Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1892)
- Date
- 1892-12-23
- Page
- Seite 617 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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617 iirfte, diesen euchten nnd liche Rasscnt. steter Untercselben auch muß freilich nn ich dabei t als selbstzu beginnen, zn erörtern, itcn. Das wir einfach r Konfession befriedigende ze liegt hier dogermanen, .rschern nnd nge unseres die Griechen nit einander n Wortschatz cht geringem er Sprachen l, wenn man „unabweiscgeschichtliche Völker" noch ldet hätten, anatomischen lich giebt cs arische Rasse m reden, gech manchmal an die Kluft -icilianer und on innerhalb D selbst wird unter^ seinen pt sehen will, che nicht so nommen hat; lie, ja selbs >, die noth landercr mi einen Mann neben feiner iren, dunklen mn verstehen :st erworbein uf die Kinder ößten Encrgi um Vorschein asienmischuno änderten üon einfach dev' Eigenschaft» m ein anden cden ist, Fee gerade dieses, und doch werden die letzten Konsequenzen desselben so selten gezogen. Unsere Ureltern haben ihre körperlichen und geistigen Eigenschaften doch auch nicht direkt vom Himmel bekommen, sondern ebensogut von ihren Eltern und Voreltern ererbt wie wir selbst, und so ist es begreiflich, daß diese Eigenschaften unter günstigen Unrständen manchmal durch Hunderte von Generationen vererbt werden können — und das will eine lange Zeit bedeuten, denn weniger noch als zweihundert Generationen trennen uns von den allerersten Spuren historischer Gesittung, trennen uns von der ältesten Kultur in Babylonien und Aegypten. Diese eigentlich selbstverständliche Thatsache des Andauerns der Energie der Vererbung auch bei Rassen- Kreuzungen ist eine Erscheinung, die mit dem größten Nachdruck immer wieder von Neuem hervorgehoben werden muß, denn die Anthropologie hat noch heute so sehr unter den Folgen einer früher beliebten Methode zn leiden, daß selbst dieses einfachste Resultat der Erfahrung und des Nachdenkens ihr lange entgangen und vielleicht auch heute noch nicht allgeniein anerkannt ist. Allen Bemühungen eines Virchow, Ranke und Kollmann, Ihres ausgezeichneten Landsmannes Hölder und so vieler anderer Leuchten unserer Wissenschaft ist es bis jetzt noch immer nicht gelungen, diese Methode oder richtiger gesagt, diese Manie des planlosen Operirens mit Mittelzahlen völlig zu verdrängen, diese Manie, welche stets nur Verwirrung anrichtet und zahlreiche Thatsachen verschleiert, die ohne sie längst offenkundig geworden wären. Eine solche Thatsache, deren Erkenntniß erst jetzt allmälig sich Bahn bricht, nachdem sie durch die famose Methode der arithmetischen Mittel so lange verschleiert war, ist es nun auch, daß nicht alle Leute, die seit Alters eine arische Sprache reden, deshalb auch der Rasse nach Arier sein müssen, und daß wirklich auch unter den eifersüchtigsten Jndogermanen zahlreiche Nicht-Arier vorhanden sind. Ganz genau ebenso aber steht es auch mit den Semiten. Auch dieser Begriff ist ein linguistischer, kein anatomischer, und man würde arg irren, wollte man annehmen, daß bei den alten Senaten Sprache und Rasse sich etwa besser decken als bei den Ariern. Unter dem Namen der Semiten fassen wir seit etwa einem Jahrhundert eine Reihe von orientalischen Völkern zusammen, deren Sprachen unter einander auf das allerengste verwandt sind, so nahe verwandt, daß es sogar Forscher giebt, die thatsächlich nicht von semitischen Sprachen reden, sondern nur von semitischen Dialekten. Wenn auch eine solche Zusammenfassung sicher zu weit geht, so müssen wir doch jedenfalls zugeben, daß die semitischen Sprachen mit ihrem strengen Trilitteralismus, mit ihrer unvergleichlich ebenmäßigen nnd scharssinuigen Grammatik und mit ihrem einheitlichen Wortschätze unter einander weit inniger zusammen hängen, als dies die arischen Sprachzweige thun. Semitische Sprachen nun reden oder haben geredet hauptsächlich acht Völker; die Babylonier, die Assyrier, die Hebräer, die Südaraber oder Sabäer, die Phönizier, die Aramäer, die Abessinier und die eigentlichen Araber. Diese eben von mir in der Reihenfolge ihres historischen Auftretens angeführten acht Völker werden gemeinhin als Semiten zusammengefaßt, indem man aus der sprachlichen Einheit ohne lange Ueberlegung gleich auch die physische Zusammengehörigkeit erschließt. Aber die Völkertafel der Genesis läßt die meisten dieser Völker, freilich außer ihnen auch noch die Lydier und die medischen Elamiter, von einem gemeinsamen Stammvater Sem abstammen, indem sie ihnen als Kinder Ham's die Kanaanäer, die Aegypter und die Kuschiten entgegensetzt. Diese biblische Gegenstellung der Semiten und der Kanaanäer birgt eine so unschätzbare Wahrheit, daß wir auf dieselbe zurückkommen müssen, sobald wir erst untersucht haben, inwieweit eigentlich unsere Kenntnisse von den anatomischen Eigenschaften der semitisch sprechenden Völker mit der Lehre von ihrer physischen Einheit in Einklang gebracht werden können — und hiemit bin ich nun endlich bei dem Gegenstände selbst angelangt, über den heute zu sprechen Sie mir gestattet haben. Ich werde Sie aber nicht mit den etwa 60,000 Einzelmessungen behelligen, welche die Grundlage für diese Untersuchungen gegeben haben, sondern nur kurz die Resultate derselben mittheilen. Ebenso werde ich mich auf die Hebräer, Phönizier, Aramäer und Araber beschränken müssen, weil das über die Babylonier, Assyrer, und Sabäer bisher vorliegende Material zu gering ist und weil von den Abessiniern durch eine glückliche Aufsannnlung Schweinfnrth's in den letzten Wochen eine so große Anzahl von Schädeln nach Berlin gelaugt ist, daß deren Bearbeitung abgewartet werden muß, bevor es räthlich ist, sich ex cathedra über eine so schwierige Frage zu äußern, wie die der anthropologischen Stellung der Abessinier. Hebräer aber, Phönicier, Aramäer nnd Araber sind uns heute bisher nur als sprachliche Begriffe entgegengetreten, die wir nun zunächst erst geographisch und historisch lokalisiren müssen. Wir werden also die Hebräer in Palästina suchen, die Phönicier an der Küste von Mittel-Syrien, die Aramäer in Nord-Syrien und am mittleren Euphrat, die Araber endlich in Nord-Arabien und ans der Sinai- Halbinsel, oder wenn sie uns dort zu schwer erreichbar sind, in den Gegenden, welche sie seither eingenommen haben, vor allen in Mesapotamien rmd den Nachbarländern. Thun wir das aber, nnd untersuchen wir die Bewohner dieser Länder mit Zirkel und Meßband, so finden wir statt der erwarteten Einheit eine zunächst geradezu verivirrende Mannigfaltigkeit, von der allein nur die Wüsten-Araber, die echten Beduinen, eine wohlthütige Ausnahme machen. Nur die Beduinen können wirklich als eine in sich Physisch geschlossene Rasse betrachtet werden, innerhalb deren die individuellen Schwankungen ans ein erstaunlich geringes Maß beschränkt bleiben. Ebenso wie die Semitisten schon lange die Alterthümlichkeit und strenge Formenreinheit bewundern, welche uns in der arabischen Sprache entgegentritt, die doch erst seit Mohammed schriftlich fixirt worden ist, also rund zweitausend Jahre jünger erscheint, als die uns aus Babylonien bekannten semitischen Zuschriften — genau ebenso müssen wir Anthropologen die fast absolute Rassenreinheit der Beduinen bewundernd anstaunen, auch wenn es uns an einer völlig befriedigenden Erklärung derselben bisher noch fehlt. Thatsächlich aber müssen wir in den heutigen Wüstenarabern die echten und unverfälschten Nachkommen der alten Semiten erkennen, deren physische Eigenschaften sie uns ebenso rein bewahrt haben als deren uralte Sprache. Lange schmale Köpfe sind nun eine hervorragende Eigenschaft der heutigen Beduinen, die wir in gleichem Maße auch für die ältesten Araber in Anspruch nehmen müßten, selbst wenn dies nicht durch zahlreiche Abbildungen bestätigt würde, die »ns glücklicher Weise auf alten ägyptischen Denkmälern erhalten sind nnd von denen in der hier ausgehüngten Flinders Petrie'schen Sammlung ägyptischer Raffen-Typen vorzügliche Vertreter eingesehen lverden können. Die Anfiihrung anderer physischer Eigenschaften der Araber würde hier nur erniüdeud sein und ist für unseren Zweck auch völlig entbehrlich; nur auf ihren durchweg dunklen Teint und eine einzige weitere Eigenschaft sei hier noch verwiesen, nnd zwar mit allem Nachdruck — auf die kurze, kleine und wenig gebogene Nase der Araber, die in jedweder Beziehung das Gegentheil von dem ist, was der Laie bei uns zn Lande als eine echte Judennase zu bezeichnen pflegt. Gehen wir nun zn den Phöniziern über, von denen freilich heute direkt als solche anerkannte oder ohne weiters erkennbare Nachkommen