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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-09 · Heft 50 (9.12.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 m Namen 'otz seiner c geistigen Hierselbst inern und om Minillung unb Der Ent eitung der s und die isteht. Die . und die onders beten in der alt gewisse anche von ntigen Zu Näheres er Wieder' nicht die hessische» tag wurde bte Kantor im hohen l Rabbiner l-Es;lingen ) der Hin- > zu Ehren tjubiläums w, Pflicht- > als Vorein treuer war. Der hresberichl nkung des bes onderes lllgemeinen cht. Ins etages, zr Gemeinde uns aucl Umstände!- egirientag Derbettel 51 »ahin aus ^tausch de en werde! ersehnte! es Deutsch llzu ferne n, sind di;er Zeit ir d^n Wee z B. nos n Umstand muß di d Neigung tnter§tef)eim 25. Nor )ch Verar Schneiden Judenfrare feit des ge annten Abgeordneten ist bekannt, und Bloch hat seinen alten Ruf auch riesmal zu wahren verstanden. Die Hiebe, die er der antisemitischen Partei unter der Heiterkeit aller Gutgesinnten austheilte, saßen fest und eranlaßten diese Partei zu stets wachsendem Lärmen Besonders herorzuheben ist die Art und Weise, wie noch einmal an so hervorragen - er Stelle Rohlings meineidiges Verfahren öffentlich gebrandmarkt wurde, sie denkwürdige Rede schloß mit folgenden Worten: „Ich behaupte, daß nr Juden die Antisemiten nicht zu fürchten haben. Ich erinnere an ^ne Erzählung des alten Testamentes, die erste Vision des Gesetzgebers Nosis. Er sah einen Dornstrauch in lichten Flammen und der Tornrauch wollte nicht verbrennen. Meine'Herren! Wie dieser Dornstrauch, ' 0 ist durch die ganze Geschichte das Geschick Israels. Es war und ist in Dorn im Auge der Antisemiten, aber ein leuchtender Dorn, von dem icht ausging. Ihr möchtet uns vernichten, aber so viel Feuer, so viel Ruth, so viel Scheiterhaufen man aufgehäuft hat, den Dornstrauch zu erbrennen, er wurde nicht verzehrr. Das ist göttliche Bestimmung und ürd so bleiben. Welche dauernde Schädigung aber das Christenthum cm seinen seltsamen Freunden erfährt, welche unter der Maske heiligen ' ifers für nationale Religion den Christushaß im Volke nähren Md. aus-! reiten, wollen Sie selber beurtheilen. Den leitenden Männern itholisch-konservativen Partei rufe ich darum zu: Caveant consules!" * Olmiitz, 1 Dezember. Einem Mitarbeiter des Wiener „Freien sattes" wurde Sonntag den 20 d. M. die Ehre zu Theil, von dem merwählten Fürsterzbischof von Olmütz Dr. TheodorKohn in Audienz -upfangen zu werden, und damit Gelegenheit geboten, mit dem Kirchen- ' irsten über bie antisemitische Bewegung zu sprechen. Wir entnehmen oü! „Fr Bl." über diese Unterredung Folgendes: „Unser Mitarbeiter ing sofort in medias res ein, indem er dem Kirchenfürsten die gegen den lntisemitismus gerichtete Stellung des „Freien Blattes" charakterisirte, "T habe das lebhafteste Interesse daran, aus den: Munde des Fürsterzischofs zu erfahren, wie weit der Einfluß dieser traurigen, staatszersetzenen und unchristlichen Verirrung unserer Tage im Bereiche der Olmützer ' rzdiözese bereits gediehen sei, und wie der Oberhirt dieser Erscheinung - irksam entgegentreten könne. „Das ist für mich wohl schwer zu sagen, irissime," nahm Dr. Kohn das Wort. „Ich bin doch erst seit wenigen agen in meiner jetzigen Stellung, wie soll ich da zu einer Frage Stellung 1 hmen, die ich inr Bereiche meiner Diözese zu studiren noch nicht Gelegenheit! itte?" — ,-Verzeihen fürstliche Guaden, ich hätte es nie gewagt diese rage aufzuwerfen, wenn nicht gerade in atterjüngster Zeit die Oeffent-! chkeit Vorkommnisse zu verzeichnen gehabt hätte, welche die einstimmige erurtheilung aller anständigen Elemente der Gesellschaft fanden und die ater der Flagge des christlichen Sozialismus segelnde Bewegung als ne Rassenverhetzung schlimmster Sorte erscheinen ließen. Die antisemitische artet kennt in ihrem Haß keine Grenzen bei Personen und Sachen, üder Gottes stehen mitten in dieser Bewegung auch einige Mitglieder niederen Klerus — wie dies namentlich in Wien der Fall ist." Bei ieser Stelle nickte Fürsterzbischof Dr. Kohn mit dem Ko.pfe und sagte, inen Gedanken freien Lauf lassend: „Wir Alle sind ja Menschen, mein ' 'ober. Die eine Versicherung können Sie hinnehmen, daß ich nach er- lgtem disinitiven Amtsantritte stets trachten werde, als christlich-katho-; scher Bischof zu handeln. Ein förmliches Programm kann ich Ihnen i ute noch nicht entwickeln. Verlangen Sie dies nicht, ich kann es nicht." „Wie Euerer fürstlichen Gnaden bekannt sein dürfte," fuhr unser erichterstatter nun fort, „scheute die Presse dieser Partei auch nicht vor s r Person Euerer fürstlichen Gnaden zurück und gefiel sich in den gessigsten Angriffen." — „Demgegenüber habe ich keine Worte, nur künftige - üaten! Thaten beweisen. Nach meinem Wirken wird man mich künftig l urtheilen müssen." — Der nenerwählte Kirchenfüst scheint sonach seine t nftige Stellungnahme zum Antisemitismus noch nicht endgiltig präzisirt haben, diesen jedoch zum Gegenstand eines umfassenden Studiums machen zu wollen. Das Ergebniß desselben kann bei der strengen Gen lssenh.iftigkeit, dem wissenschaftlichen Scharfblick und der toleranten Tmkungsweise, die dem neuen Kirchenfürsten nachgerühmt werden, nicht s -eifelhaft sein. Djk- Budapest, 28 November. Welch überaus schweren Verlust r;ser öffentliches Leben durch das jähe Hinscheiden Moritz Wahr, u anns erlitten hat, das erhellt aus der spontanen, allen Kreisen unserer b esellschaft entstammenden Kundgebung tiefempfundenen Beileids. Das ^rauerhaus bildete einen förmlichen Wallfahrtsort. Es erschienen Mi-- nisterpräsident Alexander Wekerle, Minister Lukaes, Minister Baron Fejervary, Staatssekretär Dr. Albert Berreviczy, die Magnathausmitglieder Bu rchardt-B elovary und Karl Svab, Oberbürgermeister Karl Rath Oberstadthauptmann Sellen, die gewesenen Ministerpräsidenten Koloman Tisca und Graf Szapäry, Universitätsprofessoren Wlassilo und August Pulsky, Geheimrath Tabinyi, F. M. L Ernst Hollan Markgraf Pallavicini und viele Andere. Auch das Abgeordnetenhaus hat heute das Andenken in einer Weise geehrt, wie sie anläßlich des Ablebens eines Abgeordneten, der keine offizielle Stelle bekleidete, wohl noch niemals vorgekomnlen sein dürfte. Das Haus begnügt sich nicht damit, den auf die letzten Ehren bezüglichen Vorschlägen des Präsidenten beizustimmen und die korporative Theilnahme an' der Leichenfeier zu beschließen, sondern es erhoben sich spontan und ohne jede vorhergegangene Besprechung die Abgeordneten Alexander Hegedus, die Führer der Opposition Karl Eötvös und Gras Albert Apponyi und gedachten der großen Verdienste Wahrmanns. Karl Eötvös schlug einen kräftigen und herzhaften Akkord an, indem er in W. auch den Heimgegangenen Chef der vaterländischen Judenheit gefeiert wissen wollte. Die Tagesblätter widmen dem Verblichenen warme Nachrufe, von welcher der im „Pester Lloyd" erschient sehr warm gehaltene Nachruf der Magnatenhausmitgliedes Gras Ste'faÄ Keglevich hervor.ehoben zu werden verdient. -AK ^nbHpest, 29. November. Mit glänzenden und imposanten Ehrenbezeugungen ist heute Moritz Wahr mann zur ewigen Ruhe bestattet worden Selten hat unsere. Haupt- und Residenzstadt eine so großartige Trauerkundgebung gesehen. Gleichwie anläßlich der Bestattung Franz Deaks, Graf Julius Andrassys und Gabriel Baroß's waren auch heute die Gaskandelaber mit Trauerflor umhüllt, die kommerzielle Welt hielt die Geschäftsläden und Schaufenster geschlossen, das Abgeordnetenhaus suspendirte in der Begräbnißstunde die Sitzung, die Börse war geschlossen u. s. w. Imposant durch die ungeheure Zahl der Theilnehmer — diese wurden auf hunderttausend Personen geschätzt — ergreifend durch die großartige Trauerkundgebung, gestaltete sich die Trauerfeierlichkeit Im Trauerhause erschienen Nt i n i st e r p r ä s i d e n 1 Alexander Wekerle, Kultusminister Graf Cs a ky, Justizminister Szilagyi, Minister des Innern Hieronymi, Honvedminister Baron Fejervary, der gewesene Ministerpräsident Graf Szäpary, der Präsident des Abgeordnetenhauses Baron Banffy und vieleAbgeordnete und Mitglieder des Magnatenhauses. Eine Deputation der Wiener isr. Gemeinde, Deputationen zahlreicher isr. Geineiuden aus der Provinz, Vertreter der isr. Landeskanzlei, der Handelsakademie und der kommerziellen Welt. Nach emer Trauerrede Dr. Kohns setzte sich der Leichenzng in Bewegung, den zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen eröffneten. Eine unabsehbare Menge folgte dem von den Vorstehern der Gemeinde getragenen Sarge. Im Friedhofe hielten der Präsident der Landeskanzlei Martin Schweiger im Namen der israelitischen Religionsgemeinde, der Vizepräsident der Handels- und Gewerbekammer Karl Rath, Namens der Pester Lloydgeselljchaft Dr. Max Falk kurze Nachrufe. Tief ergriffen folgte nun die Trauerversammlung dem Sarge, welcher unter Nepetiren von Gebeten zur ewigen Ruhe beigesetzt wurde. Italien. * Mailand, 8. Dezember. Die Installation des neuen Ober- Rabbiners Signor de Fano, vormaliger Ober-Rabbiner von Corfu, wurde gleichzeitig mit der Einweihung der neuen prächtigen Synagoge gefeiert. Die Synagoge ist im Innern reich mit Marmor und Granit ausgestattet und enthält auch einige prachtvolle venetianische Mosaiken, der Bau hat einen Flächenraum von 1000 Quadratmeter und eine Front von 30 Meter. Die Kosten, welche sich auf mehr denn 400,000 Lire beliefen, wurden zum größten Theil durch ein Legat bestritten, welches der verstorbene Signor Salomone Ottolenghi, der mehrere Jahre hier lebte, zu diesem Zwecke bestimmt hatte. Bulgarien. sfc Sofia, 8. Oktbr. Eine vollständige Aenderung des Lehrplanes der Alliance-Schulen ist im Anzuge. Alle in Bulgarien befindlichen Alliance- und Gemeindeschulen, wie immer dieselben auch heißen möchten, werden bulgarisirt, d. h der französische Unterricht gelangt in Wegfall und die bulgarische Sprache tritt an seine Stelle. Diese jüdischen

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