Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1891)
- Date
- 1891-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 der betonte, daß die jungen Rabbiner nicht vergessen sollen, daß sie in erster Linie Ungarn seien und sie ermahnte, das gute Einvernehmen zwischen den Konfessionen zu fördern. Mit einem Segensspruche überreichte dann Direktor Bloch den Geweihten das Diplom, worauf dev Chor den Hymnus vortrug. Dr. Josef Klein geht als Rabbiner nach Warczali, Dr. Rosenberg nach Alt-Kanisza. ' Frankreich. .. ® Paris, 4. März. Die Probepredigten im Tempel der Uno de la Victoire werden in den nächsten Tagen beginnen. Wie das Konsistorium bekannt macht, wird Herr Jsaac Levy, Oberrabbiner von Bordeaux, am Sonnabend, den 7. März, und Herr Dreifuß, der. belgische Oberrabbiner, am Sonnabend, den 14. März, sprechen. . Rußland. ' - Petersburg, 5. März. Die von der Staatsregierung eingesetzte Spezial-Kommission zur Regulirung der Judensrage hat eine weitere Beschränkung der Rechte der Juden in Ausübung von Handelsunternehmungen und Handwerk im Königreiche Polen und den westlichen Gouvernements Rußlands beschlossen. Der bezügliche Entwurf soll bereits die staatliche Genehmigung erlangt haben. f U Von Nah und Fern. — D i e Be rt h eil ung der Zinsen aus der Erbschaft, welche der jüdischen Gemeinde aus dem Nachlaß des Dr. Ephraim zugeflossen ist, hat nunmehr begonnen. Herr Justizrath Meyer hat Namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde denjenigen Vereinen, deren Gesuche berücksichtigt sind, eine Weisung zur Abhebung der überwiesenen Beträge zugehen lassen. Die jüdische Gemeinde ist nach denl Testament verpflichtet, ans den Zinsen der Erbschaft humanitäre Bestrebungen ohne Rücksicht auf Religion zu unterstützen.— HerrSanitätsrath Dr. Julius Boas, Ausschußmilglied des Deutsch - israelitischen Gemeindebundes, sowie Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, ist zum Geheimen Sanitätsrath ernannt worden. — Am Sonntag, den 8. dieses Monats feierte das Ioft'sche Ehepaar in der Synagoge deü Gemeinde B'ne B'rith das Fest der goldenen Hochzeit. Der Rabbiner Dr. Kroner hatte die Einsegnung des Jubelpaares, der königliche Musikdirektor Rosenfeld die Leitung der Liturgie übernommen. — Eine „kleine Verwechselung" ist jüngst dem Proselytenverein (Judenbekehrungsverein) bei seinem Jahresfest passirt. Der Verein hatte zum Festprediger den Domhilfsprediger Koch ausersehen, der gleich dem Verein den Juden gegenüber sehr versöhnlich denken soll. Durch ein Versehen kam jedoch die Einladung in die Hände des in der Elisabethgemeinde wirkenden Predigers Koch, der die Einladung annahm unb zum Entsetzen der Vereiusmitglieder auf das „sich selbst für den Messias haltende Judenvolk" losdonnerte. Die Einnahmen des Vereins vermindern sich stetig. — Bezüglich der wegen Majestätsbeleidigung beschlagnahmten antisemitischen Zeitschrift erfahren wir noch Folgendes: Das Manuskript des Artikels, in welchem die Beleidigung gefunden wird, ist von der Jenaer Polizei bei dem Herausgeber der Monatsschrift, dem russischen Unterthan Schriftsteller Erwin Bauer, zur Zeit in Jena, beschlagnahmt worden. Wie mitgetheilt wird, hat sich Bauer als Verfasser des fraglichen Artikels, welcher die Entlassung des Grafen Waldersee behandelt, bekannt. Das sind die Vertheidiger des „Deutschthums". — Im Magdeburger Bezirksverein „Kaiser Friedrich" hielt der zweite Vorsitzende Herr M e i n e ck e einen bemerkenswerthen Vortrag über „die Antisemiten im Lichte des Ehristenth nms, des Rechtes und der Moral". — Am 20. März feiert Herr- Kantor T i n t n e r in Bunzlau das Fest seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit. — In der hochdeutschen Jsraelitengemeinde zu Altona^ fand heute die Wahl eines Vorstandsmitgliedes und dreier Gemeindevertreter statt. Sowohl, das ausscheidende VorstandsmiE glied Regierungsrath Dr. Pieck, als auch bie Gemeindevertreter' H. Jsäacs, W. I. Möller unb M. Wiener wurden wieder gewählt. Die auf den 1. März in Neunkirchen seitens der Volkspariei einberu-§ fene Versammlung, in der Herr Rechtsanwalt Dr. Kohn aus Dort-' mund sprechen sollte, wurde polizeilich aufgelöst. In Dndweiler hatte Herr Kohn unter großem Beifall unbehelligt gesprochen, während ' in Munkirchen eine Anzahl halbwüchsiger Buben durch fortwährendes „Hepp-Hepp"-Rnfen einen solchen Höllenlärm vollführten, daß es nicht möglich war, zu einer geordneten Abhaltung der LDrsammlung zu gelangen. — Die „Kreuzzeitung" hatte die Justizbehörden aufgehetzt, gegen den Landrichter Dr. Lieb ma nn in Frankfurt a. Main Anklage zu erheben, weil derselbe „nach berühmtem Muster einen Falscheid geschworen habe. Frankfurter Blättern zufolge hat Dr. L. den Spieß umgedreht und gegen die „Kreuzzeitung" einen Strafantrag gestellt. — Der Vorstand der israelitischen Religronsgemeinde Darmstadt hat durch das Grobherzogliche Kreisamt Anzeige bei der Großherzoglichen Staatsanwaltschaft gegen den Redakteur des „Landwirth und Bienenzüchter", Herrn Adolf Theiß, wegen § 166 des St.-G.-B. (Beleidigung einer Religion rc.) erheben lassen. — In Nürnberg haben zwei Mittheilhaber der Gerbereifirma Elias Kohn 200,000 Mark zur Errichtung einer Stiftung für ihre Arbeiter bestimmt. — „Gruß dem Kaiser," ein vierstimmiger Gesang von Alex. Levy in Hagenau (Elsaß) ist in Leipzig erschienen. Ein Straßburger Blatt sagt darüber: Die Musik ist stimmungsvoll und majestätisch angelegt, dabei feurig und dem sehr hübschen Texte recht angepaßt. In diesem Chor ist den Gesangvereinen nicht allein des Landes, sondern des ganzen deutschen Reiches ein patriotisches Kaiserlied gegeben worden, das überall gern gesungen und großen Anklang finden wird. Dem Tondichter hat die Kaiserin für das Lied huldreichen Dank aussprechen lassen. — Der Statthalter von Elsaß-Lothringen hat die Wahl der Herren Ferdinand Wimpfen in 'Diedenhofen, Jsaac Mayer, Jsaac Lambert unb Ernst Müll er in Metz als Laienmitglieder des Konsistoriums für Lothringen bestätigt. — Die österreichischen Wahlen haben zu blutigen Exzessen geführt. Kolomea und Umgegend sind fortgesetzt den Ausschreitungen des Pöbels preisgegeben. In Sloboda wurden die Wohnungen der Juden geplündert. Es kamen schwere Verwundungen vor, drei Juden und ein Gendarm wurden getödtet. Der Ministerpräsident ist telegraphisch um Entsendung von Truppen und um Verhängung des Standrechts ersucht worden. — Der am 17. Februar 1877 verstorbene Dichter S. H. v. M osen thal hat, wie bekannt, in seinem letzten Willen die Anordnung getroffen, daß die Tantwmenverhältnisse seiner dramatischen Werke jährlich durch den W i eii e r Zweigverein der Schillerstiftung an Schriftsteller zur Verkeilung gelangen sollen. In diesem Jahre wurde der entfallene Betrag dem Schrifsteller I. I. David als Ehrengabe übermittelt. — Der Nestor der orthodoxen Rabbinen Ungarns Joachim Katz in der Gemeinde Deutsch-Kreuz ist am 26. v. M. gestorben. Katz hat das hohe Alter von nahezu 100 Jahren erreicht. Er war einer der hervorragendsten Talmudgelehrten unserer Zeit; neun Jahre hindurch war er Rabbiner in Ragendorf und dann volle 53 Jahre Rabbiner in Deutsch-Kreuz. — Nach den neuesten statistischen Nachrichten beläuft sich die Zahl der g a l i z i s ch e n Juden auf 686,596 Seelen das sind 1152pCt. der Gesammtbevöklerung. — In Manchester ist ein Klub für die jüdischen Arbeiter eröffnet worden. — Der Rath für die Pariser Sternwarte wurde für die nächste dreijährige Periode erneuert. Unter den zwölf Mitgliedern desselben sind drei Juden, nämlich Oberst Mannheim, L^on Philipp Direktor für landwirthschaftliche Bewässerungsanlagen und der Akademiker Maurice Lovy. Dieselben sind Vertreter des Kriegsministers, des Ackerbauministersund des Unterrichtsministers. — In Frankreich rüstet sich die Judenheit zur feierlichen Begehung des Centennariums der Emanzipation der Juden. Der zu feiernde Tag ist der 27. September, an welchem im Jahre 1791 die konstituirende Versammlung die Gleichheit aller Konfessionen ausgesprochen hat. — Man meldet aus Odessa: Mehrere reiche Juden haben in den letzten Tagen unsere Stadt verlassen, um sich nach Palästina zu begeben, wo sie mit Genehmigung der türkischen Regierung weite Landstrecken für die Kolonisation einer großen Anzahl russisch-jüdischer Auswanderer zu erwerben gedenken. — In Petersburg ist der „Nowoja Wremja" der Verkauf von Einzelnummern verboten worden. Jedenfalls nicht wegen ihrer judenfeindlichen Haltung. Gleichviel, die Maßregelung ist eine wohlverdiente. — In Schweden gewinnt das Judenthum auch in politischer Beziehung immer mehr an Terrain, wie die kürzlich erfolgte Wahl des Konsuls Joh n Phil i pp so n zum Mitglied des Oberhauses der vereinigten Königreiche darthut. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin,. Verantwortlich für die Redaktion: M ax Bauchw itz in Berlin.