Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Julius Friedemann, Theodor Oppenheim, Stadtverordneter Adolf Pincussohn. Neugewählt wurde Herr Stadtverordneter Julius Wallach und zu Stellvertretern die Herren: AlbrechtLassally, Rechtsanwalt Gustav Flatow, Max Lande, C. Calmsohn, Bankdirektor Herrmann Sch aper, Jac. Philippsohn und Hugo Naphthali. ---- Berlin, 6. Dezember. Wie man uns mittheilt, ist in demselben Normal-Aichungsamt, an dem der sel. Regierungsrath Löwenherz seine Karriere begann, soeben Herr Dr. Bernhard Weinstein, Privatdozent für kosmische Physik, der, soviel wir wissen, in Kowno geboren, auf dem Gymnasium in Insterburg ausgebildet wurde und dann in Berlin studirt hat, Reglernngsrath geworden. Herr Dr. W. leitet in der Gesellschaft für kosmische Physik die Arbeitsgruppe auf dem Gebiete der Erdphysik. Sein Onkel B. Weinstein, der ihn ausbilden ließ, hat für den Osten der preußischen Monarchie eine hervorragende kommerzielle Bedeutung gehabt. Er war in dem industriearmen Ostpreußen der erste Begründer von Garnspinnfabriten in Insterburg und Elbing, zu denen er aus seinem Heimathslande Rußland den Flachs herbeischaffte. Für seinem Unternehmungen erhielt er s. Z. vom Finanzminister Hansemann Staatsunterstützung. Auch eine Papierfabrik hat er in Tilsit begründet. Bei seiner Beerdigung hielt außer den Rabbinern Dr. Bamierger, Königsberg, und S. Friedeberg, Tilsit, auch der damalige Regierungspräsident M, der aus Gumbinnen erschienen war, eine Ansprache. Auch der frühere Kultusminister v. Goßler verkehrte s. Z. im Weinstein'schen Hause. Daß ein „slavischer Jude" in Preußen Staatsunterstützung erhielt, ist allerdings einige Dezennien her, aber es verdient als historisches Faktum aus „vergangener Zeit" bemerkt zu werden. — Berlin, 5. Dezember. Ter Vorstand der Hilfslasse fürisraelitische Kultusbeamte und deren Wittwen und Waisen in Teutschland veranstaltet am 7. Januar k. I. in den Räumen der Philharmonie mit den ersten Kräften der hiesigen Hofoper ein Wohlthätigkeitskonzert. Billets sind beim Rendanten des Vereins, Herrn Göttinger, Kronprinzen-Ufer 26, und bei den Kantoren der hiesigen jüdischen Gemeinde, den Herren Marksohn, Lothringerstraße 62, Rosenthal, Weißenburgerstraße 23, Friedmanu, Elsasserstraße 56, zu haben. £££ Berlin, 7. Dezember. Am Dienstag den 13. Dezember er., Abends 81/2 Uhr, wird Herr Professor Dr. Martin Philippso n im „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur Rosenthalerstraße 11/12) einen Vortrag halten über „Papst Martin V. und die Juden". Studirende aller Fakultäten sind in: Verein, auch ohne Einführung, herzlich willkommen. Berlin, 4. Dezember. Der verstorbene Rentier Wilhelm Lew in hat dem Magistrat von Berlin sein bedeutendes Vermögen von 750,000 Mark für Zwecke der Wohlthätigkeit vermacht. Vorweg geht allerdings eine Reihe von Legaten mit ca. 118,000 Mark an Verwandte rc. ab Trotzdem kann mit dem Zinsenertrage der verbleibenden ''>32,000 Mark manche Thräne getrocknet werden. Der Verstorbene hat leine großartige Stiftung mit prunkendem Kuratorium errichtet, sondern das Geld dem Magistrat mit der einfachen Bestimmung zur Verfügung gestellt, daß die Revenuen in Raten von 50 Mark an Bedürftige ohne ll nt er schied der Konfession ausgezahlt werden sollen. Der ohne Verschulden unglücklichsten Klasse von Bedürftigen, der außerehelich geborenen Kinder, hat er besonders gedacht. Ein Drittel der Zinsen soll vorzugsweise für diese Personen Verwendung finden. Zeitung öes IuöentHums". * Berlin, 5. Dezember. Der Programmentwurf der deutschkonservativen Partei, welcher dem allgemeinen konservativen Parteitage zur Annahme vorgelegt werden soll, enthält über die „Judenfrage" folgende Stelle: „Wir bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluß auf unser Volksleben. Wir verlangen für das christliche Volk eine christliche Obrigkeit und christliche Lehrer fürchristliche Schüler. Wir verwerfen die Ausschreitungen des Antisemitismus." Das heißt auf gut Deutsch: Die konservative Partei verlangt Aufhebung der die volle Emanzipation der Juden aussprechenden Verfassungsparagrapheu. Der Schlußsatz, der „die Ausschreitungen" des Antisemitismus verwirft, ist nichtssagend. Ausschreitungen sind fürrechtlich denkende Menschen überall zu verwerfen; und indem die Konservativen nur die „Ausschreitungen" des Antisemitismus verwerfen, erkennen sie seinen Kern als berechtigt an und stellen sich damit auf den Boden einer von der Bildung und dem Rechtsbewußtsein des 10. Jahrhunderts längst verworfenen Unduldsamkeit. * Berlin, 4. Dezenlber. „Richtet mich nicht nach ineinen Thaten, sondern nach meinen Worten" — das ist im Augenblick die Parole der konservativen Partei. Ihr offizielles Organ, die „konservative Korrespondenz", bedauert den Erfolg Ahlwardts im Wahlkreise Arnswalde-Frredeberg, weil „wieder ein Wahlkreis durch die antisemitischen Wühlereien aufgerührt und dessen Bevölkerung in Klassen- und Rassenhaß hineingehetzt worden ist." „Denn die antisemitischen 'Agitationen haben fehle andere Wirkung, als Mißtrauen gegen die Staatsleitungen zu erregen und so die Grundlagen unseres heutigen Staatswesens zu untergraben, sind demnach gerade konservativerseits energisch zu bekämpfen." Das sind die schönen Worte — und die Thaten? Die konservativen Wahlkomitees der Kreise Friedeberg und Arnswalde fordern ihre Wähler auf — für Ahlwardt in der Stichwahl zu stimmen. In der That ist Ahlwardt am Montag mit den 3000 konservativen Stimmen in der Stichwahl durchgekommen! * Berlin, 5. Dezember. Soeben erschien im Verlage von A. W. Kafemann als Gesammt - Ausgabe: der „Antisemiten- Spiegel." Die Antisemiten im Lichte des Christenthums, des Rechtes und der Moral. (25 Bogen. Preis 1 Mark.) Von dieser Schrift waren bisher drei Lieferungeil erschienen. Die anderen Lieferungen, Fortsetzung und Schluß, liegen in dem jetzt abgeschlossenen 25 Vogen starken Werke vor, in welchem auch die bisherigen Lieferungen in vollständiger Umarbeitung enthalten sind. Die Schrift bietet reiches Material über die antisemitische Bewegung und enthält zugleich umfassende Widerlegungen der Behauptungen und Verdächtigungen der antisemitischen Agitatoren. Die Schrift ist ein unentbehrliches Handbuch für Jeden, der sich über diese wichtige Tagesfrage aufklären und die Jrrthümer der Alltisemiten widerlegen will. Ein vollständiges Sachregister erleichtert die Benutzung des Buches. V. Breslau, 4. Dezember. Vorigen Sonntag fand in den Räumen des hiesigen israelitischen Mädchenheims, Gräbschenerstraße Nr. 60 eine Generalver sammlung dieses Instituts statt, welche von dem Borsttzenden desselben, Herrn Kaufmann Emil Sachs, eröffnet wurde. Nach dem ersten Jahresberichte wurde im Monat vorigen Jahres auf Anregung des verdienstvollen Inspektors, Herrn M. Silberstein, die Gründung eines israelitischen Mädchenheims beschlosseil, und es gelang schon im darauffolgenden September, die Eröffnung desselben zu ermöglichen. Der nicht 511 unterschätzende Zweck des neu gegründeten Mädchenheims geht dahin, Mädchen, welche die vorerwähnte Waisenallstalt verlassen haben, eltern- oder gar heimathslos sind, und solchen, welche keinen geeigneten Familienanschluß haben, unentgeltliche Aufnahme zu gewähren und ihnen eine geeignete Berufsausbildung zu Theil werden zu lassen. Wie segensreich der Verein bereits in der kurzen Zeit seines Bestehens gewirkt hat, geht schon daraus hervor, daß seitdem 16 Mädchen, 0 hiesige und 7 auswärtige, 'Ausnahme gefunden. Gegenwärtig befinden sich 0 Mädcheil in der Anstalt, 6 hiesige 3 auswärtige. Die Einnahmell bis