Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227982--49331-3270018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
591 ich hoffe „ 8laubens- > Aiistriti ee ethische ch w sehr : Religion - obgleich es aber and Ethik dasjenige entgleiten oälzungeu > todtem Haft »ach werden, re ganze > u. s. w. Dadurch, nd einer gisirender adert, ob ln weder religiöse» nd Inden ir unsere vezember. Gemeinde» oemselbeti Krakau, Sandec, ii, Stryj, absolvirt unen der rklassigen ist jedoch zukoinmt, ninungen nter den Art läßt ) l o in e a nter dein >en. Die , binnen Rabbiner schrecken: den. Sie tthalterei nd merkvo» dem „Ha-am‘ tthalterei l iefe Angelegenheit erledigen wird, allein so diel steht fest: jene! oTage sind schon längst vorüber und die Kultusgemeinde in Kolomea at ihren Rabbiner noch nicht gewählt. Der Werth oder Unwerth ieses von der Fortschrittspartei so lange hcrbeigewünschten Gesetzes egt somit ausschließlich in Händen der Behörde». Wenn s so aussehen sollte, wie es den Anlauf zu nehmen scheint, dann at es sich wahrlich nicht verlohnt, jenen heftigen kulturkampf herauf zu beschwören und die Herren vom .Machsike Hadatli“ aus dem Schlafe zu wecken. Letztere machten in der jüngsten Zeit nicht übel Miene, wieder inmal zu alarmiren. Diese galizische Orthodoxie ist eine große Gesellschaft, die man nicht so leicht ans dem Wege schaffen kann — venigstens hat bis jetzt noch Keiner das richtige Rezept gefunden. Venn diese Herren in den letz'en Jahren auch den bedeutendsten Iheil ihres thatsächlichen Einflusses verloren habe», wenn sie auch euer glücklichen Zeit, wo sie große Rabbinerversaminlunge» nach Lemberg einberiefen, zahlreiche Filialen in ganz Galizien und der Bukowina gründeten, Abgeordnete in das österreichische Parlament chickte», ja sogar zur Regierung Taaffe in mancherlei Beziehungen tanden, ein für allemal „Lebewohl!" sage» müssen — so haben sie ooch noch den Kampfplatz nicht verlassen, nnd aus ihren ermüdenden Ochmolltiradcn, in ihrem hebräischen Organe „Naebsike Hadath“ ilingt cs gar oft wie Schlachtenruf heraus. In ihrer vereinsamten Ecke sitzend, fallen sie Über Alles erbarmungslos her, was nach Fortschritt und nach „Zeitgeist" riecht. Ihre hier erscheinende Wochenschrift, die ich soeben erwähnte, ist in mancherlei Beziehung interessant, vier wird der ganze abgenutzte Apparat midraschischer Sophistik in Betrieb gesetzt, um in einem gebrochenen Klausnerhebräisch im Namen aes unantastbaren kabbalistisch gefärbten Schulchanaruch-Judenthnms alle die gottlosen Neuerer und Zerstörer zu bekämpfen, wo und wie ie auch auftreten mögen; gleichviel ob sie im Kuratorium der virsch'schen Stiftung oder in einem Vereine für Kolonisation Palästinas sitzen, ob sie in polnischer Nationaltracht Mickiewiczs Oden oeklamiren oder im stolzen Neuhebräisch in nationalen Zukuuftsräumen schwelgen. Aber diese letzten Kraftüußerungeu einer bankerott gewordenen Rhetorik sind auch Alles, was die Machsikianer noch zu leisten vermögen. Der Wnnderrabbi von Bclz und seine fanatisirten Jünger haben wohl de» traurigen Ehrgeiz, unter dröhnendem Kriegsgetümmel;» fallen, aber sie verstehe» es nicht, wie die anderen konservativen Parteien, sich durch wohlklingende Parteiprogramme den Anstrich des Modernen zei geben. Deswegen müssen sie auch manches herunterichlncken, was ihnen übel bekommen dürfte. So nmßten sie es sich gefasten lassen, daß in jüngster Zeit in Krakau ein Verein „Sfas F,111 etli“ zur Pflege der hebräischen Sprache und Litteratur gegründet wurde, trotzdem der Redakteur ihres Blattes gegen denselben eifrig igitirte. So müssen sie auch schweigend zusehen, wie der Wirkungslos der Hirsch'schen Stiftung sich immer mehr ausdehnt, trotz ihres hartnäckigen Widerstandes. Neuerdings wurde sogar von der Stiftung in ganz neuer Wirknngszweig in Anspruch genommen, der den Orthodoxen am wenigsten zusprechen dürfte, ich meine nämlich: der llnterricht der hebräischen Sprache. Die erste Schule dieser Art wurde Rieben in Zloczow eröffnet. Sie umfaßt zwei Abtheilungcn und hat den Zweck, den Kindern, welche die Bürgerschule besuchen, die Kenntniß der hebräischen Sprache und der jüdischen Religion zuzusiihren. Bis jetzt sind gegen 100 Schüler angemeldct tvorden. Der Leiter der Anstalt ist Herr Dreifuß. In unserer Gemeinde ist augenblicklich eine kleine Erregung der Gemüther bemerkbar; ihre Ursache ist eine zweifache: die bevorstehenden Gemeinderathsivahlen und die Sprachenfrage in den Gemeindeschulen. I» unserem Gemeinderathe, der aus 100 Mitgliedern besteht, sitzen 18—19 Juden. Aber was die Herren Räthe eigentlich gcthan, was sie besonders für die Wähler, die sie vertreten, gethan — das weiß kein Mensch. Jetzt beginnt wieder die. Zeit der begeisterten Programmreden, der idealen Plakate und der schändlichen Agitation. Der „Israelit" wünscht das Zusammentreten eines Volkskomites, tvelches, unbeeinflußt von der geschlossenen Clique, eine Wahlagitation einleiten sostte. Ob jedoch hinter dieser angeblichen Demokratie nicht auch persönliche Motive einzelner Usurpatoren stecken, läßt sich noch sehr bezweifeln. Jedenfalls werden wir in diesem Wahlkainpf tvieder einmal Gelegenheit haben, die politische Reife unserer Gemeinde in ihren harten Probestunden zu beobachten. Nicht ohne Jntereffe ist die zweite Angelegenheit, die ich erwähnte. Unsere Gemeinde erhält zwei eigene Schulen, die nebenbei bemerkt, insofern ein Luxus sind, als es in unserer Stadt Volksschulen genug giebt, wo der jüdische Religionsunterricht ganz im Sinn des Kultusraths ertheilt wird. Aber sie bestehen einmal, und nun sollen sie sogar reformirt werden. Die deutsche Vortragssprache lvird astmälig von der polnischen verdrängt. Augenblicklich ist der Kultusvorstand damit beschäftigt, auch im Religionsunterricht die polnische Vortragssprache einzuführen. Dadurch verlieren diese Schulen ihren einzigen und letzten Existenzgrund, nämlich den, daß den jüdischen Kindern der ärmeren Klasse, die des Polnischen unkundig sind, die allgemeinen Volksschulen mit polnischer Vortragssprache unzugänglich sind. Das Deutsche ist ihrem Jargon sehr ähnlich und ihnen deswegen verständlich, das Polnische hingegen ist ihnen vollkommen fremd. Unsere Kultusräthc mosten aber gute Patrioten bleiben und polonisire» die Gemeindeschulen. Ob auch die Kinder sich am polnischen Unterricht werden betheiligen können, ist natürlich Nebensache. Die Schulen sosten höheren Zwecken dienen. Dagegen wird von Seiten der orthodoxen Inden für die Wiedereröffnung des vor Kurzem geschlossenen „Chedarim" mit anerkeuneuswerthein Eifer gearbeitet. Es soll, tvie verlautet, ein allen hygienischen nnd pädagogischen Anforderungen entsprechendes Gebäude für sämmtliche „Chedarim" errichtet werden. Die diesbezügliche Aktion wurde besonders durch das Zuthun des hiesigen hebräischen Buchdruckers Madfes eingeleitet und sind bis jetzt zu genanntem Zwecke 2500 Gulden gesammelt werden. Es wäre allerdings zu wünschen, daß sich auch die fortschrittliche Partei im Lande an dieser Aktion betheilige, damit die zu errichtende Anstalt wirklich den modernen Anforderungen entspräche. In erster Reihe wäre jedoch die Baron Hirsch'sche Stiftung hierzu berufen. Hier ist der eigentliche Angriffspunkt für das große Kulturprogramm des Kuratoriums. Nie Nlmelus, liic salta. Während in der letzten Zeit im In- und Auslande viel von der Bauernemigration aus Galizien gesprochen wurde, scheint man von der Emigration der Juden wenig Kenntniß zu haben und an eine Regelung derselben nicht zu denken. Und doch ist diese sehr bedeutend und ist eine Regelung derselben dringend geboten. Wie in einem Aufsatze in der hier erscheinenden polnischen „Nr/v-8/.lose" nachgewieseu lvird, betrug die Zahl der Emigranten in Galizien in den Jahren 1880—1890 61,905 männliche und 20,122 weibliche, zusammen 82.087. Wenn man noch die Zahl der Immigranten im selben Jahrzehnt als wahrscheinliches Equivalent für einen entsprechenden Abfluß von Bevölkerung hinzuaddirt, bekommt man als wahrscheinliches Bild der Emigration in den Jahren 1880—1890 die Zahl 82,087 + 61,062 143,149. Nun bilden die Juden in Galizien '/>- der Gesammtbevölkernug. Unter sonst gleichen Umständen müßte also ihre Betheiligung an der Emigration betragen: 143,149/12 ---- 12,000, was asterdings nicht zuspricht, da die Juden als Handels-