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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-02 · Heft 49 (2.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 49 (2.12.1892)
Date
1892-12-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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mnt >6. Jahrgang. Nr. 49. Weikags Dev Gemeindevote. zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums".!Mls, ^s. -- (Forts, f. e Abnahme attgefunden rg entsprich l! 1,20 Pro.; elative Ad aß sie hätt -los re.) er w Gebürter sein. n 1885 bi- : Israeliten 5., sonder:'. Seelen and dergegeben euerrino rargebäude - bedarf. E der Michac latsachliche i e Freischu!' d auch bei i Zerschmölze > aus der bi- Z-ortbildun r ndenten de' -anstalt d? Lehrern der tungsvoll lyserlins. ser Zeituiu. -Lothringe?gte Armer' wird. Jl' aheit soba! lleicht angdes herein te zu sorger.. n, daß sic.! wallstr. 5 - dm. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 30. Novbr. Wenn diese Zeilen in die Hände der Leser .dangen, sind die Repräsentantenwahlen bereits vorüber. Gleichr ohl bringen wir hier die beiden Kandidatenlisten, da dieselben zweifels- : hne von historischem Interesse sind. Die Liste des liberalen Wahlkomitees lmtet: 1. David Hirschfeld, 2. I. E. Jsaac, 3. Hermann Landsberger, Louis Liebermann, 5. Moritz Manheimer, 6. Geheimrath Dr. Marcuse, Rudolf Mosse, 8. Leonhard Sachs, 9 Stadtverordneter Louis Sachs, I >. Rechtsanwalt Dr. G. Tiktin, bisherige Repräsentanten. 11. Rechts- . rwalt B. Breslauer. 12. Dr. Paul Butow. 13. Sanitätsrath Dr. i del. 14. Julius Martin Friedländer. 15. Dr. I. Ginsberg. 16- \ eopold Hannnerstein. 17. Julius Jsaac. 18. Rechtsanwalt Dr. F, Lindau. 19. Albert Levin. 20 Wolfs Lewin. 21. Landgerichtsrath 1 r. Georg Marcus. 22. Albert Philipp Meyer. 23. Syndikus Dr. 'Rinden, bisherige Stellvertreter (22. und 23. bisherige Stellvertreter) Oscar Moritz Rathenau. 25 Oberlehrer Dr. Moriz Schaefer. Stadtrath Dr. Max Weigert. — Die Kandidatenliste des „Centralr.'reins für die Interessen der jüdischen Gemeinde" hat folgende Namen: i. Leonhard Sachs, bisheriger Repräsentant. 2. Louis Liebermann, b isheriger Repräsentant. 3. I. E. Isaak, bisheriger Repräsentant. . Moritz Manheimer, bisheriger Repräsentant. 5. Jul. Oppenheim, l Sanitäts-Rath Dr. Jastrowitz. 7. Ferdin. Meyer. 8 Martin 7 imon, bisheriger Repräsentanten-Stellvertreter. 9. Alex. Breslauer.! ». Jac. Dannenbaum. 11. Rechtsanwalt Dr. Tiktin, bisheriger Reprä-! ntant. 12. Louis Sachs, bisheriger Repräsentant. 13. Rechtsanwalt 7 r. Th. Heimann. 14. I. Blumenthal 15. Theod. Marcus. 16. Louis . ießkind. 17. Jul. Bodenstein. 18. Louis Jaffv, bisheriger Repräsentanten- Stellvertreter. 19. Moritz Neufeld. 20. Landgerichtsrath Dr. Marcus. -j. Louis Mendelssohn. 22. Max Weiß. 23. Rechtsanwalt Tr. Oberneck. Dr. med. Julius Stern. 25. Dr. Alfred Deutsch. 26. Naumann 7 l exander. Cjti Berlin, 24. November. Die „deutsche Gesellschaft für c hische Kultur" veranstaltete gestern Abend eine Versammlung, in n ckcher der Vorsitzende, Geheimer Negierungsrath Professor R. Förster, um Vortrag über die „Ethik des Nationalismus und der In dens age" hielt. Nachdem der Redner in dem ersten Theile seiner Ausrandersetzungen die Uebertreibung des Nationalitätenprinzips scharf gel oelt hatte, ging er in dem zweiten Theile des Vortrags auf die „Judenb. -rge" ein. Als Ausgang (und wie uns scheint, auch als Anlaß des ü nzen Themas) diente ihm der Umstand, daß die jüdischen Kreise, obr chl Freunde der ethischen Bewegung, dennoch angesichts des aggressiv- : lemischen Charakters derselben sich eine gewisse Zurückhaltung bezüglich l .er Theilnahme auferlegt hatten, Auf den Antisemitismus eingehend, ' hte Redner ihn aus dem Protest gegen gewisse wirthschastliche Miß- ' ride zu erklären, die jedoch als jüdische zu bezeichnen, der Wahrheitsl d Gerechtigkeitssinn von sich weisen müsse. „Als unsere besten Männer r Befreiung des Judenthums erkämpft hatten," fuhr Förster fort, „ging f wie ein Frühling durch Deutschland. Auf allen geistigen Gebieten l heiligten sich unsere jüdischen Brüder an unserem Aufschwung, und ü f wirthschaftlichem Gebiet haben uns die Eigenthümlichkeiten des üschen Stammes namentlich gegenüber England und Frankreich wesentliche ■v dfe geleistet. In diesen Zeiten brüderlichen Zusammenwirkens bestand l rie Spur von engerem Zusammenschluß der jüdischen Männer unter - -ander, auch auf wirthschaftlichem Gebiete bei Weitem nicht in dem 'iaße, wie es in Folge der Angriffe jetzt der Fall ist. In Folge der 7 ildheiten des Antisemitismus sind nun unsere Juden im Kampfe ums 7 asein vielfach zu einem engeren Anschluß aneinander gezwungen worden, seinerseits ein großes Uebel ist. Der einseitige Nationalismus hat Uwirkt, daß auch das Judenthum große Rückschritte gemacht hat. Deshalb müssen wir unseren jüdischen Mitbürgern zurufen: Treibt keine Kameraderien gegenüber den Kameraderien der Nationalisten! Verbindet Euch mit Denen, die das Beste wollen, zu gemeinsamem Wirken gegen die Uebel innerhalb Eurer eigenen Reihen, die in Verbindung stehen mit den Gefahren der wirthschaftlichen Entwickelung, die auf uns Alle drücken. In diesem Sinne halten Sie mit uns die engste Gemeinschaft. Verbinden Sie sich mit uns zur Bekämpfung des deutschen Nationalismus und des jüdischen Nationalismus." Dem Vortrag folgte eine äußerst interessante Debatte, an der sich jüdischerseits besonders die Herren Schriftsteller Stahl, Geheimrath Dr. Kristeller und Dr. Albert Levy mit Wärme und Takt betheiligten. * Berlin, 20. November. Die Verhältnisse der Israelitischen Volksküche, Klosterstraße 99, die erst seit einem Jahre besteht, haben sich so günstig gestaltet, das; sie in der Lage ist, außer zahlreichen anderen Freispeisungen erwachsener Nothleidenden nunmehr auch an etwa 200 Schulkinder, ohne Unterschied der Konfession, Knaben und Mädchen, täglich ein Mittagbrod umsonst verabreichen zu können. Die Speisung dieser Kinder findet täglich um 1V4 Uhr Nachmittags statt. Berlin, 25. November. Wir Juden scheinen sehr interessante Leute zu sein. Fast könnten wir uns was darauf einbilden, wenn wir sehen, welche Aufmerksamkeit und Bedeutung selbst den Unbedeutendsten unter uns gezollt wird. Diesen Eindruck gewannen wir, als wir sahen, daß „Volk" und „Neichsbote", die beiden dienstfertigen Organe des Herrn Stöcker, gestern die irgendwo gehaltene Rede eines noch unreifen jüdischen Studenten zum Thema langathmiger Leitartikel gemacht haben. Herr Schwersenz — so heißt der offenbar noch sehr junge Mann, soll in einer Studentenversammlung gesagt haben, die Juden seien die „typischen Vertreter der Internationale", sie seien „die Vorkämpfer der Sozialdemokratie", es sei „zum großen Theil eine Lüge, wenn der Jude sagt, daß er national sein könne", ferner der „orthodoxe Jude erkennt die bestehenden Nationalitäten nicht an, er hofft auf den Messias, der ihn nach Palästina zurückführen soll, und der wissenschaftlich aufgeklärte Jude ist sicher international, ist Sozialdemokrat und bekämpft als solcher j den Antisemitismus, den man mit dem N.unen einer Opposition gegen I den Atheismus bezeichnen könnte." Doch genug von diesem weiß Gott! aus welcher Broschüre zusammengeholten Phrasen, die gleichviel von wem i erfunden, von wem nachgeschwatzt, nicht weniger Unreifheit des Denkens,! als Unwissenheit verrathen. Für die Antisemitenpresse ist es jedoch; bezeichnend, daß sie ihre Kenntuiß des Judenthums mit Vorliebe aus solchen Quellen schöpft. Es soll uns nicht wundern, wenn nächstens im i deutschen Reichstag Herr Stöcker behauptet: „Die Juden kennen kein z Nationalitätsgefühl, denn — Herr Schwersenz hat's gesagt." § Berlin, 30. November. Gestern hat vor der zweiten Strafj kammer des Landgerichts I der P r o z e ß L ö w e - K üh n g e g en A h lw a r d t! begonnen. Schon im Anfang der Verhandlung erklärte der erste Staats-! auwalt, die Voruntersuchung habe festgestellt, „daß alle Behauptungen l des Angeklagten durchweg auf Erfindung beruhen, daß die! von der Firma Löwe & Comp, dem Staate gelieferten Gewehre brauchbar,! kriegstüchtig und vollständig sind." Das genügt für uns. Auf die Ani griffe und Verleumdungen des Angeklagten auch während der Verhandlung! werden wir nicht weiter eingehen. Dagegen werden wir nach Beendigung; des Prozesses auf denselben, soweit er das Judenthum selbst betrifft,! nochmals zurückkommen.! # Berlin, 29. November. Mit unauslöschlicher Schmach hat sich der Wahlkreis Friedeberg-Arnswalde bedeckt. Bei der am 14. d. Mts.! stattgehabten Ersatzwahl zum Reichstag ist es möglich gewesen, daß in! diesem Wahlkreis einen so gekennzeichneten Mann wie Ahlwardt,! fast so viel Stimmen auf sich vereinigen konnte, wie die Kandidaten > aller anderen Parteien zusammengenommen. Selbst die Konservativen sind entrüstet über dieses Vorkommniß. So schreibt die „Post": „Das I Endurtheil über die volle Tragweite des Ahlwardtschen Erfolges bleibt

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