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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-03-20 · Heft 12 (20.3.1891) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 12 (20.3.1891)
Date
1891-03-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 sammlung durch Erheben von den Plätzen zustimmte. Darauf wurde Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft erstattet, welcher ergab, daß die Anzahl ca. 750 beträgt, der Gesellschaft namhafte Geschenke au Theil geworden, und daß dieselbe durch verschiedene Stiftungen bedacht worden ist. Das Ergebnis der Wahl ergab Wiederwahl des bisherigen Vorstandesall Stelle des verstorbenen Kassirers wurde dessen Sohn H. Julius Bodenstein einstimmig gewählt. * Berlin, 17. März. In der Reichstagss itzung vom 13. d. beschwerte sich der Abg. Lieb ermann v. Sonnend erg über das Vorhandensein von Juden im Konsulatspersonal. Das Haus nahm die Mittheilung des Präsidenten, daßNiemaud zu einer Elltgegnung ums Wort gebeten habe, mit Heiterkeit auf. Aber Herr Liebermann v. Sonnenberg hat an der stillen Heiterkeit des Parlamellts in der Freitagssiyung, in welcher er neben den Jilden im Konsulardienste auch die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" vor das Forum des Reichstags brachte, nicht genug gehabt, und hat darum gestern wieder das Wort ergriffen. Diesmal waren es die Frankfurter Inden, die ihm Schmerz bereiteten. Frankfurt habe zu viel Postanstalten, Cassel zu wenig, so klagte der „wilde" Antisemit. Frankfurt werde nächstens wohl noch mehr Postanstalten bekommen, denn die zahlreichen Einwohner jüdischer Abkunft verständen es sehr gut, ihre Wünsche zur Geltung zu bringen. Offenbar hat Herr Liebermann im Augenblick übersehen, das; in Cassel auch Juden wohnen. Doch noch mehr der Klagen. In Ostfriesland sei ein junger Postbeamter Sommerburg strafversetzt worden, weil er in einer sozialdemokratischen Versammlung auf den Zusammenhang zwischen Judenthum und Sozialdemokratie hingewiesen habe. Das sei durchaus berechtigt, denn die geistigen Väter der Sozialdemokratie, Lassalle und Marx, seien Juden gewesen, und auch ein grober Theil der jetzigen Nährväter' der Sozialdemokratie feien Juden; es würden der Sozialdemokratie bedeutende Vermächtnisse von Juden gemacht- Herr Singer sei der Großalnwsenier der Sozialdemokratie. — Herr Direktor Fischer vom Neichspostamt fertigte den Querulanten mit der kurzen Bemerkung ab, daß bei der Frage, ob eine Postanstalt eingerichtet werden soll, weder Nücksichten semitischer noch antisemitischer Naturmaßgebend sind. (Beifall.) — Das paßte dem Herrn natürlich nicht, und er fand sich mit der seiner Partei eigenen Wahrheitsliebe plötzlich veranlaßt, zu erklären, daß in seiner Nede von semitischen oder antisemitischen Gesichtspunktelt überhaupt nichts vorgekommen sei. Diese Erklärung wurde mit dem gebührenden Gelächter belohnt. LQ Breslau, 15. März. DieJahresberichte der Neligionssch ulen der hiesigen Synagogen - Gemeinden sind erschienelt. Der 48. Bericht der ,/Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt," der diesmal von Herrn Rabbiner Tr. Knoller herausgegeden ist, giebt zunächst der Trauer über den Heimgang des unvergeßlichen Joel Ausdruck. Dem Bericht selbst entnehmen wir Folgendes: Der Unterrichtsgang der Anstalt ist während des abgelaufenen Schuljahres uilverändert geblieben. Außer Herrn Dr. Knoller unterrichten gegenwärtig die Herren Schönfeld, Dr. Walter und Dr. Freudenthal. Am Konfirmaudenunterrich t haben 40 Knaben theilgenom m en. Die Anstalt hatte am Ende des vorigen Schuljahres eineil Bestand von 319 Zöglingen, zu denen 141 hinzutraten, so daß im Galtzen 460 unterrichtet worden sind, — In gleicher Weise weist die Religions-Schule, welche unter der Leitung des Herrn Dr. Samuels ohn steht, eine erhöhte Thätigkeit aus. Das alte Schuljahr hatte mit 205 Schülerir und Schülerinnen abgeschlossen. Im Laufe des gegenwärtigen wurden 104 neue ausgenommen, sodaß in den acht Klassen der Anstalt 309 Schüler und Schüle rinn en unterrichtet wurden. Im Laufe des Wintersemesters mußte wegelt Ueberfüllung die Vorbereitungs-Klasse getheilt werden, ein Umstand, der wegen des Raummangels viele Schwierigkeiten verursachte. Durch einen neuen Klassenraum, den die Gemeindebehörden der Anstalt bewilligt haben, werden die entstandenen Mißstände beseitigt werden. ■9IEr Gleiwitz, 16. Mürz. Der Frauenverein der hiesigen Synagogen-Gemeinde, über dessen Stiftungsfest wir jüngst Mittheilung machten, hat seinen Bericht für das Jahr 1890 herausgegeben. Derselbe weist eine erfreuliche Thätigkeit auf. Der Verein gab an 25 Wittwen Monatsnnterstühungen, an 10 Wittwen vierteljährliche, der Jungfrauenverein in Breslau erhält einen Quartalsbeitrag von 10 M. 20 Pf. und hat dafür der Frauenvereiu zu Gleiwitz die Vergünstigung, Mädchen, die derselbe nach Breslau schickt, unentgeltlich die Schule und das Seminar besuchen lassen zu können. An 18 verschämte Arme wurden größere Unterstützungen gegeben, 6 Wöchnerinnen erhielten Pflegegeld, 40 Kranke bekamen Unterstützungen zu Badereisen, 6 Bräute wurden mit Aussteuerbeiträgen bedacht, 2 Mädchen wurden in diesem Jahre zu Kindergärtnerinnen ausgebitdet und sind dieselben bereits in Stellung, 1 Mädchen beendet den Krtrsus am 1. April 4 Mädchen besuchen die höhere Töchterschule, 7 Mädchen erhalten Handarbeitsunterricht und 1 Mädchen widmet sich dem Putzfach. Eines der Mädchen, das mit seiner Mutter nach Breslau verzogen ist, besucht durch unsere Verwendung beim Jungfrauenverein eine höhere Töchterschule und erhält, um dort Nachkommen zu können, unentgeltlich Privatstunden in Sprachen. Ein Mädchen hat sich in der Schneiderei in Berlin vervollkommnet, und ein Mädchen wird dort im Letteverein zur Kindergärtnerin ausgebildet und Beide werden vom Frauenvereiu hier weiter unterstützt. Der Kinderheilanstalt in Königsdorff-Jastrzemb wurde ein größerer Beitrag überwiesen. Im Ganzen betrugen die Ausgaben des Vereins im Jahre 1890 2180 Mark. 6. Cassel, 12. März. Am 1. d. M. hielt die hiesige Gesellschaft „Humanität" im Hanusch'schen Saale ihre 88. Jahresversammlung ab. Die Gesellschaft wurde unter dem Namen FH2PI am 21. November 1802 durch den verewigten Dr. med. L. A. Liffmann ins Leben gerufen und ist ohne Zweifel der älteste unter den in Deutschland bestehenden Vereinen ähnlicher Tendenz. Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Herr Jacob Wallach, begrüßte in herzlicher Ansprache die zahlreiche Versammlung und gab daun eine Uebersicht über die Vereiusthätigkeit im Jahre 1889.90, welche durch Miltheilung der Details und des Rechenschaftsberichts von dem feit 32 Jahren in treuer Thätigkeit feines Amtes waltenden Sekretär, Herrn Nathan Katzenstein, vervollständigt wurde. Wir entnehmen diesen Berichten die folgenden Daten. Der Verein, welcher zunächst für beit Regierungsbezirk Cassel gestiftet ist, ohne aber den Anforderungen, welche aus andern Theileu des Landes au ihn gestellt werden, sich zu entziehen, zählt jetzt 234 Mitglieder. Es wurden von ihm im abgelaufenen Jahre unterstützt: 29 Handwerkslehrlinge durch Gewährung von Lehrgeld, Bekleidung , Unterricht n.; Stipendien wurden gewährt an 6 Zöglinge des jüdischen Lehrerseminars Hierselbst und cm 3 Studirende; Beihilfen erhielten Techniker und Elektrotechniker, Zöglinge der Kunstgewerbeschule und der Webeschule zu Crefeld, einige Wittwen und bedürftige Familien zu den Erziehungskosteu ihrer Kinder, sowie invalide Handwerker oder Haudwerkerwittwen. Etablirteu Handwerkern wurden Handwerkszeug und Hilfsmaschineu verschafft und ihnen, wo erforderlich, Baarkredit eröffnet. Wie man sieht, ist es in erster Linie die Förderung des Handwerks und des Kuustgewerbes, welche der Verein, seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß, ins Auge faßt. Sämmtliche von Vereinswegeu Unterstützte erfreuen sich der unausgesetzten Aufsicht und weiteren vorsorglichen Förderung durch den Vorstand. Die Jahresausgabe belief sich auf rund M. 4500 und die aus den Jahresbeiträgen, Zinsen, Geschenken ec. sich zusammeufetzende Einnahme beziffert sich auf rund 5000 M. Das Gesammtverrnögen des Vereins beträgt zur Zeit ca. M. 46,000. Nach der Berichterstattung ergriff Herr Landrabbiner Dr. Prager das Wort, um mit gewohnter Meisterschaft über Bibelübersetzungen, besonders die Septuaginta, zu sprechen, und entwickelte die Bedeutung der Bibel für die Vergangenheit, die Gegenwart und — die Zukunft. An das herkömmliche Seeleugebet schloß sich dann die Verlesung der Namen sämmtlicher verstorbener Mitglieder, worunter sehr" ehrwürdige und hochbedeutende Namen wehmüthige Erinnerungen zu erwecken geeignet waren. An diesen ernsten Theil des Jähresfestes schloß sich ein heiteres Mahl, das mit Toasten reich gewürzt war und die Versammlung bis zu sehr sväter Stunde zusammenhielt. Möge der schölle Verein wachsen, blühen und gedeihen und durch reich fließende Beiträge es ihm ermöglicht werden, seine stille Thätigkeit immer segensreicher zu gestalten. # München, 15. März. Der siebzigste G eburtstag unseres Prinz-Regenten ist von der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde feierlich begangen werden. Zum Festgottesdienste in der Synagoge hatte sich eine überaus große Zahl von Theilnehmern eingefunden, so daß das Gotteshaus in aücu seinen Theileu überfüllt war. Die königliche Polizei-Direktion unb die städtischen Behörden waren durch Abordnungen vertreten. Die von weihevollen Gesängen umrahmte Festpredigt des Rabbiners Dr. Perles ging von den auf König David bezüglichen Schriftworten: Psalm 78, 72: „Er weidet sie in der Schlichtheit seines Herzens und mit weisen Händen leitet er sie," ferner 2. Sam. 23, 3: „Es herrscht über die Menschen der Gerechte, er herrscht tu Gottesfurcht"

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