Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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» WWW WWWWWWWWW — m — MW«MWWWWWW Bestreben darüber nach, was man wohl für die Ehre und das Wohl des Judenthums der Juden schaffen könne, nun, ich möchte allen Brüdern zurufen jm DS*? XH „hier habt Ihr Samen", streut die Alliancesaat in die Herzen eurer Glaubensgenossen, und es wird eine TTH *HB eine schöne Frucht zur Reife gelangen, die Juden und Judenthum erfreut. Allüberall, in allen Welttheilen, in Asien, Afrika, Amerika, Australien, in China, Mexiko, Kapland u. s. w. wohnen Mitglieder der Alliance. Wer im Orient mit einer Empfehlung der Alliance vor politische oder bürgerliche Behörden tritt, so versichern jüdische Reisende des Morgenlandes, dem öffnen sich alle Thüren und Thore; hohe Staatsbeamte schicken ihre Kinder in die vortrefflichen Schulen der Alliance; hohe Staatswürdenträger, die Gesandten und Konsuln der europäischen Staaten wohnen den öffentlichen Prüfungen bei und sind erstaunt über die erzielten Erfolge; während rings herum Unkultur, Unkenntniß, oft Rohheit im Morgenlande verherrschend sind, bilden die Allianceschulen, wie Oasen in der Wüste, Pflanzstätten der Kultur, der Bildung, der Gesittung und üben auf die jüdische und nichtjüdische Bevölkerung einen wohlthätigen Einfluß aus; weit über die asiatischen und afrikanischen Steppen hinaus wird der Name und der Ruf des Judenthums mit Ehren getragen. Gerecht es denn dem Judenthum nicht zur Ehre, wenn ein namhafter nichtjüdischer Schriftsteller, Dr. Joest in Berlin, in seinem Aufsatz „Besuch einiger Schulen der Alliance Israelite Universelle in Marokko und Kleinasien" (Nord und Süd, Juni 1889 S. 330 ff.) schreibt: „Fassen wir zum Schluß unser Urtheil, soweit wir nach dem Besuche mehrerer Schulen der Israelitischen Alliance in Marokko und Kleinasien, sowie noch vielfachen Unterhaltungen mit dort lebenden Europäern zu einem solchen berechtigt sind, noch einmal zusammen, so müssen wir wiederholen, daß die Alliance aus ihre bisherigen Erfolge auf dem Gebiet der geistigen, moralischen und auf körperlichen Veredlung der dortigen Juden, ebenso wie auf ihre Erfolge in Betreff der Besserung der Lage ihrer Glaubensgenossen in materieller Beziehung mit Recht stolz sein darf, und daß derselben für die Uebernahme dieser hohen und edlen Kulturaufgabe und für den Eifer, mit welchem sie sich der Lösung derselben hingiebt, auch von jedem unbefangenen Andersgläubigen die vollste Anerkennung nicht versagt, werden kann. üoQtvov y.ui av noiu bjxoiojq (Lucas 10, 37.) Ist das Alles nicht ein 2VN IP'flp eine Verherrlichung Gottes und des Judenthums? Wie viel Unheil, wie viel drohende Gefahren hat die Alliance nicht bereits von unseren Glaubensgenossen abgewandt? An wen wenden sich unsere unglücklichen Brüder, wenn sie in Noth sind, wenn politischer Druck sie quält oder der Fanatismus zum Ausbruch kommt, wenn die Naturkräfte der entfesselten Elemente sie um Hab und Gut bringen, wenn Krankheit, Pest, Epidemie, Tod unter ihnen wüthet? An die Alliance, die Mutter der Unterdrückten und Verfolgten, ergeht ihr Klageruf, und unzählbar sind die Wohlthaten, die materiellen und geistigen, die die Alliance Hunderten und Tausenden erwiesen hat. Die großartigen Stiftungen des Barons Hirsch sind ein Ausfluß der Anregung, die die Alliance diesem großen Wohlthäter, der Mitglied des Central-Komitees der Alliance ist, zu seinen Humanitätsschöpfungen eingegeben hat." Möge daher das Interesse für die Alliance stets zunehmen, jeder Gemeinde, jedem Komitee stehen die Jahresberichte 1889 (die von 1890 werden in einigen Wochen gedruckt), Aufrufe, Statuten, Quittungen in beliebiger Anzahl bei mir zur Verfügung. Möge die Alliance unter Hinweis auf Gottes Einzigkeit und Einheit beitragen zur Vereinigung und Verbrüderung aller Juden auf der ganzen Erde ♦snio in« Sxnir1 -ram ’ai inx -jan "inx nm U Ministerkrrsrn. Die jüngsten Ministerkrisen in Italien und in Oesterreich haben für die Bekenner des Judenthums ein besonderes Interesse. Der Sturz Crispis hat dem Abgeordneten Luzzatti, der bereits einige Male als Vorsitzender des italienischen Budgetkomitees fungirte, den Weg in das italienische Ministerium gebahnt. Der Rücktritt des österreichischen Finanzministers Dunajewski hat nicht blos das Herz aller freigesinnten Männer in Oesterreich erleichtert, sondern auch den Juden in Oesterreich eine besondere Satisfaktion gewährt. Der österreichische Schatzkanzler war ein persönlicher Gegner des Herrn Baron Hirsch und gehörte zu jenen Ministern, welche der Aktivirung der 12 Millionen-Stiftung Schwierigkeiten machten. Als Minister der Feudalen und Klerikalen konnte er kein warmer Freund der Juden sein. Sein Nachfolger, Dr. Emil Steinbach, ist jüdischer Abstammung. Im Jahre 1874 wurde er, der noch als Jude seine Studien vollendet hatte, vom Justizminister Dr. Glaser als Vice-Ministerialsekretär in das Justizministerium berufen und ist heute erst 44 Jahre alt. Man rühmt seinen Scharfsinn, seine Gelehrsamkeit und seine Belesenheit in der sozialpolitischen Litteratur. In einem Vortrage, den er „über die Pflichten des Besitzes" hielt, zitirte er ein Gedicht von Hermann Lingg: „Laß nicht auf Deinen Tisch vergebens Den Hungrigen durch's Fenster sehen; Verscheuche nicht die wilde Taube, Laß hinter Dir noch Aehren stehen Und nimm dem Weinstock nicht die letzte Traube." Die letzten beiden Zeilen erinnern an zwei bekannte biblische Gebote, welche das Ackerfeld und den Weinbau betreffen. Austriacus. * Nie moderne Gemeinde und ihre Aufgaben. Von Bezirksrabbiner Dr. M. Silber stein in Wiesbaden. II. Das zweite Gebiet der Aufgabe einer modernen jüdischen Gemeinde bezeichnen wir als: II. Abodah, Gottesdienst. Hat die Pflege der „Thora" die Aufgabe, die Kenntniß der Religion in alle Schichten der Gemeinde zu tragen und dadurch der Religion ihren Fortbestand zu sichern, so liegt es der Abodah dein öffentlichen Gottesdienst ob, das religiöse Leben in die Erscheinung treten zu lassen, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit in den Gemeindegenossen zu wecken und zu pflegen und den religiösen Gefühlen der durch gemeinsamen Glauben, gemeinsame Geschichte, gemeinsame Schicksale, Erinnerungen und Hoffnungen verbundenen Religionsgenoffen lebendigen Ausdruck zu schaffen. Indem die Pflege des öffentlichen Gottesdienstes sich als eine emineiü wichtige Pflicht der Gemeinde darstellt, liegt es ihr ob, ihm eine zweckmäßige, würdige, den modernen Anschauungen möglichst entsprechende Gestalt zu verleihen. Unleugbar hat sich in den Jahrhunderten der Berwahrlosung, in denen die Synagoge der Aufsicht entbehrte, manches Ungehörige und Zweckwidrige dem Gottesdienst angeheftet, das beseitigt werden muß. Wie, um nur Eines hervorzuheben, der sog. Mizwoth-Verkauf dem Drange unserer Zeit hat weichen müssen, so sollte auch der Mischeberach, dieser nur auf Geldeinnahme berechnete Lückenbüßer bei. der Thora-Vorlesung, als unangemessene Unterbrechung eines gottesdienstlichen Akts beseitigt und Chor- und, worauf wir noch mehr Nachdruck legen, ein würdiger Gemeinde-Gesang — um die Gemeinde nicht