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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-23 · Heft 52 (23.12.1892) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
Seite 622 (sequence 10)
Language
German
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022 Handlung jenes Mannes war nicht die des gemeinen Verbrechers, sic ist vielmehr vollbracht unter der gerechten Erregung, welche die Verhöhnung seines Gottes in ihm hervorgerusen." „Er war nichtsdestoweniger ein Mörder, der Mörder meines Vaters." „Das Letztere ist es, wie ich schon gesagt, das Dich der Erhebung feindlich gegenüber stellt; ich wollte, daß Du die Veranlassung dazu gesehen hättest. Dein großes und edles Herz würde dann mit uns zugleich von der erhabenen Idee der Befreiung des Vaterlandes von Tyrannei ergriffen worden sein, Tu hättest mir zugerufen, Asriel, eile auch Du hin, einzutreten für die heilige Sache, weihe Deine Kraft, Dein Blut, Dein Leben der Erhaltung des Theuersteu, das wir besitzen, der Religion — thne cs, wenn Du meiner Liebe und Achtung würdig bleiben willst. Ja, Du selbst hättest für den Sieg des kleinen Häufleins Gottesgetrener in dem Kampf gegen die gewaltige Uebermacht, zum Himmel gebeten." Helene hatte diese Worte, welche Asriel mit jener Begeisterung ausgesprochen, wie sie nur die innerste Ueberzeuguug eingeben, die reinsten und edelsten Gefühle ihm auf die Lippen legen konnte, ernst mit angehört. „Wenn ich Dich richtig verstehe," erwiederte sie ihm, „so besteht in Dir der Wunsch der Bethcilignng an diesem Kampfe, des Eintretens in die Reihen derer, deren Fahne bei allem Ehrenwerthen, das sie sonst erstreben mögen, nichtsdestoweniger von dem Blute meines Vaters befleckt ist. Könntest Du es gut heißen, daß Dir von meiner Seite die Aufforderung werde, mit ihnen Eins zu werden?" „Doch ich möchte Dich bitten, Helene, Dich an die Sache selbst zu halten, an die Zurückgewinnung unserer politischen Selbstständigkeit, an die Rettung unseres natürlichen Glaubens, und abzusehen von dem, was diesem vorangegangen ist." „Ich gestehe zu, Asriel, daß in Deinen Worten viel Wahres liegt, daß die Idee der Befreiung des Vaterlandes von Knechtschaft und Unterjochung groß genug ist, nur daß ich Dir, der Du mir so nahe stehst, zurufen müßte: Gehe hin und thue selbst, was Du von Andern Pflichtmäßiges in dieser Beziehung uben siehst: aber dann müßte ich erst vergessen, daß ich den besten der Väter durch den Stifter der Erhebung verloren, müßte ich erst-vergessen, daß die Makkabäer ihre Macht und ihren Ruhm auf dem Grabe meines Paters errichtet, und da dieses nicht geschehen kann, so rufe ich, nein, tausendmal nein, Asriel, Tn darfst Dich nicht zum Gesellen derer mache», die mir das Theuerste genommen. O, ich bitte Dich, erlasse mir die weitere Erörterung eines Themas, das niemals aufhören wird, mich anzuwidern; sprechen wir von etwas Anderen,." Asriel erkannte, daß hier nichts mehr zu erreichen war. Wenn er dem Drange seines Herzens nachgeben lind sich an dem Freiheitskampfe betheiligen wollte, so konnte dies nur gegen den Willen Helenens geschehen und er hatte ihren Zorn zu fürchten, ja sogar ihre Liebe zu ihm in die Schale zu legen. Jndeß war die Gewalt, die ihn hinzog in die Reihen der Gottesstreiter so groß, daß er nicht mehr zil widerstehen vermochte. Am andern Tage empfing Helene folgendes Schreiben von ihni: „Theure Helene! Ich habe Deinem Willen, Deinem Wunsche entgegen gehandelt und befinde mich bereits auf dem Wege zu dem makkabäischen Heere. Zürne demjenigen nicht, der in dem, was er thut, nur einer Stimme seines Innern gehorcht. Mildere Dein Urtheil über ihn, wenn er sich gegen Dich vergangen. Ich weiß es, wenn ich zurückkchre, wirst Du mich nicht von Dir stoßen, und sterbe ich auf dem Felde der Ehre, so ivirst Du mir eine Thräne nicht versage». Dein Asriel." Helene war auf's Höchste betroffen, als sic diese Zeilen gelesen. Allein ihr Herz war bei Allem, was sie auch gegen die Makkabäer empfand, edel genug, um eine Handlung nicht zu verdammen, die im Grunde genommen aus den reinsten Motiven hervorgegangen ivar. Die Schlacht bei Emmaus war geschlagen. Der syrische Feldherr hatte erfahren, daß die von Vaterlandsliebe und religiösem Eifer entflammte und begeisterte kleine Schaar der Juden eine Macht sei, die er zu seinem Schaden bis jetzt nur zu sehr unterschätzt hatte, während der heldenmüthige Führer derselben, durch den erfochtenen Sieg ermuthigt und durch die gemachte Erfahrung belehrt, seine Blicke jetzt schon auf höhere Ziele richtete. Die Kunde von dem, was bei Emmaus geschehen, war weit in das Land hinein gedrungen, und immer mehr Anhänger strömten dem Heere Judas zu. Dieser dachte nunmehr daran, aus der Defensive heraus ttnb in die Offensive überzutreten. Unter denen, welche das Glaubensheer vermehrt, befand sich auch Asriel. Er hatte sich bald in das Kriegerwesen hineingelebt und mit den Pflichten des Soldaten vertraut gemacht. Er gehörte in erster Zeit einer Abtyeilnng an, der es gelungen war, durch plötzliche Ueberfälle dem Feinde viel Schaden zuzufügen, und bei den bei dieser Gelegenheit stattgehabten Scharmützeln war der Führer der Truppen ganz besonders auf Asriel aufmerksam geworden. Er empfahl ihn Juda Makkabi als einen der zuverlässigsten und tapfersten seiner Leute. Dieser fand selbst später Wohlgefallen an dem bescheidenen, nichtsdestoweniger aber tapferen Jüngling nnd brachte ihn in seine nächste Umgebung. Ptolemäus, Statthalter von Cölesirien, der von Antiochus verantwortlich gemacht wurde für die Niederlage bei Emmaus, zögerte nun, dem makkabäischen Heere eine Schlacht zu liefern, und diese Verzögerung kam Juda auf's Trefflichste zu Statten. Er sah sich hierdurch in den Stand gesetzt, sein Heer bis auf 10,000 Mann zu verstärken und die sonst noch für weitere Operationen nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Alles dieses kam nun zu den Ohren von Lysias und dieser beschloß nun, mit dem Aufgebot seiner ganzen Macht über die Juden herznfallen und sie womöglich gänzlich zu vernichten. Er vermochte es, 60,000 Mann Fußvolk und 3000Reiterzusammenzuziehen nnd nahm südlich von Jerusalem bei Bet-Zur seine Aufstellung. Wohl schlug Manchem im Glaubensheer das Herz bange beim Anblick der großen Uebermacht, der man gegenüberstand. Aber Juda bewahrte seine Zuversicht und wußte sie auch auf diejenigen zu übertragen, die sich seiner Führung anvertraut, ja, er kam sogar dem Angriff des feindlichen Heeres zuvor. Es war ein gewaltiges Ringen, das sich nun entfaltete. Die Makkabäer, immer im Bewußtsein dessen, für was sie kämpften, thaten Wunder der Tapferkeit. Ihren heldenmüthigen Führer voran stürmten sie auf die geschloffenen Kolonnen der Syrer, Alles vor sich niederwerfend, was sich ihnen entgegenstellte. Unser Asriel war dabei der Letzte nicht. In diesem Augenblick, des heftigen Kampfes bemerkte er seinen Feldherrn von vier Reitern schwer bedrängt; sie schienen es besonders auf den Leiter der Schlacht abgesehen zu haben. Juda blutete bereits aus mehreren Wunden. Asriel stürzte sich in Mitte der Kämpfenden. Er ergriff die Zügel des Pferdes, auf welchem Juda sich nur mit Mühe seiner Gegner erwehrte, und riß es mit einem kräftigen Ruck herum, den theuren Führer der Gefahr entreißend, sich selbst aber den Streichen der Reiter preis gebend, denen er auch gar bald erlag. Hin stürmten iiber den tapferen Jüngling Roß und Reiter. Aber schon war auch von anderer Seite die Gefahr erkannt worden, in welcher Inda

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