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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-08 · Heft 2 (8.1.1891) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 2 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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von den schönen, gemüthlichen Stunden sprechen, die sie in den selbstgeballten Hüttell verlebten, zum Andenken an die Zeit, da Gott dem Volke so viel Gnade erwiesen. Wie Viele trauern noch heute um das zerstörte Heiligthum in Jerusalem, wie Viele ergreifen noch mächtig die tief empfundenen Klagelieder, die bei Wiederkehr dieses Tages gesungen werden! Wie Wenige leben noch diesen Erinnerungen, wie Wenige zeigen noch Interesse für die Vergangenheit unseres Volkes! Die Zeit, die Zeit mit ihren zahllosen Anforderungen und Ansprüchen stürmt auf die Gemüther ein. Neue Ideen, weltbewegende Fragen beschäftigen den Geist und führen ihn neuen, unbekannten Bahnen entgegen. Der alte treue Kinderglaube, er wird vergessen, j verdrängt.! Und doch ist keine Erziehung möglich ohne die bethätigende Veranschaulichung, nie wird der Glaube int Herzen des Kindes Wurzel! fassen, wenn es nicht täglich und stündlich in seinem Thun und Lassen daran erinnert wird. Es muß nach und nach sich der Pflichten bewußt werden, die es gegen seiner! Schöpfer und seine Gebote hat. Leere Bibelworte und Gebete vermögen nicht Alles. Sehen geht j vor sagen, sagt ein alter Pädagoge, ohne Anschauung wird kein Berständniß erzielt. Auf wen aber schaut das Kind? Aus seine Eltern und Erzieher. Kinder sind scharfe Beobachter, sie merken sofort eine Lauheit, eine Inkonsequenz, der sich diejenigen schuldig machen, die berufen sind, sie zu leiten. Solche Momente erschweren nicht nur die Erziehung, sie wirken auch nachtheilig auf den Charakter der Kinder, sie werden unaufrichtig, nachlässig, sie verlieren endlich die rechte Achtung für ihre Erzieher. Doch nicht mit Strenge und Ernst soll man ihnen den Weg zum Guten ebnen. „Ihr sollt Euch freuen des Ewigen," heißt es; und fürwahr, Freude, Frohsinn und Heiterkeit sollen die bevorzugten Tage, die Festtage im Gefolge haben, um das Kinderherz mit ihrem Glanz und ihrer Erhabenheit zu erhellen. Die Vorbereitung für dieselben im Hause, das Säubern und Schmücken desselben, die eifrige Arbeit, das Zurechtlegen tausenderlei Kleinigkeiten, das sorgfältig vorbereitete Festgewand, Alles, Alles macht das Kind aufmerksam auf den kommenden wichtigen Tag, und das kleine Herz pocht schneller in der Erwartung. Und zieht das Fest ein, freudig begrüßt von Men, dann sollen die Eltern in die Freude der Kleinen einstimmen, sich bemühen, die Sorgen des Lebens für kurze Zeit zu vergessen und sich ganz den Kindern widmen, lieber all die Heiterkeit wird eine Weihe, ein gewisser Ernst gebreitet sein, dem Tage angemessen. So verlebte Feste bleiben dem Kinde treu im Gedächtniß, die Erinnerung an sie ist ihm lieb und werth, es freut sich auf zhre Wiederkehr. Die täglichen Pflichten werden ihm leichter in Aussicht auf den kommenden Ruhetag, mit Lust geht es an die Arbeit, mit Lust begrüßt es das Fest. Die Eindrücke, die man in den Kinderjahren empfängt, wirken nachhaltig auf das Gemüth, auf das ganze Wesen des Menschen. Man kann sie nie bannen, sie sind gleichsam das Heiligthum, das unantastbar behütet in dem Herzen ruht. Immer wieder kehrt man zu ihnen zurück. Mag der Verstand des gereiften Mannes noch so zersetzend und krittelnd aller äußeren Form gegenüberstehen, die verlebten frohen Tage im trauten Heim, ln der Familie sind die besten Vermittler zwischen Geist und Herz und verklären und veredeln die Stirn des Denkers. Er schaut auf,sie zurück mit Dankbarkeit, er erkennt ihre Nothwendigkeit, das veredelnde, versittlichende Prinzip, das ihnen inne wohnt, an. Er ist in den Geist der Gotteslehre eingedrungen, und sein Streben ist, weiter jene edlen Keime fortzupflanzen und in seinem Wirkungskreis die Saat zu säen, die so gesegnete Früchte zeitigt. So lange den Kindern religiöse Freuden bereitet werden, so lange wird der echte Geist der Religion nicht verloren gehen, er wird in immer verjüngter Kraft sie erhabenen, idealen Zielen entgegenführen. Gleiche Freuden, gleiche Trauer, gleiche Erinnerungen, sie weben ein inniges Band der Liebe und Treue um Eltern und Kinder, um Genossen eines Stannnes. U Wiener Briefe, v. 1. Saviguy sprach unserer Zeit die Eignung ab, legislatorisch thütig zu sein. Mit Recht. Bringt der Waffenlärm die Gesetze zum Schweigen, so läßt das Gezanke der leidenschaftlich sich befehdenden Parteien die Besonnenheit nicht zu Worte kommen; welche Ergebnisse kann aber eine Gesetzgebung zu Tage fördern, wenn ihr nicht die Besonnenheit zu Gevatter stand? Und darüber kann wohl ein Zweifel nicht bestehen, daß die Gesetze, welche in dem Parteigewirr unserer Zeit ihre Entstehung erhielten, nur einen transitorischen Werth besitzen und gewiß in nicht langer Zeit anderen sie vielleicht vollständig über den Haufen werfenden werden Platz machen müssen. Dies gilt aber auch in Fällen, wo es sich um die Entwerfung von Statuten handelt, deren Verwendungskreis weit hinausgeht über jene partikularistischen Interessen. Ein Gemeindewesen mit verschiedenen hochwichtigen, religiöse, ethische, humanitäre und administrative Zwecke umschreibenden Aufgaben kann unmöglich sein Genüge an Statuten finden, wie sie etwa für Erwerbsgeuossenschasten und Privatvereine ausreichend sind. Nicht, daß das Gemeindewesen den Statuten, vielmehr diese jenem sich anzupassen haben! Dies wird aber nie der Fall sein können, wenn nicht denjenigen, welche an die Fertigstellung solcher Statuten gehen, das hierbei in Betracht kommende Gemeinwesen mit seinen Zielen und Zwecken, Einzelheiten und Eigenartigkeiten wie ein offenes Buch vorliegt, wenn nicht mit einem Worte die objektive Geklärtheit und subjektive Klarheit vorhanden sind. In dem Momente nun, da der hiesige Vorstand infolge des bereits zitirten, die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Juden betreffenden Gesetzes, bemüßigt ist, ein denselben entsprechendes Statut zu entwerfen, muß man sich billig fragen, ob die eben angeführten hierzu erforderlichen Voraussetzungen wirklich vorhanden sind. Wem nicht Bedientenseelen gleich es alles eins ist, ob Jephta oder Samuel die öffentliche Führung hat, der wird kaum die Frage bejahend beantworten. Schon der Umstand, daß der Vorstand es für gut befunden hat, bei diesem Anlaffe sich mit Direktiven seitens der Gabbaim der diversen Bethausvereine zu versehen, zeigt — wenn man nicht annehmen will, daß dies nur als eine Konzession an einen Agitationsverein anzusehen ist, welcher anläßlich der Berathung dieses Statuts Verhaltungsvorschriften an ihn zu geben sich unterfing — von seiner Unbeholfenheit in der Behandlung der ihm obliegenden Aufgaben. Wir denken, daß derjenige, welcher sich um ein Mandat für die öffentliche Wirksamkeit bewirbt, von Haus aus sich dessen bewußt sein muß, was diese, von ihm verlangt. In der That kamen auch

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