Gesellschaft", die folgenden „Wissenschaft und Litteratur", dann kommen die „Auswärtigen Nachrichten", diesen folgen die „Urkunden-Sammlung" und schließlich „Kleinere, verschiedene-Mittheilungen". — Das Januarheft der neuen Redaktion brachte an erster Stelle die mit Recht Aufsehen erregende Zuschrift der israelitischen Landeskanzlei an das Rabbinat zu Preßburg, weiters bemerkenswerthe Forderungen in Betreff des jüngst im ungarischen Landtag angenommenen Gesetzes über die Sonntagsruhe von Dr. Mezey und eine geistreiche Rundschau ans derselben Feder. — Der wissenschaftliche Theil bringt Neubauers Artikel über die Quadratschrift der biblischen Handschriften, Dr. Blau bespricht die Ergebnisse des Jahres 1890 auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft. Diesem Artikel folgen gelungene Uebersetzungen einiger Gedichte Juda Halevrs. Dr. Kayserling schildert in trefflicher Weise die Verdienste des unersetzlichen Joel. Mehrere Briefe, Urkunden und sonstige kleine Nachrichten beschließen das Ganze. — Ungleich reichhaltiger, man möchte sagen zu reichhaltig ist das Februarheft. An erster Stelle glänzt ein Schreiben Zadockkahn's über die angestrebte Friedensstiftung im Lager der ungarischen Juden. Ein ausgezeichneter Leitartikel über die Lage folgt ihm, der die neueste Rabbinerversammlung bespricht, die, aus acht Orthodoxen bestehend, die Möglichkeit eines Zusammengehens der beiden Parteien zu ihrem Gegenstände hatte, doch resultatlos verlief. — Dr. Ludwig Steiger stellt in einem anziehenden Artikel über jüdische Musik den höchst beachtenswerten Antrag, 'entsprechend den jüdischen Tempelgesängen auch die vielen herrlichen Hansgesänge der Vergessenheit durch Sammlung zu entreißen. Dr. Mezey's Rundschau ist in jeder Beziehung klassisch. Selbstbewußt, nicht kriechend, offen, doch nicht rauh, etfreut sie Geist und Herz. — Dr. Schwarz-Karlsruhe bespricht homiletisch zwei Sagen von Mose: die Pharaokrone und den Kohlenbecken. Rabb. Dr. Vajda referirt über die ungarisch-jüdische Litteratur der verflossenen zehn Jahre. Höchst iuteressant ist Alexander Büchler's Artikel: „Aus der Vergangenheit der Pester israelitischen Gemeinde", in dem er das Leben und Wirken der Rabbiner Wahrmann und Schwab schildert. Dr. Blau giebt einen Auszug des trefflichen Werkes von Kayserling: „Dr. W. A. Meisel. Ein Lebens- und Zeitbild". Rabbinatskandidat Dr. Adolf Büchler rezensirt eine schwache Uebersetzung des Mischle- Buches ins Ungarische und Dr. Blan die „Geschichte der jüdischen Gemeinde in Temesvür" von Dr. Moritz Löwy. — Was den deutschen Gelehrten noch immer nicht gelungen ist, durch schöne Uebersetzungen den jüdischen Dichtern des Mittelalters weiteste Anerkennung zu verschössen, glückte in Ungarn. Die Uebertraguugen des dichterisch beanlagten Rabbiners Dr. Kecskemöti haben im Kreise der ungarischen Litteratur Aufsehen erregt. Auch dieses Heft bringt ein Gedicht Jbu Gabirols über die Seele von dem genannten Uebersetzer. dem sich Herr Makai mit einzelnen Gedichten Juda Halevi's würdig anschließt. — Briefe aus Berlin (Dr. Maybaum), Rußland, mehrere Urkunden und sonstige Nachrichten beschließen das Heft. — Nur diese letzte Rubrik möchten wir gern erweitert sehen, ähnlich den „Miscellen" der „Allgem. Zeitung des Judenthums", und schließen nüt dem Wunsch, daß die Herren Redakteure unentwegt ihr ersprießliches Wirken fortsetzen mögen zur Hebung und Fortbildung unserer Glaubensbrüder in Ungarn. Rabbiner Dr. Ziegler. $ ----- Ludwig Philippson's belletristische Schriften, welche weiteste Verbreitung, auch in fremdsprachlichen Uebersetzungen, gefunden haben, werden jetzt in vollständiger Sammlung erscheinen, deren Anordnung der Sohn des Verstorbenen. Professor Martin Philippson, übernommen hat. Die Sammlung, welcher der Herausgeber eine biographische Einleitung beigeben wird, bringt auch manches bisher noch Ungedruckte. Die hohen Vorzüge der Philippson'schen Dichtung — edle, ideale Auffassung, lebendiger Sinn für die großen historischen Momente, Begeisterung für alles Schön in der Natur und Menschenwelt, Schwung und Reinheit der Sprache — machen seine Novellen und Romane, epischen und lyrischen Poesien nicht nur beit Glaubensgenossen des Verewigten, sondern auch dem deutschen Publikum im Allgemeinen zu einer willkommenen Gabe und erscheinen als eine wahre Bereicherung der Litteratur. Diese Ausgabe von Philippson's Romanen, Novellen rc. wird im Verlag von Schottländer in Breslau in ca. 60 Lieferungen ä 40 Pf. erscheinen. Die Sammlung beginnt mit dem Roman Jacob Tirado, dann folgen: Sephoris und Nom, Novellenbuch, Dramatisches und Episches. ¥ — Alwin Dolfe: „Verewige Jude." Trier, 1891. Eine Ansprache an Viele, wenn nicht an Alle, nennt der Verfasser diese kleine Broschüre gegen den Antisemitismus. Nun, wir wünschen in der That, daß sie von Allen gelesen und beherzigt würde. Von den Juden, weil sie ihnen Material zu Kampf und Verteidigung giebt, von den Gegnern, weil sie deren Beschuldigungen in ruhiger, klarer und sachgemäßer Weise widerlegt. „Der Jude als Prügelknecht", „Die Wahrheit von des Juden Macht", Die Wahrheit von des Inden Reichthum", Die Wahrheit vom Schachergeist der Juden", „Bekenntniß und Abwehr", „Die Allgriffe gegen den Talmud", „Die Juden als Deutsche", „Die Parteistellullg der Juden", so lauten die Ueberschrifteu der einzelnen Kapitel, in denen der Verfasser dieser vortrefflichen Arbeit die schwerwiegendsten Angriffe gegeil Juden und Judenthum aus historischen, ökonomischen iiub ethischen Gründen in lichtvoller und entschiedener Weise zurückweist. Wir empfehlen die kleine Broschüre, die sich auch ihrer Billigkeit wegen gallz besonders zur Massenverbreitung eignen dürfte, allen Denjenigell, welche den Kampf gegen die Hydra des Antisemitismus zu führen genöthigt und geneigt sind. S. --- Meyers Konversations-Lexikon, von dem seit Jahresfrist die vierte Auflage in 16 Bänden und einem Ergänzungs-Registerband vollständig vorliegt, beginnt jetzt, sich bis auf die jüngsten Tage zu ergällzen und zwar durch das Erscheinen des Ersten Iah res-Supplements, (Leipzig und Wien, Bibliographisches Jlistitut. 16 Lieferungen zu je 50 Pf. --- 30 Kr., bezw. 1 Band zu 10 Mk. --- 6 Fl.). In Art, Umfang und Form sich genau den Bänden des Hauptwerkes anschließend, hat dieses Jahres-Supplement, ein Lexikon des Jahres 1890, den Zweck, den Besitzer des Hauptwerkes in erschöpfendster Weise über alle in dieserZeit aufgetauchten Fragen und Neuerungen aufdem Laufenden zu halten und somit das kostbare Werk vor dem Veralten zu bewahren, indem es theils in umfangreichen Artikeln die politischen Geschehnisse, die Entdeckungen und Erfahrungen auf allenGebieten der Wissenschaft undTechnik, die Entwickelung der Kunst, der Litteratur, des Handels und der Gewerbe, wie alle Fragen, welche Gegenwart beschäftigen, zusammenfaßt, theils in kurzen Notizen die Artikel des Hauptwerkes ergänzt itnb nachträgt. Auch über Juden und Judenthum dürfte dieser Supplement-Band eine Anzahl wichtiger Artikel bringen, deren unparteiische Behandlung hoffentlich erkennen läß;, wie werthvoll, ja nothwendig solch ein Jahres-Supplement für den Besitzer des Meyer'schen oder irgend eines andern Konversations-Lexikons ist Und nicht nur für diese! Die überaus umsichtige, sorgsame Redaktion und die Mitarbeiterschaft zahlreicher hervorragender Fachmänner giebt ihm zugleich den Werth einer selbständigen Jahres-Revue in encyklopädischer Form wie wir sie sonst nicht besitzen, und die das denkbar beste Nachschlagebuch für alle diejenigen bildet, welche sich über die Vorkommnisse des letzten Jahres zu unterrichten angewiesen sind. Meyers Konversaticms- Lexikon, über dessen hohen Werth wir uns wiederholt auszusprechen Gelegenheit hatten, erhält damit eine Fortführung, die es wiederum weit über ähnliche andere Werke erhebt, und für welche die zahlreichen Besitzer des nutzbringenden Schatzes der Verlagshandlung aufrichtigen Dank wissen werden. Druck und Verlag von Rudolf Mojje in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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