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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-16 · Heft 51 (16.12.1892) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 51 (16.12.1892)
Date
1892-12-16
Page
Seite 611 (sequence 11)
Language
German
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611 Krankenide durch , 10 Uhr n weißen t Medizin Lhre, als D zugleich laffen zu . B. das ür Brustweste rn nkenhauje >em edlen erwähnt, des „Gekenpflegc" leindetage mit der meinschaft Krankenbeten und rlich auch nit guter lbereitung ege hatte ) mit beikost nicht;ewährten im Hause. in der ms" und tersuchung mdlungen sanitären oon wohlmit allem im Laufe Zeugnis! einstitutes daß hier Weise in jüdischen iswärtigen licht, allen Wie der Berliner childeruno ieihe voi ein großer nerzen der i schlichter mit der r Statioi mfessione! Lhcitsacher agen kam dem Göti Alles der ürennt ist .'(nt Chanukaabend strahlte in das Herz all' der Leidenden, die „von rckwelt zu Eckwelt" hier vereinigt waren, ein Abglanz jenes Wunders, ras unfern Vätern geschehen „bajomim hoheim, basinan base“. Meinem Bette gegenüber ruhte auf seinem Schmerzenslager der etwa!0 Jahre alte Sohn eines Lehrers aus Kassel, der hier Musik studirte nid soeben eine sehr schwere Operation überstanden hatte. Noch mrfte er die Festgaben, welche ihm der aus der Heimath herbeizeeilte greise Vater und die junge Schwester initgebracht hatten, nur msehen, nichts davon genießen, noch hatte der erst in der Nacht >orher dem Tode Entrissene, — er war aus dem Theater, wo er msammengebrochen war, in das Krankenhaus zur Operation geschafft norden, — heftige Schmerzen, allein seine Augen, die er auf den 'later gerichtet hatte, dessen Hand in der seinen ruhte, leuchteten in aller Freude. Neben mir zur Rechten war ein junger Berliner kaufmann gebettet, der heute über dem guten Rothwein und den Pfeffernüssen, welche ihm seine wohlhabenden Angehörigen mitgebracht alten, seinen Gelenkrheumatismus vergaß. Mir hatte der Krankenwärter schon am Vormittag aus der Hand des Assistenzarztes Dr. L. as Buch „Chanukah" von Emil Lehiuanii'gebracht. Nachdem ich mich elbst an den herrlichen Betrachtungen dieses Werkes erbaut, las ich em 15jährigen Gymnasiasten, der auf unserer Station bereits Herangehen durfte, einige Stellen vor. Professor P., bei den« der Kleine ii Pension war, hatte ihn — er stammte aus Newyork —, als er als gastrische Fieber bekam, hierher schaffen lassen. Hätte ohne diesen jwischenfall der junge Glaubensgenosse wie so viele Andere vielleicht "Weihnachten mitgefeiert, so lauschte er jetzt den Poesien, die hoffentlich nch in diesem kindlichenkHerzen einen schwachen Schimmer wenigstens es väterlichen Glaubens entzündet haben. Denn leider kannte der President“ in spe, — er sollte Jura studiren und dann in seiner leimath Advokat werden — das Makkabäerfest vorher nicht einmal cm Namen nach. In die gleichmäßig gute Stimmung, in die wir ms Alle nach Möglichkeit hineinversetzt hatten, drang ab und zu ein chmerzhaftes Stöhnen aus der Ecke am Fenster, wo auf seinem ager sich ein alter Mann mit ganz weißem Haar vor Schmerzen nimmte. Der Mann war noch vor einem Jahre, bevor ihn das chwere Leiden betraf, dem er bald nach dem Feste erlag, Schammes n dem Städtchen W. in Rußland gewesen. Dem Fenster, an dem r lag, war wohl sein Blick zugekehrt, aber er konnte heute das Lichtcirt nicht anzünden, auch nicht anzünden sehen. „Lichtlein hat mit seiner Flamme All die Lichter angebrannt, Wird darum das arme Lichtlein, Wird der „Diener" nur genannt." In dem Kummer dieses Greises, der jetzt seiner Heimath gedenken nochte, in der die Mehrzahl unserer Brüder unter Druck und Verfolgung schmachtet, symbolisirte sich uns das Leid Israels. Nun nht der Alte bereits aus von seinen Leiden, wie so mancher ndere kranke Glaubensbruder, der das Krankenhaus als letzte Pilgeration des irdischen Erdenwallens aufsuchen mußte, und der hier in >i' letzten schweren Stunde durch den Ruf „Herr Israel, der Ewige inser Gott ist ein einziger Gott!" getröstet und erhoben wurde. Wir Andern aber, die tvir jetzt wieder vor dem Channkaleuchter oen Segensspruch sprechen von dem, der unfern Vätern Wunder gethan, wir preisen den Allgütigen, der „Heilung sendet den Kranken unseres Volkes" und geloben uns in Erinnerung an jenen Chanukaubend an der Stätte des Leidens, nicht wankend zu werden in Glauben an den Gott unserer Väter, auch nicht in der Stunde der äußersten Moth, sondern seine Gebote treu zu erfüllen, bis dereinst auch unser Lichtlein still erlischt. U Sprechsaal. 'Anläßlich des Chanukafestes, glaube ich, betreffend die Bekleidung armer Kinder, auch auf die Einrichtung Hinweisen zu dürfen, die wir in Posen getroffen haben, da dieselbe in mancher Beziehung von der aus anderen Orten gemeldeten abweicht und vielleicht ein gewisses Interesse erregen kann. Wir hatten schon lange den Wunsch gehegt, die religiöse Bedeutung des Chanukafestes der Kinderwelt durch eine Feier näher zu bringen, welche die Jugend zur Betheiligung heranziehen sollte, ohne irgend einen Zwang zu üben, nur durch den Eindruck der dabei auf die Gemüther hervorgebracht wird. Als uns im Jahre 1884 eine durch Kinder gesammelte kleine Sunrme zur Verfügung gestellt wurde, ergriffen wir die Gelegenheit zur Verwirklichung dieses Gedankens- Es sollte für alle Kinder ohne Unterschied eine Chanukafeier mit Lichteranzünden veranstaltet werden; in Verbindung damit ward von vornherein die Bekleidung armer Kinder geplant und so der ganzen Organisation eine doppelte Grundlage gegeben: die der Wohlthätigkeit und der religiösen Festfeier. Die Einsammlung der Spenden, sowie die Anfertigung der Mädchenkleider und Wäschegegenstände ruht in der Hand von Frauen, welche zumeist unter sich die nothwendigen Geldmittel auf bringen und dadurch angeregt werden, nicht nur selbst der Feier anzuwohnen, sondern auch ihre Kinder zu derselben mitzubringen. Wir konnten gleich im ersten Jahr, da der Angelegenheit von vielen ©eiten Beifall gezollt wurde, 30 Kinder bekleiden, in den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl derselben immer höher, so daß sie jetzt schon an 60 beträgt. Da überdies der „Verein zur Bekleidung armer Schulkinder" der dringendsten Noth Abhilfe gewährt und mit unseren Bestrebungen Hand in Hand geht, so liegt für eine weitere Steigerung dieser Zahl kaum ein Bedürfniß vor. Unseren Zweck suchen wir durch folgende Ausgestaltung der Feier zu erreichen: Die nach Maß gearbeiteten Knabenanzüge und Mädchenkleider, bei denen absichtlich die Gleichförmigkeit möglichst vermieden wird, sowie die Fußbekleidung werden schon kurze Zeit vor dem zur Feier ausersehenen Ehanukatage den Kindern ausgehändigt, damit sie, wenn sie wollen, dieselben zur Feier schon tragen können. Die Beschenkung verliert alles Beschämende für die Kinder, da bei der Auswahl derselben in erster Reihe auf gute Schulzeugnisse Rücksicht genommen und bei jeder Gelegenheit betont wird, daß die Einladung zur Feier eine Belohnung für Fleiß und Wohlverhalten ist. So tritt tatsächlich für die Kinder die Beschenkung in den Hintergrund, was daraus hervorgeht, daß sich jedes Jahr Kinder mit guten Zeugnissen melden, welche cut der Feier theilzunehmen wünschen, ohne ein Geschenk zu beanspruchen. Ferner erscheinen bei der Feier die Kinder der Spenderinnen in großer Anzahl, und die ganze Kinderschaar mischt und tummelt sich durcheinander, so daß ein Unterschied zwischen Beschenkten und Schenkenden kaum zu erkennen ist. Die Feier wird mit einem Chorgesang, an dem sich sämmtliche Kinder — nicht nur die Beschenkten — betheiligen, eröffnet, und sie besteht in ihrem Hauptheil aus einer Festrede, in welcher ich die Bedeutung des Chanukafestes erläutere und dabei auf die Pflichten der Kinder in Schule und Haus Bezug nehme, auch meist auf reale Vorgänge des vergangenen Schuljahres zurückgreife, sowie aus dem Anzünden der Chanukalichter unter den üblichen Segenssprüchen, worauf das njjft choralartig abgesungeu wird. Dazwischen treten gur Feier passende Gedichte, welche von den Kindern vorgetragen werden. Nach einem abschließenden Chorgesang folgt die Bewirthung der Kinder mit Speise und Trank. Die Kinder der Spenderinnen pflegen hierbei die Wirthe zu machen. Erst nachdem die Zuschauer sich allmälig entfernt haben, bekommen die Kinder die für sie vorbereiteten Packete mit Wäschestücken, Schreibmaterialien, Aepfel u s. w., von denen vor Beginn der Feier einige zur Besichtigung für die sich dafür interessirenden Spenderinnen ausliegen, verabfolgt. In Rücksicht darauf, daß in einer nicht allzu großen Stadt die Personen und Verhältnisse weit durchsichtiger und bekannter sind als in der Großstadt, findet, obwohl die Zahl der Theilnehmer dadurch in gewissen Grenzen gehalten wird, der religiöse Akt regelmäßig in meinen Privaträumen statt, die Bewirthung in einer angrenzenden Nachbarwohnung, um dadurch den Zutritt Unberufener, deren Anwesenheit die Kinder vielleicht genireu würde, vorzubeugen und dem Feste nicht den Charakter der unbedingten Oeffentlichkeit, sondern den eines Familienfestes zu gebeu-

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