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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-11 · Heft 46 (11.11.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 feilt werde, diese Summe im nächsten Budget zu erhöhen. Die Kommission nahm von den ministeriellen Erklärungen Kenntniß, um die Entwickelung der Dinge abzuwarten, wie es die ganze öffentliche Meinung thut. Frankreich. ß Paris, 1. November. In einer am 25. Oktober im Pariser Grand-Hotel stattgehabten Konferenz, an welcher u. A. der Verleger, der Direktor und der Administrator der Allg. Encyklopädie Theil nahmen wurden die letzten Mastregeln zur Inangriffnahme des geplanten Werkes getroffen. 'Am 1. Februar 1893 begiebt sich Herr Singer mit dem Manuskript für den!. Baud nach Leipzig, wo alsbald der Druck begonnen werden wird. Der 1. Band (.V und einen Theil des Buchstaben 6 umfassend) wird am 15. Juni den Subskribenten abgeliefert werden können. Im Buchhandel erscheint das Werk am 1. Oktober 1893. Da das Werk in einer Auflage von ca. 15,000 Eremplaren erscheinen wird und somit in die weitesten Kreise zu dringen die 'Aussicht hat, so wird es ihm hoffentlich gelingen, die gegen das Judenthum und dessen Vekenner bestehenden Borurtheile zu vernichten. Diejenigen Mitarbeiter der Encyklopüdie, welche unter die Buchstaben A und B fallende Artikel übernommen haben, werden u. A. auf diesem Wege ersucht, ihre Arbeiten bis Ende Dezember d. I. an die Direktion des Werkes nach Paris zu senden. Nnmnnien. * Jassy, 4. Nov. Bon hier wird englischen Blättern über grausame Verfolgungen der Juden berichtet. Täglich würden Hunderte von Familien ausgewiesen. Es sei eine Maffenausweisung angeordnet, die 500 Familien betreffen dürfte. Ein Gesuch der Juden, über den Winter bleiben zu können, wurde vom Premierminister abgeschlagen. In der Meldung wird nicht gesagt, ob es sich um einheimische Juden oder, was wahrscheinlicher ist, um russische Flüchtlinge handelt. Dast die Lage der Juden in Rumänien eine zum Theil rechtlose ist, ist bekannt, aber dast das gegenwärtige Ministerium Massenaustreibuugen vornehmen ließe, ist trotz der systematisch genährten antisemitischen Hetze in den größeren Orten der Moldau nicht anznnehmen. Eine 'Aufklärung dürfte nicht auf sich warten lassen. Amerika. * Baltimore, im Oktober. Der in deutschen und jüdischen Kreisen Rew-Aorks wohlbekannte M. Ellinger hat eine Einsendung an die „Staatszeitung" gerichtet, in welcher er seine Glaubensgenossen davor warnt, Judenthum und Politik zu verquicken. New-Port habe ein bedeutendes jüdisches Votum, und die Versuchung liege für kleinliche Politiker nahe, mit demselben Schacher zu treiben. Aber die große Mehrheit der Juden sei doch zu verständig, um auf diesen Leim zu gehen: sie hätten meist selbstständige, politische 'Ansichten und Ueberzeugungen und folgten keiner politischen Fahne, weil etwa ein Glaubensgenosse ein Träger derselben. Alle Diejenigen, welche vorgeben, das jüdische Votum in der Tasche zu haben, seien eitel Schwindler und Betrüger, welche mit den heiligsten Interessen der Bürger jüdischen Glaubens Schacher treiben. Herr Ellinger verweist dann daraus, daß derartige Spekulationen in der Vergangenheit meistens fehl schlugen, wie sie fehlzuschtagen verdienten, und er schließt mit den eindringlichen Worten; „Ich möchte meinen Glaubensgenossen zurufen: „Hüten wir uns, im öffentlichen Leben etwas Anderes sein zu wollen als amerikanische Bürger: seien wir Juden in unserem Familienleben, in unseren Synagogen und Tempeln, aber lassen wir in unserer bürgerlichen und politischen Thätigkeit den Juden aus dem Spiele. Seien wir Demokraten oder Republikaner, und vor Allem erlauben wir den politischen „Smartmeyers" nicht, den Juden in uns zum Aushängeschild oder Köder zu benützen " -- Die „Staatszeitung" kommentirt diese Einsendung editoriell. Sie warnt die Juden vor der Gefahr, durch eine Sonderorganisation das Antisemitenthum herauszufordern, welches in letzterer Zeit durch den massenhaften Zuzug russischer Juden besonders groß sei. Es sei jetzt doppelte Pflicht der intelligenten Juden, in ihrer politischen Thätigkeit den Inden nicht herauszukehren. Dieses werde auch von einer ganzen'Anzahl musterhaft verstanden: denn eine erhebliche Anzahl von Juden spiele in der Politik eine bedeutende Rolle, doch wenn man der Sache auf den Grund gehe, so seien dieses meist solche, ivelche sich sorgfältig hüteten, dort als Inden auszutreten und ihre Stammesgenossen in der Politik für sich auszunützen. Ion Nah und Fern. — Bei der Ausschußwahl innerhalb der Berliner Studentenschaft erlitt diesmal die antisemitische Partei eine vollständige Niederlage. -- In Gollub (Westpr.) ist während der Vakanz der Bürgermeisterstelm der Rathsmann B. Aronsohn zum Verwalter des Amtes ernannt worden. Derselbe fungirt auch als Amtsanwalt. — Der Bankier Adolf Landsberger in Kattowitz O. Schl, ist vor einigen Monaten zum Stadtrath und jetzt als Mitglied in den Kreistag des Kreises Kattowitz gewählt worden. — Wie verlautet, hat der Nationalitäten kampf um die Altonaer Nabbinerstelle noch immer nicht sein Ende gefunden. Gegenüber der Immediateingabe jener Gemeinde an den Kaiser zu Gunsten des von ihr gewählten Dr. Rosenfeld aus Oroshaza sotl eine Anzahl deutscher Rabbinatskandidaten eine Gegenpetition eingereicbt haben. — In Erefeld erscheint seit Kurzem ein neues Autisenntem blatt unter dem Titel: „Deutsch!" — Zeugen einer tieferschütterndcn Szene waren am 2. Snckothtage die Andächtigen der Wickratlberg er Synagoge. Als ein alter Mann bei der Hagbaha di? Thorarolle erhoben hatte, fiel er vom Schlage gerührt mit derselbe!! zur Erde und verschied. — Eine Beschwerde gegen den Amtmann Brüh ns in Levera, welcher von dem bekannten Agitator Dr. König aus Witte:! vorgebrachte Unwahrheiten gegen die Juden öffentlich in Schutz nahm, veröffentlicht die „Minder Ztg." — Als tüchtiger Organisator des sam tären Rettungswerkes während der Cholerazeit wird ein junger jüdische: Arzt in Hamburg, Herr Dr. Otto Meyer, in Fachkreisen gerühmt. — Die „Freiburger Zeitung" — „Amtsverkündiger" und „unpav teiisches Organ für alle Stände" — arbeitet seit einiger Zeit unetui lebhaft in Judeuhetze. Zur Kennzeichnung dieses antisemitischen Blattes und seines geistigen Leiters sei angeführt, daß in der neuesten Numme der „jüdische Eid" in der unseren Lesern bekannten perfiden Manier der Antisemiten behandelt wird. — In der Wiener Gemeinderath Sitzung vom 28. Oktober inseenirten die Antisemiten wieder einen Skandal, in Folge dessen Lueger und Steiner von dieser und den drei nächsten Sitzungen ausgeschlossen wurden. Herr Dr. Philipp Pick, außerordentlicher Professor an der med: zinischen Fakultät der deutschen Universität in Prag, ist zum ordem lichen Professor ernannt worden. — Herr Julius Ritter v. Gon. perz in Brünn ist vom Kaiser von Oesterreich zum Herrenhausmitgliem ernannt worden. — Herr Rabbiner Dr. Ludwig Venezianer t't für die vier oberen Klassen des Obergymnasiums in Csurgo zum Professor der deutschen Sprache ernannt worden. — Die in hebräische. Sprache in Galizien erscheinende Zeitschrift „Eduth le-Jisrael ein Organ der Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Christenthun s unter den Juden, ist eingegangen. — Herr Drumont in Paris;>i angesichts des ihm von Herrn Rabbiner Schuhl angehängten Prozesse sehr kleinlaut geworden und bittet in seiner „Libre parole" recht demüthm um Entschuldigung. — Rabbiner Stora in Bona (Algerien), dem, wie wir seiner Zeit berichteten, vom französischen Ministerium wegen sein:: Lehre eine Maßregelung drohte, ist nach eingehender Untersuchung wieder in sein Amt eingesetzt worden. — Unter dem Schutze Oesterreichs hat sich in Port-Said am Suezkanale eine deutsch-italienische jüdische Gemeinde konstituirt, die nun baldigst auch an die Errichtung eines Gotte: Hauses daselbst gehen wird. — Den dem „Jewish Chronicle" ans Maroceo zugegangenen Mittheilungen zufolge sind die dort ansässig n jüdischen Bewohner unmenschlichen Behandlungen und Ungerechtigkeit.!! ausgesetzl. Man befürchtet, daß die Unruhen einen ernsteren Charakter annehmen, falls nicht berufenerseits energische Maßregeln zur Unter drückung derselben ergriffen werden. Das genannte Blatt veröffentliml einen von unabhängiger Seite an den Konsul der Vereinigten Staaten in Tanger gerichteten Brief, ans dem hervorgeht, daß diese Grausam feiten seit dem seiner Zeit dem Sir Moses Montesiore vom Vater des jetzigen Sultans gegebenen Versprechen einer gerechten Behandlung drr Juden aufgehört hatten und erst mit der Einsetzung Hadji Mohamm? Widat's zum Gouverneur von Maroeco wieder begonnen haben. Seil seinem Antritt wären bereits acht hilflose Opfer für die lächerlichsten Bagatellen mit Peitschenhieben bestraft worden, ohne daß der Sultan Kenntnis; davon habe. Druck und Verlag von Rudolf Mojse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

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