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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-18 · Heft 47 (18.11.1892) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
Seite 556 (sequence 4)
Language
German
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556 war aber merklich von jener vor der Exilzeit verschieden. Der Priesterdienst ward bis auf Kleinigkeiten mit dem Tempeldieiist für erloschen erachtet. Das Verbot, kein Nichtpriester solle Tempeldienst verrichten, trat außer Geltnng, und das Privilegium, Gott öffentlich zu dienen, ging aus jedes Individuum über, d. h. es hörte auf, ein Privileg zu sein. Drei Momente des früheren Dienstes waren somit durch den Untergang des jüdischen Staates beseitigt worden: Die Opfer, die musikalischen Aufführungen und das Prärogativ des Priesterthums. Gleichwohl fehlte es bei der nun folgenden Restauration des Gottesdienstes nicht an Anlehnungen an die vergangenen Zeiten. Wie schon früher, zur Zeit des zweiten Tempels, die Einrichtung bestand, daß während der Opferung Vertreter des Volkes, die „ansche inaamad“, Gebete verrichteten, so mußten nun gleichfalls Abgeordnete des Voltes zur Verrichtung der Gebete anftreten. Wie früher dreimal des Tages geopfert wurde, so substituirte inan dafür eine dreimalige Gcbetszeit. Wie man früher im Tempel gesungen hatte, so behielt man auch jetzt den Gesang als Theil des Gottesdienstes bei. Was zunächst die Gebete selbst betrifft, so waren es anfangs nur wenige, die bei dem öffentlichen Gottesdienste gebraucht wurden. Der bei weitem größte Theil derselben ist viel späteren Ursprungs. Diese Thatsache ist von Wichtigkeit für den Gesang. Die auch noch heute gebräuchlichen, typischen Melodien können nämlich, da viele Gebete erst später entstanden sind, nicht, wie Manche wollen, durchweg als Ueberreste des alten Tempelgesanges betrachtet werden. Allerdings hat diese Annahine für manche Stücke ziemlich starke Wahrscheinlichkeit, nämlich für die ältesten, die Psalmenrezitation, das Achtzehngebet, die Stücke vor und nach dem Schema!) und vielleicht auch die Singwcisen der Thoravorlesung. Die Piutim aber sind erst viel später entstanden, und da eine Melodie nicht Jahrhunderte hindurch im Gedächtnis; behalten sein kann, sofern man sie nicht von Zeit zu Zeit zu singen hatte, so läßt sich nicht annehmen, daß bei Einführung der Piutim die aus Mangel einer Notenschrift nirgends fixirten Tempelmelodien verwendet werden konnten. Es ist nämlich nirgends eine Spur davon zu finden, daß die traditionellen Gesänge durch geschriebene Noten weiter verpflanzt wurden. Als Anhaltspunkte für die Melodie finden sich nur gewisse Vorschriften in den festtäglichen Gebetbüchern. So lesen wir in einem: Am Versöhnungstag soll der betreffende Thoraabschnitt gelesen werden “jusj d. h. mit niedriger Stimme. Dies kann nicht blos eine tiefere Tonlage bedeuten und etwa wegen der Bezugnahme auf den Tod der Söhne Ahrons vorgeschrieben sein, vielmehr ist hier offenbar eine von den gewöhnlich wesentlich verschiedenen Melodien gemeint, die als solche in einer tieferen Tonlage gehalten waren. Daß jene ältesten Stücke mit solchen Melodien vorgetragen wurden, dafür haben wir folgenden Anhaltspunkt: Der Erzbischof Ambrosius von Mailand sammelte im 9. Jahrhundert die von den abendländischen Christen gebrauchten hebräischen Psalmmelodien und behielt, wie alle Untersuchungen erweisen, den lebensvollen, symmetrisch gegliederten Rhythmus der Urweisen bei. Da nun unsere Kantiation dieser Psalmen mit den ambrosianischen Melodien starke Aehnlichkeit hat, so kann mit Zuversicht der Ursprung dieser Kantiation auf die Tempelmelodien zurückgeführt werden, indem es sehr natürlich ist, daß mit dem Worte auch dessen musikalische Deklamation sich fortpflanzte. Nun fragt es sich: woher stammen die anderen Melodien, die unserer sabbathlichen und festtäglichen Gebete? Mit der Vermehrung der Gebetstücke waren doch auch neue Melodien erforderlich? Woher und aus welcher Zeit datiren diese? Hat Israel eigene Komponisten gehabt, die ihre Dienste der Synagoge widmeten? Unsere Schriftwerke beobachten völliges Stillschweigen über diese Syuagogen- I m Melodien, erwähnen auchUrgends jüdische Tonkünstler, und di läßt uns der an Gewißheit grenzenden Vermuthung Raum geb daß sie nicht auf jüdischem Boden entstanden sind; denn sonst wii den sicher unsere in derlei Dingen sehr dankbaren alten jüdischD Schriftsteller sie rühmend erwähnt haben. Viele Gebetstücke, z „Unsanne Tokef", fallen in eine Zeit, in welcher alle neuen religii,^ Einrichtungen, alle rituellen Schöpfungen, kurz, alles mit der jüdisc Religion in Verbindung Stehende bis ins kleinste Detail aufgezeich wurde, aber wir finden kein Wort über die Urheber der neuen At lodien. Dies erklärt sich mir durch die Annahme, daß deren Urspria nicht den Juden zuzuschreiben ist. Manche dieser Melodien wau sicherlich Nachbildungen religiöser Lieder der Nichtjuden: so fai man in neuerer Zeit alte katholische Liturgien, deren Melodien »i jüdischen, die heute noch in Gebrauch sind, merkwürdig über i stimmen. Andererseits ist es sicher, daß man auch weltliche Melod mit passenden hebräischen Texten versehen und in der Synagoge nt wendete. Auch in der christlichen Kirche des Mittelalters wurden häuf die durch den Minnesang zu großer Vollendung gelangten Vol lieber angewendet; erst später fand daselbst der Choral ausschla lichen Eingang. In der That ist der profane Ursprung manch unserer Synagogenmelodien unschwer zu erkennen. Beispielswei erinnert die Melodie des Pismon „Ui lumm kacliomer“ stark i den Typus der spanischen Serenadensänger, der Troubadours, der Zeit ziemlich genau zusaminenfüllt mit der der Piutimdichter, a: für eine unserer beliebtesten Melodien, die des „Moaus Zur“, I) Eduard Birnbaum nachgewiesen, daß ihr Ursprung auf ein deutsch Volkslied zurückzuführen ist: „So weiß ich eins, das mich erfrei das Bliimlein auf breiter Heyde", und daß auch Luther dieser Melot einen seiner Choräle: „Nun freut euch, liebe Christen gmein!" unü gelegt hat. Ja, die Benutzung weltlicher Melodien wird uns w einem Schriftsteller, Israel Nagara ausdrücklich bezeugt. Er „Der Mund der Lügner und derjenige», welche Liebeslieder siinff wird verschloffen werden, wenn sie die Gedichte sehen werden ii Gott, den König des Friedens, besonders wenn ihre eigenen Melooi unverändert beibehalten werden." Alle diese Uebertragungen fremder Melodien sind naturgcaii niemand anders zuzuschreiben als den Männern, denen der Gern in der Synagoge oblag, den Vorsängern. In der ältesten Zeit ii'| der Vorsängerdienst noch nicht ausschließlich in den Händen einz Personen. Der Vorsängerdienst wurde für jeden einzelnen Grab dienst vom Synagogenvorsteher übertragen. Es war ein Ehreni« So erzählt R. Petachjah in seiner Reisebeschreibung aus d: 12. Jahrhundert, daß man in Assyrien, Persien, Medien, Dann- und dessen benachbarten Provinzen keine angestellten Vorsänger Hai! sondern die vornehmen Juden, die mehrere gelehrte Tischgenaß hatten, bald diesen, bald jenen dieser Gelehrten ersuchten, den Ä beterdienst zu verrichten. Auch in den 30 Synagogen Babylons g es keine angestellten Vorsänger, sondern derjenige verrichtete d! Gebet, den der Rektor der Hochschule dazu aufforderte. Das beten theilte man unter mehrere Vorsänger. Des Vorbeters St übertönte die anderen, damit man nicht eile und Alles ihm ttcicM'il Erst später, gewiß in Folge der zunehmenden Schwierigkeit des sängerdienstes und der Unmöglichkeit, in kleinen Gemeinden mch« Kultusbeamte (Vorsänger, Lehrer, Synagogendiener) anzustellen, ab! trug man alle diese Funktionen ausschließlich einer Person und >« eine Besoldung für sie aus. Der Orach Chajim nimmt schon daß ein bezahlter Vorsänger besser sei als ein unbezahlter bestimmt, daß die Besoldung aus der Gemeindekaffe zu erfolgen, der Arme, obwohl er denselben Genuß habe wie der Reiche, nicht den gleichen Antheil zn leisten habe. d a Der ner, w :>gesan! [in Syn aft mi |o;te§: : der fftzehnngers a en mr fi es Ge Amei anbrii bauliche' Gemc te, da ffendien ade t Achtz e zu >ravor i vor. ff ahm, ii'gerufe Viele dichte c ete fü islauf en.! n an fr i yer a ae und amen, : ite? i höchs ü ben 51 »i .ers i Da ' r Au!u o Verb lbst i beibet t pei die - hei ikeit! % Vor ■ e dies der üer N n ßesle der S ■ gute Cinw Klassen aalen, ne Klei!;i’4 dar cl>et ein ewndev

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