Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1892)
- Date
- 1892-11-25
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
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>tefer zeigt ätigkeit der nicht neun Stanislau, schulen (in Schlosserei i aufweist un Volks- >, Zborow, Hulen (in (in Stryj n Mielec); >ie Schulen fftützungen. (in Rawa lnic), eine ür Kammr Zeit im iben. Die elänft sich n bedenkt. Aktion ins anatismus auch die Front zu r, sie verinderschulc mn legten; lratoriuins Die Herren .Schule" ich immer - „Rabbi" ügentlichen d sie beobm Scharfhung ihre! t verlassen, sogar von daß man n können, idliche Rc- Gemeinde, mter ihr» 3. jetzt in i wurden.!ehrer) bc gogik ent- Schule" diejenigen c Stiftung n die hier prälimi re ganzen eträchtliche Wichtiger cingelenk! galizischen disch-pvli 567 tischen Partei hier zu Lande berufen, die Entwicklung der galizischen Jndmschaft ans neue Bahnen zu lenken.') Der Verein „Agudas-Achim", der die Juden zu Schleppenträgern der Polen erniedrigen wollte, hat sich aufgelöst. Die Nichtigkeit seines Programms ward klar sichtbar, sobald in einem Falle die Interessen der Juden und die der Polen auseinander gingen. Den Juden wurde die intime Freundschaft, auf der (trotzdem sie doch eigentlich niemals vorhanden war!) der Verein „Agudas-Achim" sein Hirngespinst gewoben hatte, gekündigt in dem Momente, wo man daran ging, ihnen den Salzhandel wegzunehmen und ihnen die wirthschaftlichen Erfolge in den gepachteten Gütern von Podhajce i» ganz unwürdiger Weise mißgönnte. Nun, die von so mancher Seite vorausgesagte Enttäuschung trat ein, der „jüdisch-polnische" Verein „Agudas-Achim" löste sich auf und sein Organ „Ojczyznn“ mußte zu erscheinen aufhören. In der letzten Nummer des genannten Blattes, in der sie von ihren Lesern und ihrer sogenannten Partei Abschied nehmen, erzählen die Leiter des „Agudas-Achim" von den traurigen Erfahrungen, die sic während ihres zwölfjährigen Bestehens machten. Mit der rosigste» Hoffnung, so berichten sie in ihrer letzten Stunde, seien sie in die Welt getreten. Sie hofften, die Polen würden sie ans Herz drücken und mit ihnen brüderlich vereint den harten Kampf um politische und ökonomische Rechte ausfechten. Nun seien sie zur lleberzeugung gelangt, daß man sie „Bruder" nannte, so lange man ihrer bedurfte, und als sie anfingen. Miene zu machen, einen bescheidenen Lohn für ihre Dienste zu beanspruchen, wollte man sie nicht mehr kennen. Jetzt gilt cs, den Posten zu verlassen, auf deir sie sich überhaupt nicht Hütten stellen sollen. So schied der Verein „Agudas-Achim" und sein Organ "Ojczyzim“ aus dem Leben. — Eine ähnliche Einsicht scheint auch bei den Leitern des Vereines „Schomer Israel" in der letzten Zeit ourchgedrungen zu »ein. Dieser Verein, der schon mehr als 25 Jahre gleichsam der offizielle politische Vertreter der galizischen Inden war, bat nunmehr die wesentlichen Punkte seines Programms geändert. Während das Organ dieses Vereines, „Israelit", vor nicht gar zrr anger Zeit blos „seufzen" konnte, angesichts der argen Hintansetzung x't Juden bei Besetzung von Aemtern und staatlichen Subventionen, st der Verein jetzt auf dem Sprunge, eine selbstbewußte und energische Haltung allznnehmen. Endlich sind sie doch auf der richtigen rührte. Sie wollen die Gleichberechtigung der Juden nicht errettet», sondern fordern nnd erkämpfen. „Versuchen wir, auch inmal stark zu sein. Wir haben uns schon lange geduckt und gefugt. Heute müssen wir auch zeigen, daß wir die Gleichberechtigung er Juden nicht als leeren Schall betrachten, sondern daß >vir dieselbe ait »uscrm Herzblut gegen jeden Widersacher vertheidigen können!" -o ruft der neubekehrte „Schomer-Jsrael". Als der „Schomer-Jsrael" vor ungefähr 20 Jahren gegründet mdc, da hatte er sich eine zweifache Aufgabe gesetzt: nach innen acht uird Bildung zu verbreiten und nach außen hin für die Gleicherechtigung der Juden einzutreten. Nun, die erste Aufgabe hat ja >c Zeit zum Theil gelöst, und wird sie ja hoffentlich auch/ mit Ulfe von hierzu berufenen Faktoren, noch weiter lösen. Und ac zweite Aufgabe? Um diese zu lösen, verfolgten die „Schomeaner" eben jene fatale, fruchtlose „Bettel-Politik". Jetzt sind sie üblich, — vielleicht erst auf Anregung der jünger» und daher selbstttvnßlern Generation, — zur richtigen Ueberzeugung gelangt, daß ur ein energisches Eingreifen den Juden Früchte tragen könne. Die ff Obwohl ja in Galizien ganz andere Verhältnisse herrschen, binnen wir »ns doch mit diesem Auftreten nnd mit der Verquickung na, Religion nnd Politik durchaus nicht einverstanden erklären. Die Red. Anforderungen, welche die „Schomerianer" zur Durchführung ihres gegenwärtigen Programms an die Juden stellen, sind: a) Die Juden müssen sich solidarisch erklären und als eine politische Partei organisiren; 0) cs müssen zwei Centralorgane zu diesem Zweck in deutscher und poltiischer Sprache begründet werden, und schließlich müsse c) bei den Wahlen in verschiedene Körperschaften auf die Durchdringung jüdischer Kandidaten abgesehen werden, und zwar nur solcher, von denen man voranssetzen kann, daß sie in energischer und zielbewußter Weise die Angelegenheiten der Inden vertreten werden, j Man darf sich getrost der Hoffnung hingeben, daß diese Auf-! forderung bei den Juden in Galizien mächtigen Widerhall finden j wird. Der Boden ist jetzt für das Gedeihen einer derartigen; Partei vorbereitet. Hatten doch die Inden gerade in der letzten Zeit j nur zu oft Gelegenheit, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß Selbsthilfe der einzige Ausweg für sie sei. Nur tvenige Monate trennen uns von so manchem interessanten j Ereignisse, das sich im galizischen Landtage abspielte. Eines zur! Illustration. Der jüdische „Rigorosanten-Verein" hatte.sich nämlich an den Landtag mit einer Petition um Unterstützung gewendet. Der Landtag bewilligte die Unterstützung und wies, wie gewöhnlich, die Ausführung des Beschlusses dem Laudesausschusse zu. Dieser jedoch . hielt cs für gut, beider Subveutioniruug den jüdischen „Rigorosantenj Verein" (einen akademischen Unterstützuugsverein) zu übergehen. Die! Betroffenen sind ja nur Juden, und wer wird da zur Rede stellen,! wer wird da sein gutes Recht fordern! Diese und viele ähnliche Ereignisse werden hoffentlich die Juden schon zur Genüge belehrt haben. Man muß erst mit ihnen als wichtigen Faktor rechnen, wenn man ihren Bedürfnissen nnd gerechten Forderungen Rechnung tragen soll. Die jüdischen Kultusbeamten in den kleinen Gemeinden. Von Jacob Bähr i» Reichenbach i. Schl. Etiva seit der Mitte unseres Jahrhunderts wird in den größeren jüdischen Gemeinden die größtmöglichste Fürsorge der religiösen Unterweisung der Jugend zugewendet. Rabbiner und Gemeinde-Vertreter scheuen keine Opfer und keine Mühe, um das Heranwachsende Geschlecht mit den Lehren und Aufgaben unserer heiligen Religion bekannt und vertraut zu machen. Auch in diejenigen jüdischen Kreise,! die in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts sich und ihre Kinder! mehr und mehr dem Judenthuine entfremdeten, ist, seitdem die Anj stellung van akademisch gebildeten Rabbinen Regel, nnd seitdem ' durch diese die Gründung von geordneten Religionsschulen in allen! größeren Gemeinden bewirkt wurde, eine Wendung zum Bessern ein-! getreten. Diese Rabbinen haben einerseits durch ihren Eifer und! durch ihre Beredtsamkeit die Gemeindebehörden sowohl, als alle andern j Getreuen für die heilige Sache zu entflammen und andererseits durch ihr vornehm gebildetes und gewandtes Auftreten auch schon erkaltete j Herzen zu ingoniren und zu fesseln verstanden. Letztere haben nun j in deni Rabbiner nicht mehr den religiösen Fanatiker gesehen, sonder»! ihn vielmehr als den klassisch und philosophisch gebildeten Führer geschätzt, und sind bald durch dessen Wort lind dessen Beispiel zur Ueber-! zengung gelangt, daß Bildung und Religion sich wohl vertragen können, daß auch die Religion Juda's eine ganz andere Gestalt besitze, j als sie in ihrer Unwissenheit glaubten, und daß es eines gebildeten i Menschen unwürdig ist, sich von einer solchen Lichtrcligion ab-, um! sich dem Nichts zuzuwenden. So wirkten und wirken noch heute die