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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-22 · Heft 4 (22.1.1891) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
Seite 47 (sequence 11)
Language
German
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47 Fürstliche Opfer. Von Jnlius Hamburger in Lissa i. P. In jedem Jahre werden am achten Tage des Chanukafestes, an welchem in den Synagogen die Zusammenstellung der Geschenke und Opfer zur Verlesung gelangt, welche zur Zeit der Einweihung des ersten jüdischen Altars die Fürsten Israels nach IV. B. M. Kap. 7 darbrachten, scherzhaft die vermeintlichen Unsummen besprochen, welche diese Geschenke repräsentiren. Da werden gern Gold- und Silberwaarenhändler. nicht minder auch Fleischer damit geneckt, daß man ihnen vorhält, welch schönes Lager diese Dinge alle für sie darböten, welchen Nutzen dieselben ihrer Zeit für die Lieferanten abgcworfen haben mögen, und dergl. mehr. Andererseits habe ich Leute gekannt, die Ueberpreise spendeten für das Recht, dieses bezügliche Stück der Bibel sich vorlesen zu lassen, nicht ohne den geheimen Hintergedanken, daß möglicherweise hierdurch auch für sie etwas abfiele. Es haben mich diese Vorgänge schon vor Jahren gelockt, einmal zu berechnen, welchen Werth das Opfer eines Fürsten damals gehabt haben mochte und wie viel die Gesammtsumme für die zwölf Fürsten Israels ergeben mag. Zu meiner eigenen Verwunderung fand ich alsdann, daß die Gaben des einzelnen Fürsten nicht mehr als — „Jrrthnm Vorbehalten" — etwa 1100 Mt., und demgemäß die der gesammten Fürsten etwa 13,000 Mk. betragen haben mögen. In der Rechnung hierüber bilden sich nämlich folgende Posten: 1 silberne Schüssel, 130 Schekel schwer, a 3,00 Mt. 390 Mk. 1 dito Becken, 70 ,. „ ü 3,00 „ 210 ,. 1 goldene Schale, 10 „ ,. ä 45,00 „ 450 „ 1 Rind.30. ,. 3 Stück Kleinvieh ü 5 Mk.15 „ Mehl und Räucherzeug. 5 „ zusammen 1100 Mk. Nehmen wir hierzu noch diejenigen Gaben, die dem Tempel nicht zu Gute kamen, weil sie von den Festgenossen selbst als Freudenopfer verzehrt wurden, so ergeben sich, und zwar für je 2 Rinder ä 30 Mk.60 Mk. 15 Stück Kleinvieh ä 5 Mk.75 „ zusammen etwa noch 135 Mk. Zur Erläuterung obiger Werthzahlen gebe ich folgende Erklärung: Ich rechne das Schekel Silber 3 Mk., weil wir gewöhnt sind, gelegentlich der Auslösung der Erstgeborenen männlichen Geschlechts, für welche IV. B. M. 18, 16 fünf Schekalim vorgeschrieben sind, 5 Thaler oder 15 Mark zu geben. Es gleicht hiernach 1 Schekel einem Thaler — 3 Mk. — 18 Gramm Silber. Hiervon ausgehend rechne ich ferner das Schekel Gold, da das Zwanzigmarksttick 8 Gramm wiegt, gleich 45 Mark und 10 Schekalim 540 Mark.') Ich halte mich hierbei überzeugt, daß mit diesen Werthangaben eher viel zu hoch als zu niedrig gegriffen ist. Dasselbe dürste von den damaligen Viehpreisen gelten. Es soll mich sehr freuen, wenn diese Aufstellung so manchen Leser dieser Zeitung genugsam interessirte, um sein besseres Wissen über dieses Thema an dieser Stelle veröffentlichen zu wollen. Das weitere Geschenk der Fürsten gelegentlich der Einweihung des Altars, aus je einem ganzen Ochsen und einem halben Wagen bestehend, dürfte jedem der Fürsten eine weitere Ausgabe von circa 100 Mk. gemacht haben, was hier der Vollständigkeit wegen nicht unerwähnt bleibe. h Daß mit sah ab, 4 N. M. 7, 14, das Schekel gemeint ist, erhellt unwiderleglich aus Vers 26 das. und außerdem auch aus dem Zweck des Stückes, der Schale. FEUILLETON Koche ist sich. Humoreske nach dem Hebräischen bearbeiiet von Dr. S. Mandelkern. (Fortsetzung.) Als die Seuche in der guten Stadt Serebrjuusk überhand nahm, erließ der Jsprawnik (Polizeimeister) eine Verordnung, daß Straßeil und Höfe gereinigt würden und die Bürger zunl Säubern ihrer Wohnungen angehalten werden sollten. Denn dieser dumme Mensch bildete sich ein, die Seuche setze sich mit Vorliebe an allen unreinlichen Oertern fest. Auch gebot er, daß man scharf darauf achte, daß keine verdorbenen Nahrungsmittel feil geboten würden, daß die Fleischer fein verdorbenes Fleisch und die Fischer keine faulen Fische verkaufen sollten — habt ihr jemals so etwas Dummes gehört? Was sollte denn die Cholera mit diesen Dingen zu thun haben? Bald nach dieser Verordnung brachte ein Jude zweihundert Fässer nicht mehr ganz frischer Fische nach Serebrjansk. Da er sich aber vor dem Jsprawnik fürchtete, so schaffte er die Waare bei Nacht und Nebel in die Stadt und verbarg sie im Hause des Rabbi Lasar, der eine Schänke hielt, um sie hier im Geheimen an die Bewohner der Stadt zu verkaufen. Unglücklicherweise aber wurde die Sache ruchbar, und der Jsprawnik kam mit fünf Gorodowoijs (Schutzleuten) in die Schänke des Rabbi Lasar, um die Fässer zu untersuchen. Ta fürchtete sich der Besitzer der Fische gar sehr, und er sllchte die Beamten mit Geld zu bestechen. Die dummen Kerle aber wiesen das Geld von sich und machten sich, all seiner Bitten llngeachtet, über die Fässer her. Und siehe da, als man die Fässer öffnete, verbreitete sich ein ganz bestialischer Gestank. Da begann der Händler Mord imb Zeter zu schreien. Er schwor hoch und heilig, die Fische seien erst vor kaum acht Tagen gefangen worden und sie zappelten ja noch. In diesem Angenblick ging gerade Rabbi Jacob, der Fischer, an der Schänke vorbei, und da dieser den Beamten als ein redlicher Mann bekannt war — das heißt nach der Meinung der Beamten war er rechtlich — so baten sie ihn einzutreten und sein Urtheil über die Fische abzugeben. Der Fischer trat herzu, blickte in die Fässer und sagte sogleich, daß die Fische bereits in Verwesung übergegangen und unbrauchbar seien. Da ließ der Polizeimeister die Fässer vor die Stadt hinaus schaffen und dort im Sande verscharren; denn ach! dieser Unmensch hatte kein Gefühl für den armen Händler und sein gutes Geld. Der unglückliche Händler aber kam am nächsten Sabbath ins Bethaus und unterbrach das Lesen der Thora. Mit herzbrechender Stimme weinte und klagte er vor allem Volk und bat flehentlich, daß man ihm seinen großen Verlust ersetze und den Fischer Jacob bestrafe, der ihn durch seine unverantwortliche und böswillige Aussage um sein Geld gebracht habe. Unsere so mildherzigen Glaubensbrüder erbarmten sich natürlich über diesen Unglücklichen und sagten einstimmig, eine solche Ruchlosigkeit sei noch niemals vorgekommen, so lange Himmel und Erde stehe. Alle angesehenen.Bürger versammelten sich im Hause des Oberrabbi und baten ihn, er möge dem schwer Geschädigten beistehen. Der Rabbi ließ also dem Fischer Jacob sagen, er möge sogleich vor seinem Richterstuhl erscheinen. Der Freche aber zitterte nicht vor denn Oberrabbi lind seiner Gewalt, sondern erklärte rundweg, er wolle nicht kommen. Darüber gerieth der Rabbi in fürchterlichen Zorn. Noch einmal sandte er seinen Diener zu dem halsstarrigen Fischer und ließ ihn ernsthaft verwarnen nrtb ihm sagen, wenn er nicht sogleich komme, würde es ihm schlecht gehen. So wurde es der Frau Jacobs angst und bange; denn sie fürchtete den Fluch des

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