Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1892)
- Date
- 1892-12-30
- Page
- Seite 631 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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631 Ilid undankchwert, verzinst doch zu ieser Rossen ete Europäer Zeugen und r achtet und arbeiter und r Erde, im (Schluß.) ur Erfiilluug Wethe ist ihm the selber ist teilten Homo so unbedingt . Fein hat er )e Epiker als nicht erzielt e». Wie der auch der des 1859 zu viel )aß unser an Kritiker den r. Und doch Uiungen, und cechers nähert lstois „Macht ft zum Draern die seiner ichthum seiner t dramatischwsetzt. Gotton Gedanken iderstrebt doch >er Fabel nur hrliche Muster und Apercus ch gehört der ls Ottilien in icbuches. in dem Bemit frommem lichen Geheimßele" (1656). und vor Allem : zwischen Dorf erg". Auch in t jener ethische us Verbrechers Gedanken des ufall, der dem chind Lichte in die Hand spielt, das quälende Verhältniß zu dem mitwissenden Helfer, die furchtbare Zwecklosigkeit der Uuthat selbst — all' dies ist mit großartiger Einfachheit geschildert. Auerbach hat sich hier einmal streng gebändigt: die Komposition ist geschlossen; kein überflüssiges Wort fällt; so ward diese Geschichte die Krone der Dorfgeschichten. Welche reiche Fülle der Gestalten umgiebt diese Hauptfigur! Wie im wirklichen Leben begegnen sich bei Auerbach, nicht gesucht und nicht gemieden, gewisse typische Figuren: der Pfiffige Wirth, der schlaue Verinittler, der protzige Großbauer, die weise Alte. Mannigfach sind die Konflikte, von der einfachsten Liebesgeschichte bis zum Scheiden unvereinbarer Gatten; hat man doch Auerbach sogar wegen der „Frau Professorin" für den Ersten erklärt, der den Konflikt nach der Ehe geschildert habe, ein Vorgänger der „Nora" und anderer modernster Dichtungen. Stört etwas an den Erzählungen, so ist es weniger der Reichthum an Geist, als die oft zu absichtliche Verwendung desselben. Auerbach fühlt sich immer als Pädagog, und wir möchten »ns nicht immerals Schüler fühlen. Dieser Volkspädagogik dient auch der Kalender „Der Gevattecsmann", 1845—48 erschienen (1856 daraus gesammelt das „Schatzküstlein des Gevattersniannes"). Auerbach wird hier zum Nachfolger Hebels, der als Dichter über ihm steht, den er aber als Denker übertrisft, wie als deutscher Patriot den Andreas Hofer verhöhnenden Partikularistcn. Politische Interessen erfüllten ihn lebhaft. Die Revolution von 1848 erlebte er in Wien und berichtete darüber in einem Schriftchen „Von Latour bis Windischgrätz". 1859 ließ er sich dauernd in Berlin nieder; auf eine Anfrage nach der.Ursache der Uebersiedelung gab er die bekannte Antwort: „Weil ich Berlin als Hnuptstadt von Deutschland verehre." So war all' sein Denken auf die volle Einheit seines Vaterlandes gerichtet; längst war der Schwabe ein Deutscher geworden. Die Uebersiedelung hat Auerbach reiche Früchte getragen. Er nannte sich selbst einen „Menschenmensch"; starke Anregungen und lebhafter Gedankenaustausch waren ihm Bedürfniß. Wie Gustav Frcytag i» der Einsainkeit auf dem Laude leben konnte, war ihm unverständlich. Unaufhörlich Beziehungen anknüpfend, sie zu Freundschaften verdichtend, dabei treulich ältere Fäden wahrend, zog er über ganz Deutschland allmählich ein Netz, das die Besten von allen Ständen und Richtungen zusammenfaßte. Seit der Blüthe Weimars hatte cs in Deutschland einen geschlossenen Kreis geistiger Aristokratie nicht mehr gegeben. Wohl hatte sich in München um König Max ein Dichterkreis gebildet; aber nur die persönliche Beziehung zu diesem Haupte führte die Heyse und Dingelstedt, die Badenstedt und Geibel zusaminen, die sich innerlich fremd blieben. Und in Wien hatte Friedrich Hebbel sich selbst eine Gemeinde geschaffen, wie später Richard Wagner sich eine erschuf; aber er war der alleinige Zweck und Zicli'unkt dieser Schaar. In geistigen Interessen wußte die Gemeinschaft sich dagegen eins, deren Oberhaupt Auerbach weder war noch sein wollte, deren wichtigstes Glied und deren Mittelpunkt er aber unzweifelhaft war. Da waren in Berlin selbst Schriftsteller, wie Spielhagen und Julian Schmidt, Gelehrte, wie Steinthal und Lazarus, Mommsen und Duncker, Scherer und du Boys Reimond, Künstler, wie Menzel und Knaus, Gustav Richter und Drake. Daneben zahlreiche weniger berühnite Namen tüchtiger Männer aus den Beamten- und Parlamentskreisen, Kanfleute, Offiziere, Hofleute. Außerhalb Berlins gehörten zu dem großen Senat die Schwaben Strauß, Bischer, Mörike, in Bayern Heyse, in Thüringen Freytag und Otto Ludwig, in Oesterreich Dingelstedt :md weiterhin viele Andere bis nach Holland hin, ja bis nach Amerika. Und erfolgreich war Auerbach für die Verstärkung dieser Garde, welche der politischen Einheit durch die geistige Einheit, der politischen Freiheit durch die geistige Freiheit Vorarbeiten sollte und vorgearbeitet hat. Er interessirte von Neuem die Höfe für Deutschlands geistige Interessen und ließ in Berlin, Karlsruhe, Coburg, Weimar, Darmstadt, kleinere Musenhöfe Wiedererstehen oder neu erstehen; er gewann von Neuem die Kreise des Bürgerthums für die litterarischen und philosophische» Fragen, von denen sie sich abzuwenden begonnen hatten. Es ist ein unerwünschter Beweis für seine persönliche Bedeutung, daß nach seinem Tode all' dies wieder verloren ging: die persönliche Fühlung unserer führenden Geister, das Interesse der höfischen und der gutbürgerlichen Kreise für Fragen rein geistiger Art sind seitdem wieder in beständigem Schivinden. Natürlich traf auch Auerbach überall Freunde und Gesinnungsgenossen. Klopfte auch oft mit erstaunlicher Genauigkeit in seinem Herzen die WUnschelruthe, wo verborgenes Gold in der Nähe war, so blieben doch Enttäuschungen nicht aus, Entfremdungen traten -zutveilen ein, so selbst mit Gustav Freytag, mit dem er dann allerdings in rührender Versöhnung sich wieder zusammenfand. Bei Anderen war er selbst es, der den Gegensatz hervorhob und manchmal überscharf betonte; Gutzkow, Hebbel, R. Wagner waren ihm als Menschen wie als Künstler antipathisch. Was ihn an allen dreien abstieß, das war im letzten Grunde nichts Anderes als ihre Eitelkeit. Und hier ist denn auch für Auerbach selbst von dieser Schwäche zu reden, die man ihm oft mit verletzender Schärfe vorgeworfen hat. Auerbach war eitel, kein Zweifel, er hatte Freude an sich als an dem wohlgelungenen Produkt seiner ernsten Selbsterziehung. Und wie er als ein ächter Dichter, der er war, nur aus der erhöhten Stimmung des glücklichen Moments heraus zu schaffen im Stande war, so suchte der arbeitsselige Mann gern solche Stimmung sich zu verschaffen. Er versäumte nicht gern ein Fest und er versäumte nicht gern auf einem Feste mit eigenen Worten die Stimmung sich und Anderen zu heben. Die Freude des Ueberströmens ließ ihn daun wohl auch mancher Rücksichten vergessen, die kühle, sich stets im Zaume haltende Gemüther beobachten und verlangen. Er hörte sich gern sprechen, und da er vorzüglich sprach, war das doch wohl verzeihlich. Wenn er, der zu den Großen, zu Goethe und Spinoza, zu Lessing und Fichte gläubig aufschaute, einem jungen Mann, dem er ein gutes Wort auf den Lebensweg mitgegeben hatte, die Hand auf die Schulter legte und ihn mahnte, die Bedeutung eines solchen Augenblicks zu würdigen, so war das ihm nur natürlich; jede Begegnung mit einem Mitglied der großen Gemeinde war ihm weihevoll, und er fühlte sich glücklich, einen neuen Jünger ihr zu gewinnen. Auch scheint es, als hätte er den Meisten es noch viel stärker deuten müssen, was es heißt, in dieser Welt der Trivialität einem in wahrer Weisheit und echter Liebe so reichen „Ouellenmcnscheu" zu begegne::; denn nur zu gründlich haben sie es vergessen. Viele aber wird es dennoch, so hoffen wir, geben, denen diese ernsten Worte, das herzliche Lächeln, der warme Klang der vom Herzen konunendcn Stimme ein unvergeßlicher Moment in der Folge der Tage wurden, und denen die vielgescholtene Eitelkeit zu einer freundlichen Herablassung wurde. Denn immer blieb sie harmlos, eine unschuldige Freude an der Persönlichkeit, weil diese Persönlichkeit ihm nie etwas anderes war, als ein bevorzugter Diener der großen Sache. Jene Eitelkeit aber, der die Persönlichkeit selbst zum Ziel und die Sache zum Mittel wurde, jene gefährliche Eitelkeit, die so »lanchen Propheten, wie nach Goethes Urtheil Lavatern, verdorben hat — sie blieb seinem für das Höchste begeisterten Herzen fremd; und eben, weil er diese — mit Recht oder Unrecht — in Hebbel, in Gutzkow, vor Allen in Richard Wagner herauszufühlen glaubte, blieb die Kluft unausfüllbar So war er denn auch fern davon, sich behaglich feiern zu lasse» ohne weitere Arbeit oder, wie wir cs nur zu oft finden, bequem