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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-02 · Heft 49 (2.12.1892) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 49 (2.12.1892)
Date
1892-12-02
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 Ihrer (Gemeinde errichtet, seiner baldigen Vollendung entgegen geht und daß es Ihnen, hochgeehrte Herren, leicht sein wird, dieses Werk zu erhalten und dauernd zu befestigen. Andererseits erlauben wir uns dagegen Ihrer Erwägung anheimzustellen, in welche prekäre Lage unsere Gemeinde durch die Umstände kommen wiirde, wenn Sie nicht eine günstigere Entscheidung treffen. Es ist Ihnen, hochgeehrte Herren, bekannt, wie die Verbesserung unseres Gottesdienstes, und mittelbar auch die des Gottesdienstes aller übrigen Juden in Preußen durch eine Königliche Kabinetsordre vom Jahre 1823 zurückgehalten worden. Die Thronbesteigung Sr. Majestät des regierenden Königs gab uns die Hoffnung, diesem Zustand ein Ende gemacht zu sehen, besonders wenn mix einer! der großen Aufgabe gewachsenen, wissenschaftlich gebildeten Rabbiner hierher berufen. In diesem Sinne waren alle Schritte eingeleitet, die wir seit zwei Jahren bei unserer Regierung gethan, und die Königl. Kabinetsordre, die wir dadurch zur Autorisation der Rabbinermahl erwirkten, entsprach auch unseren Hoffnungen auf das Vollständigste. Sollen wir nunmehr der Regierung bekennen, daß unter den Juden Deutschlands nur ein Mann jenem Posten gewachsen sei, und daß dieser eine, dessen Verdienste wir bereits bei der Behörde nach Gebühr hervorgehoben, uns nicht einmal sicher war? Wir würden dadurch vor aller Welt die Armuth und Blöße des Judenthums aufdecken, dem es an Männern fehlt, die Geist und Kraft genug besitzen, einem Posten, wie dem Oberrabbinat in Berlin, vorzustehen! Ihrer Einsicht brauchen wir das Bild nicht auszumalen, das die Feinde des Judenthums mit Benutzung dieser Umstünde zusammenstellen würden und das nicht uns allein, sondern mittelbar allen unseren Glaubensbrüdern in Deutschland zum Nachtheil gereichen würde. Aber noch von einer anderen Seite her erlauben Sie uns, hochgeehrte Herren, das Verhältniß zu beleuchten. In diesem Augenblick herrscht, wie die Verhandlungen unserer Wähler dargethan, das schönste Vertrauen zu dem Gewählten, und dieses verbürgt mit Sicherheit einen segensreichen Erfolg seiner Wirksamkeit. Die Gemeinde blickt erwartungsvoll auf die Entscheidung des von ihr gewählten Oberrabbiners und wird bereits durch allerlei unwahre Gerüchte beunruhigt. Ist nun nicht zu besorgen, daß jenes schöne Vertrauen erschüttert werde, wenn es heißt, daß wir auf ungewisse Zeit hinaus vertröstet worden? Ja, leicht kann diese Stimmung sogar in Ungunst und Bitterkeit verkehrt werden, so daß, wenn die hochgeschätzte Gemeinde Dresdens vielleicht in einigen Jahren dem Dr. Frankel gestattet, einen anderen Posten anzunehmen und der hiesige noch unbesetzt ist, eine zweite Wahl nicht ruehr so glänzend ausfallen.würde wie die erste, und dadurch Ihrem würdigen Oberrabbiner die große und segensreiche Wirksamkeit, die ihm hier bevorstände, für immer verschlossen wäre. Aus allen diesen Gründen werden Sie es, hochgeehrte Herren, gewiß gerechtfertigt finden, wenn wir Ihnen die Bitte an das Herz legen, die Entlassung des Herrn Dr. Frankel, die Sie in diesem Augenblicke noch nicht aussprechen mögen, wenigstens nicht länger als bis zu Ostern des Jahres 1843 hinausschieben zu wollen, uns jetzt aber schon diese Gewißheit zu ertheilen. Sie werden dadurch sicherlich die Sache Israels in ganz Deutschland fördern." Ich schließe diese Mittheilung mit einem Briese Frankels an die hiesigen Vorsteher vom 6. Juli 1845, weil derselbe die Absichten kennzeichnet, mit denen derselbe zur Frankfurter Rabbinerversammlung reiste. Er bezeichnet den Beginn einer neuen Richtung im Leben Frankels: der konservativen. „Ich habe die Ehre, Ew. Wohlgeboren mitzutheilen, das ich im Namen mehrerer Rabbiner von dein Rabbiner S. Stein zu Frankfurt a. M. die dringende Aufforderung erhalten habe, bei der diesjährigen Rabbinerversammlung das. am 15. d. M. anwesend zu sein, und indem ich die gemäßigte Richtung vertrete, beizutragen, daß man nicht zu weit gehe. Diesem Aufrufe glau' te ich, obschon nach den im v. I. gemachten Erfahrungen dieser Wcise der Versammlung und ihrer Berathung nur wenig Vertrauen geschenkt werden kann, nicht widerstehen zu können, sowie es überhaupt der Grundsatz ist. Niemanden ganz zurückstoßen. Vielleicht wird dieses Jahr sich ein anderer Geist kundgeben oder wird es vielleicht mir gegönnt sein, ihn hervorzurufen. In der festen Überzeugung, daß ein solcher Versuch, besonders da ich von mehreren Rabbinen dazu aufgefordert wurde, gernacht werden muß, bin ich gesonnen, Mittwocl d. 9. er. von hier abzureisen und in 14—20 Tagen wieder in Dresder anwesend zu sein, welches ich Ihnen hiermit achtungsvoll anzeige." Ich zeichne mich mit Hochachtung Ew. Wohlgeboren ergebener Dresden, 6. Juli 1845. D. Frankel Der Borstand der israelitischen Gemeinde zu Dresden gab — wi es in seinem Sitzungsprotokoll vom 18. September 1845 (verfaßt von Dr. Beer) heißt — „dem Herrn Oberrabbiner freudige Theilnahm zu erkennen über die demselben rücksichtlich seines Verhaltens bei de: im Juli d. I. zu Frankfurt a. M. stattgehabten Rabbinerversammluni, zur Erhaltung des positiv-historischen Judenthums ohne die inner ha l b dieser Grenze sich als nothwendig darstellender Reformen abzuweisen — von mehreren Gemeinden Deutschlands namentlich von den angesehensten Gemeindemitgliedern in Frank furt a. M. gewordene ehrenvolle Auszeichnung", welche von den zuletzt gedachten Glaubensgenossen in Frankfurt a. M. in Uebersendunq einer angemessenen Adresse mit Begleitung eines kostbaren silberne!! und vergoldeten Pokals bestand. Bekanntlich — und leider — verließ Dr. Frankel diese Bersamm lung in ostensibler von der Orthodoxie gepriesener Weise. Zum Schluß ein Wunsch: Es ist endlich Zeit, daß eine berufene Feder sich finde, welche die hehren Gestalten Frankels und seineebenbürtigen Gegners Geiger in einem Werke darstelle, welche) das Geistesleben der deutschen Inden in dem letzten Halbjahrhundert schildert. d FEUILLETON Die Tochter des Philosophen. Eine Erzählung von Max Ring. (Fortsetzung, Wie dankbar und geduldig ertrug er ihren Tadel, als sie ihn erklärte, nie einen schlechten! Vorleser gehört zu haben! Wie De inosthenes übte er sich unter ihrer Anleitung, bis er sie znfriede i stellte. Nur ein einziges Mal war er bei einer solchen Vorlesmn eingeschlafen, weniger aus Langeweile als aus Ermüdung, da erde ganze Nacht gearbeitet hatte, um die Geschäftsbücher dnrchzusehe > und die Bilanz zu ziehen. Den Kovf ganz wüst von Zahlen wo Wechseln, war er doch noch gekommen, um bei dem „Codrus" de? Herrn von Cronegk zu schlummern; was ihm Dorothea nicht st leicht vergaß. Hatte er nicht ans EefäÜigkeit seine Schüchlernhe t so weit überwunden, um auf einem Liebhabertheater in einer Rol.e aufzntreten, die kein Anderer spielen wollte, blos um seiner Brau das Vergnügen nicht zu stören? Welche Vorwürfe mußte er darnu von seinem Vater anhören, der als frommer Jude und solider Kan - mann derartige eitle Beschäftigungen für eine doppelte Sünde hie! und deshalb seinem Sohne ernste Vorstellungen machte! — Solch' Opfer waren allerdings geeignet, Dorolhea's Glauben an eine glitt - liche Zukunft zu kräftigen, und wenn auch nicht ihre volle Liebe, doch wenigstens ein Gefühl von Freundschaft und Anerkennung f>- ihren Verlobten zu erwecken. So sah sie wenigstens ohne Bangte den Tag immer näher rücken, wo sie das väterliche Haus verlasst > sollte, um für immer ihm zu folgen. Nur in dem Augenblick, ais sie an dem Hochzeitsmorgen unter deni Baldachin in dem Hofe der Synagoge stand und der Bräutigam ihr den goldenen Ring andui Finger mit den Worten steckte: „Durch diesen Ring wirst Du mir angetrant", erfaßte sie von Neuem ein leises Bangen vor derZnkwG Die damals »och streng beobachteten Formen des jüdischen Riti^

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