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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-03-13 · Heft 11 (13.3.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Prüfung di spell sirt worden. Wiederum ein Beweis dafür, daß die Juden auch Sinn für Landwirthschaft und deren Wissenschaft besitzen. — In unserer Nachbarstadt Obornik Haider „Humanitätsverein" daselbst der jüdischen Gemeinde eine werthvolle Thorarolle geschenkt. Die Uebergabe derselben an den Synagogenvorstand soll recht feierlich am 11. März er. erfolgen. Frankfurt a M., 8. März. Der Jahresbericht der „ A ch a w a " für das Jahr 1890, das sechsnndzwanzigste seit Begründung des Vereins, ist erschienen. Beigegeben ist das Bild des Heimgegangenen Mitbegründers der „Achawa", des seligen Josef Klingenstein, dem der Vorsitzende, Herr Adolf Teblee, warme Worte ehrender Anerkennung weiht. Dem Bericht selbst entnehmen wir die nachfolgenden Daten: Auch in dem abgelaufenen Jahre war der Verein bemüht, alle die an ihn gestellten Anforderungen nach Maßgabe der verfügbar gewesenen Mittel zu befriedigen. Die Zahl der Jahresunterflützung - Beziehenden betrug 59 mit 76 Theilen zu je 140 Mk.,' die Vertheilungssumme belief sich demnach auf 10,640 Mk. Unter diesen mit Jahresunterstützung Bedachten befinden sich 9 alleinstehende, theils durch Alter, theils durch Gebrechlichkeit oder Krankheit erwerblose Lehrer, 36 Wittwen (theils alleinstehend^ theils mit Kindern), 6 kinderlose alte Ehepaare, 7 Ehepaare mit Kindern und eine elternlose Waise. Außerdem verabreichte die Verwaltung aus dem Reservefonds im Laufe des Jahres an 33 einzelne Lehrerfamilien im Falle plötzlicher Erkrankung ihres früheren Ernährers oder einer augenblicklich drängenden Noth die Summe von 1875 Mk., so daß die im Jahre 1890 gebotene Unterstützung sich im Ganzen auf 12,515 Mk. beläuft. Nach Abzug der am Schlüsse des Jahres zur Vertheilung gelangten 10,640 Mk. betrügt das Gesammtvermögen bei Beginn dieses Jahres 176,050 Mk. 99 Pf. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug am Anfang des Jahres 292. Von diesen verlor der Verein 6 durch den Tod und 2 durch freiwilligen Austritt. Dagegen ist der Eintritt von 34 neuen zu verzeichnen, so daß die Zahl der aktiven Mitglieder Anfangs dieses Jahres 318 beträgt. Möge der wackere Verein sich stets zu weiterer Blüthe entfatten! * Frankfurt a. Main, 4. März. Ueber die antisemitische Agitation sprach gestern in einer stark besuchten Versammlung des demokratischen Vereins, die unter dem Vorsitz des Herrn Martin May in der Brerhalle zum Gallusthor stattfand, Herr Redakteur Schreiber. Redner geißelte unter lebhaftem Beifall der Anwesenden die Bewegung, tadelte die schwächlichen Mittel, mit welchen man gegen dieselbe vorgehe und forderte zur schärfsten Bekämpfung der Hetzbolde auf. In seiner Rede zog er Herrn Böckel besonders ans Licht und wies Punkt für Punkt die herkömmlichen Lügen dieses, wie der anderen Antisemitenführer an der Hand statistischen Materials zurück. Er schloß mit den Worten : „Käme es vielleicht dazu, daß die große Errungenschaft der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung zu Ungunsten der Juden durchbrochen würde, so wäre das nur der erste Schritt zu einer ganz gewaltigen Reaktion, dem andere reaktionäre Maßnahmen gegen andere Bevölkerungsklassen sehr bald folgen würden. Darum ist es die dringende Pflicht aller wirklich freigestnnten Männer, dieser abscheulichen Bewegung mit allen Mitteln, an allen Orten nicht nur in öffentlichen Versammlungen, sondern auch in täglichen Verkehr nach Kräften entgegenzutreten. Erfüllen Alle diese Pflicht, dann, aber auch nur dann, wird diese Schmach unseres Jahrhunderts bald ausgelöscht sein." (Langanhaltender Beifall.) Nach ihm ergriff ein anwesender Gast, Herr Löwy, das Wort in demselben Sinne, und sührte unter Anderem als Beispiel krasser Verlogenheit eine Behauptung Zimmermann's an, die „Berliner Getreidejuden" ließen das Getreide absichtlich verderben und dann mit besserem zusammen mahlen, um das deutsche Volk zu vergiften. (Heiterkeit). Zimmermann habe die dazu gebrauchte Maschine genau beschrieben) Redner habe aber von technischer Seite die Versicherung erhalten, daß solche Maschinen überhaupt nicht existirten. Einem Antisemiten, der gleichfalls mit den alten kriminalistischen Unwahrheiten kam, habe Redner die Unhaltbarkeit derselben vorgehalten, worauf der Mann antwortete: „Wissen Sie, darauf kommt es schließlich nicht an; die Hauptsache ist, daß es die dummen Bauern glauben, der Zweck heiligt das Mittel!" (Hört, hört!) Das ist sehr bezeichnend für die Herren. Ein besseres Urtheil über ihre eigene Agitation können sie gar nicht fällen. (Beifall.) M. L. Elberfeld, 9. März. Vergangene Woche hielt in dem vor einigen Monaten hier gegründeten „Mendelssohn-Verein" der Vorsitzende des Vereins, Herr Hermann Strauß, einen Vortrag und zwar über den berühmten Weltweisen, dem zu Ehren und nach dessen Namen der Verein benannt wurde — über Moses Mendelssohn. Das schöne Lebensbild, das der Vortragende in gut stilisirter Rede zeichnete, führte den großen Philosophen und deutschen Klassiker, den Förderer der Humanität, der Kultur und Aufklärung, als welcher er unter feinen Glaubensbrüdcrn gewirkt, seinen Zuhörern — unter denen sich auch viele Damen befanden — klar vor Augen. Der Vortrag, welcher nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnet war, fand den ungeteilten Beifall der Versammlung, die dem Vortragenden durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Dr. med. Apfel, herzlichen Dank aussprechen ließ. An der an den Vortrag sich knüpfenden Diskussion betheiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Auerbach, Ehrenvorsitzender des Vereins, Redakteur Mannsbacher und A. Erstgenannter — der vor Kurzem noch einen interessanten Vortrag über den Talmud gehalten — gab namentlich eine ausführliche Erklärung über die Kabbala. Den nächsten Vortrag hat Herr Dr. med. Apfel übernommen. Es ist erfreulich, daß auch hier, wie überall, sich jetzt das Bestreben kund giebt, jüdische Litteratur und jüdisches Wissen in weilen Kreisen zu beleben und zu verbreiten. * Hanau, 8. März. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel, der gestern in Windecken bei Hanau eine Antisemitenversammlung abhalten wollte, erregte durch die Bekanntgabe, daß nur Gesinnungsgenossen Einlaß haben sollten, einen derartigen Tumult, daß die Versammlung nicht stattfinden konnte. Als der Ruf „diese Bande" ertönte, erfolgten stürmische Auftritte; Böckel wurde von den Gendarmen aus dem Saal geleitet, feine Anhänger wurden später thätlich angegriffen. Schließlich sah sich der Bürgermeister genöthigt, militärischen Schutz zu requiriren. Von Hanau kam in einem Extrazug Militär an 40 Mann blieben bis heute Bormittag in Windecken. — Böckels Rückzug glich einer Flucht. Hameln, 5. März. Der folgende fast unglaubliche Vorgang ist von hier zu berichten: Ein Religionslehrer, welcher vor ca. 19 Jahren unter einem Kontrakt, durch welchen den Kontrahenten das Kündigungsrecht zustand, seine Stellung antrat, bat vor längerer Zeit die Königliche Negierung um Aufbesserung seiner Lage durch definitive Anstellung. Die Königliche Regierung gab diesem Gesuche Folge und machte dem Vorstand der Gemeinde die Mittheilung, daß, falls seitens derselben bis zum 1. April eine Kündigung nicht erfolge, derselbe von Seiten der Regierung als fest angestellt betrachtet würde. Und nun geschieht die fast unglaubliche Thatsache. Die Gemeinde be» schließt, dem Lehrer mit seiner geistesschwachen Frau und sechs unmündigen Kindern nach neunzehnjähriger treuer Dienstleistung zu kündigen, das heißt den Lehrer, da selbiger bereits alt und kränklich, schwerlich anderweitige Stellung erlangen wird, dem Elend preiszugeben. Dies Verfahren sei hiermit dem öffentlichen Urtheil unterstellt! Oesterreich-Ungarn. Wien, 10. März. Die Reichsrathswählen bringen also im Ganzen 15 Antisemiten in den österreichischen Reichsrath; davon entfallen 2 auf Schlesien und alle übrigen auf Wien und Niederösterreich. Das ist ein recht trauriges Resultat. Und die Regierung wird alle Mühe haben, die Geister, die sie zwar nicht gerufen hat, aber doch gewähren ließ, jetzt wieder zu bannen. Auch einige Juden sind wieder in den Neichsrath gewählt, so Dr. Bloch in Kolomea, Dr. E. Byk in Brody, R. Luzzatto in Triest, Ad. Schwab in Neichenberg. Dr. Jacques in Wien. Auch bei einigen Handelskammerwahlen dürften noch jüdische Kandidaten gewühlt werden. Ein Glück, daß die deutsch-liberale Partei ungeschwächt in den Neichsrath kommt; an ihr wird es sein, der wüsten antisemitischen Agitation entgegenzutreten. Einige antisemitische Hauptschreier, wie Türk, Vergani u. A., sind übrigens bei den Wahlen durchgefallen. * Wien, 9. März. Die Handelskammer zu Brody lud die übrigen Handelskammern zu gemeinsamer Aktion ein wegen der hermetischen Abschließung Rußlands gegen jüdische Kauf len te, die behufs Bewerkstelligung von Einkäufen dorthin reisen wollen und deren Pässen von den russischen Konsulaten das Visum verweigert wird. * Budapest, 27. Februar. Im Landes-Rabbinerseminar wurden gestern zwei junge Theologen, Dr. Joses Klein und Dr. Eduard Rosenberg zu Rabbinern geweiht. Die Feier begann um 11 Uhr im glänzend beleuchteten Tempel der Anstalt, den ein destinguirtes Publikum füllte. Anwesend waren eine Deputation der Marczalier Gemeinde, Prediger Dr. Kohn, der Nagy-Becskereker Rabbiner Dr. Klein, der Arader Rabbiner Dr. Rosenberg u. A. Die Weiyrede hielt Dr. Klein

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