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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-22 · Heft 4 (22.1.1891) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Männer mit Ausbietung großer Geldmittel es bisher versuchten, durch Ansiedelung von Juden im hl. Lande denselben neue Quellen zu selbständigem Erwerb zu erschließen, so ist dies bisher doch Niemandem gelungen. Der „L'mann Zion" hat es mit sehr bescheidenen Mitteln fertig gebracht, eine jüdische Niederlassung zu begründen, die seit einem Jahre bereits auf eigenen Füßen steht. Afrika * Mogador, im Dezember. Bor einigen Wochen hatte Herr Lumbroso, ein israelitischer Notabler, italienischer Unterthan, mit seiner Familie einen Tag auf einer kleinen unbewohnten Insel zubringen wollen, die an der Einfahrt des Hafens gelegen ist, und wohin sich die Europäer oft zum Vergnügen begeben. Unser Caid verbot ihm ausdrücklich, die Insel zu besuchen und untersagte sogar den arabischen Schiffern, ihn hinzufahren. Herr Lumbrosv ließ den Gouverneur durch den italienischen Konsul nach dem Grunde dieser , Weigerung fragen. Dieser antwortete, er habe vom Sultan den Befehl erhalten, die Leute am Besuch der Insel 31t verhindern. Bei dem Einwande, den ihm Herr Serusi, der italienische Konsularagent, selbst ein Israelit, machte, daß es den anderen Europäern frei stehe, die Insel 311 besuchen, und Herrn Lumbrosv dasselbe Recht zustehen müsse, gab der Eaid die Antwort: „Die anderen Europäer sind keine Juden, aber Herr Lumbrosv ist Jude. Die Beleidigung war ebenio gegen Herrn Serusi wie gegen Herrn Lombroso gerichtet. Es blieb dabei, und Herr Serusi theilte die Angelegenheit seinem Minister Herrn Cantagalli mit. Der italienische Minister eilte ohne Verzug nach Rabat zum Sultan, erhielt von ihm einen Brief an nnferen Caid, einen Brief, welchen die italienische Mission, die gerade nach Mogador aufbrach, dem Caid eigenhändig zu übergeben den Auftrag hatte. Dieser mußte ans Befehl des Sultans sich zu Herrn Serusi begeben und in Gegenwart der ganzen italienischen Mission seine Entschuldigung aussprechen wegen der den Herren Serusi und Lumbrosv zugefügten Beleidigung. Eine glänzende ltnb schnelle Genugtuung, die der Energie des Herrn Cantagalli zu danken ist! Seit dieser Lehre gewährt der Caid den Israeliten das Recht, die Insel zu besuchen. Amerika. * Washington, 1. Januar. Das hiesige Census-Bureau hat eine spezielle Statistik des israelitischen Theiles der Bevölkerung der Verein igten Staaten aufnehmen lassen und wird dieselbe demnächst in Bulletin-Form veröffentlichen. Die Statistik ist zwar keine ganz vollständige, dürfte aber trotzdem eine ganz interessante sein. Die betreffenden statistischen Erhebungen beschränken sich auf 10,618 Familien mit zusammen 66,630 Mitgliedern am 31. Dezember 1889. Während der am letztgenannten Datum beendeten fünf Jahre hatten in diesen Familien im Ganzen 2148 Eheschließungen, 6038 Geburten und 2062 Todesfälle stattgefundeu. Daraus, daß zwei Drittel dieser Familien einen oder mehrere Dienstboten hatten, schließt das Census-Bureau, daß sich dieselben in guten Verhältnissen befinden. Am 31. Dezember 1889 war die Durchschnittszahl der Mitglieder jeder Familie 5,71 unb während der an dem genannten Datum beendeten fünf Jahre 5,47. Die jährliche Durchschnittszahl der Heirathen betrug pro Tausend nur 7,4 gegen 18 bis 22 für den nichtjüdischen Theil der Bevölkerung der östlichen Staaten. Auch war das Alter der die Ehe eingehenden Personen bei den Israeliten durchschnittlich viel höher als bei bem anderen Theile der Bevölkerung. Alls diesen Gründen erklärt sich auch die verhältnißmäßig geringe Geburts-Rate. Die Durchschnittszahl der Todesfälle während des in Rede stehenden fünfjährigen Zeitraums war 7,11 pro 1000, etwa die Hälfte der Durchschnittszahl für die ganze Bevölkerung. Auf Basis der im Jahre 1889 vorgekommenen Todesfälle berechnet, ist die Höhe des Wahrscheinlichkeits-Alters für die männlichen Israeliten 61,11 und für die weiblichen 56,02 gegen 49,99 und 48,05 für den männlichen resp. weiblichen Theil der anderen Bevölkerung, wie seitens der Lebensversicherungs-Gesellschaften angenommen zu werden pflegt. Je länger der Aufenthalt der Israeliten in diesem Lande dauert, desto mehr nehmen die Todesfälle unter ihnen zu und die Geburten ab. — So weit der lins vorliegende Auszug aus dem betreffenden Census- Bericht. - 9 Mir Uali und Fern. ..= Die Wittwe des jüngst verstorbenen Rentiers Elias Mehet hat dem Deutsch - Israelitischen Gemeindebunde eine Spende "von 1500 Mark zugehen lassen. —- Wie das „Berliner Tageblatt" nunmehr gleichfalls mittheilt, ist der bisherige erste Assistenzarzt am jüdischen Krankenhause, Dr. Lazarus, einstimmig an Stelle des verstorbenen Professor Jakobsohn auf Empfehlung hervorragender Autoritäten zum di.rigirenden Arzt der Anstalt gewählt worden. — Der Führer der Orthodoxen in der Berliner Repräsentanten-Versammlung, Herr Sanitätsrath Dr. Blumeuthal, hat das Kommandeurkreuz des Ordens Jsabella's der Katholischen erhalten. — In Königsberg i. Pr. fiitb wieder A usWeisungen verschiedener p olnischer Juden verfügt worden, was um so mehr Aufsehen erregt, als dieselben erfolgen, nachdem für die Landwirthe die Annahme polnischer Arbeiter wieder gestattet worden ist. —Gedenkblätter zur Erinnerung an Dr. Joel werden im Laufe dieses Monats im Verlage von Wilhelm Jacobsohn und Co. erscheinen. Außer biographischen Beiträgen soll die Erinnerungsschrift sämmtliche Reden, die bei der Beerdigung des Dr. Joel in der ©tyitagoQe und auf dein Friedhofe gehalten worden sind, ihrem Wortlaute nach enthalten. — Zum Rabbiner der Synagogen-Gemeinde in Psnne ist Herr Dr. Schlesinger gewählt. — Der erste Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Hannover, Herr Geheimer Sanitätsrath Dr. Cohen, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. - Die Stadtverordnetenversammlung zu Magdeburg hat in den Ausschuß zur Vorberathung der Schulangelegenheiten die Stadtverordneten Rabbiner D r. R a h m e r und Oberstabsarzt Dr. Rosen th al einstimmig wiedergewählt. — Einen dankenswerthen Beschluß hat das königliche Vorsteherami der Israeliten in Kassel gefaßt. Allen ihm unterstellten Lehrern ist angesichts der gegenwärtigen hohen Lebensmittelpreise eine Th eu erungsz ul age von 50 M. bewilligt worden. Möge dieses Beispiel zur Nachahmung anregen! — Aus Worms, wie aus Gießen wird von groben antisemitischen Exzessen gemeldet, welche von Korpsstudenten gegen harmlose jüdische Wirthshausbesucher begangen worden sind. — Das Rabbinerseminar in Straßburg hat zu bestehen aufgehört. Die künftigen Abiturienten der Vorbereitnngsanstalt in Colmar werden ihre Studien in Berlin oder Breslau machen. — Im österreichischen Heere betrug im Jahre 1889 die Zahl der jüdischen Soldaten 38,483. — Es geschehen noch Wunder. So wird aus Budapest gemeldet: Der vor einigen Jahren als antisemitischer Agitator bekannte Pfarrer Zimandy hat soeben eine Stiftung von 10.000 fl für die Kinderbewahranstalt in seinem Pfarrsitz Törokbaliut gemacht, die ausdrücklich für Kinder ohne Unterschied der Konfession bestimmt ist. — Bei den Judenausweisungen aus Rußland wird anscheinend jetzt humaner verfahren. Das russische Ministerium hat, wie berichtet wird, seit drei Wochen Maßregeln ergriffen, um der Willkür der unteren Beamten Einhalt zu thun. Dadurch ist es endlich den Leuten möglich geworden, ihre Angelegenheiten in Ruhe zu ordnen mit) ihr Eigenthum zu verkaufen. — Herr A. Ralph in Portsmouth hat für die dortigen Schul- und Wohlthätigkeitsanstalten die stattliche Summe von 7250 Pfd. Sterl. (145 000 Mk.) hinterlassen. — Die Gesellschaft „les etudes juivcs“ nimmt ihre Konferenzen wieder auf. Die erste fand am 20. Dezember statt, in welcher Professor Cagnat am französsischen College „über die römischen Heere bei der Belagerung von Jerusalem" gesprochen. - Der „Prix Capuron" im Betrage von 10,000 Franks wurde dem Dr. Josef Schuht in Nancy für seine Arbeit über eine von der Akademie gestellte Preisfrage zuerkannt. Dr. Schuht ist ein junger Arzt von 29 Jahren, welcher seit fünf Jahren Vorsteher der Klinik an der Fakultät zu Nancy ist. Ein zweiter Preis in gleicher Höhe wurde > dem bekannten Arzt Dr. Netter in Paris zuerkannt. — Die italienische- Deputirtenkammer hat zum Präsidenten der Budgetkom- Mission den Nationalökonomeu Sgr. Luigi Luzzatti mit 24 von 27 Stimmen gewählt. — In Palästina macht die Kolonisation Fortschritte. So wird gemeldet, daß wieder ein Sgr. Zadok Gerber aus Dünaburg mit bedeutenden Mitteln nach dem heiligen Lande gereist ist, um daselbst eine neue Kolonie zu gründen. Trink uni) Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauch Witz in Berlin.

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