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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-03-13 · Heft 11 (13.3.1891) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 11 (13.3.1891)
Date
1891-03-13
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 wie ihm befohlen. Schon Hot der Vater zum Schwingen ausgeholt, da umfaßt dos Mädchen flehend des Vaters Knie: „O, lieber, bester Papa, schlage doch nicht Bruder Robert, ich kann das Schlagen nicht sehen, schlage lieber mich! Ich hätte es ja gleich thun können, oder vor Robert weglaufen," der Vater läßt die Peitsche fallen, er kann sie nicht gebrauchen. Seine Arme heben das Mädchen empor; er drückt es an seine Brust und küßt es. Er kann die Peitsche nicht gebrauchen für die, welche bittet um die Schläge, die der Bruder haben soll, nicht für den, der die Züchtigung verdient hat. Aber die Nachbarin, die draußen stehen geblieben war, stürzt herein, nimmt das zur Erde gesetzte Kind wieder auf und küssend in ihre Arme, trägt's in ihre Stllbe und beschenkt cs. Bald nachher kommt die Mutter heim, der Vater geht mit ihr und Robert in ein Nebenzimmer, erzählt jener den Vorfall und giebt dein Sohne eine.ernste Lektion unter sechs Augen. „Ich sehe einen trefflichen, charakterfesten Mann," flüstert der Genius, „und der Mann heißt Robert, der mit seltenem Verständniß und in rührender Geschwisterliebe zu seiner glücklich ve.heiratheten Schwester hält." U Auch ein Gedenkblatt. Von Emil Lehmann. Der Artikel „Ein Gedenkblatt" in Nr. 9 enthält uirrichtige Angaben über die Einwanderung der Juden in Sachsen. Nicht Kurfürst August (1572) hat sie vertrieben, nicht dieser berief als Hofagenten aus Halberstadt einen Juden, Namens Bärmann, nach Dresden. Die Vertreibung der Juden aus Sachsen erfolgte 1349, 1411, 1430. Allerdings wollt? Kurfürst August das „verfluchte uunütze Volk" nicht dulden. August der Starke, der nachmalige König von Polen, war es, der denr 1661 in Halberstadt geborenen Jisachar Bcrmann Halevi, deutsch Berend Lehmann, einem der hervorragendsten und geineinsinnigsten Glaubensgenossen seiner Zeit, 1696 ein offenes Mcßgewölbe in Leipzig einräumte, und ihm, seinem Residenten, 1708 die Niederlaffung in Dresden und Leipzig für sich und seine Familie gewährte. Dieser „polnische Resident Berend Lehmann" hat den Talmud drucken lasten, hat in Halberstadt die Synagoge aus eigenen Mitteln gebaut, das noch jetzt dort bestehende Studirhaus (Klause) gegründet, er hatte wesentlichen Antheil an der Erbauung der großen Synagoge in der Heidereutergasse zu Berlin, er begründete die jüdische Gemeinde in Halle 1693, indem er mehreren Familien die Erlaubniß erwirkte, sich dort niederlassen und einen Friedhof wie ein Bethaus erwerben zu dürfen. Ebenso 1718 in Magdeburg. Die größten Rabbiner seiner Zeit spendeten ihm in ihren, zum guten Theil durch seine Unterstützung zum Druck beförderten Werken Preis lind Segen, als einem großen Stadlan (Fürsprecher). Ihm, der auch von den preußischen Königen Friedrich I. und Friedrich Wilhelm 1. geehrt ward, verdankt man, daß die Eisenmengerschen Anschuldigungen wegen des Alenu- Gebetes, die viel Staub aufwirbelten, für grundlos erklärt wurden; er war der Wohlthäter, der Schiedsrichter, der gute Genius seiner preußischen, deutschen und polnischen Glaubensgenossen. Er starb 1730 in Halberstadt. Sein Andenken lebt dort noch gesegnet, auch in der nach ihm benannten Bne-Brith-Loge, fort. Die Anekdote mit dem versiegelten Schreiben an den Festungs- Kommandanten in Königstein ist von mir längst als Sage nachgewiesen. Vergl. „Der polnische Resident Berend Lehmann, der Stammvater der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden". Dresden, Pierson, 1885. U Mia in der Fegende. Von Dr. David Cassel. (Schluß.) Besonders ist Elia im Laufe der Zeit Beschützer der Armen geworden. Die Fleißigen, Redlichen, Armen stehen unter seinem Schutze, und noch jetzt kann es Vorkommen, daß man einen unerwarteten Glücksfall der Einwirkung des Propheten Elia zuschreibt. Zumal am Ausgang des Sabbat, bei dem Beginn der Woche, wo die Sorgen für Herbeischaffung des Erwerbes von Neuem beginnen, richtet sich das Auge des Betenden auf Elia. Eine in dem gedachten Sagenbuche enthaltene Legende, wie Elia für einen Armen sorgt, ist von einem Jischai b. Mordechai') poetisch bearbeitet worden; eine freie Nachbildung geben wir im Folgenden: In Bagdad lebt ein frommer Mann, — deß Leben sorgenvoll verrann, — ihn drückte hart des Lebens Noth — für Weib und Kind fehlt ihm das Brod. — Da sprach das Weib: „Was zauderst Du? — Geh' auf den Markt und sieh' doch zu, — ob Gott Dir kein Geschäft bescheert, — ob seine Huld Dir nichts gewährt, — o, möcht' er unser sich erbarmen — der Gott der Väter, Hort der Armen." — Darauf der Mann: „Wohl möcht' ich geh'n, — nach Arbeit und Geschäften seh'n, — doch, o des harten Unglücks Größe! — Es fehlt, zu decken meine Blöße, — mir selbst ein einfaches Gewand, — wie es sich schickt für meinen Stand." — „Darum," spricht sie, „Hab' keine Sorgen; — ich taufe schnell, Dir eins zu borgen — zu einem von den Nachbarsleuten — die in der Noth uns oft erfreuten." — Sie eilt zum guten Nachbarsmann — sie bringt das Kleid, sie legt's ihm an. — Bald ist er mitten in der Menge — und fast betäubt von dem Gedränge; — wer soll den rechten Weg ihm künden, — wie soll er, was er suchet, finden? — Zu Gott erhebet sich sein Herz, — sein Auge schauet himmelwärts — und Gott hat seinen Wunsch erhört, — ihm Hilfe wunderbar gewährt. — Elia tritt an ihn heran — Elia, der Prophet, der Gottesmann, — der helfend überall erscheint, — wo schmerzensvoll ein Frommer weint. — „Heut' wird Dir reichlicher Ertrag, — befiehl mir, was Dein Herz nur mag, — Ich biete Dir mich an als Knecht, — was Du mir thust, es ist mir recht." — Doch trägt der fromme Mann Bedenken. — „Wie kann sich der als Knecht mir schenken, — den ich verehre als meinen Herrn, — solch' Frevel bleibe von mir fern." — „Laß' jeden Zweifel aus der Seele — und thue, was ich Dir befehle, — wir haben Beide Gottes Willen, — so Du wie ich, nur zu erfüllen." Zum Sklavenmarkte geht ihr Schritt, — der Fromme führt Elia mit — als seinen Sklaven, welchen er — gut zu verkaufen lüstern wär'. — Da steht der Unglücklichen Schaar — und bietet sich den Käufern dar, — die von dem einen zu dem andern — laut schreiend, feilschend, prüfend wandern. — Doch mußte unbedingt vor Allen — Elia's Wohlgestalt gefallen. — Wie steht er da so anmnthreich, — an Schönheit kommt ihm Keiner gleich. — Wie kraftvoll dehnen sich die Glieder — vom Kopf bis zu den Füßen nieder! Und sieh, aus des Gewühles Mitte — naht sich mit würdevollem Schritte — ein reicher Herr aus Samarkand — im ganzen Lande wohlbekannt. — Ein Kaftan, reich mit Gold durchwirkt, — deckt seinen Leib, der Gürtel birgt — kostbarer Steine edle Reihe. — Es leiht ihm ehrfurchtvolle Weihe — der Bart, der bis zur Brust sich senkt. — Kaum hat sich zu dem Knecht gelenkt — sein Blick, als näher er ihm tritt: — „Der ist mir recht, den nehm' ich mit." — Und zum Verkäufer sagt er schnell: — „Wieviel Denare? Sprich, 9 Zunz: Litteraturgeschichte S. 486; ein anderes Elialied von einem Jischai das. S. 568.

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