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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-22 · Heft 4 (22.1.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Voltsschulunterrichtes im Königreich Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogthum Krakau und im Herzogthum Bukowina" unb hat ihren Sitz in Wien. — Die Unterrichtssprache ist in Galizien die polnische und in der Bukowina die deutsche, doch ist auch in ersterer Provinz die deutsche Sprache obligat. Die Schulen können auch von christlichen Kindern frequentirt werden, sind also keineswegs konfessionelle, doch darf deren Zahl nicht den vierten Theil der gesummten Schüler übersteigen, imb ist diesen Kindern ein christlicher Religionsunterricht auf Kosten der Anstalt zu ertheilen. Wie bestimmt verlautet, sollen Seitens der Regierung drei höhere Ministerialbeamte und der liberale polnische Reichstagsabgeorduete HofrathGniewoß, dessen judenfreundliche Rede im Parlament seiner Zeit Aufsehen erregt hat, als Mitglied des Kuratoriums designirt werden. — Es ist übrigens Glicht unbemerkt geblieben, daß kurz vor der erfolgten Bestätigung Herr Dr. J'ellinek aus dem Kuratorium ausgetreten ist. Welche Grunde den verehrten Mann bewogen haben, zurückzutreten, entzieht sich unserm Wissen. s. Budapest, 15. Januar. Vor einigen Tagen starb hier ein gewisser David Friedländer, der auch im Auslande nicht ganz unbekannt ist. Er war früher Hausirer; als das Geschäft nicht mehr ging, verlegte er sich ans die jüdische Litteratur. Zuerst veröffentlichte er unter dem Titel: TO einen Kalender; dann wollte er eine Geschichte der Inden von den ältesten Zeiten herausgebeu. Zu diesem Zwecke machte er eine Reise durch Baiern, Baden, Württemberg und die Schweiz, um Pränumeranten auf sein Werk zu sammeln. Als er deren fünfzehnhundert unb ebenso viele Mark zusammengebracht hatte, kehrte er hierher zurück unb suchte, da er selbst nicht schreiben konnte, Jemand, der ihm eine Geschichte zusammenstelle. Er fand, was er suchte, ließ auch einige Bogen drucken, da fehlte es ihm an Druckkosten, die er sich nicht verschaffen konnte. Friedländer war sehr fromm und wurde von den hiesigen autonomen Orthodoxen begraben. * Preßburg, 10. Januar. Gelegentlich der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers aus Anlaß der Eröffnung der stabilen Brückesind auch Deputationen der hiesigen israelitischen Gemeinden empfangen worden. Herr Rabbiner Dr. Julius David führte die Deputation der Religionsgemeinde und hielt an Se. Majestät folgende Ansprache: „Eure K. und K. apostolische Majestät! Allergnädigster Herr und König! In tiefster Ehrfurcht und mit dankbaren Gefühlen erscheinen wir als Vertreter der israelitischen Religionsgemeinde vor Eurer Majestät zur huldigenden Begrüßung. Es gehört zu den beglückendsten und glorreichsten Thaten Eurer Majestät, daß die Israeliten Ungarns gleichberechtigt und gemeinsam mit den übrigen Staatsbürgern zum Gedeihen und Aufblühen des geliebten Vaterlandes mit beitragen, Freud und Leid mit demselben theilen dürfen. Die Bekenner des jüdischen Glaubens werden sich aber auch stets der Huld und Gnade Eurer Majestät würdig erweisen. Der himmlische Allvater möge Eure Majestät, den treuesten Vater des Vaterlandes, reichlich segnen und lauge in ungetrübter Freude erhalten." — Hierauf bat Herr Dr. David, Seine Majestät möge gestatten, daß er bedeckten Hauptes die vorgeschriebene Benediktion spreche, was der König huldvoll erlailbte. — Seine Majestät erwiederte auf diese Allsprache Folgendes: „Ich nehme die Versicherung Ihrer Treue und Ergebenheit mit Befriediglmg entgegen. Die stets bewährte Loyalität der Preßburger Israeliten ist mir wohl bekannt, und Sie können daher auch in Hinkunft auf Meinen Schutz und Meine unwandelbare Gllade rechnen." — Hierauf walldte sich Seille Majestät an Herrn Dr. David mit der Frage, ob seine Religionsgenossenschaft als besondere Gemeinde auch ihre eigene Synagoge habe, was der Rabbiner bejahte, mit dem Hinzufügen, daß sie jetzt im Begriffe sei, einen neuen Tempel zu bauen, da' die alte Syilagoge zu klein sei. „Zu klein also," erwiederte Seine Majestät allgenehm berührt. Dann sprach er noch einige Herren aus der Deputation an, die er hieralrf huldvoll entließ. N. + Prag, 11. Januar. Gestern hielt Herr Dr. Nathan Grün im Afike-Jehuda-Verein einen Vortrag über „Indische Litteratur und jüdisches Leben am Ende des vorigen und Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts." Der Vortragende behandelte sein Thema nach einer orientirenden Einleitung in zwei Theilen. Jni ersten besprach er die Geisteserzeugnisse der Schüler Mendelsohn's, ihre Begeisterung für die hebräische Sprache unb für die sinngemäße Erklärung der Bibel. Er wies danll nach, wie dadurch der strenge Talnmdismus mit seiner pilpulistischell Richtllng beeinflußt wllrde, und besprach die Bewegllngen, welche dadurch in der Prager Gelueillde, die vom Geiste des R. Ezechiel Landau dllrchträllkt war, hervorgerufen worden sind Im zweiten Theil wurde ein Bild des sozialen und religiöseil Lebens dieser Zeit in sehr anziehender lehrreicher Darstellung gegeben, wobei es an geistreichen Vergleichungen mit der Gegenwart nicht fehlte. Der Vortrag war eine viel Neues bietende gründliche Ouellenstudie. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte gespannt dem Vortrage unb zeichnete den Redner am Schlüsse durch wohlverdiente Beifallsbezellgllngen aus. Schweden. r. Stockholm, 11. Januar. Am 21. Dezember, dem Namenstage unseres Königs, wurde dem Herrn Abraham Hirsch, Ritter des Wasaordens, auch der Nordsternorden verliehen. Diese ehrenvolle Allszeichllung ist ihm vermuthlich als vieljährigem Direktiousmitgliede der königlichen Musik-Akademie zu Theil geworden. Aber auch nach anderen Richtilngen hin hat sich Herr Hirsch große Verdienste erworben, und wenn einst die Geschichte unserer Gemeinde geschrieben wird, ist dem Namen Abraham Hirsch ein Ehrenplatz gesichert neben beueu, die unablässig und mit bestem Erfolge für die Emanzipatioll ihrer schwedischen Glaubensgenossen ihre ganze Persönlichkeit einsetzten. Vermöge seiner hochangesehenen sozialen Stellung, seines milden Wesens, seiner umfassenden Bildung und Kenntniß der jüdischell Geschichte und Litteratur ist es ihm gelungen, manches Vorurtheil gegen Juden und Judenthum zu beseitigen. Fast 35 Jahre lang war er Präses der Schulkommission und nicht nur dem Namen nach, er war es voll und ganz und unterzog sich mit unermüdlichem Eifer den Pflichten, die diese Stellung ihm auferlegte. Für die Kinder der Armen war er — es ist nicht zu viel gesagt — die irdische Vorsehung, er half, wo er nur konnte und wo ausreichende Mittel nicht vorhanden waren, da hat sein mildes Wort, sein trostreicher Zuspruch das Fehlende ersetzt. Weit über die Schillzeit hinaus erstreckte sich sein Wohlwollen, seine Fürsorge für die Kinder der jüdischen Familien, und obwohl auch ihm bittere Enttäuschungen nad) dieser Seite hin nicht erspart geblieben, so ermüdete er dennoch nicht in seinem edlen Thun. Seine schönste Belohnung fand er darin, wenil es ihm gelang, einen armen polnischen Knaben dem Schacher zu entreißen unb zu einem nützlichen Haildwerk heranzuziehen, und wo er gute Geistesanlagen bemerkte, da ließ er es all Opfern nicht fehlen, zu weiteren Studien Mittel zu verschaffeil. Durch vorgerücktes Alter gellöthigt, die Ehrenstellungen in der Gemeinde jüngeren Kräftell zu überlassell, bethütigt er doch fortwährend jeiit lebhaftes Interesse für unsere Allgetegeilheiten. Strebsame Jüilglinge suchen lloch jetzt nicht vergeblich sein Haus auf, mit fast jugendlicher Begeisterung umfaßte er heute noch höhere Ideen, edle Zwecke fttibeit in ihm immer .noch einen regen Förderer, die Synagoge zählt ihn zu beu fleißigsten Besuchern und wir mit Stolz zu den Zierden unserer Gemeinde. Möge ihil der Himmel uns noch lange, recht lange als leuchtelldes Vorbild für unsere jüngere Generation erhalten! In der letzten Gemeindesitzung theitte der Vorstand mit, daß Herr Ab r a h a m Hi rsch einen Betrag von 3000 Krollen der Gemeindeklasse zll wohlthätigen Zwecken überwiesen hat. Palästina. * Jerusalem, im Dezember. Der Zustand der Kolonie Ram l eh ist gegenwärtig folgender: Es wohneil daselbst 17 jüdische Familien, mit einer Seelenzahl von 82 Personen, die sich auf ehrliche unb anständige Weise ihr Brod verdienen. Allell, mit Ailsnahme einer Familie, hat der Verein L'mann Zion hilfreiche Hand geboten, uni sie in btefen verhältnißmäßig glücklichen Zustand zu versetzeli. Freilich ist die Zahl der Familienhäupter noch zu gering und die Zeit ihres Aufenthaltes noch zu kurz, als daß sie im Stande sein sollten, die für eine jüdische Gemeinde nöthigen Einrichtungen herzustelleu; darum zögerte der Verein nicht, der neu geschaffenen Gemeinde zllr Allsübung ihrer religiöseil Verpflichtungen kräftig zur Seite zu stehen. Er stellte zunächst einen Schächter unb Lehrer an und sorgte für die Errichtung einer, wenn auch bescheidenen Synagoge, die mit 2 Thorarollen versehen wurde, sowie für die Herstellung eines rituellen Bades. Durch diese Einrichtung ist Ramleh zu einer Niederlassung geworden,- welche eine mächtige Anziehungskraft auf weitere jüdische Kreise ausübt, lmd wir glauben llicht zu viel zu behaupten, wenn wir sagen, daß der Verein schon durch diese That allein feine Befähigung, das Wohl unserer Brüder im hl. Laude zu fördern, auf das Glänzendste dokumentirt hat. Denll so viele Vereine wie auch einzelne einflllßreiche lmd hochbegabte

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