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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-25 · Heft 48 (25.11.1892) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 48 (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
Seite 576 (sequence 12)
Language
German
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576 den gedruckten und handschriftlichen Ausgaben verbessert, werthvolle, belehrende Glossen und Zusätze als Resultate selbständiger Sprach. Forschung hinzugefügt — kurz Alles gethan hat, um sein Werk auf den wissenschaftlich-philologischen Standpunkt der Neuzeit zu bringen. — Biele werden dem Verfasser noch besonderen Tank dafür wissen, daß er die sämmtlichen 'Artikel auch ins Deutsche übersetzte, um so auch den mit der hebräischen Sprache weniger Vertrauten sein Werk zugänglich zu machen. Der neue Verlag hat das Werk, um dessen Anschaffung zu erleichtern, um mehr als die Hälfte im Preise herabgesetzt, eine Vergünstigung, von der hoffentlich zahlreiche Gelehrte gern Gebrauch machet! werdet!. * Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es hat mich herzlich gefreut, in der letzten Nummer (49) Ihrer geschätzten Zeitung neben der wohlwollenden Kritik meines Aufsatzes vom 7. Oktober d. I aus der Feder des mir persönlich befreundeten Herrn M. Bloch ans Berlin auch die etwas minder wohlwollende eines Kollegen, des Hern Rabbiners S. Levy aus Schirrhofen i. E, zu finden. Denn um offen zu gestehen, ich habe wirklich nicht gedacht, daß jenen! Aufsatze außer von den Personen, die ich speziell darauf aufrnersam machte, zu denen aber Herr Rabbiner S. Levy gerade nicht gehört hat, auch noch von anderer Seite Beachtung geschenkt wurde. Doch nun zur Sache! Ten väterlichen Rath, den mir der Herr Einsender zu geben beliebt in seinen! Zurufe: „Tn>p de zele“, möchte ich dadurch beantworten, daß meiner Meinung nach in einer so wichtigen Sache, wie Verbesserung der Armenpflege, niemals „trop de zeleu angewendet werden kann. Uebrigens giebt mir der Herr Einsender selbst dafür den besten Beweis an die Hand, indem er ganz richtig bemerft, daß schon Andere vor mir demselben Nebel zu steuern versucht haben. Sollte jedoch mit dieser Bemerkung der Zweck verbunden sein rnir den Anspruch auf Priorität streitig zu machen, so sei dem Herrn Verfasser hiermit gesagt, daß ich weder in jenem Aufsatze noch überhaupt jeinals auch nur daran gedacht habe, einen solchen Anspruch zu erheben. Eine dritte Möglichkeit, daß nämlich Herr Rabbiner Levy meinen könnte, das, was vor einem oder zwei, resp. zwanzig oder dreißig Jahren nicht ausgeführt wurde, dürfe und könne auch heute nicht ausgeführt werden, eine solche Möglichkeit will ich zu seiner Ehre lieber nicht annehmen. Wenn nun aber mein Herr Kollege weiter die Behauptung anfstellt: „Die elsässer Schnorrer, gegen die inan Artikel schreibt, sind keine elsässer Schnorrer, es sind Polen, Russen, Ungarn, Galizier, Deutsche, nur sehr wenig geborene Elsässer", so erlaube ich mir, die Richtigkeit dieser Behauptung entschieden zu bestreiten. Ich habe mich extra noch beute bei Herrn Wolf, Kantor in Gebweiler und Kassirer der dortigen Abfertigungskasse erkundigt und darüber in Erfahrung gebracht, daß beispielsweise int Monat März d. I. unter 55 Schnorrern nur 12! Ausländer waren, und in den Sommermonaten nimmt die Zahl der Elsässer sogar noch bedeutend zu. Allerdings mag dieses Verhältniß in dern Wohnorte meines Herrn Kollegen sich anders gestalten, da notorisch die meisten Schnorrer gerade aus jener Gegend kommen, die selbstverständlich dieses ihr Gewerbe in ihrer Heimath sowie in deren nächster Umgebung auszuführen sich wohl hüten!verden. Bezüglich seiner weiteren Entgegnung möchte ich nun dern Verfasser zurufen: „Nur nicht zu sentimental! Halten Sie es vielleicht für zweckmäßiger und humaner, lieber und geehrter Herr Kollege, wenn man die von Ihnen zitirten Polen, Russen, Ungarn, Galizier, Deutsche (später kommen sogar noch Rumänen hinzu.'- erst das ganze Land bereisen läßt, anstatt ihnen durch ein hierzu bestimmtes Centralkomitee die nöthigen Hilfsmittel einzuhändigen? Oder würde denselben vielleicht hierdurch weniger Gelegenheit geboten, die „elsässische Güte" zu mißbrauchen?" Es fällt mir gerade eine Geschichte ein, die in dieser Beziehung sehr lehrreich ist. Vor einigen Jahren kam ein 75 jähriger Greis, aus einem kleinen Dorfe des Unter-Elsaß stammend, dessen jüdische Gemeinde unfähig ist, ihre Armen selbst zu ernähren, nach dem Ober-Elsaß, um hier die Hilfe der sogenannten Abfertigungskasfen in Anspruch zu nehmen. Es war dies kein Schnorrer, sondern ein durch unverschuldetes Unglück in Noth gerathener Mann. Allein, schon nach den ersten Wochen seiner j Wanderung war der Arme durch die Strapazen so abgeschwächt, baf;e| | wieder umkehren mußte und kurz darauf dem Tode erlag. Nun, uiat] | lieber und geehrter Herr Kollege, meinen Sie nicht auch, daß es bestell j gewesen wäre, wenn man dem Manne es ermöglicht hätte, in sein n| Wohnorte zu verbleiben und die von Ihnen so gepriesene Abfertigung 4 lasse nicht in Anspruch zu nehmen? Wenn schließlich der Herr Verfasser glaubt, daß jede andere Eid richtung als die der Abfertigungskassen unmöglich sei, so soll ihm die^a Glaube unbenommen bleiben. Hoffentlich aber wird ihm schon in nächste! Zeit durch die That bewiesen werden, daß er sich in einem Jrrthum befind l! Es möge hier übrigens noch bemerkt sein, daß dieselbe Einrichtung, die :d)!! in allgemeinen Zügen vorschlug, schon seit vielen Jahren in Berlin mid i anderen Städten Deutschlands getroffen ist und sich ganz vorzüglich I --! währt hat, was ich nur deshalb in meinem Aufsatze zu bemerken untaj ließ, weil ich es bei den Lesern der „Allg. Ztg. d. Juoenth." als belan g i voraussetzte. S ulz (Ob.-Elf.), den 15. November Tr. Ri. Gins bürgen i d! Verehrliche Redaktion! > In der „Allg. Ztg. d. Judenth " vom 7. Oktober las ich mit An' j merksamkeit den Artikel „Zur Verbesserung der jüdischen Armenpflege! Elsaß-Lothringen" durch. Ich kann nur den Wunsch hegen, daß die in : diesem Aufsatze gegebenen Ideen bald verwirklicht werden, j Um so weniger verstehe ich Herrn S. Levy, wenn er das gesam wv! Schnorrerpersonal unterstützen will. Gastfreundschaft und Wohlthätigll i; sollen auch in Zukunft nicht begraben werden. Weit gefehlt. Aber Hai! Herr Levy schon den hohen Genuß gehabt, an einem Markttage in fc-.v i Stadt oder auf einem belebten Dorfe Umschau zu halten? Gewiß wird | ihm nicht entgangen sein, daß ihm von Zeit zu Zeit an bestimmte; j Plätzen eine stattliche Handwagenburg entgegensieht, deren Besitzer wed :! Polen noch Russen, noch Galizier sind, sondern echte elsässische Schnorre . | die mit Weib und Kind „ihr Handwerk" treiben. Ist hier noch Wohl! thätigkeit am Platze? Ich glaube kaum. Vielmehr leistet man den Strvmerthume großartigen Vorschub. Zwar figuriren unter den jüdischeu Bettlern in Elsaß-Lothringen eine recht stattliche Anzahl Fremde, besoi ders in Lothringen ist das Ausland stark vertreten, Aber ich denk' wenn einmal die elsässischen Schnorrer aufhvren zu wandern, werde; auch Mittel und Wege gefunden werden, wie den anderen armen iti. glücklichen Glaubensgenossen geholfen werden kann. Mögen daher die edlen Bestrebungen der Herren Bloch und Gins burger bald und im schönsten Maße erfüllt werden. Metz, 15. November. Eine Elsässerin- Werther H err Doktor! Gestatten Sie mir nur einige berichtigende Worte zu Ihrem Artikck „Nochmals die jüdischen Studenten": Drei der von Ihnen als Beispiel angeführten Männer, Kosch, Laster und Traube, waren wohlhabende Eltern Kinder. 'Aber dadurch verliert das dort Gesagte nichts von seine Beweiskraft, da Sie zahlreiche andere Beispiele hätten anführen können Sagt ja schon der Talmud: „Achtet sehr auf die Kinder der Armer, denn von ihnen geht die Wissenschaft aus!" Berlin, 11. November. Ergebenst Dr P Äei der Redaktion eingegangene Äücher K. Lippe: Die Austreibung der Juden ans Spanien. Ein Vortrag Jassy 1892. H Goldner. P Rabinowicz: Geschichte der Juden von H. Grätz, ins Hebräisch übertragen. Bd. 2. Warschau 1892. Selbstverlag. I. Winter und A. Wünsche: Die jüdische Litteratur seit Abschlun des Kanons. Lief. 7 u. 8. Trier 1892. Siegln. Mayer A. Wünsche: Midrasch Tehillim Lief. 5 u. 6. Trier 1892, ebd. D. Leimdörfer: In schwerer Trübsalszeit. Reden. Hamburg 1692. G. Fritzsche. I. David: Die Atedah. Zwei Reden." Prag 1892. I. Brandeis. Truck und Verlag von Rudolf Motze in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

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