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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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MWWWWWWWWWMM > t \ kV \ ist die erste authentische Stätte dieses uralten kanaamtischen Stammes in Palästina entdeckt. Da Mengen von Thonscherben in der Stadt sowohl wie ringsum gefunden worden, kennen wir nun auch den Charakter der amonitischen Töpferei und sind im Stande, in Zukunft überall das Alter ihres Fundortes zu bestimmen. Ungeachtet ihrer gewaltigen Mauern ward M Stadt der Amoniter erobert und zerstört. Wandernde Hirtenstämme, wahrscheinlich israelitischer Abstammung, setzten sich in ihrem Gebiet fest. Der Baukunst und Städtebefestigung völlig unkundig, wohnten sie in ärmlichen, aus Lehm und Kieseln roh züsammengefügten Hütten. Erst mit der Gründung der jüdischen Monarchie nahmen die Verhältnisse in Palästina einen höheren Aufschwung. Jerusalem und die anderen Städte wurden erweitert und befestigt und nach der Empörung der zehn Stämine sämmtliche Hauptorte des Landes durch Rehaboam verstärkt. In dieser Zeit erhielt auch Tel el-Hesy eine dreizehn Fuß dicke Mauer aus ungebrannten Ziegeln. Sie ward mehrmals während der Herrschaft der Könige wieder hergestellt und neu befestigt. Am südlichen Hange des Tel hat Mr. Petrie in einer fünfundzwanzig Fuß dicken Mauer die Reste einer der letzten Wiederherstellungen entdeckt. Sie ward nach seiner Ansicht unter Manasse anfgesührt und stand auf einer Art Terrasse aus großen, mit Gyps verkleideten Steinblöcken. Eine breite Treppe führte von der etwa vierzig Fuß hohen Terrasse zu einem befestigten Bau hinab, von dem nur noch ein Thor übrig geblieben ist. Unweit davon liegt ein anderes achtundvierzig Fuß langes Gebäude, aus vier Fuß dicken Ziegelmauern, halb im Schutt begraben. Zehn Fuß unterhalb desselben befinden sich die Ruinen eines weiteren größeren Baues, der nach einem B ande achtlos aus dem alten Materiale wieder aufgerichtet worden ist. Ursprünglich bestand er aus ungebrannten Ziegeln mit Thüren aus schönem weißen Kalkstein. Einige Platten desselben sind erhalten und drei davon zeigen einen flachen, sich nach oben stark verjüngenden Pilaster, der auf einem niederen Tonus ruht und von einer Volute gekrönt ist. Mr. Petrie erblickt hierin ein Wert derselben Schule, die den Tempel Salomons erbaut und ausgeschmückt hat. Auf einer der Platten ist ein schreitender Löwe eingeritzt, jedenfalls von der Hand eines der Unterthanen SalvMvns oder Davids, denn da die Platte verkehrt eingemauert ist, muß die Zeichnung vor dem Brande gemacht worden sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind mit den Ausgrabungen in Tel el-Hesy in der That die Reste der alten Festung Lachis zu Tage gefördert worden. Sie war eine der wichtigsten im Lande, und Sanherib hielt es der Mühe werth, ihre Eroberung bildlich in seinem Palaste zu verherrlichen. Die bei der Einnahme zerstörten Bauten liegen noch im Schutte von Tel el-Hesy, denn Zeit und Mittel reichten nicht hin, bis zum Kern des Hügels vorzudringen. Dort wäre sicher auch eine große Ausbeute an Inschriften zu finden. Bisher hat Mr. Petrie, abgesehen von Merkzeichen in altphönikischen Buchstaben, nur ein Fragment einer Inschrift auf einem Terracottascherben entdeckt, das nach seiner Ansicht aus der Zeit Hezekiah's herrührt. Doch ist eines der Schriftzeichen so alterthümlicher Gestalt, daß sie wohl älter sein könnte. Zweifellos aber geht aus der Form der Buchstaben hervor, daß die alten Hebräer auf PapyruS und Pergament zu schreiben pflegten, im Gegensatz zu den Moabitern, die sich Stein-, Thon- oder Metalltafeln bedienten. Manch weitere bedeutsame Aufschlüsse über die Archäologie Judäas sind von der Fortsetzung der Ausgrabungen im Süden des Landes zu erwarten, und hoffentlich wird dieselbe im nächsten Frühjahr durch die Freigiebigkeit der interessirten Kreise ermöglicht. U FEUILLETON Uachr ist full Humoreske itad) dem Hebräischen bearbeitet von Dr. S. Mandelkern. I. ,,Und sie fielen ab ... .^ Also erzählt Judke Schmerkes: Es war einmat ein frommer und redlicher Rabbi, Namens Napthali Schöne Gieteles, der stand in hohen! Ansehen in der ganzen Stadt Serebrjansk, weil er, wie man wohl sagen darf, ein Erz-Chassid war und weder nach rechts noch nach links abwich vom Gesetz unserer Väter. Man brauchte ihn nur anzusehen, da wußte inan gleich, daß er mit ganzem Herzen anl alten Gott des jüdischen Volkes hing. Schon aus seiner Kleidung konnte man sehen, daß er ein ur- und erzfrommer Mann war, einer von den weniger Gerechten und ganz Getreuen. Stellt euch nur seine Peos vor. seine schönen, langer! Peos! Wie herrlich ringelten sie sich von seinen Schläfen herab zu beiden Seiten des Gesichts. Wer aber seinen langen und vollen Bart sah, der mußte sagen: schön, wirklich sehr schön. Und ein Schlaumeier war er, der fronune Rabbi Naphtali Schöne Gieteles! Meint ihr/ daß er seine schönen langen Peos hätte fahren lassen! Kein Gedanke daran! Selbst da die hohe Obrigkeit — ach, infolge unserer vielen Sünden! — ihren Häschern den Befehl ertheilte, unsere schönen Peos, die doch das wahre Symbol unseres Glaubens und eigentlich das Beste am Juden sind, unbarmherzig abzuschneiden, selbst da fiel von Naphtalis Stirnlocken nicht das kleinste Härchen zur Erde; denn seht nur, der bescheidene Jude war den klugen Beamten weit über. Ja, nicht umsonst heißt es, wo Thora, da ist auch Chochma. Der schlaue Naphtali wußte seine Peos so geschickt unter seinem Käppchen zu verstecken, daß Niemand sie bemerken konnte, wenn er auf der Straße ging. Kanin kam er aber nach Hause oder in die Synagoge, da befreite er seine schönen, langen Peos aus ihrer Haft und nun zierten sie wieder sein gutes und ehrwürdiges Gesicht, wie recht und billig. Zwar haben freche Lästerer auch allerlei Böses von dem frommen Naphtali gesagt, so zrun Beispiel, daß er manchmal Treifes esse, wenn er in Geschäften nach Berlin oder nach Königsberg fuhr, ja sogar, daß er sich zuweilen gern mit lockeren Dämchen amüsire, aber wer wollte auf all das dumme Gerede hören d Rabbi Naphtali Schöne Güteles war aber auch ein sehr reicher Mann. Jahr für Jahr befrachtete er zwei große Kornschiffe nach Königsberg, und der gütige Gott gab seinen Segen dazu, so daß alle Unternehmungen und alle Geschäfte des frommen Mannes einschlugen. So füllte sich denn sein Haus mit Silber und Gold und allen kostbaren Schätzen. Aber wie es kein Feuer ohne Rauch und kein Korn ohne Stroh giebt, so giebt es auf der Welt auch keinen Menschen ohne Fehler. So kann ich denn auch nicht verhehlen, daß sich selbst bei diesem Rabbi Naphtali ein leises Fehlerchen, eine kleine, unschuldige Untugend fand; er sah nämlich ein wenig allzu genau aufs Geld, ja er war eigentlich, was man so sagt, ein rechter Geizhals. Seine fünf erwachsenen Söhne und seine beiden verheiratheten Töchter lebten in sehr bedrängten Umständen. Naphtali aber kümmerte sich nicht darum, ja, da er ihre ewigen Klagen nicht anhören mochte und vielleicht auch befürchtete, daß die armen Schlucker bei ihren Besuchen das oder jenes könnten mit sich gehen heißen, so verbot er ihnen ein für allemal, die Schwelle seines Hauses zu betreten. Auch bei ihrer Heirath hatte er ihnen nur eine ganz geringe Mitgift ans-

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