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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-18 · Heft 47 (18.11.1892) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
Seite 561 (sequence 9)
Language
German
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5-61 Weinberg« an seiner s Hansel. Herz und ganz un er blickte sich selbst. Freunde hen. In wie „o" rte Morst verholten Blobauh, chgemach! Auch dar jüdisch!" e es feint Warum nd Spotl " waren ick? Sic erstaunlich zeitweisc erat von irt?! Wacicht einer licht, und er hatte mehr alc i rührend , heraus identhun s Chassilassen ge- : Instinkt ater und es Vaters rschiedenc t so vice rden war -l. War : er sick in seine»' rr etwairt. Eiie e Juden klar war einer Ar »jährigen inr einer sine Ab Wiener er Seelen inen.... FEUILLETON Vas Purimlied. Ätach einer spanisch-jüdischen Sage von T. Mendl. II. Monate waren dahin geschwunden; von den kastilischen Gebirgen - eerab weht der Hauch des Frühlings, lind die Ufer des Tajo kleideteil j ich in frisches Grün zu einer Zeit, wo in unseren Gegenden oft noch i ae Flüsse der Tummelplatz munterer Schlittschuhläufer zu sein i 'siegen; denn der gesegnete Boden Spaniens kennt nicht die bleierne i Schwere des nordischen Winters. Es nahte das Purimsest, jenes Fest, von welchem das i Sprichwort sagt, daß es kein Feiertag sei, das aber gewiß ' siing uild Alt, wenn nicht in feierliche, doch in die fröhlichste j Stimmung zu versetzen pflegt. Es ist auch etwas ganz Eigentümliches um dieses Purimfest, das einen gar sonderbaren Vorgang zu seinem Ursprung hat, und an welchem ein biblisches Puch vorgelesen wird, das — dürfte man von einem biblischen Puche so sagen — geradezu buntscheckig genannt werden konnte. Das betreffende Buch Esther erzählt nämlich mit geradezu kleinlicher Jetailmalerei eine große Wohlthat, einen besonderen Schutz der gütlichen Vorsehung, ohne dieser oder überhaupt Gottes auch nur mit stier Silbe zu erwähnen. „Es ist gerade, als ob der liebe Gott an stesem Feste die Menschen in ihrer Fröhlichkeit nicht geniren wollte", vürde Heine vielleicht sagen, als ob die Israeliten, sonst ein gar rnstes und in allen Beziehungen des materiellen Lebens sehr eschränktes Völklein, heute über die Grenze auch ein Bischen hinaus- > ugen dürften. Und so ist es dieses Fest, für welches am welligsten! nie Geldausgabe gescheut und nicht nur die eigene Frelidigkeit sondern! >ich die Anderer, der Verwandten, der Freunde uild der Armen, ■ m meisten in Rechnung gezogen wird.; In Toledo war man seit Jahren gewohnt, das Haus Abul ' wssans am Purimfeste von Gästen in fast allen Räumen überfüllt j l sehen; Tage, ja Wochen lang im Voraus setzte das Fest in diesem sause alle Hände in Bewegung, und nun sollte es morgen schon cfeiert werden. Auch der schweigsame Abraham, der mit dem Schwinden des Pstckers seit wenig Tagen mindestens den Frauen gegenüber, aber lich mir in Bezug auf das bevorstehende Fest aufzuthauen begann, ahm an den Vorbereitungen lebhaften Antheil, und sein Geschmack, ine Geschicklichkeit erwies, daß er nicht nur die Schäden des meuschchen Lebens zu heilen, sondern dasselbe gar mannigfach zu schmücken rstand. Zu ungewöhnlich früher Stunde hatte Recha am nächsten Morgen ch schon völlig zu häuslicher Thätigkeit gerüstet; denn es galt ihr, ute den lieben Eltern eineUeberraschung zu bereiten; vielleichtauch, dachte sie, könne es ihr gelingen, die Schwermuth, wenn auch nur >f einen Abend, aus den Zügen des theuren Vaters z» verdrängen, i as Prunkgemach des palastähulichen Hauses, ein hoher, weiter aal mit großen Bogenfenstern und prachtvollen Arabesken, den genthümlichen Kunstprodukten der damaligen Einwohner Spaniens, er Mauren, geschmückt, Pflegte für Festtage, wo Gäste erwartet '»rden, die Mutter selbst in Ordnung zu bringen; heute lvollte Secha ihr darin zuvorkommen und dadurch sowohl ihre kindliche Aufmerksamkeit, als ihren Geschmack kundgeben. Allein wie ward t selbst beim Eintritte in den Saal überrascht! der weite Raum vaar nicht zu erkennen; durch kostbare orientalische Shawl- und Seiden- 'ioffe, Gold- und Silberbrokat war hier der ganze Raum in ein großes Zelt umgebildet, das des Sultans als Ruheaufenthalt auf einer Reise durch sein Reich würdig gewesen wäre. In jener Zeit, wo der Verkehr zwischen entfernten Ländern einen Zeitaufwand in Anspruch nahm, den wir heute kaum mehr für möglich halten, und der Transport von Maaren sich oft der primitivsten Mittel, der menschlichen und thierischen Lastträger, bedienen mußte, gehörte ein Vorrath an Kleidern uud Kleiderstoffen, sowie an Teppichen und anderen kostbaren Geweben mit zu den Attributen großen Reichthums, und der Hausverwalter Rabbi Jehuda's hatte von derlei Dingen nicht wenig in Verwahrung. Das Schönste des Vorhandenen war nun zur Ausschmückung des Festsaales in einer Weise benutzt, wie sie hier zu Lande noch nie gesehen worden; und in den lauschigen Winkeln, die von den Vorhängen gebildet wurden, standen in antiken Urnen und sonstigen schönen Geschirren frische, lebende Blumen, wie sie der emsige Gärtner durch besondere Pflege der frühen Jahreszeit abzuringen versteht, darunter manche von seltsamer Form und Hierlands noch nie gesehener Farbenpracht. Und mitten zwischen diesen Herrlichkeiten allen stand der, welcher Alles mit sicherer Hand sinnreich geordnet und der Vollendung dieser schon früher erwogenen Arbeit die ganze Nacht geopfert haben mußte, der schweigsame Abraham. „Welch großartige Pracht!" rief Recha, als sie sich von ihrem ersten Staunen erholt hatte, und indem sie auf Abraham zuschritt: „Du räthselhafter, sonderbarer Mann! Jetzt, wo die milde Früblingsluft den Kranken Heilung bringt und Du die Nächte endlich nach monatelanger Anstrengung Deiner Ruhe gönnen sollst, verbringst Du dieselben in neuer Anstrengung, uns eine Freude zu bereiten. Mein Vater hat ganz richtig auch Dich beurtheilt, wenn er Dich für mehr hielt, als wofür Du scheinen wolltest, da er sagte: Ich beurtheile Jeden nach den Kennzeichen, die zuerst mir bewahrheitet werden, dann füge ich jene hinzu, die mir anfangs zweifelhaft sind uud über die ich später erst Gewißheit erlangesi. Daß Du aber nicht blos gegen die Leiden der Menschen thätig seiest, daß Du so viel auch für die Freude zu thun vermögest, wer hätte das denken sollen?" „Warum denn nicht", entgeqnete Abraham, „soll es denn nichts gebe», >vas mich noch mehr anregt, als der Menschen Krankheit und Pein? Ist doch nach altem Bibelsprüche die Liebe stärker als der Tod selbst, um wie viel stärker also als das Gebrechen Anderer, denen wir zu helfen streben." „Die Liebe!" rief Recha tief erröthend, und nachdem sie eine kleine Weile innegehalten, fuhr sie fort, „die Liebe! Kannst Du denn auch lieben, Du stolzer, finsterer Mann! lieben auch Jene, die Deiner Hilfe nicht bedürfen? O, was hätte mein hoher Vater darum gegeben, wenn er das früher gewußt hätte, was meine gute Mutter, hätte sie geahnt, daß auch Du der Freude zugänglich seiest. Siehe! heute beginnt das Fest, das der Israeliten jeder, wenn möglich, freudig zu gestalten sucht, wo er Jedem, der ihm nahe ist, irgend eine Gabe zur Erhöhung der Festesfreude reicht. Seit vielen Tagen denkt nun meine Mutter daran und vermag es nicht zu finden, womit sic Dir eine Freude bereiten vermöchte. In unserem Hause giebt es zwar keinen König und keinen Narren wie Ahasverosch, der Dir ein halbes Reich anzubieten vermöchte", setzte sie lachend hinzu, „aber eine reiche, schöne Gabe für Dich wäre hier wohl dennoch zu finden." „Wie aber, wenn ich mir das schönste und kostbarste Kleinod ausdächte, das Deine Eltern besitzen?" fragte Abraham dagegen, indem er die Hand Rechas faßte, welche sie »Uranfangs leise zurückzog, dann aber ihm willig überließ, „wenn ich eben an nichts Geringerem mich erfreuen wollte, als an der prächtigen Rose von Saron, die den lieblichsten Schmuck des Lebens Deiner Eltern ausmacht?" „Dann müßte aber all jenes Düster geschwunden sein," sprach das Mädchen hoch sich aufrichtend, stolz, doch freundlich, „das noch -) Kusari l, 24.

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