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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-11 · Heft 46 (11.11.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Abends ein Festlnstalt. chwing h 'entlichten rer hinter eru Herr lter Weg- Zoden des Fleisches em edlen Wächter" tignug 5U folgende Christen, lb sprechen - Freilich zung des 'elbst den rt: „Blos ein Jude rlgen und mdlungsödet Herr gwerfung nacktesten igt. Alles )en heilig möglichst materiell der Beruhe it, die wird, die rgt zwar doch läßt »orhandeu ,ld er in getretenen .bekehrte" warmu^ schlechten >es Herrn asten der uden! —, lledakteur chenschrift ber d. I. vor der unenhang llso lange dem ge- Buschhoff enverhör, häftigten. . Staatss daselbst um Theil oer klaren der Angewaltet sts Cleve , als An- Aussagen der erste Mitglieder Rt. Bei nt einer oß jedoch^ >-ls Zeugen zur Sache nur den Ersten Staatsauwalt Baumgardt, Laud- >>'richtsrath Brixius und den Gärtner Mölders zu laden, welcher Letztere bel amtlich die den Buschhoff belastende Aussage von dem Hineinziehen des gemordet aufgefundenen Kindes in das Buschhoffsche Haus gemacht hatlen Vorsitz in heutiger Verhandlung führte Landgerichtsdirektor Dr- W'udorff, als Beisitzer fuugirten die Assessoren Oppenhoff und Salomon, 'lwie Landgerichtsrath Hasenclever und Amtsrichter Dr. Neinhold; Staatsanwalt war Herr Dr. Appelius, Vertheidiger war Herr Rechtsanwalt Reichmann. Vor Eintritt in die Verhandlung lehnte der Veriseidiger im Namen seines Klienten den Assessor Salomon (Jilde) als dichter wegen Befangenheit ab; der Gerichtshof beließ es jedoch nach larzer Berathung bei der Zusammensetzung des Nichterkollegiums, nach-?m Assessor Salomon die Erklärung abgegeben, daß er sich nicht als be- Mitgen zur Sache erachte. Es erfolgte die Verlesung der inkriminirten Artikel, in denen u. A. von einer „überstürzten Freilassung Buschhoffs" r ic Rede ist und es dann weiter heißt: „es bricht sich immer mehr die Neberzeugung Bahn, daß es sich dabei lediglich um eine geschickte Aus- ' acht der dabei betheiligten amtlichen Streife handelt." Ter Angeklagte erklärte bei seiner längeren Vernehmung, daß er den ersten Artikel aus ccr in Leipzig erscheinenden „Renen deutschen Zeitung" wörtlich enthemmen und den anderen aus der „Kreuz-Zeitung", der „Germania" und;:i‘ „Reuen deutschen Zeitung" zusammengestellt habe, und suchte den lew eis der Wahrheit für seine Behauptungen anzutreten. Der als Zeuge vernommene Erste Staatsanwalt Baumgardt bestritt die Richtigkeit Wmmtlicher in den inkriminirten Artikeln gegen ihn erhobenen Beschuldigungen. Die ganze Untersuchung sei in durchaus ordnungsgemäßer und; llichtgetreuer Weise geführt worden. Er selbst sei zur rechten Zeit nach Winten gekommen und habe sich dort so lange als nothwendig aufgealten; den Vorwurf der Oberflächlichkeit weise er entschieden zurück. Wenn die „Niederrheinische Volkszeitung" in Crefeld von ihm schon am Juli die Aussetzung einer Belohnung für die Entdeckung des Aörders verlangt habe, so antworte er, daß jene Zeitung on ihm gar nichts zu verlangen hatte und daß diese Angelegenheit i das Ressort des Regierungs - Präsidenten gehörte. Im Uebrigen sei es eine Gemeinheit und Niederträchtigkeit, seine, des;eugen, Frau mit in jene Artikel hineinzuziehen. Die Behauptung, daß .v Zeugen barsch behandelt habe, sei unwahr. Nichtig sei, daß die Verhaftung Buschhoffs erst nach dem Erscheinen des Kriminal-Kom- : issars Wolfs erfolgt sei, allein auch das erkläre sich ganz natürlich; eucher habe es sich nur um ein Ermittelungsverfahren gehandelt, in -elehern die gegen Buschhoff vorliegenden Momente nicht als genügend;i einer Verhaftung erschienen, während die Wolffschen Ermittelungen Wiatsachen brachten, die eine Verhaftung rechtfertigten, wie daun später nieder die Haftentlassung sich rechtfertigte, als sich die Wolffschen Anahmen nicht als stichhaltig erwiesen. Von welch falschen Voraus-! gungeu die inkriminirten Artikel u. A. ausgingen, zeige z. B. die Zunahme, daß er, Zeuge, über Buschhoffs Haftentlassung zu bestimmen alle, während das bekanntlich Sache des Gerichtshofes sei Bezüglich las blutigen Sackes, der zur Belastung Buschhoffs in der Hauptverandlung eine gewisse Rolle gespielt hat, in der Voruntersuchung aber acht beachtet sein soll, erklärte Zeuge, daß er sich auch hierin nichts erzuwerfen habe. Ueberhaupt wies Zeuge alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen sehr energisch und zum Theil mit einer gewissen Ergänz zurück. Auch Zeuge Landgerichtsrath Brixius betonte ebenfalls, aß er durchaus pflichtgetreu und ganz und gar unbeeinflußt durch das rwandtschaftliche Verhältniß zu Buschhoffs Vertheidiger die Unter- 'achung geführt habe. Zeuge Mölders bekundete, daß der Erste Staatsanwalt Baumgardt vor seiner ersten Vernehmung zu ihm gesagt abe: „Was haben Sie für einen rothen Kopf, es scheint mir, als ob äie nur Lügen erzählen wollten." Bei einer späteren Vernehmung habe i' Erste Staatsanwalt zu ihm gesagt, „ob er seine Aussagen acht zurück nehmen wolle, noch sei es Zeit." Erstere Aeußerung c streitet der Erste Staatsanwalt, letztere habe er gemacht, an die Wahrheit zu ermitteln. Herr Staatsanwalt Dr. Appelius beamte, daß von den Behauptungen des Angeklagten nichts erwiesen sei, aß aber der schwere Vorwurf der Parteilichkeit und Pflichtverletzung arenge Sühne erheischte; er beantragte sechs Monate Gefängniß. Der vertheidiger bat, die Sache denn doch milder anzusehen; schließlich handle? sich doch nur um eine berechtigte Kritik, die vielleicht etwas scharf gewesen. Der Gerichtshof erachtete den Angeklagten für schuldig im vollen Umfange der Anklage und verurtheilte ihn zu drei Monaten Gefängniß; auch wurde auf Publikatiousbefugniß in der „Kölnischen Zeitung" erkannt. Oesterreich-Lirrynrrr. * Wien, Bl. Oktober. Heute Vormittag wurde der Unterrichts-! Inspektor Dr. Gerson Wolf zu Grabe getragen. Im Trauerhause, j Landstraße, Untere Viaduktgasse Rr. 41, erschienen unter Anderen: Herren-! Hausmitglied Baron Königswarter, Stadtrath Dr. Stern, Gemeinderath! Baurath Stiaßm), Kommerzialrath H. Stiaßny, Direktor Heller vom! Blinden-Jnstitute auf der Hohen Warte, Instituts-Direktor Simon, kai-! serlicher Rath Dr. Wölfler, der Präsident des Journalisten- und Schrift-; stellervereins „Konkordia", Professor Warhanek, mit seinem Stellvertreter j Regierungsrath Winternitz und mit den Mitgliedern der Verwaltung Wilhelm Frep, Moritz Renda und Isidor Fuchs, die Schriftsteller Emanuel Baumgarten und Fritz Singer, Tocent Dr. Grünfeld, Stadtbaumeister , Zifferer, Vice-Präses Simon und fast sämmtliche Vorstandsmitglieder! der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und zahlreiche Freunde und! Bekannte der Familie. Im Sterbehause exekutirte Ober-Kantor Singer und in der Ceremonienhalle auf dem Central-Friedhofe Ober-Kantor Goldstein mit dem gesammteu Chorpersonal die Tranergesänge, worauf Ober-Rabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf i hielt. Der Sarg wurde nun zur letzten Ruhestätte getragen und am! offenen Grabe sprachen noch Rabbiner Dr. Jonathan Wolf und zuletzt Professor Warhanek namens des Journalisten- und Schriftstellervereins „Konkordia", dem der Verstorbene angehört hatte, ehrende Worte der Er-! innerung. Wien, 8. November. Dr. Theodor Kohn, bisheriger Kanzler des Olmützer Erzbisthums, ist heute zum Fürsterzbischof vonOlmütz gewählt worden. Diese Wahl ruft großes Aussehen hervor. Der neue Erzbischof ist jüdischer Abstammung. Sein Vater trat seiner Zeit zum Christenthum über; er war sehr arm und diente lange als Tage-; löhner. Jetzt wird man in antisemitischen Blättern sicherlich bald von der „Verjudung" der katholischen Kirche sprechen. Wien, B. November. Der Groß Herzog von Sachsen- Weimar hat an Dr. Ludwig August Frankl folgenden eigenhändig geschriebenen Brief gerichtet. „Mein lieber Herr v. Frankl! Wenngleich Ihr poetischer Glückwunsch zu unserem goldenen Ehe-Jubiläum schon! vor mehreren Tagen durch mein Telegramm erwiedert worden ist, so! möchte ich dennoch nicht unterlassen. Ihnen jetzt, wo ich Ihr Festgedicht nochmals in Ruhe gelesen habe, meinen freudigen Dank dafür auch brieflich in Ausdruck zu bringen. Dieser Dank gilt znnächst der reizenden Dichtung selbst, die Ihr Talent im besten Lichte zeigt und der Großherzogin wie mir aufrichtige Freude bereitet hat; er gilt.aber auch nicht minder der Pietät für Weimars große Vergangenheit, die sich in Ihrer Huldigung kundgiebt. Daß Sie, lieber Herr von Frankl, sich diese schon! so oft bethätigte edle Empfindung auch fernerhin bewahren werden, j davon bin ich fest überzeugt, und zum Segen Ihres Heimathlandes hoffe! ich auch, daß es nie gelingen werde, das geistige Band, das seit den - Tagen Grillparzers zwischen Deutsch-Oesterreich und Weimar besteht,! wieder zu lösen. Weimar, den 24. Oktober 1892. Karl Alexander." j B. Budapest, 26. Oktober. Der Finanzausschuß des Abgeordneten- I Hauses hielt heute unter dem Vorsitz Moritz Wahrmanns eine Sitzung, > in welcher der Abgeordnete Pazmandy vom Minister eine Aeußerung j auch über die Rezeption der nichtchristlichen Konfessionen verlangte. Minister Graf Csakp erklärte,er sei leider heute nicht in der Lage, ausführliche Aufschlüsse zu geben. Er könne auch die Gründe nicht darlegen, welche ihn an der Ertheilung der Aufschlüsse behindern. Er fügte jedoch hinzu, daß davon, was er oder die Regierung in den öffentlichen Verhandlungen des Hauses in Aussicht gestellt hat, nicht abgegangen worden ist. Als solche Fragen könne er die Rezeption der israelitischen Konfession und die freie Ausübung der Religionen anführen. Dem Minister selbst thue es leid, daß er sich jetzt nicht ausführlich äußern könne. Er würde bei Gelegenheit der Budgetverhandlungen diese Fragen im ganzen Umfange entwickeln. B. Budapest, 27. Oktober. In der Fortsetzung der Sitzung der Finanzkommission wies bei den Ausgaben für kirchliche Zwecke der Präsident Moritz Wahr mann darauf hin, daß die den Israeliten gewährte Subvention von 5000 fl. ganz unverhältnißmäßig gering sec, worauf Minister Csaky die Hoffnung ausdrückte, daß es möglich

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