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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-23 · Heft 52 (23.12.1892) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
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615 1878 zu beten" den ’ligion der inte Eigenber sie ver- : die Juden n denn die Protestanten Glaubensjer Staatser im allliivcjer ans- >atsbürgern üliche Ver- Berufe zu! überall in n. Ueberall i und des e jüdischen christlichen sie erhöhen > überall in ) ihre Zahl Fähigkeit hristen ab? in Teutschung, die er; christliche le Kaufleute; christliche rt und Veri nicht rechtüber die inorität aus und so den lasse mache, oraussetzung ießlich oder dels". Da-> öer Fall zi :m Handelten und aus;n betrieben sich gerissen Hatsächlichei cchaus nich: Grundlagc l, sie sollten , die unter ran fordert, »de unsanft Beide Anforderungen sind unberechtigt. Berlangt inan denn von den Protestanten, den Katholiken, den Baptisten, den Jrrvingianern und Meunoniten, sie sollten erklären, daß sie die „schlechten Elemente in den eigenen Reihen diszipliniren und wo nöthig einschüchtern wollten?" Kann man überhaupt ein solches Verlangen an einen anständigen Menschen richten? Von den schlechten Elementen hält sich Jedermann fern, sie unschädlich zu machen, ist Sache der Staatsbehörde, sie zu bestem, haben (abgesehen von den Staatsbehörden) die Vereine zur Hebung entlastener Strafgefangener in die Hand genommen. Brauchen denn die angerufenen „jüdischen Notabeln" erst zu erklären, daß sie nichts gemein haben mit den „ schlechten Elementen?" Und in aller Welt bricht „ganz Israel in Wehklagen" aus, wenn ein Jude unsanft angefaßt wird? Ueberall in Deutschland werden Juden unsanft angefaßt. Haben sie diese Behandlung verdient, so wird kein Jude darüber in Wehklagen ausbrechen. Haben sie sie nicht verdient, werden sie nur ihres Glaubens wegen verfolgt, so nehmen sich ihrer die Glaubensgenossen in gleicher Weise an, wie sich die protestantischen Hohenzollern ihrer aus Frankreich um ihres Glaubens Willen vertriebenen protestantischen Glaubensgenossen, wie sich überall in Deutschland die Katholiken während des sogenannten Kulturkampfes ihrer katholischen Glaubensgenossen angenommen haben. Alle Vorwürfe, auch die der jetzt auftanchenden „guten Freunde", zerfallen bei näherer Beleuchtung in sich. Es bleibt nichts übrig, als der Angriff gegen die Juden. Man kann es nicht verschmerzen, vaß die Inden in Deutschland (glücklicher Weise!) nicht mehr ein Volk im Volke, eine Nation in der Nation, daß sie vielmehr Deutsche jüdischen Glaubens geworden sind und dies sein wollen. Die Zeit wird kommen — vielleicht ist sie nicht allzu fern - in der auch dieser „Schmerz" verwunden sein wird, und in der rotz Stöcker und Ahlwardt überall anerkannt werden wird, daß es m Deutschland nur deutsche Staatsbürger gicbt, Deutsche protestantischen, Deutsche katholischen und Deutsche jüdischen Glaube n s.. 9 Gin Epilog zur jüngsten Ncprasrntanten-Mohl. Von I. Wiener. Berti», 18. Dezember. Die Redaktion der „Zeitung des Judenthums" hat ihrer Mitheilung über das Resultat der jüngsten Repräsentanten-Wahl sofort ie zutreffende Bemerkung hiuzugesügt, daß dadurch die Znsammentzung des Kollegiums keine wesentliche Aenderung erfahren hat. Ich breche wohl im Sinne der Redaktion, wenn ich weiter behaupte, daß, Ibst wenn die Wahl eine stärkere Verschiebung in der Vertretung ocr verschiedenen religiösen Richtungen herbeigesnhrt hätte, es ungeeignet wesen wäre, daraus übertriebene Schlußfolgerungen in Bezug auf ie Zukunft unserer Gemeinde abzuleiten. Orthodoxe wie Reformer ürsen das Vertrauen haben, daß der jüdischen Gemeinde von Berlin genügende Lebenskraft innewohnt, um fortzubestehen, mögen in der 'Verwaltung einige Persönlichkeiten mehr von der einen oder der nideren Richtung vertreten sein. Immerhin erscheint es mir der Mühe werth, die jüngste Wahldewegung einer näheren Erörterung zu unterziehen. Bei einer solchen Betrachtung richtet sich der Blick unwillkürlich in erster Reihe auf die Rolle, welche bei dieser Wahl der „Centralvecein für die Interessen der jüdischen Gemeinde in Berlin" gespielt hat. Da ich bis gegen den Schluß der diesinaligen Wahlkampagne dem Vorstande des Vereins angehörte, habe ich Gelegenheit gehabt, einen näheren Einblick in diese Rolle zu erhalten; der Umstand, daß ich Veranlassung hatte, aus dem Verein auszuscheiden, wird mich nicht hindern, meinen Auslassungen die volle Objektivität zu wahren. Aus einer Vereinigung hervorgegangen, die lediglich für die Errichtung der erforderlichen Synagogen und Religionsschulen wirken und dieser Aufgabe in durchaus neutraler Weise obliegen wollte, hatte auch der Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde von Berlin Gewicht darauf gelegt, ein neutrales Programm zu verfolgen, Mitglieder aller religiöser Richtungen in sich zu vereinigen. Mit der diesmaligen Wahlkampagne schien der bisherige Standpunkt indeß verlassen werden zu sollen. Es trat das bereits in der ersten Versammlung dieses Winters zu Tage. Eines der führenden Mitglieder des Vorstandes fühlte sich dazu veranlaßt, in einem Berichte über die Verhandlungen des jüngsten Deutsch-Israelitischen Gemeindetages au dem Verhalten einiger Mitglieder unserer Gemeindeverwaltung zu der Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes eine Kritik zu üben, die ich vom Standpunkte des liberalen Judenthums zurückweisen zu müssen meinte. Im weiteren Verlaufe des Winters fand eine Versammlung statt, in welcher der geschäftsführende Ausschuß des Vereins den Vorständen der fünf Vereinsbezirke die Liste der Kandidaten vorlegte. Es mußte hierbei auffallen, daß von den Kandidaten nicht blos die Zustimmung zu dem neutralen Programm verlangt, sondern daß ihnen auch Verhaltungsmaßregeln gegeben werden sollten, in welchem Sinne sie für die Durchführung des Programms zu sorgen hätten. Die Vermuthnng, daß dieses Verhalten einer bestimmten religiösen Richtung zu entsprechen haben würde, fand durch anderweitige Aeußerunge», welche i» dieser Versammlung von dem geschästsführenden Ausschuß her fielen, ihre Bestätigung. Als unter den vorgeschlagenen Kandidaten eine der hiesigen Reformgemeinde augehörende Persönlichkeit genannt wurde, hieß es, dieselbe werde aufgestellt, „obgleich sie der Reformgemeiude angehört". Das konnte nur dahin gedeutet werden, daß der geschüftssührende Ausschuß sich zu einer bestimmten anderen Richtung bekennt. Ganz unverhohlen aber gab die Leitung des Vereins ihrer religiösen Richtung in der letzten öffentlichen Wählerversammlung, die der Verein veranstaltet hatte, Ausdruck. Der Referent hielt sich an jenem Abend für berufen, die reformistische Richtung ini Judenthnm geradezu anzugreifen. Er behauptete von dem reformistischen Kultus, daß er es lediglich auf die Befriedigung der Sinne absehe, nnd daß diese Richtung darauf Hinziele, die Juden Berlins der freireligiösen Gemeinde znznführen. Es soll hier auf eine materielle Kritik dieser Behauptungen nicht näher eingegangen werden. Aber einige Worte des Protestes sind doch wohl auch hier am Platze. Wenn mit der Befriedigung der Sinne, auf die es der moderne Kultus abgesehen habe, die gesanglichen und instrumentalen Wirkungen des Gottesdienstes gemeint waren, so darf daran erinnert werden, daß diesen Wirkungen in dem heutigen Gottesdienste auch noch nicht im Entferntesten die Rolle zufällt, die ihnen in den biblischen Zeiten eingerüumt war. lind sieht es nicht gerade der Gottesdienst, in dem die Gebete aus unverständlicher in verständliche Sprache übertragen sind, darauf ab, nicht blos ans die Sinne, sondern auf den Geist und die Seele zu wirken! Der Verein ist also kaum mehr wesentlich von einem Organe der Orthodoxie zu unterscheiden. Daraus soll an sich gegen den Verein kein Vorwurf erhoben werden. Das neutrale Programm hatte mehr

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