Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- Seite 588 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Die aber heul' nicht mehr verrichten. Alte ägyptische Wundergeschichten, Sondern sich redlich ernähren Und auch gewiß vermehren. Von Ahron 29, — die Ahronssöhne Sind eigentlich die vielen — Kähne. Doch nicht zu zählen sind diese Leute, Wohl aber nach des Halses Weite Kann man sie bezeichnen und nennen Und Cohn von Kohn und Cahmr trennen. Sie zu zählen macht uns fast toll. Es sind vier ganze Seiten voll! Räthe des Handels, Justiz und Medizin, Und schauen wir auf Bankiers hin. Wir finden diese in großer Zahl, Zu der Antisemiten Hungersqual. Und gehen wir dann weiter, Giebt es auch Kürschner, Schuster, Schneider. Auch zu den „Edelsten der Nation" Gehören viele von den Cohn. Ueberall sind sie zu-finden. In der Friedrichsträß' und „Unter den Linden". Auch in der „Straß' der Rosen" Kaufen sie — alte Hosen. So sind die Cohn's überall zu Haus; Und gehen wir zum Thor' hinaus: Im Thiergarten bis Bellevue Wir finden sicher sie. Eines möchte ich erleben. Und wirklich dahin streben. Einmal am Jom tob zu versuchen. Daß sie Alle zusammen duehnen. Was gäbe das für einen Klang Dieser tausendstimmige Gesang! Wir wären gesegnet für alle Tag', Flieh m würde uns jede Plag', Wenn alle Kohanim benschen Uns arme geplagte Menschen! Moses hatte der Söhne zwei, Von Elösser sind's hier drei, Und Gersons bieten sich uns dar Sechs vollgezählte Paar. In der Bibel war Gerson nicht bekannt! Als Kaiserl. Königl. Hoflieferant. Der Damen Freud', der Männer Graus, : Wollen nicht so viel Staat in's Haus. —- i Einst hatte gegen Mose sich empört; (Das war damals nicht unerhört) Korach und seine Genossen; . Denn die Söhne Kora's sterben nicht. ‘ Daher ist es unsere Pflicht, i Besonders zu erwähnen heut' Diese 5 Korachs sind brave Leut'.; Wir werden uns Alle nicht empören i Auch die Wahlen nicht stören, : Damit ein weiterer schöner Frieden ' Der Berliner Gemeinde sei beschieden (Forts, f. Spvechsaal. Sehr geehrter Herr! Herr M. v. Egidy hat neuestens über die Religion der Zukunft folgende Sähe ausgestellt: „Giebt es nur den Einen, den Einzigen Gott, so giebt es nur die Eine, die Einzige Religion. — Ob wir diese Religion nun Ehristenthum oder Judenthum oder Gottesthum oder Menschenthum nennen, sie deuten für uns das Erheben zu Gott, die Vervollkommnung an. „Judenthnm darf sie nicht sein, es verbinden sich damit Nationalitätsgedanken". Es dürfte für die Leser Ihrer Zeitung nichr ohne Interesse sein, eine Stimme darüber aus dem neuesten jüdischen Schriftthum zu vernehmen. In dem jüngst erschienenen Supplementband 111 zur Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklb.), Artikel „Ausbreitung des Judenthums" S. 24 lesen wir: „Das Judenthum verzichtet auf die äußeren Formen der Anerkennung seiner Gottesidee, strebt nicht darnach, daß alle Menschen sich zur Synagoge bekennen, wenn nur bei ihnen seiue Lehren und Gesetze von Menschenwohl und Menschenbeglückung anerkannt und zur Wahrheit werden. Es hat das Bewußtsein und die zuversichtliche Hoffnung, daß der Gottesglaube der Bibel auf seinem Gange durch die Welt, für dessen Erhaltung Israel ein Jahrtausend langes Märtyrerthum erduldet, sich der Erfüllung seiner Sendung, eine Heilsstiftung für die Völker zu werden, nähert. Ein Blick in die Kulturgeschichte der Völker bestätigt es uns. Je mebr Licht und Bildung in die Menschheit eingedrungen, desto mehr sind die biblischen Lehren und Gesetze von des Menschen Recht und Freiheit zur 'Anerkennung und Verwirklichung gelangt. Der große Umschwung in den religiösen Anschauungen seit Luther und Zwingli, die sozialen Umbildungen in den Staaten seit einem Jahrhundert, die Durchdringung der Rechtsgleichheit für alle Menschen u. a. m. brachten und bringen die biblische Gottesidee, mit ihren Lehren und Gesetzen von Gottes- und Menschenliebe immer mehr zur Verwirklichung. Stimmt auch das Judenthum Abstand von Proselytenmacherei, so hat es doch nicht aufgehört, in den Jahrhunderten seit der Refornmtion Erfolge seiner Lehren und Gesetze ans feinem Gange durch die Völker zu erleben und zu verzeichnen." Unter der Ueberschrift „Tie Abnahme der Juden in Deutschland" brachten Sie eine Notiz in der Nuunner vom 16. September er., wonach Deutschland am 1. Dezember 1885 571,000 Juden, am 1. Dezember 1890 aber nur 567,814 Israeliten zählte, mithin eine Abnahme von 4000 Seelen stattgefnnden habe, welche Sie als eine „sehr trübe auf sozialen und anderen Verhältnissen beruhende Erscheinung" bezeichneten. Der „Globus" brachte in Nr 10 seines 62. Bds. diese Notiz nach und veröffentlicht nun in Nr 20 desselben Bandes eine von H. Wichmann geschriebene Berichtigung, wonach Deutschland am 1. Dezember 1885 nicht 571,000, sondern nur 504,172 Israeliten zählte. Da nun am 1. Dei zember 1890 567,814 Israeliten gezählt wurden, so hat keine Abnahme von 4000 Seelen, sondern eine Zunahme von 4642 Juden stattgefunden Der prozentualen Vermehrung der gesammten Bevölkerung entsprich' allerdings diese Zunahme nicht, denn 1885 bildeten die Israeliten 1,20 Proz der gesammten Bevölkerung, 1890 nur 1,15 Proz. Diese relative Ab ' nähme der jüdischen Bevölkerung ist jedoch eine so geringe, daß sie fjätt | durch andere Gründe (Uebertritt, Deklaration als konfessionslos re.) er! klärt werden können. Die Rolle, die eventuell der Ausfall der Gebürter! dabei gespielt, kann doch nur eine sehr geringfügige gewesen sein. : Die Bevölkerung des deutschen Reichs vermehrte sich von 1885 bi-! 1890 um 5,5 Proz. (nicht 10 Proz., wie dort angegeben), die Jsraelite! allerdings nur 0,8 Proz. Auch machen die Juden nicht den 75., sondern.! nur den 80. Theil, nämlich 472,100 Juden von 29,957,367 Seelen aut Zur Richtigstellung seien diese Zahlen an dieser Stelle wiedergegeben i Berlin, 21. November. Josef Fenerring v I Sehr geehrter Herr Redakteur! In den Bericht über die Einweihungsfeier des neuen Seminargebäude - hat sich ein Jrrthum eingeschlichen, welcher der Berichtigung bedarf. E wird von einer im Jahre 1887 stattgefundenen Verschmelzung der Michac Davidschen Freischule mit dem Seminar berichtet, was den thatsächliche i I Verhältnissen nicht entspricht. Die Meyer Michael Davidsche FreischuO : besteht heute noch selbstständig unter meiner Leitung und wird auch bei i ' Testament des Stifters gemäß stets selbstständig bleiben Verschmölze >; mit dem Seminar ist nur die Michael Davidsche Stiftung, aus der bi-! zum Jahre 1887 drei Rabbinatskandidaten behufs weiterer Fortbilduu i i unterhalten wurden. Nach einem Abkommen mit den Deseendenten de' j Stifters hat die Verwaltungskommission der Lehrerbildungsanstalt d j Verwaltung und die Besetzung der Stellen übernommen, die Lehrern dce j Anstalt übertragen sind. Hochachtungsvoll! Hannover, 25. Novbr. Dr. S. Kayserl in > d Geehrter Herr Redakteur! j Bezugnehmend auf den letzten Artikel im Sprechsaal in dieser Zeitum freue ich mich herzlich, daß auch die jüdischen Frauen in Elsaß-Lothringe i sich so lebhaft für die von Herrn Dr. M. Ginsburger angeregte Armen Frage interessiren, die nun wohl hoffentlich in Fluß kommen wird. Ir' habe natürlich ein großes Interesse daran, daß diese Angelegenheit soba! wie immer möglich eine feste Form gewinnt, und es wäre vielleicht ang- ' bracht, es zu erwirken, in einzelnen Gemeinden angesichts des herein j gebrochenen Winters für die Aermsten wenigstens für das Nöthigste zu sorgen! Noch gestatte ich mir, meine Freude darüber auszudrücken, daß fioi | Herr Dr. Ginsbnrger dieser guten Sache so warm annimmt. 1 Berlin, 29. November. Max Bloch, Niederwallstr. 4--'. Druck und Verlag von Rudolf Mo*se in Berlin.! Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.