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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Die Mutter fpricht's, und Thränen Verdunkeln ihren Blick, Sie schaut mit bangem Sehnen Noch oft und oft zurück, Dann zögernd sie die Schritte Zur Hütte lenkt durch's Feld, Jndeß in Rohres Mitte Die Tochter Wache hält. Die Sonne will sich neigen Zum letzten Tagesschein, lind in den Palmerlzweigell m Verstummt das Vögelein; Die Wasser aber schmiegen Sich um das Kästchen lind Und flutheil leis' und wiegen In Schlummer mn das Kind. Da steigt vom hohen Schlosse Die Königstochter mild, Mit ihrem Mägdetrosse Hinunter in's Gefild, Und zu des Nils Gestaden Wallt sie durch Flur und Hain, In kühler Fluth zu baden Beim süßen Dämmerschein. Und wo am heil'geu Strome Die Palmenkronen fast Sich wölben wie zum Dome, Hält die Prinzessin Rast; Die Mägde aber schwirren Um die Gebieterin Und stellen Salb' und Myrrhen In goldneu Schalen hin. Und als sie sich bereiten, Die Stufen, einsam still, Die zu dem Bade leiten, Hinunter steigen will, Ta ruft der Mägde eine! „O, Herrin, Himmel, hilf! Das Schiffchen sieh, das kleine, Am Ufer dort im Schilf!" ' "5p?? ■'""y ' ‘7’ — 12 - mm „O seht den schönen Knaben, 1 j Er weint! — Wer mag ihll nur! Hierher getragen haben! Zur stillen Wasserflur? Gewiß von den Hebräern Ein Weib barg ihn geschwind, Das vor den argen Spähern Erretten wollt' ihr Kind." j So spricht sie zu den Mägden,! Und während ihre Frau'n! Mitleidig sie umhegten. I Das Wunder anzuschau'u, Und rath- und hilflos stehen,! Tritt eilends aus dem Rohr, > Wo Alles sie gesehen,! Des Kindes Schwester vor.! Und klimmt hinan die Stufen! Und spricht das rasche Wort:! „Soll ich ein Weib Dir rufen! Von den Hebräern dort, Daß sie das Kindlein säuge?" „Geh'." heischt die Retterin, Und auf dem Wiesensteige! Die Jungfrau eilt dahin j Zur Mutter, die in Sorgen! Der Kunde sehnend harrt,! Ob wohl ihr Kind geborgen! Aus Wasferfluthen ward;! Nun kündet ihr, o Freude! j I ic Tochter hohes Glück, j Und fröhlich fahren Beide! Zum Nilgestad' zurück.! „Nimm hin dies Kind," spricht gütig j Die Tochter Pharaoh's j Zur Mutter, die demüthig Sich neigt, „und zieh'mir's groß j Nimm hin den holden Knaben j Und pfleg' ihn ohne Scheu, j Ich will mit reichen Gaben Dir lohnen Deine Treu'. Seite oder von unseren Widersachern in dilatorischer Weise Aeußernngen vernommen werden, die bestrebt sind, unser Schriftthum zu verunglimpfen, so beruht diese Verleumdung auf einfacher Unwissenheit. Deshalb begrüßen wir mit Freuden diese dem Umfange nach zwar kleine, dem Inhalte a^er sehr wecthvolle Schrift, die in objektiver Auffassung und mit einer geschulten Dialektik bestrebt ist, dem jüdischen Publikum sowohl als auch der allgenieinen gebildeten Welt die Gebote und Verordnungen, die der Mosaismus und die jüdische Tradition bezüglich des Thierschuhes anordneten, in leichtfaßlicherWeise und systematischer Zusammenstellungzu liefern. Durch den Umstand, daß heute selbst im Schoße des Judenthums zufolge der materiellen Richtung die große Menge des jüdischen Wissens bar ist, mirhin anch nicht weiß, daß die großen zwei Töchterreligionen ihre Lehren in Bezug der Moral und Sitte ausschließlich aus der jüdischen Lehre schöpften, erscheint uns das Unternehmen um so verdienstlicher, denn die Schrift belehrt in unzweideutiger Weise die Glaubensgenossen, welchen großen Schatz von Humanitätsgedanken, Lehren, und Vorschriften das jüdische Schriftthum enthält. Einen besonderen Dank verdient der Verfasser auch deshalb, weil derselbe zur Gilde Merkurs gehört und in seiner freien Zeit ausschließlich das Vergnügen findet, sich mit Liebe und Wärme den jüdischen Zestsragen zu widmen; mit dieser Schrift, die Zeugniß von seiner ausgezeichneten Belesenheit auf dem Gebiete der jüdischeu Litteratur ablegt, ist er in die Reihe der „Peletath sophrim“ getreten. Wir wünschen der Schrift im Interesse des Judenthnms die weiteste Verbreitung. K. Pol ln k. Geehrter H e r x Redakteur! Es wird für Sie und die Leser Ihrer Zeitschrift wahrscheinlich von großem Interesse sein, zu erfahren, daß bereits in einer alt-ägyptischen Handschrift — Buch, wie wir heute sagen würden — ein Mittel von einem jüdischen Arzte mitgetheilt wird. Diese Stelle findet sich im Papyrus Ebers, einer medizinischen Rezeptsammlung, die spätestens um 1550 vor Ehristo abgefaßt ist, von der aber einzelne Theile sicherlich und) ein viel höheres Filter beanspruchen. Ich lasse nunmehr dieses interessante Rezept nach der von mir herausgegebenen Uebersetzung hier folgen. Tafel 63, Zeile 8: „Andre Mittel für die Augen, mitgetheilt von einem Semiten i Die Herrin folgt dem Winke, Und gleich ist ihr Begehr: „Geh', schürze dich, du flinke. Hol' mir das Schiffchen her!" Und mit gewandter Schnelle Schwingt Jene sich zur Fluth Und watet zu der Stelle, Wo still das Kästchen ruht. Sie bringt's mit leichten Mühen An's Ufer in Gewahr Und reicht es auf den Knieen Der Königstochter dar. Die hält es in den Armen, Und da sie es enthüllt, Hat zärtliches Erbarmeil Ihr weiches Herz erfüllt. „Und hast Du ihn entwöhnet, Bring' ihn zur Burg, der hoh'n, Dort sei mein Werk gekrönet, Er sei mein eig'ner Sohn; Und weil ich aus den Wogen, Wo seine Wiege stand. Ihn rettend Hab' gezogen, Sei Mos eh er genannt." Wer lenkt die frohen Schritte Jetzt in des Abends Ruh' So rasch durch Feldes Mitte Der kleinen Hütte zu? Ach, eine Mutter ist es, Sie hält ihr Killd im Arm, Sie herzt es, und sie küßt es, Drückt's an die Brust so warm! Litterarrsche Mittheilungen. aus Byllos."') at'auleuZ-Korn 1 Datteln 1 Frische Dattelll 1 Durra 1 Dudekeu-Horii 1 Mennige 1 Abennu-Meiai 1 Salz 1 debui-Frucht 1 Collyriurn 1 Scheukeltalg, frisches Baumöl (?) auf-si die Mittel thun." An einer andern Stelle (Tafel 58, Zeile 15) werden „Wachholderbeeren von Byllos" gegen Hitze in den Augen verordnet. Diese Stellen beweisten uns einmal, daß bereits in einer sehr frsthen Zeit ein inniger Verkehr zwischen Aegypteru und Phöniziern bestand, zweitens aber, was uns ganz besonders interessirt, daß es schon in grauer Vorzeit jüdische, berühmte Aerzte gab. Dr. med. Heinrich Joachim. ' - Thierfchutz im Judenthum, nach Bibel und Talmud, von Albert Löw in Budapest. 1890. 39 Seiten. Zu beziehen vom Verfasser. Budapest. Soroksarerstr. 49. Dem Kenner des jüdischen Schriftthums ist es nur allzu bekannt, daß der Humanitätsgedanke der ausj schließliche Träger der reichhaltigen jüdischen Litteratur ist, „denn alle Satzungen legen Zeugniß seiner Vollkommenheit ab, keine derselben hat Mängel" (Hohes Lied 4, 2). Wenn auch von unberufener ') Stadl in Phönizien, cicpiprisch: kepni. 2) Wönizische Pflanze. 3) Zu diesen Mitteln setzen. ’krc SDnid und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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