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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-09 · Heft 50 (9.12.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 1. Oktober d. I. betrugen insgesammt 10,752 Mk., die Ausgaben, wor unter Anschaffungen zur Einrichtung des Mädchenheims, Verpflegung der Mädchen, Miethe und Gehälter, zusammen 0502.73 Mk., sodaß ein Bestand vo i 4159.27 Mk. verblieb. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, Kaufmann Emil Sachs als Vorsitzender, Rabbiner Dr. Rosenthal als dessen Stellvertreter, Leopold Selten als Schatzmeister, Inspektor Silberstein als Schriftführer, Albert Peiser als stellvertretender Schriftführer und Dr. Hannes als Kontroleur wurden einstimmig wiedergewählt. Wäre es nicht zweckmäßig, wenn der Vorstand des Vereins mit der Verwaltung des hiesigen jüdischen Volkskücheninstituts in Verbindung träte und durch die Beschäftigung der im Midchenheim sich aufhaltenden Mädchen die Erweiterung und Ausgestaltung des hiesigen israelitischen Volksküchenwesens baldigst in die Hand nähme? — Gestern 'Abend fand im hiesigen Liebich'schen Saale, Gartenstraße 19, ein großartig arangirtes Konzert zum Besten des Verbandes zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder statt. Mit gewiß dankenswerther Bewilligung des gegenwärtigen Direktors des hiesigen Stadttheaters, Herrn Dr. Löwe, hatten mehrere geschätzte Mitglieder des Theaters, die Damen Frl. Dima, Frl. Kollar, Frl. Weiner, Frau Sonntag-Uhl (die jedoch durch plötzliches Unwohlsein am Auftreten verhindert war), sowie die Herren Mühlmann und Schmalfeld, sowie der Sänger und zum ersten Kantor des neuen Tempels designirte Herrn Car ini, die Pianistin Frl. Selma Berliner und andere geschätzte Künstler ihre Mitwirkung zugesagt. Das Konzert und besonders der edle Zweck hatte denn auch ein zahlreiches distinguirtes Publikum augelockt, obgleich an demselben Abend ein von der hiesigen Lessingloge arraugirter Ball stattfand, und man hatte einen herrlichen Genuß, sowie das beseeligende Bewußtsein, einen schönen Zweck gefördert zu haben. Erwähnt sei noch, daß der von dem als Gelegenheitsdichter aufs Beste bekannten Herrn Carl Biberfeld gedichtete Prolog von Fräulein Scheller vom Stadttheater vorgetragen wurde — Die Zeit der Winter-Vorträge hat längst begonnen. Nachdem vor Kurzem in der hiesigen Lessing löge Herr Rabbiner Dr. Guttmann einen recht interessanten Vortrag über Kant's Leben gehalten, sprach am verflossenen Donnerstag Herr Rabbiner Dr. Rosenthal im hiesigen Handlungsdien e r i n st i t u t über das Thema; Etwasvon Grillparzer. Hoffentlich ninnnt das hier bisher schlummernde Interesse für die reichhaltige jüdische Litteratur endlich zu, nachdem auch am hiesigen Orte ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" ins Leben getreten ist (Näheres über den selben in nächster Nummer.) An leistungsfähigen und -willigen Männern fehlt es hier wahrlich nicht, und auch die jüngere wissenschaftlich gebildete Generation könnte Ersprießliches auf diesem Gebiete leisten. Vor Kurzem erschien diezooy Mip. in Ihrem geschätzten Blatte angekündigte „Geschichte der Juden und ihrer Litteratur." Für Schule und Haus bearbeitet von Dr. M. Braun. Theil I.: Von der babylonischen Gefangenheit bis zum Abschluß des Talmuds. — Breslau, Verlag von Wilh. Jacobsohn u. Co. 1898" Der Preis des Buches ist auf 2 Mk festgesetzt. Wir können das Buch schon jetzt angelegentlichst empfehlen und behalten uns eine eingehende Besprechung desselben vor. — In Ohlau wurde der Rechtsanwalt Levy zum Notar ernannt. — Antisemitische, hier gedruckte, vor Einkäufen bei jüdischen Kaufleuten warnende Plakate klebten jüngst an den Straßenecken Oppelns. Die Plakate wurden auf Veranlassung der Polizei entfernt. Ltzn Friedeberg, im November. Unlängst feierte HerrÄ. Neustein Hierselbst das seltene Fest des fünfzigjährigen Bürgerjubiläums. Die hohe Achtung, deren sich der Jubilar in allen Kreisen der Bürgerschaft erfreut, und die Anerkennung für die Sorgfalt, die derselbe seit mehr denn 40 Jahren als Repräsentant den Angelegenheiten der Gemeinde zum Segen und Wohl derselben widmet, kamen am Festtage zürn vollsten und würdigsten Ausdruck. Am Vormittage desselben begab sich eine Deputation unter Führung des Bürgermeisters in die Wohnung des Jubilars und überreichte demselben mit einer feierlichen Ansprache ein Glückwunsch schreiben der Stadt, irr welchem dem Jubilar Lob und Anerkennung für die treue und gewissenhafte Erfüllung seiner Bürgerpflichten urrd der Wunsch ausgesprochen wird, daß ihm nach einer langen urrd arbeitsreichen bürgerlichen Thätigkeit ein langer und sonniger Leberrsabend beschiederr sein möge. Auch der hiesige Gewerbe- und Bürgervereirr sandte ein herzliches Glückwunschschreiben, und am Nachmittage erschienen der Vorstarrd und das Repräsentantenkollegium und brachten- Glückwünsche im Namen der Gerneirrde. Möge Gottes Gnade derr Jubilar — ein trotz seiner 74 Jahre noch sehr rüstiger Greis — noch recht lange bei seiner geistigen und körperlichen Frische erhalten OO Darmstadt, 4. Dezember. Am 12. Dezembernvird Hierselbst auf Einladung des Ministeriunls eine Versammlung von Rabbinern und besonders bestimmten Privatpersonen zur Begutachtung eines vom Ministerium ausgearbeiteten Gesetzentwurfs über die rechtliche Stellung mib die Verwaltung der israelitischen Gemeinden stattfinden. Der Entwurf bestimmt die Bildung eines Oberraths, dein die obere Leitung der religiösen Angelegenheiten der Israeliten des Großherzogthums urrd die Vertretung der israelitischen Religionsgesellschast im Ganzen zusteht. Die Bildung von Rabbinatsbezirken, die Anstellung von Lehrern und die Selbstverwaltung der einzelnen Gemeinden ist im Entwurf besonders berücksichtigt. Der Entwurf ist, wie wir heilte schon mitzutheilen in der Lage sind, auf einer freisinnigen Grundlage aufgebaut. Er enthält gewisse Punkte, die, falls sie Gesetz werden, dazu beitragen miissen, mallche voll den Wohlwollenden schmerzlich empfundene Schäden in dem heutigen Zu stände der jüdischen Religionsgemeinden gründlich zu heilen. Näheres mitzutheilen, verbietet uns die Diskretion, die uns auch von der Wieder" gäbe obiger Notiz überhaupt zurückgehalten hätte, wenn nicht die „Kölnische Zeitung" sich beeilt hätte, die Absichten der hessischen Regierung vorzeitig ihren Lesern mitzutheilen. # Stuttgart, 28. November. Um vergangenen Donnerstag wurde auf dein hiesigen israelitischen Gottesacker der beliebte und begabte Kantor und Lehrer Moritz Eichberg, aus Mergentheim gebürtig, im hohen Alter von 86 Jahren zu Grabe getragen Am Sarge sprachen Rabbiner Dr. Stößel im Namen der hiesigen Gemeinde, Lehrer Stern-Eßlülgen Nanlens des Vereins „Rachmonaus melamdim" dessen Mitglied der Hingegangene war, und Herr Nördlinger für das Komitee, welches zu Ehren des Verstorbenen vor 8 Jahren die Feier des 50jährigen Dienstjubiläums veranstaltete. Sämmtliche Redner rühmten den edlen Charakter, Pflichteifer und Gemeinsilln des als Religionslehrer und besonders als Vorsänger hervorragenden Mannes, der bis ins hohe Alter ein treuer Diener des Herrn im Hause der Andacht und Gottesverehrung war. Der Mann des Friedens ruhe in Frieden! *£2 Frankfurt a. Main, 1. Dezember. Der zehnte Jahresberich! des Israelitischen Hilfsvereins (Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels) in Frankfurt am Main gewinnt dadurch ein besonderer Interesse, daß er die Frage des Wanderbettels einer allgemeinen Betrachtung unterzieht und Vorschläge zu ihrer Lösung versucht. Ins besondere wird auf den Beschluß des diesjährigen Gemeindetages, zn diesem Zwecke einen Delegirtentag des Deutschen Israelitischen Gemeinde Bundes zu berufen, hingewiesen und hinzugefügt: „Wenn wir uns auel nicht verhehlen können, daß es unter den obwaltenden Umstände, schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird, auf einem Delegir-entag sofort positive und wirkungsvolle Maßregeln gegen den Wanderbettel z, beschließen, so stehen wir doch nicht an, unsere Zuversicht dahin aus zusprechen, daß bei gemeinsamer Berathuug durch den Austausch de Ansichten und Erfahrungen doch Mittel und Wege gefunden werde, mögen, die uns, wenn auch langsam, doch allmälig zu dem ersehnte, Ziele führen könnten. Wir hoffen daher, daß der Ausschuß des Deutsch Israelitischen Gemeindebundes obigen Beschluß in nicht allzu ferne Zukunft zur Ausführung bringen werde." (Wie wir erfahren, sind di Vorarbeiten für die Berufung der Konferenz bereits seit einiger Zeit in Gange; jedoch stellen sich hierbei so viele Schwierigkeiten in dm Wen daß die Arbeiten nur langsam vorrücken. So hat sich bisher z B. noc! keine Genieinde zur Aufnahme der Konferenz bereit erklärt, ein Umstand der sehr ins Gewicht fällt. Denn solch ein Konferenzort muß di zureichende Zahl von Männern bieten, welche Fachkunde und Neigun, besitzen, sich den nothwendigen Verhandlungsarbeiten zu unterziehe. Die Redaktion) Oesterreich Ungarn. (D Wien, 80. November. In der Parlamentssitzung vom 25. Nor nahm der Neichsrathsabgeordnete Rabbiner Dr. Bloch Veran lassung, den antisemitischen Abgeordneten Schlesinger und Schneiden welche zwei Tage vorher in ihren! bekannten Jargon die Judenfragr behandelt hatten, gründlich heimzuleuchten. Die Redetüchtigkeit des ge

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