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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-02-19 · Heft 8 (19.2.1891) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 8 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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96 nahm. Er wandte sich um und sah zu seiner Verwunderung niemand anders als den Epikuräer Salomo vor sich stehen. „Schalem aleichem!" grüßte ihn dieser nochmals freundlich und streckte ihm die Hand entgegen. „Gott segne Dich, mein Freund, daß Du Dich meiner erbarmst und mich freundlich grüßest," sprach Rabbi Naphtali, indem er Salomo herzlich die Hand drückte. „Ich weiß gar nicht, was in die Serebrjansker gefahren ist. Abc fliehen vor mir und heißen mich in mein Grab zurückkehren." „GewißhatJemand das Gerücht verbreitet, daß Du gestorben seist." „Ja, so ist es! rief Rabbi Naphtali zornig. „Irgend ein abgefeimter Schurke muß diese raffinirt gemeine Geschichte aufgebracht haben." „Ja, zu meinem Bedauern gicbt es immer mehr Lügner und Schurken, die falsche Nachrichten verbreiten," sagte Salomo spöttisch lächelnd. „Auch über mich hat irgend solch ein Schuft ausgesprengt, ich habe mich in Berlin taufen lassen. Darum habe ich sehnsüchtig auf Deine Rückkehr gewartet, denn da ich in Berlin fast beständig mit Dir zusammen war, so kannst Du diese Verleumdungen am besten widerlegen, rmd ich weiß, Du wirst mich von all diesen Anschuldigungen reinigen." „Von Herzen gern, mein Freund, will ich diese Verleumdungen zunichte machen. Ich will es, so laut ich kann, ausschreien auf allen Gassen, daß Tu ein redlicher und braver Israelit bist, wie wenige! Aber rette Du auch mich! Denn ich weiß gar nicht mehr, was ich thun und an wen ich mich wenden soll. Alle Serebrjansker erbeben vor mir, und ich bin überzeugt, meine Frau und mein Hausgesinde würden sterben vor Schreck, wenn sie mich so plötzlich vor sich sehen würden." „Gut, ich will Dich retten. Komm nur einstweilen mit mir in mein Haus, dort kannst Du bleiben, bis der erste Schreck vorüber sein wird und alle Bewohner von Serebrjansk erfahren, daß Du gerade so lebendig bist, wie sie selber!" „Ach wie gern gehe ich mit Dir!" sagte Naphtali und folgte dem Epikuräer Salomo so schnell er konnte. Als sie beim Hause Deborahs angekommeu waren, sagte Salomo zu seinem Schwiegervater: „Warte hier ein wenig; denn wenn Du plötzlich hereinkämest, würden auch meine Hausgenossen erschrecken. Darum gedulde Dich nur so lange, bis ich ihnen mitgetheilt habe, daß Du noch am Leben bist." Naphtali wartete also draußen. Inzwischen ging Salomo ins Haus und erzählte seiner Fra», der Rahel, und seiner Mutter die ganze Jntrigue, und daß Naphtali nun endlich von Berlin zurückgekehrt und er ihn sogleich hereinführen werde. „O Du Böser! Wie konntest Du es wagen, mit meinen; Vater also umzuspringen?" rief Rahel eher freudig als erzürnt. „Ich habe es Dir ja gleich gesagt," antwortete Salomo, „daß ich Deinem Vater nur Gleiches mit Gleichem vergelten werde; denn mit dem Maße, da ihr messet, soll euch gemessen werden, und Rache ist süß!" * * * Bester Leser! ich fühle es, daß meine Feder nicht im Stande sein wird, Alles, was nun noch folgte, getreulich auszumalen und zu beschreiben, was Rabbi Naphtali für ein Gesicht machte, als er die ganze Geschichte erfuhr, wie seine Kinder sein Vermögen unter sich theilen und wie Vielen noch obendrein geholfen wurde mit seinem Gelde. Es ist leicht einzusehen, daß der Geizhals über diese Nachrichten beinahe noch mehr erschrak, als die Serebrjansker über ihn, als sie ihn für ein Gespenst hielten. Vergebens suchte er seine Streitsache vor den Richter zu bringen; denn seine Söhne und Töchter wollten ihm keine einzige Kopeke von seinem Vermögen zurückgeben. Ja, sie wandten sich ganz von ihm ab und wollten ihn gar nicht mehr in ihre Häuser hineinlassen. Hätte nicht außer seiner Frau der aufgeklärte Salomo sich seiner erbarmt, so wäre er Hungers gestorben. Salomo aber nahm ihn in sein Haus und hielt ihn in Ehren,, als ob er sein eigener Vater wäre, und Pflegte ihn nach Kräften bis an sein Lebensende. Damit aber alle Frommen die Bosheit und Tücke dieser aufgeklärten, freigeistigen Epikuräer erkennen sollen, habe ich diese Geschichte Wort für Wort niedergeschrieben, zum Andenken und Exempel für spätere Geschlechter. U Fitterarische Mittheilungen. — lieber den in Nr. 7 behandelten Holzschneider Mose Castellaro kann ich Ihnen Folgendes mittherlen: Zu den Quellen über das Auftreten David Rvubeni's, des psendo-messianischen Vorläufers von Salomo Molcho (Diego Pires), der selbst von dem streitbaren Papste Clemens VII. mit Auszeichnung empfangen worden war, zählt man eine Michael'sche Handschrift (Nr. 560) TH TIÖD* diesem „Tagebuch" erzählt mm der Abenteurer, daß er bei seiner Landung in Venedig die Bekanntschaft eines pTWKp iWÖ oder -pJBDPl gemacht, in dessen im „Ghetto" belegenen Wohnung ihm die Mittel zur Reise nach Rom gegeben wurden. Ich bin nun der Meinung, daß dieser TT^ TSCötP identisch ist mit Moses Castellio oder Castellaro. pb'1tOt#Kp scheint ein Schreib- und Druckfehler für oder ZU sein.') Die Michael'sche Handschrift ist leider verloren gegangen, jedoch bewahrt die Breslauer Seminar-Bibliothek (Ms. Nr. 128) eine treue Kopie derselben, die ein Herr I. I. Cohen im Jahre 1867 in Oxford gemacht, wohin bekanntlich die Michael'sche Sammlung gekommen. Grätz a. a. O. S. 247 vermuthete in unserem Mose einen Maler. Die Bekanntschaft Röubeni's init Mose Castellaro datirt, wie aus dem weitern Text des „Tagebuches" hervorgeht, vom Jahre 1524. Ed. Birnbaum. Geehrter Herr Doktor! Bei der Theilnahme, welche Sie auch der Familie Heinrich Heine's widmen, dürste Ihnen nachstehende, Notiz nicht unlieb sein: Bevor noch Heine's Schriften auf den römischen Index kamen (vom Jahre 1833 an), war sein Vetter Hermann Heine ein Sohn des Onkels Salomo, in Rom bekannt. Er hielt sich dort im Jahre 1831 auf, starb aber daselbst und wurde auf dem jüdischen Friedhof mit allen Ehren, wie es in der Verhandlung der Gemeinde-Verwaltung heißt, beigesetzt. Dem Vater wurde hiervon Anzeige gemacht und an denselben zugleich die Anfrage gestellt, ob er wünsche, daß die Leiche in die Heimath befördert werden solle. Salomon Heine verneinte die Anfrage und sandte zugleich eine Summe als Ersatz für die Beerdigungskosten. Die Inschrift des Denksteins lautet: pan run cn rmsE'&fc sibi tra man »"«n wm bs nn aTDöKn "ry nrtr va btmr Jva n'acpi rw antyyi iw va' rm ya"n d’ti lötr rotr6 "NX annS v'aa nton *rya nan man nwa bm’b ixr a'anm pnio am Kaapnn nt’ 22V' ntr« aipan n« va* na^iyb n'aan?an Ttnnb Ta ara na napn naan xiaa 'nn .a"nn mnan p^n anaa waa uw maai Hermann Heine, geb. in Hamburgs gest. in Rom, den 28. Februar 1831, im 27. Jahre seines Alters. Berlin, 19. Januar. Dr. A. Berliner. i) Vgl. Steinschneider, Katalog der Michael'schen Bibliothek lHamb 1848) S. 373. Grätz, Geschichte X' 2, S. 546 und 5ö1—52. Druck und Verlag von Nudots Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max. Bauchwitz in Berlin.

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