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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-22 · Heft 4 (22.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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55. Jahrgang.!itr. 4. löerlin, 22. Januar 1891. Dev Gemeindebole. WeiLcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHnrns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 17. Januar. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Berathung des Volksschnlgesetzes beschäftigte sich gestern weiter mit § 17. Abgeordneter Windthorst beantragt, daß die für den Religionsunterricht in jeder Schulklasse bestimmten Stunden nach Zahl imb Zeit im Einvernehmen mit dem zuständigen Organ der Religionsgesellschaft festgestellt werden und die Lehrpläne für den Religionsunterricht und die für diesen einschließlich der religiösen Uebung dienenden Schulbücher von den zuständigen Organen der Religionsgesellschaft unter Benehmen mit der Schulaufsichtsbehörde bestimmt werden, mit der Maßgabe, daß diese Behörde einer Ausführung der Bestimmung nur wegen Verletzung des Staatsinteresses und unter Angabe von Gründen entgegentreten darf. Dieser Antrag wird mit großer Majorität abgelehnt. 0 Berlin, 18. Januar. Der israelitische Frauen-Unterstützung s -Verein Ostend hat es sich seit Jahren angelegen sein lassen, arme jüdische Wöchnerinnen und kranke Frauen im Osten der Stadt Berlin, und dann weiter auch in den anderen ärmeren'Stadtgegenden thatkräftig zu unterstützen. Dank der uneigennützigen, echt frauenhaft barmherzigen Thütigkeit der Vorstands-Damen ist schon manchem Elend vorgebeugt worden - doch bei den beschränkten Mitteln des Vereins ist es leider nicht überall möglich, Freude und Hilfe in die Wochen- und Krankenstuben zu bringen. Darum richten wir einen Appell all rillsere mitleidigen jüdischen Damen, ihr Scherflein beizlltragen zu diesem wahrhaft menschenfreundlichen Verein. — Am 22. Januar findet in Keller's Festsälen, Köpnicker Straße 96/97 ein Elite-Konzert statt, von diesem Vereill veranstaltet. Die Verkaufsstellen der Billete a 1 M. werden drei Tage vorher im Jnseratentheil politischer Blätter bekannt gegeben. Der Erlös des Festes kommt armen Wöchnerin neu und alten schwachen Frauen zu Gute. 8! Berlin, 18. Januar. Der Verein der Posen er hielt seine 22. Generalversammlung am Sonnabend, den 17. Januar er., Abends 8 Uhr, in Cassels Hotel, Burgstr. 16, ab. Nach dem ausgegebenen Rechllungsbericht für das Jahr 1890 beträgt die Mitgliederzahl 858; die Einnahmen betrugen 5855,45, die Ausgaben 2923,2'> Mk., worunter 2584,30 Mk. für Unterstützungen. Das Vereinsvermögen betrllg am 31. Dezember 1890 15,692.13 Mk. Der Verein bezweckt hauptsächlich, würdigen und bedürftigen Personen, welche aus der Provinz Posen stammen und in Berlin dauernd ansässig sind, Unterstützung zu gewähren, und zwar in erster Reihe seinen Mitgliedern oder solchen, welche dem Verein früher angehörten, sowie bereu Wittwen und Waisen. * Berlin, 19. Januar. Bei der gestrigen Feier desKrönungs - n n d O r d e n s f e st e s wurde Herr D r. P inner, Professor an der Thierärztlichen Hochschule zu Berliil, mit dem Rothen Adlerorden IV. Klasse, Herr D r. G o l d s ch m i d t. Geheimer Justizrath und ordentlicher Professor an der Universität zu Berlin, mit dem Kronenorden II. Klasse, und Herr S chnerb, Kantor in Herlisheim, mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen dekorirt. □ Berlin, 18. Januar. Der Petersburger Korrespondent der „Times", der sich bisher in der Angelegenheit der russischen Juden als wohlunterrichtet gezeigt hat, meldet, daß die Inkraftsetzung der neuen Gesetze gegen die Juden in Rußland auf Befehl des Zaren für drei Jahre sistirt worden sei. Man fragt sich erstaunt, welcher Umstand diese plötzliche Wandlung hervorgerufen habe. Hat der Protest der englischen Bürger seine Wirkung geübt? Haben, wie es gerüchtweise verlautete, dem Zaren nahestehende Fürstlichkeiten ihren Einfluß zur Geltung gebracht? Oder — unsere Meinung über Rußland gestattet uns auch diese Kombination — hängt die versöhnliche Stimmung etwa mit der neuesten russischen — — Anleihe zusammen? Der eigenthümliche Umstand, daß zu dieser Anleihe sowohl in Berlin, wie in Paris, Wien und London jüdische Bankhäuser von der russischen Regierung ausgesucht worden sind, läßt tief blicken. Doch, wie dem auch fei, wir freuen uu§ im Interesse der Humanität dieses Aufschubs, der hoffentlich ein dauernder sein wird.! K Stettin, 15. Januar. Zum Bestell einer in Stettill zu grüni denden jüdischen Alterversorgungs-Anstalt veranstaltete kürzlich Herr Kantor Sarafohn unter Leitung des Herrn Kabisch, Direktor der Akademie für Kunstgesang, ein Konzert, das eine Einnahme von tausend Mark brachte. Der Direktor sowohl, als and) die niitwirkenden Dainen gehören den besten Kreisen der christlichen Gesellschaft an. Es sei ihnell hiermit im Namen der dortigell jüdischen Gemeinde der verbilldlichste Dank allsgesprochen. * Colberg, 15. Januar. Unser Kur Hospital tritt mit seinem 17. Jahresbericht au die Oeffeutlichkeit, der lautes Zengnlß voll rühmlicher Thätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege ablegt. Nicht welliger als 119 würdige, arme uub zugleich kranke Personen sind in der Zeit vom 1. Juni bis 1. Oktober 1890 verpflegt worden, und zwar völlig unentgeltlich. Zu den Pfleglingen gehörten 42 Personen männlichen lind 77 weiblichen Geschlechts, 46 berfelben waren kränkliche, in ihrer Entwicklung zurückgebliebene oder schwächliche Kinder unter 14 Jahren, die auf Antrag von Krankenhäusern, Schulen, Waisen- Erziehungs-Anstalten oder Vereinen, Ferienkolonien oder Privatpersonen Aufnahme in dem Hause fanden. In der zu dem Hospital gehörigen Badeailstalt sind 2528 Soolbäder uilentgeltlich abgegeben worden, und zwar kamen 1882 derselben auf die Pfleglinge des Hauses j und 646 auf sonstige unbemittelte Personen, die der Anstalt nicht an-! gehört haben. Dank der Hochherzigkeit unserer städtischen Behördell! haben die Pfleglinge auch noch in der städtischen Badeanstalt 867 Seebäder nehmen dürfen. Die Anstalt steht unter der bewährten ärztlichen Leitung des Herrn Dr. Weißenberg, der ihr bereits seit Jahren mit hingebender Treue und Umsicht als dirigirender Arzt vorsteht. : Zur Pflege der Pallenten und Beaufsichtigung der Kinder waren ihm! außer dem nöthigen Dienstpersonal eine Hallsmutter uub eine in der j königl. Charite zu Berlin ausgebildete Krankenpflegerin llntergeordnet. Die Einnahmell des Hospitals betrugen 13,313 M. 57 Pf., die Ausgabell 10,584 M. 16 Pf., das Vermögen beläuft sich auf 48,800 M. Es lväre zu wünschen, daß der Fonds des Hospitals reichlicher ausgestattet würde, damit ein so segensreich wirkendes Institut in Bezug auf seine Einnahmequellen mit festen Zählen statt wie jetzt mit dem Zufall zu rechnell habe. Th. M. Kempen (Poseu), im Jamlar. Ein schönes Fest, das für ' die Wohlthätigkeitsbestrebungen innerhalb des Judenthums beredtes Zeugniß ablegt, ist in der hiesigen Gemeinde gefeiert worden. Am! 29.v. M.beging der Krankenverpflegungs- und Beerdigungs-; Verein „Chewra Kadischa" das seltene Jubiläum seilles 200jähri -! gen Bestandes. Aus Anlaß dieses denkwürdigen Tages versammelten! sich um drei Uhr Nachmittags die ganze Gemeinde und viele von aus-! wärts eingetroffene Festtheilnehmer in der mit 200 Kerzen hell erleuchteten j Synagoge, wo ein erhebender Festgottesdienst abgehalten wurde. Nach-! dem der erste Kantor Herr Berliner mit seiner kraft- und klangvollen | Stimme unter Chorbegleitnng passende Gebete rezitirt hatte, bestieg j Rabbiner Herr Dr. L. Münz die Kanzel und hielt die Festrede. Die; Rede schloß mit einem Segen für unfern hochverehrten Fürsten, ben! edelmüthigen und großherzigen Kaiser Wilhelm II., der feinen Thron j auf Gerechtigkeit gegründet und and) die Menschenliebe zur Herrschaft j bringen will. Am Abend fand ein Festmahl statt, all welchen! 160 Verj einsmitglieder und viele Ehrengäste von hier und auswärts theilnahmen.! Die Reihe der Ansprache eröffnete der Sanitätsrath Herr Dr. Hayn j mit einem Toast auf Seine Majestät den Kaiser. Es folgte eine An-! spräche des Stadtverordneten-Vorstehers Herrn H. Bloch, der im j Namen des Vereinsvorstandes die Festversammlung begrüßte. Nachdem i die Gäste durch vorzügliche Speisen und Getränke sich körperlich erfrischt und durch die Musikklänge der hiesigen jüdischen Kapelle ihr Gemüth erheitert hatten, wurde vom Rabbiner Herrn Dr. Münz durch eine gedankenreiche Tischrede auch dem Geiste kräftige Nahrung geboten. Der Gemeinde-Sekretär Herr S. Warschauer gab sodann in klaren

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