Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- Seite 593 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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593 chrift „Vo n meiner Ai- Mund übe reden, oh, c lange vo i cht nur da; rurch unsere »ein Bro) ihr bist d > eit genießefF liche Arbei, i 5). Und verstände, j es Aehre, -1 ie, und da lelt", stehe; der Gesel sobald ab, die Beschä | daß es vo de wohnte, nlinub heif entbehrli» dwerk sieh ensch thn» flehe u„ edes Hand rdienst an des Hand lerabsäum n gleichsai eit, sie s> ie». „Wc >, den ma> ist hoch z , wenn e nimm de ein große > :s in so verhältnißmäßig kurzer Zeit sich noch nicht so deutlich zeigen l »in, zumal unsere Gegner gerade hiervon am wenigsten gern reden. . ch meine aber doch, daß wohl ein Prozent der j Fabrikanten > >d Handwerker Juden sind, selbstverständlich finden sich in manchen , weigen mehr als ein Prozent, in manche» weniger, in manchen , elleicht noch gar kein Jude. Das ist ganz selbstverständlich, wenn » an bedenkt, daß auch der Jude Mensch mit menschlichen Zu- und bneigungen ist; cs muß eben erst noch manches gewöhnt und gelernt , erden. Wer niemals hat tanzen dürfen, fühlt später, wenn er ie Erlaubnis; zum Tanzen bekommt, vielleicht wenig oder gar keine »st mehr zu tanzen; oder er muß es erst mühsam erlernen, während , die Anderen schon können; neckt man ihn gar wegen seiner Ungeschicklichkeit oder laßt ihn merken, daß er auch jetzt noch besser .ivongeblieben wäre, so wird er vielleicht bei nächster Gelegenheit auch »irklich davon bleiben. In einer dieser Lagen befinden sich thatrchlich viele Juden. Weiß ich doch ans eigener Erfahrung, wie »gern mancher Meister einen jüdischen Lehrling nimmt, und wie iele Neckereien und Scherereien ein solcher Lehrling sich gefallen issen muß. Und so läuft mancher Lehrling davon, um die Handing zu erlernen — auch das weiß ich aus Erfahrung. Manche ltern aber scheuen sich im Voraus. Hier fördernd einzuwirken, ist ie schöne Aufgabe der jüdischen Vereine für Förderung des Handwerks, die schon vorhanden waren, noch ehe der Antisemilismus ein iewerbe geworden war. Wir brauchen eben nicht erst von Anderen elehrt zu werden, was unsere Pflicht ist; das wissen wir von selbst mb thun sie, sofern man uns nicht daran hindert. „Die Antiemiten als Erzieher" — das wäre übrigens ein lehrreiches Buch :»d ein ergötzliches zugleich. Ich glaube auch gar nicht, daß ein lntisemit einen Juden, der arbeiten woüte, unter seinen Arbeitern „nehme,, oder von einem jüdischen Handwerker für sich arbeiten issen würde. Es ist ja allgemein bekannt, wie sie die jüdischen »eschäftsleute boykottiren. Doch, wie schon oben gesagt, alle solche unerfreuliche Betrachnngen werden uns weder die Lust verderben, noch uns daran ändern, weiter zu arbeiten und uns mit der Zeit Anerkennung n verschaffen auch in denjenigen Berufen, in denen wir aus mancherlei Gründen bisher weniger geleistet haben. Denn nur gezwungen haben wir der Arbeit entsagt und bereitwillig haben oic uns ihr wieder zugewendet. Ja, heute wie vor Jahrhunderten ekennen wir uns zu dem bereits angeführten Satze: „Die Arbeit ü hoch zu achten, denn sie ehrt den Mann." B. K. 9 llahnunge» jmnth, bi Bessern»» d der ha von jeden cüber; unl »rtheile sic! ude imnie st an de Israeliten nchen uni wn habe, st. gezeigi n Künsten re Feind so wollen ran, weil Die sozialen Institutionen des Mssaismus und der platonische Ktaat. Von Gymnasial - Oberlehrer Dr. I. H or o w itz. Von allen Völkern des Alterthums habe» nur die drei klassischen Älter, Israel, Griechenland und Rom, soziale Gedanken gezeitigt mb eine soziale Entwicklung durchlebt: fast alle übrigen Völker der lten Welt, alle Ltaaten des Orients, mit Ausnahme des jüdischen Volkes, waren in politischer und sozialer Hinsicht nicht entwicklungsähig, theils weil sie unter dem ehernen Joche unumschränkter Despotenherrschaft seufzten, theils weil sie in die festen und unverückten Grenzen eines starren Kastenwesens gebannt waren, welches mn Gedanken eines so aalen Kampfes und das Streben nach einem gesellschaftlichen Ausgleich nicht aufkommen ließ. Die drei genannten Rassischen Völker dagegen, klassisch, weil sie bleibende, unverlierbare Verdienste um die menschliche Gesittung haben, oder weil sie, wie Ferdinand Gregorovius in einem im vergangenen Jahre in der Münchener Akadenne der Wissenschaften gehaltenen Vortrage treffend bemerkt, „das Weltgebäude als Grundpfeiler stützen und man sie nicht aus der Geschichte hinwcgdenken kan», ohne das ganze moralische Weltgebäude aufzuheben", diese drei Völker haben theils reiche soziale Ideen geschaffen, theils eine große soziale Entwicklung durchgemacht, und in eines jeden dieser Völker sozialen Gedanken und Gesetzen spiegelt sich gewissermaßen der kosmische — der Weltberuf — den es zu erfüllen bestimmt war. Während Israel der Welt die Religion und das Sittengesetz gegeben hat und, nach einem abermaligen treffenden Ansdruck Gregorovius, „durch den großen Weltgedanken, welcher Monotheismus heißt, zur Erkenntniß der sittlichen Einheit der Welt gelangte", schuf Griechenland das ästhetische Ideal und die Wissenschaft — die Kunst und die Philosophie, — schuf das bestimmte, nüchterne, klare und praktisch-konkrete Rom das streng systeinatische Recht und die Kunst der Politik, die es in seinem große» Weltreiche in einer für die großen Staatsmänner aller Zeiten vorbildlichen Weise zur Darstellung gebracht hat. Tie sozialen Ideen und Gesetze eines jeden dieser drei Völker können den Geist ihrer Urheber und den Grundcharakter der ihnen gestellten weltgeschichtlichen Aufgaben nicht verleugnen. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, Griechenlands und Roms soziale Kämpfe und Gesetze zu schildern. Wir wollen vielinehr nur die in weiteren Kreisen der Gebildeten noch immer nicht genügend bekannten und gewürdigten sozialen Grundideen und Institutionen der mosaischen Verfassung in ihren Hanptzügen darstellen und neben diesen einen kurzen skizzenhaften Abriß der scharfsinnigsten und geistvollsten aller philosophisch-kommunistischen Utopien — des platonischen Jdealstaates — zu geben versuchen. Durch die Nebencinanderstellnng und vergleichende Betrachtung des sozialen Ideals des größten israelitischen und des größten hellenischen Genius kann ein Bild gewonnen tverden von den grundverschiedenen, in manchen Punkten aber auch mit einander sich berührenden und verwandte» ethischen Zielen und Gedanken, deren Verwirklichung diese beiden, so heterogenen Völkern und Zeiten angehörenden Geistesheroen als einen Zustand sittlicher Vervollkommnung ihres Volkes angestrebt und herbeigewünscht haben. Wenn man die vom Gesetzgeber Moses begründete Staatsverfaffnng häufig als eine theokratische bezeichnen hört, so ist diese Bezeichnung nur theilweise als richtig anzuerkennen. Zutreffend ist die Benennung, sofern man das Wort „Theokratie" in seiner eigentlichen Bedeutung als „Gottesherrschaft" faßt und dadurch ausdrücken will, daß das Gebot der Verehrung eines nicht abbildlich darznstellenden Gottes die Grundlage des israelitische» Staatswesens gebildet und sich daraus in politischer Beziehung die Verneinung der Unterordnung unter einen irdischen Herrscher und die Stellung des Volkes unter die unmittelbare Regierung Jehova's ergeben habe. Unzutreffend ist die Bezeichnung, sofern dabei an eine Priesterherrschaft im Sinne der anderen orientalischen Völker gedacht wird. Das Priesterthum war nach den Verordnungen der mosaischen Gesetzgebung kein Herrenstand, sondern nur ein vermittelndes Organ zur Offenbarung von Jehovah's Willen, ein Stand, besten Lebensaufgabe ausschließlich dem Tempeldienste und dem äußeren Kultus gewidmet sein sollte. In diesem Sinne wird der ganze Stamm Levi, aus dem der Priesterstand sich stets rekrutirte, im Pentateuch wiederholt ein dienender, ein bei Gott dienstthuender genannt.') Zur Herrschaft, zuin inachtgebietenden Herrenstande fehlte dem Priestern in Israel die soziale Grundbedingung, ohne die Herrschaft und Macht zu keiner Zeit denkbar gewesen ist. Die Priester l) 4. B. Mos. 1, 50. ibid. 3, 6; 3, 12. 5. B. Mos. 10, 8 und 9.