Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Vorbehalten, aber schon jetzt stellt sich derselbe als ein Ereigniß von nicht Zu unterschätzender, sehr unerfreulicher Bedeutung heraus!!" Natürlich war dieser „Erfolg" nur durch die den Antisemiten eigentümliche Agitationsweise, bei der diesmal auch der Knüppel eine Rolle spielte, möglich. Hoffentlich wird der Wahlkreis beider Stichwahl, diezwischen dem Deutschfreisinnigen Drawe und Ahlwardt stattzusinden hat, seine Ehre wahren und den Rektor a. D. nicht in den Reichstag schicken. Berlin, 27. November Auf die in voriger Nummer erwähnten Anfragen läßt Herr Stöcker durch sein Organ „Das Volk" in ausweichendem Sinne antworten, daß Herr Gräbner sich in Dresden, wo er (Stöcker) die Sache ausführlich dargelegt habe, erkundigen möge. Hierauf erklärt die Redaktion der „Mittheilungen" in einem erneuten offenen Schreiben an Herrn Stöcker: „Danach dürfen wir die Frage für bejaht erachten. Sie haben also erklärt, daß man von jüdischer Seite Sie in London hat ermorden wollen. Von den Beweisen, die Sie nach Angabe des „Volk" für diese ungeheuerliche Behauptung erbracht haben sollen, haben selbst die Ihnen befreundeten Dresdener Nachrichten nichts erwähnt. Weshalb druckt denn auch das „Volk" diese Nachweise nicht ab? Hierzu wäre das „Volk" in Ihrem Interesse verpflichtet. Und deshalb fragen wir von Neuem: 1 Welches sind Ihre Beweise? 2. Warum haben Sie der Staatsanwaltschaft nicht Anzeige gemacht? Und wir fügen die Frage hinzu-. 3. Warum haben Sie Jahre lang ein so wichtiges Ereigniß nicht erwähnt?" a. Breslau, 28. Novbr. Hinsichtlich der Frequenz jüdischer Schüler an den hiesigen städtischen höheren Lehranstalten zu Beginn dieses Wintersemesters Iheile ich Ihnen folgendes Zahlenverhältniß mit: Das Elisabeth-Gymnasium besuchen von 526 Schülern 211 lüdische, das Magdalenen-Gymnasium von 555: 174, Johanneum von 487: 127, das Realgymnasium am Zwinger von 527: 103, das Realgymnasium zum heiligen Geist von 392: 13, die evangelische Realschule I. von 589: 171, II. von 549: 43, die katholische Realschule von 444: 144, die Königl. Oberrealschule von 447: 21. Es besuchen also von 4516 Schülern 987 jüdische die hiesigen städtischen Schulen. — Man kann es den Antisemiten nicht rechtmachen. Glauben diese den Juden deren Abneigung gegen das Handwerk zum Vorwurf machen zu können, so wird es natürlich weislich ausgebeutet; widmen sie sich aber diesem Stande und bewähren sie sich in demselben so gut, daß ihre Genossen sie durch Ernennung zu Obermeistern ehren, so heißt es: Die Juden suchen alle Aemter in ihre Hände zu bekommen. In diesem Sinne glaubte auch ein hiesiges antisemitisches Blatt die Mittheilung in Nr. 46 ausnützen zu müssen, worin ich berichtete, daß in Kattowitz sowohl in der Fleischerwie in der Maureriunung Juden die ehrenvolle Stellung eines Obermeisters innehaben. — Der König von Sachsen hat den Inhaber des hiesigen renommirten Seiden- und Konfektionsgeschäfts Hugo Ko hn (Schweidnitzerstr. 50) zum „Hoflieferanten Ihrer Majestät der Königin von Sachsen" ernannt. K. Hannover, im Novbr. Die Ausgaben für das jüdische Schul- und Synagogenwesen, die bisher immer unbeanstandet vom Provinzialausschusse bei Feststellung des Haushaltsplanes bewilligt wurden, haben in der letzten Tagung zu eingehender Verhandlung Anlaß gegeben, und wesentliche Veränderungen betreffs der Verwendung des Zuschusses stehen bevor. Die Beihilfe der Provinz betrug bis zum Jahre 1875 15,000 M. jährlich, wurde dann aber auf 16,500 M erhöht, weil der seitherige Zuschuß für die jüdische Lehrerbildungsanstalt als zu niedrig angesehen wurde. Es wurde außerdem für angemessen gehalten, auch den jüdischen Lehrern mit Rücksicht auf die den christlichen Lehrern staatlicherseits bewilligten Dienstalterszulagen solche zu bewilligen. Durch die neuen Gesetze, welche die Volksschullasten erleichtern, tritt eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse auch für die jüdischen Gemeinden ein. Bei diesen Veränderungen hat das Landesdirektorium einen neuen Vertheilungsplan für geboten erachtet. Eine Verminderung der Beihilfen für die jüdischen Gemeinden in ihrer Gesannntheit ist nicht beabsichtigt, da bisher nur den besonders bedürftigen Beihilfen gewährt wurden, und die Gelder nicht allein für Schulzwecke, sondern auch zur Unterhaltung der gottesdienstlichen Einrichtungen bestimmt sind. Es ist nur gerechtfertigt, den jüdischen Lehrern, welche staatliche Dienstalterszulageu beziehen, für die Folge aus den Mitteln der Provinz solche Zulagen nicht mehr zu bewilligen, da diese den betreffenden Lehrern nicht mehr zu Gute kommen, sondern einfach von der Regierung an den von ihr gewährten Alterszulagen in Abzuq gebracht werden. Bei Durchführung dieser Maßregel läßt sich ein? Ersparung von 3000 M. erzielen. — Der jüdischen Lehrerbildungsansta'l droht die Gefahr, daß ihr künftig nur die Hälfte des bisherigen Zn schuffes von 7500 M. bewilligt werden sollte. Man ging von bei i Gesichtspunkte aus, daß die Gelder nur für die Provinz verwende werden sollten, die Hälfte der in der Anstalt ausgebildeten Schüler aber in anderen Provinzen Anstellung fänden und somit für diese die Bei anlassung vorläge, die Bildungsanstalt zu unterstützen. In einer Bei Handlung mit dem Landrabbiner Dr. Gronemann hat dieser dringen^ gebeten, den bisherigen Zuschuß zu belassen, weil eine Hebung der Anstalt erforderlich, was bei den ohnehin schwachen Mitteln nicht mögliä. Das Landesdirektorium ging auf diese Vorstellungen ein und hat vor geschlagen, den bisherigen Zuschuß von 7500 M. weiter zu zahlen. D. durch die Entziehung der Zulagen an jüdische Volksschullehrer fru werdenden 3000 M. sollen zu Beihilfen für die ärmeren jüdischen Gn meinden und zur Unterstützung der Lehrer an Religionsschulen verwand i werden. Der Ausschuß war mit diesem Vorgehen einverstanden, da voraussichtlich die Zustimmung des Provinziallandtages erhalten wird * Altona, 28. November. Das Immediatgesuch der Alronae jüdischen Gemeinde wegen Bestätigung des zum Oberrabiner gewählten Dr. Rosenberg in Oroshaza ist vom König abschlägig beschieden worden. 0. Frankfurt a. M., 24 Nov. Der kürzlich erschienene Bericht de „ D e u t s ch - I sr a e l. K i n d e r h e i m s " zu Diez (Sitz der Centralverwaltunn hier) bezeugt das Gedeihen und glückliche Emporblühen dieser Wohl thätigkeitsanstalt, deren segensvolle Thätigkeit armen und verlassener Kindern aus ganz Deutschland zu Theil wird. Die provisorischen Räume, welche die Anstalt bisher inne hatte, gestatteten leider nicht ein solche Ausdehnung der Thätigkeit, wie sie im Sinne der Begründer lag der beschränkte Platz erlaubte nur die Aufnahme einer mäßigen Zab! von Zöglingen. Es wird dies m. G. H. im nächsten Jahre besser wer den, da die Anstalt alsdann ein eigenes Heim bezieht, das nach den Er fordernissen der Neuzeit erbaut ist; große luftige Räume, den hygienischer Anforderungen entsprechend, werden die Kinder aufnehmen; dem Hand fertigkeitsunterrichte wird innerhalb der Anstalt durch die für betifelber vorgesehenen Säle größere Beachtung als bisher zugewandt werden können; ein großer Garten wird nicht nur als Spiel- und Turnpla: Verwendung finden, er wird auch reichlichen Raum für Beschäftigung de- Kinder mit Gartenarbeit bieten. Der Bau wird in einigen Tagen imte. Dach kommen, und es ist sichere Aussicht vorhanden, daß das Haus hv Sommer nächsten Jahres wird bezogen werden können. Statt wie bis her 17—1.9 Zöglinge, wird die Anstalt im Stande sein 50 zu beherber gen, daß die nothwendigen größeren Mittel dann auch nicht fehler, werden, ist bei dem Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen nich zu bezweifeln, um so weniger, da ja die Anstalt keine provinzielle, son dern für die Waisen ganz Deutschlands bestimmt ist. Die bisherig Purimspende zeigte ja, daß für diese Anstalt großes Interesse in Deutsch land ist, und bei den ausgedehnteren Zielen werden auch die Gaben, di bisher schon recht erfreulich waren, wachsen. Daß für die Kosten de- Baues sich auch noch Wohlthäter mit größeren Summen zum ewiger Ehrengedächtniß einstellen werden, ist ebenfalls nicht zu bezweifeln Schließlich sei noch, uni Jrrthümer zu verhüten, bemerkt, daß da' „Deutsche Reichswaisenhaus", welches der bisherige Hausvate des „Kinderheims", Herr Kaunitz, der mit dem 1 Januar k. I aus de Anstalt als Hausvater ausscheidet, zu gründen beabsichtigt, und fü welches in Zeitungsannoncen die Aufnahme von Waisenmädcheu aus geschrieben ist, zu dem bereits mehrere Jahre bestehenden „Kinderheim' gar keine Beziehungen hat. Oesterreich-Ungarn. X Wien, 27. November. In dem, in Nr. 48 der „Allgemeiner Zeitung des Judenthums" gebrachten, aus Lemberg datirten Artikel „Galizische Briefe IV" heißt es u. A.: „Ja, sie (die Ehassidim) verstiegen sich soweit, daß sie in Stryj die neubegründete Kinderschule mitsamirn ihren Leitern, Begründern und Urhebern in Bann legten; in Belz den Delegaten des Kuratoriums mißhandelten." Diese Mittheilungen beruhen wie wir an kompetenter Stelle erfahren, auf vollständig irrigen Jnfor mationen. Weder ist hier etwas von einem derartigen Bann bekannt