Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1891)
- Date
- 1891-03-13
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
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128 Gesell! — Das viele Reden lieb' ich nicht — was soll Dein ängstliches Gesicht?" — Allein der Fromme zögert doch, — ihm stockt das Wort, er schweiget noch. — „Nun wohl, fünfhundert zähl' ich Dir, — ich nehm' ihn mit, der Sklaven Zier; — dem Diener, der ihm folgt, er winkt — der Silberhaufen klingt und blinkt, — und eh' er noch sich recht gefunden — ist ihm Elia schon verschwunden. — Nun raffet er das Geld zu Hanf, — begiebt sich heim im eil'gen Lauf. — „Da sieh, wie viel uns Gott bescheert hat — wie viel uns seine Gunst gewährt hat — Du hattest recht, nicht zu verzagen, — als wir des Leids so viel getragen, — wohl schenkte Er uns sein Erbarmen, — der Väter Gott, der Hort der Armen." Jndeß geht mit dem neuen Herrn — Elia fort und ist schon fern. -- Da spricht der Herr: „Du schaust so klug — sag' mir nun an, doch ohne Trug, — was hast Du denn gelernt im Leben? — wie kannst Du denn Ersatz mir geben — für den erlegten hohen Preis? — Und Jener spricht: „O Herr, ich weiß — wie man nach Fug die Steine schichtet — und einen Bau darauf errichtet — mit weiser Kunst und nach Gebühr, — den hohen Herr'n zur Lust und Zier." — Darauf der Herr sagt ganz beglückt: — „Fürwahr, das hat sich gut geschickt, — Du bist zur rechten Zeit gekommen — ich Hab' mir eben vorgenommen, — ein prächtig Schloß mir aufzubauen, — wie man's nicht schaut in uns'ren Gauen; — die Hölzer sind bereits gefüllt, — die Steine alle aufgestellt, — und was man braucht in jeder Art, — ist da; ich habe nichts gespart, — ich Hab' den Grundriß auch schon fertig, — bin nur des Meisters noch gewärtig, — der leitend über Alles walte, — daß sich das Ganze schön gestalte. — Bist Du der Mann, wie ich ihn meine, — so sei, was Du verlangst, das Deine." — „Nur daß die Knechtschaft sei geendet, — daß frei ich gehen darf von hinnen." — „So ffei's, Du kannst noch heut' beginnen." Die Nacht bricht an, und der Prophet — spricht aus ein inniges Gebet: — „O Herr in Deinen Himmelshöhen, — Du hast es ja mit angesehen, — wie ich nur strebte, Deinen Willen — so hier wie oben zu erfüllen. — Laß es mir nicht an Hilfe fehlen — Du weißt das Richtige zu wählen, — Du weißt den Deinen zu erretten — aus Knechtschaft, aus den Sklavenketten." Ta öffnet sich das Himmelsthor, — daraus ging eine Schaar hervor — von lichten Engeln ohne Zahl. — Sie schweben nieder allzumal. — Und Lausend Hände rührten sich, — und Alle bauten emsiglich —- ein Jeder still an seinem Ort — bei hörte man kein autes Wort, — still legte Stein sich auf den Stein, und mit dem ersten Morgenschein — stand da das Schloß in stolzer Pracht, -- wie es der reiche Herr gedacht. — Erstaunt will er die Zaubermacht des sonderbaren Knechts ergründen. — Doch der war nirgends aufzufinden, — die Freiheit hat er sich errungen, — zur Himmelshöh' sich aufgeschwungen. Aus verschiedenen Stellen des Talmud und des Midrasch lassen sich die Schicksale eines Mannes zusammenstellen, der erst arm, dann reich und endlich wieder arm wurde. Es bedarf wohl keiner Bemerkung darüber, daß nur des Armen sich Elia annimmt; der Reiche bedarf der Hilfe Elia's nicht, wenn er auch derselben nicht umvürdig wird. Hier ist dies versucht worden: Abba Äu-arr. i. In schwerer Arbeit, aber unverdrossen Geht Abba Judan's Lebenszeit dahin; Vom Arm der lieben, frommen Frau umschlossen, Trübt schwere Arbeit niemals seinen Sinn. Zwar wächst der Kinder Schaar, es wächst mit ihnen Des Lebens Nöthigung, der Mühen Zahl. Um Lohn muß einem fremden Herrn er dienen, Es theilt mit ihm das Weib der Sorge Oual. Einstmal, da er sich auf dem Acker mühet, Naht ein als Araber verstellter Mann: „Du weißt nicht, welch' ein Glück Dir noch erblühet So hör' doch wenigstens mich ruhig an!" „„Mir fehlt die Zeit, mit Dir mich auszusprechen, Mein Herr bezahlt der Arbeitstunden Zahl."" Des fleiß'gen Mannes Eigensinn zu brechen, Versucht der Fremde noch ein zweites Mal. Zum zweiten Male ähnlich abgewiesen, Zum dritten Mal er wieder zu ihm kommt: „Sechs Jahre sollst Du großes Glück genießen. Sag' selbst, zu welchem Zeitpunkt es Dir frommt." „„Ich will mit meiner Frau es überlegen, Wenn ich nach Hause komme Abends spät.. Du kommst noch einmal wohl der Antwort wegen."" „So sei es also," und der Fremde geht. Das war kein Araber, der sich so zeiget, Und um des Frommen Wohl sich so bemüht, Elia war es, der vom Himmel steiget Zuweilen, wenn ihn auch kein Auge sieht. Kaum ist das karge Abendmahl verzehret, Als Abba Judan seiner Frau erzählt: „Sechs Glückesjahre hat mir Gott bescheeret, Ob jetzt, ob einst, ist mir anheimgestellt. Was meinst Du nun, soll's an das Lebensende, Verschoben werden, oder nehm' ich's heut?" Das kluge Weib spricht: „Was man in die Hände Dir legt, verschieb es nicht auf späte Zeit." Als andern Tag's der Mann sich eingefunden, Spricht Abba Judan: „Was Du mir gesagt. Gewähret sei es mir in heut'gen Stunden, Wozu sei mir des Glückes Zeit vertagt? „„Geh' nur nach Haus, es ist schon eingekehret, Man bringt entgegen Dir Dein neues Glück!"" „Sieh' Vater, was uns Gott hier hat bescheret" Die Kinder rufen's mit erfreutem Blick. Sie hatten da in kindlichem Gebühren Wie oftmals vor der Eltern Haus gespielt, Und wie in Jugendlust gewohnt sie waren Die Erde mit dem Spaten aufgewühlt. Und in der Tiefe lag ein Schatz geborgen, Von Perlen, Gold und köstlicheni Gestein. „Jetzt ist sie aus. die Noth, vorbei die Sorgen, Nun braucht nicht mehr der Vater Knecht zu sein." Die Mutter spricht: „Erhebt zu Gott die Seelen, Erhörung schenkt' er gnädig unsrem Schrei'n. Doch, Kinder, dürfen wir uns nicht verhehlen, Sechs Jahre nur soll uns das Glück erfreu'n. Und hat uns Gott so reichen Schatz geschenket, So sei der Dürftigen nun auch gedacht, Nur wer der Armen liebevoll gedenket, Hat würdig Opfer seinem Gott gebracht. Mein Aeltester, der Schreibekunst schon mächtig, Du sollst das Buch mir führen, treu und wahr; Du trägst mir, was wir geben, ein, bedächtig, Zusammen rechnen wir dann jedes Jahr." — Und als sechs Jahre waren hingeschwunden, Versunken in der Zeiten ewig Grab, Hat sich Elia wieder eingefunden: „Wo ist der Schatz, den ich euch übergab?" „„Wie wir verwaltet haben Deine Güter, Es lehret Dich in Wahrheit dieses Buch. Du kennst vielleicht des Reichthum's bess're Hüter, Gehorsam harren wir auf Deinen Spruch.""