Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 kurzen Zügen ein Bild von der Geschichte der hiesigen Gemeinde sowie von der Statistik des Vereins. Der stellvertretende Bürgermeister Herr I. Wi ern s zo w ski verstand es, in würdiger Weise auch den edlen Frauen, die sich um den Verein verdient machen, die gebührende Anerkennung zu zollen. Noch eine Reihe von Ansprachen, der Vortrag von hebräischen und deutschen Festgedichten, das Verlesen von Begrüßungs-Depeschen und Gratulations-Schreiben würzten das Mahl- Den Dank der Gäste für die geschickte Arrangiruug des Festmahls brachte der praktische Arzt Herr Dr. Glogowski zum Ausdrucke, indem er in einem mit Beifall allsgenommen Toast dem Festkomitee das verdiente Lob spendete. Bis spät in die Nacht blieben die Gäste in Festesstimmung vereint. Mall schied mit dem Wunsche von einander' daß der fromnie Sinn der Gottesfurcht und der Menschenliebe, der stets in der Mitte der Chewra Kadischa gewaltet, bis in die späteren Zeiten derselben erhalten bleiben möge. -kt. Posen, 18. Januar. Generalversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Qstprovinzen. Am 25. Dezember fand in Keiler's Hotel Hierselbst die für diesen Tag ausgeschriebene Generalversammlung des am 2. Oktober neugebildeten jüdischen L ehr erverein s für die Provinzen Posen, Preußen re. statt. Bonden etwa 110 in linserer Provinz nmtirenden jüdischen Lehrern waren 24, aus dem benachbarten Westpreußen 2 Kollegen, zusammen 26 Lehreranwesend. Der Vorsitzende, Hanptlehrer Herbst-Lissa, bemerktein seiner Ansprache, daß diese Zahl an sich und im Verhältniß 31t der Gesammtzatzl der nmtirenden Genossell zwar noch eine geringe. jedoch im Hinblick darauf, daß der Verein vor noch nicht 3 Monaten ins Leben getreten und aller Anfang schwer sei, immerhin schon eine respektable zu nennen ist, und daß die Mitgliederza hl schon 39 betrage. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser, der so außergewöhnliches Interesse für die Schule zeige-, dieses Hoch fand bei den Anwesenden begeisterten Widerhall. Die Versammlung alierkennt das Vorgehen ihres Vorsitzenden zur Abwehr von llnberechtigten Allgriffen, die nur auf Unkeniltniß zurückzuführen sind nnb schreitet zur Erledigung der Tagesordnung. Die Satzungell werden in Gemäßheit der Tagesordnung zunächst berathen. Obwohl im Gallzen der Entwurf des Vorstands, welcher.der Versammlung vorgelegt wird, gebilligt wird, entspinnen sich doch bei einzelnen Punkten, namentlich im Anfänge über deil Namen des Vereins, eine lebhafte, und zeitraubende Debatte. — Zu Punkt 3, „Wie verhält sich die Vers ammlung zu den 15 Sätzen der Ethik des Juden thums?" ergreift der erste Lehrer der Religiollsschule zu Bromberg Herr Herzberg das Wort und erstattet ein Referat, das in 6 Leitsätzen gipfelt. Beides findet bei den Versammelten volle Zustimmung. Der Vorsitzende stattet dem Referenten für seine so gern übernommene und so liebevoll und schön ausgeführte Arbeit seineil Dank und beit der Versammlung ab, welche dies dllrch Erheben bekundet. Auf den Antrag des Vorsitzenden erklären die Allwesenden allßerdem durch eigenhändige Unterschrift ihre unumwundene Zustimmung zu den „fünfzehn Sätzen". Durch diese beiden Gegenstände ist die Zeit aber so verbraucht worden, daß an eilt weiteres Verhandeln nicht gedacht werden kann. Aus diesem Grnnde erhält der Vorsitzende von der Versammlllng die Ermächtigung. Punkt 4 „Was haben wir von der Gesetzvorlage über das Volksschulwesen zu erwarten?" für welchen Kollege Becker-Wollstein das Referat geben wollte, für heute fallen 311 lassen. Der Vorsitzende theilt mit, daß Herr Becker seinen Vortrag in einer Zeitschrift drucken lassen wird und daß dann Jeder ihn lesen könne. Er dankt Herrn Becker für feine freundliche Bemühung. Zum Schluß wird vom Vorsitzenden als Vorort für die nächste Versammlung Lissa vorgeschlagen. Hier soll im Oktober 1891 die Provinziallehrerversommlung stattfinden. Kommt der Verein in denselben Tagen in Lissa zusammen, so kann er gleichzeitig den Berathungen der allgemeinen Provinzialversammluug beiwohnen und so praktisch alle ungerechtfertigtell Vorwürfe, wie eine beabsichtigte Absonderung, entkräftell. Außerdem glaube er, dem Vereine iit Lissa eine freundliche Aufnahme versprechen zu dürfen. Das gemeinsame Mahl, das nun folgte, wurde durch manchen Toast, durch manches Scherzwort erheitert. Immer klang die Befriedigung hindurch, daß wir uns so schön zusammengefunden. Man hatte sich die Verhandlungen nicht so anregend, das Beisammensein nicht so gemüthlich vorgestellt. Nun, wir hoffen, daß es im gemüthlichen Lissa noch schöner sein und die Zahl der Theilnehmer eine zugleich größere sein wird! Auf Wiedersehen also in Lissa im Oktober; vielleicht lernt dann mancher Kollege, wie man Gastfreundjchast ausüben kann. * Hannover, 16. Januar. Der dritte Jahresbericht des „Vereins zur Förderung des Gartenbau- und Hand fertigkeits- Unterrichts in der jüdischen Volksschule" ist erschienen und weist erfreuliche Resultate auf. Wir entnehmen dem interessanten Bericht Folgendes: „Am 21. Oktober 1889 nach Schluß der Herbstferien begann die Winterarbeit. Die Seminaristen arbeiteten an 21 Tagen, die Präparandeu an 19 Tagen, die Knaben der Uebungsschnle an 79 Tagen. An der Papparbeit nahmen 4 Präparanden, an der Holzarbeit 8 Seminaristen und 3 Präparanden. an beiden Arbeiten eine Abtheilung von 15 bezw. 5 Uebungsschülern Theil. Der Besuch war regelmäßig, die Leistungen waren zufriedenstellend. Das Arbeitsziel wurde gleich wie im Vorjahre erreicht, zum Theil übertroffen. Die mit Liebe und Fleiß ausgeführten Arbeiten wurden vom 12. bis 20. Mai 1890 öffentlich in unserem Arbeitssaale ausgestellt. Mit der Ausstellung war eine Verloosung und eine Belohnung der besten Arbeiten verbunden. Wir hatten die Freude nnb Anerkennung, daß auch der Herr Generalmajor a. D. v. Zedwitz und Herr Stadtschulinspektor Blanke die Arbeiten besichtigten und ihre volle Zufriedenheit mit denselben aussprachen. 11m die Handfertigkeitsarbeiten bei den Seminaristen zum Abschluß 31t bringen, wurde zum ersten Mal der Versuch mit Anfertigung je eines Probestücks in Holzunb Papparbeit gemacht. 4 Abgangsschüler, welche Ostern 1891 die Anstalt verlassen werden, führten solche ans, indem jeder von ihnen einen Kasten mit 2 Abtheilnngen aus Holz anfertigte und je ein Buch einband, wobei ihnen vom Lehrer kein Beiftcmb geleistet wurde. Die Arbeiten fielen befriedigend aus; nur ließ das Zinken der Holzarbeiten noch zu wünschen übrig. Wir hoffen aber, daß in dem neuen Arbeitsjahre auch diese, allerdings sehr schwere, Art von Holzarbeit ebenfalls befriedigend ausfallen wird, so da^ die an unserer Arbeitsstätte ansgebildeten Lehramtsanwärter auch den Handfertigkeits-Unterricht werden ertheilen können. Zum ersten Mal machten uniauch, durch die Anregung des Herrn Salomon nnb ein Geschenk desselben im Betrage von 50 Mark dazu veranlaßt, einen Versuch mit Anfertigung künstlicher Blumen. Herr Goebel, unser Gärtner, mit dieser Arbeit sehr vertraut, unterwies in ihr die Uebungsschüler. Der Erfolg war ein sehr erfreulicher. Die Kinder arbeiteten mit Lust und Eifer, und die gelieferten Arbeiten waren sehr schön ausgefallen. Die Gartenarbeiten waren denen im vergangenen Jahre gleich und ihr Erträgniß zwar nicht groß genug, aber erfreulich für die arbeitenden Uebungsschüler. Die Allsgaben für den Gartenbau sind zwar um 25V» Prozent größer als der Erlös gewesen; aber die Kinder durften selbst reichliche Ernte halten und ihren Eltern bringen. Ein Rückblick auf das Gesammtergebniß unserer Vereinsthätigkeit berechtigt uns, freudig anznerkennen, daß der Segen des Allgütigen unserem Werke nicht fehlte, die Theilnahme für dasselbe sich gehoben und die Erziehungsaufgabe unseres Vereins ihrem Ziele bedeutend näher gekomnren ist." * Darmstadt, 19. Januar. Ein merkwürdiger Umschwung in Bezug auf die Gemeiuschädlichkeit des Antisemitismus hat sich bei unseren Behörden vollzogen. Der Oberstaatsanwalt Schlippe hat jüngst ein Ausschreiben an die Staatsanwaltschaften und die Amtsanwälte ergehen lassen, in welchem nach der „Frkf. Ztg." diese Behörden angewiesen werden, in allen Strafsachen antisemitischen Anstrichs, in denen Israeliten als beleidigte Privatkläger auftreten, wegen des anzunehmenden öffentlichen Interesses die Strafverfolgung der bezüglichen Klagen selbst in die Hand zu nehmen. Oesterreich - Ungarn. * Wien, 15. Januar. Was wir schon vor einiger Zeit als bevorstehend ankündigten, ist nun eingetroffen. Nach langem ^Zögern hat die Negierung die Baron Hirsch'sche Stiftung für Galizien und die Bukowina bestätigt. In Galizien verspricht man sich sehr viel von dieser Stiftung, und ist es Sache der kompetenten Kreise, dafür Sorge zu tragen, daß das Jnslebentreten nicht weiter hinausgeschoben werde. Wie bekannt, bildete die Zusammensetzung des Kuratoriums den Zankapfel zwischen der Regierung und dem edlen Stifter, und es hat nicht viel gefehlt, so hätte sich die ganze Sache zerschlagen. Schließlich trug die Regierung den Interventionen des Baron Hirsch doch theilweise Rechnung, und das insofern, als sie sich damit begnügte, ins Kuratorium vier Vertrauensmänner zu entsenden, während der Baron 14 Personen fürs erste Kuratorium ernennen wird,' welche sich bei eintretenden Vakanzen durch Kooptation ergänzen. Von den 18 Mitgliedern der. Verwaltung müssen wenigstens zwölf in Wien wohnen und mindestens vierzehn Juden sein. Die Stiftung wird den Namen führen: „Baron