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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-29 · Heft 5 (29.1.1891) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 5 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 10. Salonwn der Babylonier (X. Jahrhundert); seine Aboda: (im sogenannten romanischen, d. i. rumelifchen Ritual).') 11. Meschullam den Kalonymos (am Ende des X. oder Anfang des XI. Jahrhunderts); seine Abodaim deutschen und polnischen Ritual?) 12. Die spanische Aboda?) 13. Die altfranzösische Aboda?) 14. Isaak Jbn Giat (im XI. Jahrhundert); seine Aboda'') (im Rituale von Tripolis). 15. Abu Harun Musa Jbn-Esra (Anfang des XII. Jahrgangs); seine Aboda (im Ritual von Algier)?) 16. Abraham Jbn-Esra (in der Hälfte des XII. Jahrhunderts); seine Aboda (im Ritual von Avignon)^) 17. Die altdeutsche und böhmische Aboda:9 Die korrespondirenden Stellen in all den erhaltenen Bearbeitungen der Aboda mit unserem Bruchstück zusammengehalten, lassen mit Leichtigkeit erkennen, daß in dem Maße, als die anderst alten Erzeugnisse'') dieser Liturgie durch Gesuchtheit in Stil und Redewendung und durch ein beständiges Jagen nach hohen Ausdrücken und seltenen Worten — den sogenannten Nawudir — sich hervorthun,'0) das Fragment W. S. Golenischtschews durch Einfachheit und Ungesuchtheit der Sprache sich auszeichnet, indem nur in zwei Ausdrücken von der prosaischen Rede abgewichen wird, derart, daß nirgends wie hier bei all den gleichartigen Hervorbringen eine solche Annäherung an die ursprüngliche Quelle, die Mischna Tractat Joma, stattfindet, so daß man hieraus nicht minder wie aus dem Material, worauf es geschrieben, auf die alte Herkunft dieses Erzeugnisses einen Schluß ziehen kann. Wir wollen hierzu nur noch das Eine bemerken. Es ist schon das dritte Mal, daß sich vor uns die gleichartige Erscheinung wiederholt, nämlich daß in Fayüm hebräische Papyrusse gefunden wurden, die Erzeugnisse liturgischer Poesie enthalten. Dies berechtigt uns zu dem Schlüsse, daß Werke dieser Gattung in jener Epoche, wenn nicht die ausschließliche, so doch jedenfalls die überwiegende Beschäftigung unserer schriftstellernden Glaubensgenossen in Aegypten bildeten.") Durch diesen Umstand erklärt sich das folgende Factum. Zu Beginn des X. Jhd., im I. 912 nach Ehr. trat zum ersten Male auf der literarischen Arena ein junger Schriftsteller hervor, dein die allmüliche Neugestaltung des ganzen Gebäudes des geistigen Lebens der Juden, ihre Einführung in alle damaligen Kultursphären gegenüberderÄusschließlichkeit der talmudisch-theologischen Richtung zugesprochen wurde. Wir sprechen von den: oberwähnten Saadia al Fayümi, nach dem übereinstimmenden Urtheil der jüdischen ') S. THIDÖ Ausg., Venedig 1520, Blatt 369—70, die entsprechende Stelle Blatt 369 (dort fälschlich dem Jbn Gabirol zugeschrieben); vergl. Litteraturblatt des Orients XU, Leipzig 1851, Col. 608. 9 Von den zahlreichen Ausg. dieses Rituals verweisen wir hier auf eine der neuesten u. Z., aus die Edition^Vl. ^Lettens. Prag 1882, S. 466—75, wo die entsprechende Stelle auf <&. 472. 9 Nach der Ausg. Wien 1883, S. 80—88, die entsprechende Stelle S. 84. 4) Im genannten Werte S. 111—116, die entsprechende Stelle S. 115. 9 Geiger, wissenschaftliche Zeitschrift V, 402. 9 Siehe Litteraturblatt des Orients 1849, Eol. 131,255. 9 Landshuth, Onomasticon Berlin 1857, p. 7, Nr. 21. 9 Zunz, Ritus, p. 101 (wo gegen die Autorschaft Kalirs Bedenken getragen wird). ") Ausgenommen übrigens Jose ben Jose, dessen Aboda (oben Nr. 1) in Hinsicht auf Stil und Aussprache recht einfach ist. "') Namentlich das Wort (statt niÄn3Ö) in der 5. Zeile und ttfK ’bra in der 6. Zeile. ") Vgl. die Aeußerung Masüdis bei S. de Sacy, Cbresl Arahe, 2. ed. I., 350 und An-Nedima im Fihirst S. 23, 10—16; siehe Munk, Notice sur Saadia, p. 6 (= 78). und mohamedanischen Schriftster seiner Zeit, dem wahren Reformator * seines Bolkes. Was war das Erste, an das dieser Genius seinen Fleiß verwendete? — Erst jüngst ist es bekannt geworden, daß das erste Werk Saadia's betitelt war: Buch der Grundlagen der Poesie, abgekürzt: Buch der Poesie oder Poetik. Es enthielt: erstens ein Wörterbuch der atthebräischen Wurzeln in zweifacher alphabetischer Anordnung, nach dem Anfang und nach dem Ende der Wurzeln, zweitens mehrere grammatische Abschnitte (wahrscheinlich 12) und endlich eine Mustersammlung des Normal- und höheren Stiles und Beispiele kontrastirender Eigenschaft.' In der Einleitung dieses Werkes erklärt nun der Autor: Wie das Wörterbuch,') so habe auch die Grammatik und das Buch der Beispielsammlung den Zweck, die Abfassung poetischer Erzeugnisse zu erleichtern, wobei der junge Autor noch hinzufügt: „Wie nach der Erzählung der Jsmaeliten (Araber) Einen ihrer bekanntesteil Schriftsteller die Beobachtung der unrichtigen Anwendung arabischer Worte und Ausdrücke allfgebracht und zur Abfassung eines Buches angetrieben habe, daraus sie die richtige, zutreffende Ausdrucksweise erlernen könnten, so hat auch mich das Beobachten falscher Verwenduiig von Worten und Redewendungen in ben poetischen Erzeugnissen und mangelhaften Verständnisses der Schönheiten und wahren Erhabenheit unserer alten Sprache erbittert." Wir erinnern daran, daß Saadia seine Poetik im Jahre 911, d. i. 8 Jahre nach deni Tode des hochberühmten arabischen Verfassers des Buches der richtigen Ansdrucksiveise (Kitub al-Fasih), Abiil-Abbas Achmed ibn Jachjas, bekawit unter dem Beinamen Tallab geschrieben hat, und es scheint uns annehmbar, daß Saadia diesen im Sinne hat. Das Werk Tallabs hat keine Einleitung. was wohl mit der Mittheilung Suyuti's sich vereinigen läßt, daß, nachdem Az Zadschadsch im Kitub al-Fasih zehn Jrrthümer aufgedeckt, der Verfasser sich ganz von ihm losgesagt. 9 Was daher Saadia über den Verfasser des Kitub al-Fasrh aussagt, konnte er nur von Andern erfahren haben, worauf auch der Ausdruck Saadias hinweist: „Aehnlich wie die Jsmaeliten erzählen, daß Einer ihrer bekannten u. s. w." Er hat es nach diesern Wortlaut nicht vom Verfasser des von ihm angeführten Werkes selber erfahren. Uebrigens können die Worte Saadias auch auf einen der älteren arabischen Grammatiker Bezug haben. Und da als Begründer der grammatischen Disziplin von ben arabischen Schriftstellern der Challf Ali ibn Abitalib, der Schwiegersohn Mohammeds angeführt wird, so ist die Voraussetzung ebenso möglich, daß Al-Fnyümi diesen Chalifen im Sinne habe, auf den der Ausdruck recht gilt passen würde, „Einer ihrer Erwählten". Auf der Kehrseite unseres Papyrus findet sich der Ueberrest dreier Zeileii, mit blasser Tinte quer über das Blatt mit großen grafitti oder Federproben ähnlichen iiachlüsstgen Buchstaben geschrieben. Wir lesen sie: omr». nix. ü'zbyb D-nx -. Wenn diese Zeileii einen Theil eines znsammenhüngenden Gaiizen bildeten, so kann dieses Ganze ebenfalls nur der liturgischen Poesie angehört haben, und ist nur eine neue Bestätigung der obigen Betrachtungen über den Charakter der literarischen Wirksamkeit der ägyptischen Jilden in der Saadia vorausgegangerr und zürn Theile mit ihm gleichzeitigen Periode. ') Die Bestimmung des Wörterbuches war den Dichtern für die Akrosticha die Auffindung der mit eiiiem gewissen Buchstaben oder einer gewissen Silbe beginnenden Wörter und ebenso für den Rythmus der mit einer gewissen Silbe endigenden Wörter zu erleichtern. 9 Siehe Barth, Tallab's Kitab al-faslh, Leipzig 1876, p. 7, 11.

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