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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-29 · Heft 5 (29.1.1891) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 5 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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Brüder nennen, bald Feinde schimpfen, bis die Ehrfurcht vor Menschenwürde und Religionsfreiheit die Gemüther unbezwingbar beherrschen wird; heute sind wir zur Abwechslung tvieder einmal Feiilde geworden, und die Reaktion dringt unaufhaltsam vorwärts. Auch im Judenthum erscheinen wieder jene drei Parteien: die Schöngeister, die Philosophen und die Treuen. Zu welchem Resultate die ersten zwei Richtungen führen, habe ich entwickelt: bewußter Jndifferentismus und Abfall sind das unzertrennliche Gefolge. — Es sei daher die Aufgabe jedes in der Wissenschaft und Geschichte des Judenthums bewanderten Mannes, das Interesse für dieselbe in den besseren Kreise» zu erwecken und dadurch die Liebe, Aufopferungsfähigkeit und Treue für das Judenthum zu verbreiten und zu kräftige». Aas Fragment eines hebräischen Papyrus^). Von A. Harkavy. Obwohl schon der erste arabische Uebersetzer der Bibel, Said oder Saadia al Fayümi (in der ersten Hälfte des 10. Jhd.) — um von dem Leben und Schaffen der Juden in Egypten in der griechischen wie in der arabischen Periode ganz zu schweigen — die biblischen Worte jtöJS und sttl arabisch durch Papyrus') wiedergiebt, ist doch von hebräischen, auf Papyrus geschriebenen Schriftdenkmälern') in der gelehrten Welt bis zum Jabre 1879 nichts bekannt geworden. Etwa zehn Jahre früher batte das königliche Museum in Berlin einige, im Ganzen dreizehn Papyrusse, davon zehn in althebrüischer und drei in aramäischer Sprache erworben; es sind dies Fragmente, die nach der Untersuchung des gelehrten M. Steinschneiders abgebrochene Stücke von religiösen Hymnen und privatrechtlichen Akten (letztere aramäisch geschrieben) enthalten. Einige Jahre später erwarb der österreichische Erzherzog Rainer seine bedeutende Sammlung von Papyrussen aus Fayüm, und darunter kamen hebräische, wiederum größtentheils liturgischen Inhalts, und aramäische, juridische Dokumente enthaltenden Texte, zum Vorschein, die eine beträchtliche Beimischung griechischer Wörter aufweisen. Durch diesen Umstand glaubten die die Wiener Papyruffe erörternden Gelehrten D. Kaufmann und D. H. Müllers annehmen äu müssen, daß die bezeichneten Denkmäler den Samaritanern, bei denen Hellenismen bekanntlich in Ueberfluß verwendet wurden, zuzusprechen seien. Doch halte ich diese Vermuthung in Anbetracht besten, daß noch kein einziges Beispiel einer Verwendung hebräischer Schriftzeichen von Samaritanern bisber bekämet wurde und weil andererseits in Egypten gerade, wo so lange Schulen hebräischer Hellenisten geblüht haben, eine häufige Anwendung von Hellenismen sehr mit Recht zu erwarten ist, für keineswegs wahrscheinlich. ') Aus den Schriften der orientalischen Sektion der kaiserl. russischen archäologischen Gesellschaft Bd. V S. 31 bis 36. Uebertragen von Ignatz Kaufmann in Kojetein. '-) Paulus, R. Saadia Phyuinensis versio Jesaiae arabica. Jeiiae ]790, i>. 102 (XVIII, 2: in Fahrzeugen aus Papyrus). Eine zweite Stelle ans dem Kommentar Saadia's ist mir aus einer Handschrift bekannt. Al-Faymui folgen in der Erklärung des Wortes S31 der bekannte Lexikograph und Gramatiker Abul-Walld Merwau Jbn Ganüh (Ende desjll. Jhd.) nnd.Jbn Balüm (in der zweiten Hälfte des 11. Jhd) s) Löw, Beiträge zur jüdischen Alterthuinskunde, I. Leipzig 1870, p. 97; Steinschneider in den unten aiigezogenen Stellen. 9 Zeitschrift für ägyptische Sprach- und Alterthnmskunde, 1879, p. 93 bis 96; Magazin für die Wissenschaft des Judenthums, 1879. p. 250 bis 254. 9 Mittheilungen ans der Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer, 1 bis 2, Wien 1886, p. 38 bis 44. Die Berliner hebräischen Papyrusse wurden mit arabischen Dokumenten des zweiten Jhd. der Hedschra (gleich dem achten Jhd. christlicher Zeitrechnung) zugleich allfgefungeu. Bezüglich der Wiener Papyruffe geben die Herausgeber kein Datum an, doch ist wohl, da der größte Theil der Denkmäler in der Kollektion Rainer auf das achte, neunte und zehnte Jhd. Bezug haben, auzunehmen, daß auch die hebräischen Papyruffe keiner späteren Zeit angehören; wir werden weiter unten noch einen zweiten Grund sehen, weshalb sie unmöglich um ein Beträchtliches später heruntergerückt werden dürfen. Z» den Berliner und Wiener Saminlunge» ist jetzt noch die ägyptische Kollektion W. S. Goleuischtschelvs in St. Petersburg hinzugekvmme». Wir haben unter diesen unzweifelhaft ältesten der uns erhaltenen hebräischen Handschriften ein kleines Papyrusfragment entdeckt, das wir wie folgt entziffern: .rbp rv Tiitr nl'w na Ps sa Dirn Isis. QnalalP |nn pmaa en iPap. .spi nnnn npPi. ntolp.-rP nv'ia san. .ptann nanl sPai irLsnPni. Die rechte Seite dieses Fragments enthält den Mitteltheil von sechs Zeilen aus der Beschreibung des hohenpriestcrlichcu Gottesdienstes und Opferkultus im Tempel zu Jerusalem am heiligsten alle jüdischen Feste, am Versöhnnngstage. Die gottesdienstlichen Verrichtungen des Hohenpriesters werden ausführlich in der Mischna, Tractat Joma, beschrieben. Es entsprechen hier unserm Fragmentabsatze die Stellen §§ 2 bis 3 des 4. und § 1 des 5. Kapitels. Dieser Theil der Mischna war ursprünglich Gegenstand der Vorlesung zur Zeit des zweiten Tempels, d. i. des Mussaphgebetcs'), später war die Aboda (nmap), wie diese gottesdienstliche Verrichtung genannt wurde, für viele synagogale Dichter (Paitanim) ein beliebtes Thema der poetischen Bearbeitung in Form eines liturgischen Hyinnus, wie denn als Verfasser einer Aboda folgende Paitanim bisher bekannt sind: 1. Jose ben Jose (aus dem Ende des VII. und Anfang des VIII. Jahrhundert);2) 2. Eleasar ha Kalir (Anfang des IX. Jahrhunderts); dessen Aboda, obzwar nicht erhalten, wird im XIII. Jahrhundert erwähnt") 3. Die babylonische Aboda'eines unbekannten Verfassers^ 4. Jochanan Kohen (Ende des IX. oder Anfang des X. Jahrhunderts): (im römischen Rituale). 5. Die babylonische, mit den Worten beginnend: Ifipni “12DS9 6. Eine zweite babylonische mit den Worten beginnend: p2£p2tKB) .7. Eine dritte babylonische, mit den Worten beginnend: pkTSO 8. Saadia al Fayümi (im X. Jahrhundert);") 9. Jofef Jbu-Abi-Taur oder Jbn Schetnasch (in der zweiten Hälfte des X. Jahrhunderts);") 0 Zunz, Ritus, Berlin 1859, p. 101. 0 Abgedruckt in dem Werke D'IISI "T ’tPPtt »31p Berlin 1856, II, 1—9; die unserem Bruchstücke entsprechende Stelle befindet sich auf Seite 8. 9 Siehe Nachmanides im Werke JilüsnPD Anfang des Traktates Joma. 9 Nachmanides ebendort; es kann vielleicht an eine der beiden mit nnilia nns beginnenden Aboden gedacht werden, die man wohl unrichtig dem Jose ben Jose zngeschrieben. 9 Zitirt im Namen eines Gaon im Werke ,T3S“! 8 529 (Zunz Ritus p. 101). 9 Angeführt im Ritual des Amram Gaon. 9 Ebendort (fehlt in zu Warschau 1865 gedruckten Ritual, vergl. jedoch Zunz, idicl.). 9 Gedruckt in dem obenerwähnten p31p «•< Seite 10—17; die unserem Fragment entsprechende Stelle S. 15. 9 Ebendort S. 19 -25; die entsprechende Stelle S. 24.

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