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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-08 · Heft 2 (8.1.1891) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 2 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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23 Gebete zu Gott empor, daß er dem tapferen Heere unter der Führung des ' Hohepriesters Elieser ben Chonanja, unter welchem auch ihr Sohn Paltia sich befand, zum Siege verhelfen möge. Ja, sie war stolz darauf, daß auch ihr Sohn, ihr einziges Kind, das sie rnit wahrer Zionsliebe liebte, dein Rufe des bedrängten Vaterlandes gefolgt war. Plötzlich aber wurde sie durch ein leises Oeffnen der Thür zu ihrem Gemach in ihrem Nachdenken gestört, und als sie ihren Blick zur Thür wandte, gewahrte zu ihrem nicht geringen Schrecken ihren, Sohn Paltia. „Paltia, Du hier?" „Ja, Mutter!" „Und wo befinden sich Deine Kameraden?" „Sie sind allesannnt gegen die Römer ins Feld gezogen." „Und Du?" „Ich fürchtete mich, — Angst und Grausen bemächtigte sich mein —" Wie von einem Blitz getroffen stand Mirjam mehrere Minuten, unfähig einen richtigen Gedanken ztt fassen, dann aber raffte sie sich auf, riß ihm das Schwert von der Seite und sprach: „Fort, fort aus meinen Augen, Du ungerathener Sohn. Du hast den Namen Deines Baters und Deiner Familie entehrt und geschändet. Fort, fort! (Sin Sohn, feig und silrchtsamen Herzens, darf mein Haus nicht niehr betreten. Geh, geh! Dein Weg aber soll düster und finster und Wiudestoben und Tonnergetöse sollen Deine Begleiter sein. Der Erdboden soll unter Deinen Füßen beben und wanken, Dein Leben soll nie aufhören, doch soll es schlimmer und bitterer fein, als der Tod. Deine Mitmenschen sollen Dich verabscheuen; Du sollst in Deiner Noth Tröster suchen, aber keine finden. Das Feuer soll Dich verzehren, das Schwert vernichten, Dein Leben aber soll nie und nimmer aufhören.' Unstät und flüchtig sollst Du sein, überall sollst Dll Ruhe suchen, aber nirgends Ruhe finden. Dll bist nicht mein Kind mehr! Geh, geh, fort, fort."! Fast zwei Jahrtausende schon zieht der unglückliche Paltia, voll i kn Flüchen und Verwünschungen seiner Mutter begleitet als der j ewige Jude in der Welt umher, nirgends Ruhe und nirgends Rast i findelld. Fast zwei Jahrtausende sind seit jener finsteren Nacht, wo er sein Mutterhaus auf immer verlassen mußte, verstrichell, und noch immer ertönen in seinen Ohren die fürchterlichell Rufe: Fort, fort, üeh, geh! Wird der Unglückliche eimnal von seinen Qualen erlöst werdell? : Wird er endlich einmal sterben unb in Frieden ruhen? Oder wird! ihm einst die Sünde seiner Feigheit imb Schwache vergeben i werden und er zu einem neuen, sorgenlosen Leben allserstehen?! K Fitterarifcho Mittheitimgen. Die Rinderbibel. Es sei gestattet, Herrn A. Levy auf seine Beurtheilung der Badt'scheu Kinderbibel in Nr. 47 dieser Zeitung Folgendes zn erwiederu. 1. Herr Levy behauptet, Badt rufe „falsche Erwartungen" durch den Titel Kinderbibel hervor, die erst dllrch das „Jnhattsverzeichniß" widerlegt werden. Das ist nicht richtig, denn schon auf dem Titel findet sich der Zusatz „biblische Erzählungen". Also wer auch nur das Titelblatt liest, weiß, was er zu erwarten hat. Badt mag allerdings der Ansicht sein, daß eine Kinderbibel wesentlich biblische Geschichte sein müsse, und wird manchen Gellossen iit dieser Ansicht finden. 2. Herr Levy findet sich öfters veranlaßt, Badt stilistisch zu verbessern, so schreibt Badt: Ich habe manches ausführlicher behandelt, weil es Aillaß zü moralischen Erörterungen gab. Levy fügt hiuzll: soll wohl heißen giebt. Aber ist gab wirklich falsch? Neiil, als Badt dies schrieb, „gab es lhm Anlaß" zn moralischen Erörterungen. 3. Levy schreibt: „Für die paar Worte: „nach unserm Ebenbilde, nach imserer Aehnlichkeit", die doch Gelegenheit zu moralischen Erörterungen geben,! hat Verfasser keinen Platz". Es gewimlt ben Anschein, als habe sich Badt diesen wichtigsten Stoff zu moralischen Erörterungell entgehen lassen. Das ist nicht richtig, beim es heißt ausdrücklich bei Badt: „Gott schuf den Menschen nach dem Ebenbilde Gottes" und in den Erläuterungen ist dem Gegenstände mehr als eine Seite | gewidmet. „Nach unserer Aehnlichkeit", wie Levy will, ist übrigens kein j korrektes Deutsch. 4. Levy rügt, daß die Schöpfung des Weibes aus! einer Rippe mit epischer Breite erzählt wird. Die epische Breite besteht in den Worten: „schuf ans einer Rippe des Menschen ein Weib". Kann man aber der Jugend diese biblische Erzählung unterschlagen, ans die doch in so vielen Stellen der modernen Litteratnr angesvielt : wird? 5. Badt fügt hinzu: „Adam freute sich sehr mit ihr". Levy; meint: „Solcher eigenen Zusätze im Texte der Erzählung sollte man sich immer enthalten." Daß Badt's Zusatz aus dem Texte der heiligen : Schrift sich ergiebt. ist zweifellos; warum sollte man sich nun eines j Zusatzes enthalten, den der erwachsene Leser nicht bedarf, der aber! dem Kinde die Worte Adams erst verständlich macht! 6. Levy j rügt ferner: „Ebenso unerfindlich ist es, weshalb die Geschichte von der Pflanzung des Weinbergs durch Noah und von Ham's Vergehen erzählt, und zwar sehr ausführlich erzählt wird: sie! ist nicht nur überflüssig, sondern auch unpassend und dürste selbst in! einer größern biblischen Geschichte keinen Platz finden." Vor mir liegt ein Buch, „Wie ich meinen Kleinen die biblischen Geschichten erzähle"; dies Buch hat Franz Wiedemann zum Verfasser und ist in Paris und Wien aus den Weltausstellungen prümiirt worden. In diesem Buche ist die Geschichte von der Pflanzung des Weinbergs u. s. w. auf nahezu einer und einer halben Seite berichtet. Also nicht Alles, was Herr Levy für unerfindlich, überflüssig und unpassend hält, braucht es darum in Wirklichkeit zu sein. 7. Levy tadelt auch, daß Badt diese Geschichte „sehr ausführlich" erzähle. Badt braucht dazu acht Zeilen seines schmalen Büchleins. 8. Levy fügt hinzu: „Ebenso überflüssig für die Zwecke dieses Buches ist die Erzählung vom Thurmbau zu Babel." Wieder schlage ich meinen Wiedemaun auf und finde einen Bericht von beinahe zwei Seiten. 0. Levy findet es auffällig, daß Badt nicht einmal den herrlichen Worten Abrahams an den König von Sodom einen Platz einräumen kann, sondern sich mit dem kargen Referat begnügt: „Abraham gab ihm sein Eigenthnm wieder." Damit begnügt sich Badt nicht, denn das ganze Kapitel hat die Aufschrift: „Abram der uneigennützige Helfer." Zudem ließe sich streiten, ob die Worte Abrahams, „daß du nicht sagest, ich habe den Abram reich gemacht", so herrlich sind. — Wo Herr Levy allgemein tadelt, da wollen wir nicht mit ihm rechten, weil wir nur die Absicht haben, Punkte zn berühren, wo der Kritiker gegen bestimmte Stellen seine Pfeile richtet. Levy will z. B., offenbar aus rationalistischen Gründen, der Lehrer solle dem Kinde nichts von Bileams Eselin erzählen, nichts von dem Fische, der den Propheten Jona verschlungen. Ein Anderer ist vielleicht der Ansicht, daß ein jüdisches Kind, das Religionsunterricht hat, sich blamirt, wenn es von diesen Sachen nichts weiß. Steinthal sagt mit Recht in einem von Levy zitirten Satz: „Diese Geschichten sollen den Wisseusumfaug der Jugend erweitern." Hier noch einige Einzelheiten. Levy tadelt 10. die Auffassung Badt's, die sich in folgendem Satze kundgiebt: „Lot ging zu den Verlobten seiner Töchter" (midraschisch^ Was ist an dem Satze midraschisch? Der Midrasch spricht von vier Töchtern des Lot, davon seien zwei verheirathet, zwei verlobt gewesen. Davon erwähnt Badt : natürlich nichts, aber der ganze Zusammenhang der biblischen Erzäh-; lung ergiebt, daß die beiden Töchter noch nicht verheirathet, aber j verlobt waren. 11. Ferner meint Levy, der Satz: „nicht lange! darauf (nach der Opferung Jsnks) starb Sarah" sei midraschisch. Das j wäre ja vielleicht auch noch kein Unglück. Aber der Midrasch meldet ja, j „sogleich" darauf starb Sarah. — Levy hält sich auch für stark genug, Badt, wie schon oben erwähnt worden, Sprachfehler vorzühalten; er rügt 12. das Wort „Oelblatt" statt „Blatt eines Oelbaumes". Ich habe nun in Weber's Handwörterbuch der deutschen Sprache (12. Stereotyp - Auflage. Tauchnitz, 1874) nachgeschlagen und fand: Oelblatt, das Blatt von einem Oelbaume; auch den Thibaut schlug ich nach und fand Oelblatt, allerdings mit feuille d’olivier übersetzt. Weiter hält Levy ihm vor 13.: „In „Abraham holte selbst flink aus dem Stalle" ist flink ein schlesischer Provinzialismus." Aber weder Weber noch Thibaut sind dieser Ansicht, in beiden Wörterbüchern

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