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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-18 · Heft 47 (18.11.1892) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 Kleidung vererbte sich von Borgänger auf Nochfolger, ohne daß man sich um ihren Znstond kümmerte, wie auch sonst die Borsänger in der Vernachlässigung ihres Aeußern Starkes leisteten. Lieder des schmutzigsten Inhalts, Baukelsangermelodien oder, wenn ihre Bildung so »veit reichte, laseive Opernmelodien wurde»» religiöse»» Hymnen »rntergelegt, und der Gesang war meist ein rohes Geschrei, oder durch seine Drolligkeit Veranlassung zur Spottlust der Zuhörer. Es entstand die Sitte, endlose Verzierungen und Schnörkeleien auf den Vokal a zu singen, imb erst nach Beendigung dieser Zwischengesänge je einen Theil des vorzutragenden Textes. Auch außerhalb der Synagoge bildete der Vorsänger eine »venig erbauliche Figur. Er gab sich mit allen möglichen Geschäften ab, die nicht nur »veit oblagen von feinem eigentlichen Berufe, sondern durch ihren Charakter zur Heiligkeit seines Berufes oft in krassestem Widerspruch standen. Er diente der Ge»ueinde zum allgemeinen Gespött, und das Entstehen eines berüchtigten, gewiß alleinei»» bekannten Sprichwortes dürfte aus jene trüben Zeiten zurückzuführen sein, in denen Israels Synagogen »mr allzu häufig auch Andersgläubigen ein Beispiel des Uuheiligen geworden sind. Danken »vir Gott, daß es anders und besser geworden ist. Das Jahrhundert der Aufklärung brachte Licht in das Dunkel und gestaltete auch den jüdischen Gottes- und mit ihm den jüdischen Vorsängerdienst zu einem würdigen und angesehene»». Und wir gedenken voll Dankbarkeit der Männer, die durch ihre Thatkraft, durch ihre geistigen u»»d künstlerischen Fähigkeiten den Vorsängerdienst gerettet habe»». Sie führten dasjenige Moment ein, das allein fehlte und das allein helfen tonnte: die musikalische Bildung. Sie gaben dem Vorsänger durch eine neue Schöpfung, die des Chores, Halt und Festigkeit, nnb durch »hre eigenen »»»usikalischeu Leistunge»» stellten sie de»» Vorsängern Aufgaben, an denen sie sich bilden, an benen sie wachsen konnten. Moritz Aappaport. Bo» Karl Emil Franzos. V. Dieses Zusammenwirken von Gymnasial- und Talmud-Unterricht ist wieder etwas Typisches und dann» seien einige Bemerkungen darüber gestattet. „Wer sich," sagt ein berühmter Talmndlehrer, „dem Studium der Lehre aus ganzer Kraft ergeben, dem lvird dann die gründliche Erwerbung anderen Wissens sehr leicht fallen." Der Latz enthalt einen richtigen Kern, ganz zutreffend ist er nicht. Gewist kommt die außerordentliche Gymnastik, die der Geist bei dein Mitringen in dieser Arena erwirbt, dem raschen Erfassen sehr zu Gute; Fälle, wo der zwanzigjährige Talmudist die „Klaus" verläßt, das Fibelbuch zur Hand nimmt und zwei Jahre später das Abiturientcn-Eraincu mit Auszeichnung besteht, haben gewiß mehrere Leser, nicht blos ich, selbst beobachten können. Viele haben später in den profanen Wissenschaften Hervorragendes geleistet, aber den Meisten klebte neben dem Griten auch das Unlöbliche jener Gyninastik an, iirsbesondere ein Ueberwiegen dialektischer Spitzfindigkeit iiber das sachliche Beobachten und Denken, und Vielen ist es ein Hemmschuh für immer geworden. Ihr Geist, an die schwierigsten Probleme gewöhnt, findet die eiugehende Beschäftigung mit den Elementen der Wissenschaft glattweg zu langweilig, er glaubt sie im Fluge erfassen zu können. So'werden die ersten Abhänge mühelos erklomine», aber auf halber Höhe des Berges geht es immer schwerer, weil sie das schrittweise Klettern nicht erlernt, auch die ganze Ges des Berges nicht erfaßt haben, da sic unten zu viel übersehe«, — tu» getangen sic nie zum Gipfel. Wie oft erleben wir cs, daß uns ä profaner Gelehrter mit talmiidischer Vorbildung im selben Ath » zuge durch geistreiche Auffassung und eine unbegreifliche Schrulle sonderbare Lücke in seinem Wissen verblüfft! Und gerade die FrEi, feit raschester, aber dann eben nicht allzu gründlicher Orient« ni wird diesen Männern verhängnißvotl. Aaron Bernstein soll ein i aus die Bemerkung eines Verehrers: „Ohne Ihr Talmudstuda waren Sie nicht der bedeutendste naturwissenschaftliche Volkssch ä steller Deutschlands geworden," geantwortet haben: „Gewiß, : ohne Talmud wäre ich ein bedeutender Naturforscher geworde > Ich weiß nicht, ob das authentisch ist, will nicht die Frage eröri n wie weit es individuell zutrifft, für den Typus trifft es den M.,; aiis den Kopf. Indes;, hier tritt der fertige Talinudist an das profane Sindhi heran. Wie aber gestaltet sich die Wechselwirkung zwischen gl<;d zeitigem Talmud- und Schul-Unterricht?! Das Ergebniß >:i zuweilen erfreulich und harmonisch sein, so lvird mir wenigstens sichert. Aber die Regel sind solche Fälle nicht. In der Regel wi!c Talmud und Gymnasium neben einander verwirrend, sich gegeny! schädigend, wobei ich allerdings betonen will, daß ich dabei nur >i den tnore coitsuelo ertheilten Talmud-Unterricht denke, wie t unser Moritz erhielt, wie er sich »och heute im Osten nicht gewandelt n Wie könnte cs auch anders sein, es sind ja zwei verschie b Welten! Wie immer der Geist der Schule sei, etwas von dem Ha der Gegenwart wird immer in ihr zu spüren sein; in höherem :» geringerem Maße nimmt sie immer ans das Bezug, was der Sck r um sich sieht; das fehlte selbst bei den österreichischen Gymnasiei! d Vormärz nicht ganz. Ans dem Talmud aber weht der Athen; > n> entschwundenen Zeit, deren Lebensbediirgungen in nichts, gar nicht- » die unseren erinnern; selbst die allgemein menschlichen Empsindunä die sich nie andern können, kommen doch in einer Form zum L» druck, die uns fremdartig berührt. Die Hygiene schützt gerade Km am sorglichsten vor jeden; Temperaturwechsel; die geistigen Lwzc bedürfen keiner geringeren Obhut als die körperliche». In t; der beiden Atmosphären wird es dein Knaben mrbehaglich,; zwar — ganz naturgemäß! — in nenn von zehn Füllen in d fremdartigeren; er wendet sich vom Talmud ab. Das sei ja le> Uirglück, werden Blanche meinen. Aber wenn nur aus der üli neigung gegen den Talmud nicht so oft die gegen Glauben m Abstammung folgerte! Ein anderer Gegensatz wieder schädigt die Schule: der G>zcl satz der Methode. Auch er ist der denkbar schärfste. Das Gynina :aa häuft langsam — oft allzu langsam — systematisch, oft Pedal:; Steinchen um Steiuchen zu einer Wissens-Pyramide von bescheid« Höhe auf; beim Talinudstudiuu; werden — um ein bezeichin: Wort zu citiren — „Bergkolosse an einem Haar befestigt" und a« in der Luft herningewirbelt. Der Gymnasiast, der gleichzeitig d Talmud traktirt, mag am Talmud keine Freude haben, gewiß al> langweilt ihn der Unterricht in der Schule. Ich kann da nu. ii sofern aus eigener Erfahrung »ritsprechen, als viele meiner Mitsenil gleichzeitig Talmrid-Unterricht hatten. Was wir trieben, kam in» kindisch vor — wie konnte man winzige Steinchen mit so!Ä Kraftaufwand heben wollen! Einige von ihnen gehörten in w untersten Klassen zu den besten, wurden dann jedoch immer schle.:: Schüler; da sie selten zuhörten, so überhörten sie Wichtiges, du anfangs ohne viel Mühe mitkamen, so gaben sie sich schließlich l mehr und bliebe» zurück. lasiu lebet wird, tichr uetir ms oelch rühe virkt eine weist!,;»» -es i 2chä rört cks >and Rul ne . licht . Hl 9 ang iren W gört Ulf lel ' tan luch oer nh; msn .'ehr ■ x l. ,11 2 Be: ,'iefe oiese »S ilug Poll -ent c -nid an; um aut Wä lieft Hin min „all Mu scha Ber

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