Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 549 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227978--49269-3269952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
549 iic er aber arabischen te Famili zunehme». Zeiten dee nur selber der Sag Vi. die Hand ein wenil'i md in ein is schenkt -jenen für n kein be inen, bar n entnici gölten am ch so gern cht einmal, zu seiner!: :gte. Aber igen fand, egeisterunz i Taube? llannes >!! lf sie feilt:, i flüsternd Nenschheii er cnblit an die d.i ticken will,;ebliebenc >. lrbeit nid;: ju, indei: noch mehr er, es sinn aen heiße: enden bei )ler, hoher IN glückliri: th erachten h mahnen, »bi Jehudn Schrecken ihrer Rede :ge Gefüln, bei ihm in hatte arui: >r Sorgen leben voeier zurii n e Niemand on Saran, ) an ihren ist ja erl> osengarten :de Praetn reiner Behausung zeigte, „sind nicht geeignet, vom Eintritt in denreiben abzuschrecken." „Wohl wahr", erwiederte sie, „aber was nützt das, erst heute hat sie die Bewerbung zurückgewiesen, welche uns die angenehmste gewesen. Selbst Deinen Lieblingsschüler und Sohn Deines Freundes, oen trefflichen Benjamin ben Israel, der wahrlich nicht des ReichthnmS halber zu werben braucht, und dem gewiß so leicht kein Vater seine noch so schöne Tochter weigern würde, mag sie nicht." „Und warum nicht?" fragte der Gatte, augenscheinlich betroffen, oenn hiermit war ein Lieblingsgedanke seines Herzens vernichtet. „Die Ursache ist noch sonderbarer als die Thatsache," erhielt er jtir Antwort. „Ich mag nicht," hatte der kleine Trotzkopf, einen hiblischen Spruch anwendend, geäußert, „unter der reichen Tafel Der Liebe eines Gatten, dessen Freigebigkeit Tausende beglückt, die armen Ueberbleibsel znsammenklanben, um damit meinen Heißhunger nach Liebe zu stillen. Benjamin ist ein würdiger, edler, junger Mann, dem es weder an Wissen, nach an ritterlicher Tugend, noch an männlicher Schönheit mangelt. Aber wessen kann ich mich zu ihm als Gattin einst versehen, wenn er schon jetzt als täglicher Gast unseres Hauses, als Bewerber um mich kaum ein freundlich Wort für mich hat, und stets nur den Worten meines hohen Vaters und seinen Lehren für das Wohl Anderer horcht. Ich will meine» Theil der Liebe, welcher der Frau gebührt, einst voll und unverkürzt besitzen, und nur den will ich als Herrn und Gatten erkennen, der mein '-liecht genügend zu würdigen versteht." „Ein eigenthümlicher Stolz," meinte lachend Rabbi Jehuda, „dem mögen auch öfter Klagen der Mutter Nahrung gegeben haben. Nun, dieser Stolz soll befriedigt, diesen Forderungen Genüge geleistet werden. Sie soll einen Gatten bekommen," setzte er im scherzenden rone hinzu, „der durch sie ganz besonders glücklich wird und dies auch vollständig anerkennt. Ter erste anspruchslose junge Mann, der morgen die Schwelle dieses Hauses Übertritt, der so hohes Glück gar nicht träumen kann, soü ihr Gatte werden. Je weniger er an großen Vorzügen, je weniger er an Habe mitbringt, desto willkommener soll r mir sein; er sott uns Alles zu danken haben, Wissen, das ich ihm geben will und auch Reichthum. Ein solcher wird unsere Tochter um so mehr lieben nnd ihr unausgesetzte Beachtung schenken, je -weniger er das Recht hat, ans so edlen Besitz Anspruch zu machen; a, mag er geradezu ein Bettler sei», er ist mir um so willkommener." „Herr der Welt!" rief die Frau fast entsetzt, „höre nicht, rvas mein Gatte spricht. Wie kannst Du nur," wandte sie sich an diesen, .solche Worte spreche»? Wärest Du einer der unedlen, leeren Menschen, bereit Wort wie Spreu im Winde verweht wird, es wäre nicht gut, ruif; Du solches sprächest. Aber Du, der Du Israel mehr bist als sie Macht der Kriegswagen und der Reiterei, Du, die helle Leuchte sieschuruns, von der die Söhne unseres Volkes alle das Licht entchnen, Du mußt nicht so in den Wind spreche», Tu darfst mit so Wichtigem, Heiligem nicht scherzen. Von Euch Großen unseres Volkes silt mehr als von den Weisen anderer Völker der Spruch: Ihre Borte brennen wie glühende Kohle», ihr Biß ist wie der Biß der Schakale, ihr Stich tvie Stich der Skorpionen; Ihr Weisen müßt Nets des Gebotes eingedenk sein: Was über Deine Lippen kommt, mußt Dn halten." Und traurig schritt sie aus dem Gemache, den Gatten in nnbenaglicher, nachdenkender Stimmung zurücklassend. Die Schatten des Mißmuthes, welche sich am Abend auf die Stirn des Abul Hassan und die seiner frommen, noch immer sehr schönen Gattin gelagert hatten, waren am anderen Morgen verschwunden, und wir finden Beide lammt ihrer halb spanischen, halb l'alästinensischen Saronsrose Recha beim Frühmahle vereint, wo die Lieben ohne alle Störung, bedient allein von ihrem Kinde, sich durch die gegenseitige Liebe mehr als durch Genuß der Speisen für den Tag stärken wollten. Die Frauen waren im einfachen, doch aus kostbarem Stoffe verfertigten Hauskleide, der Hausherr im prachtvollen orientalischen Gewände, wie es dem reichen, weltberühmten Arzt nnd Rabbi geziemte, und wie er es bei seinen Gängen in die Stadt, wo viele Kranke seiner Ankunft sehnsüchtig harrten, zu tragen pflegte. Mit keiner Silbe wurde des gestrigen Abends erwähnt,! vielmehr erfreute der Hausherr die Seinen durch zwei Seltenheiten, j welche ihm soeben, die eine aus dem fernen Oriente, die andere ans Frankreich, zugekommen waren. Erstere bestand in einer kostbaren Perlenschnur, dem Geschenk eines reichen mohammedanischen Fürsten, den er bei dessen letzter Anwesenheit in Spanien von einem schweren Leiden geheilt. „Das soll einmal Dein Brautschmuck werden," scherzte der Vater, und die Mutter schlang die Perlenschnur zur Probe in das rabenschwarze Haar der Tochter, und entzückt bei dem herrlichen Anblick rief Abul Hassan: „Laß den Schmuck auf Deinem Haupte, mein Kind! Möge es ein Zeichen der festlichen Stimmung sein, mit welcher wir die zweite Seltenheit empfangen." linder entfaltele ein Pergament und las eines jener tiefgefühlten, schwungreichen Gedichte vor, wie sie die zweite klassische Periode der hebräischen Litteratur, die spanisch-hebräische, aufzuweiseu hat. „Sonderbar," setzte er hinzu, nachdem er die Vorlesung geendet, welcher Frau und Tochter mit klarem Verständniß nnd andachtsvollem Entzücken gelauscht, „sonderbar, der Stern, der Israel in diesem Dichter aufgegangen, scheint ein wahrer Komet zu sein. Nichts au seinen Dichtungen gleicht den gewöhnlichen, üblichen Weisen, sie überstrahlen an Klarheit nnd Lichtfülle alle anderen, aber auch die eigenthümliche Bahn dieses Dichters ist so kometenhaft. Bald aus Italien, bald aus dem Frankenreiche, bald aus Griechenland oder Palästina, ja sogar aus dem fernen Albion sind mir Gedichte zugekommen, die seinen Namen tragen. Mich sollte es nicht wundern, wenn mir einmal ein Gedicht dieses unstäten Wanderers zukäme. das den Anblick des ewigen Eismeeres an den Gestaden des am Ende der Welt gelegenen Thule preist. Und doch sagt man, der Dichter soll noch ein junger Mann sein, und nicht in der Phantasie blos, sondern in Wirklichkeit alles das gesehen haben, was seine Gesänge schildern. Ich wäre doch begierig, den kennen zu lernen, der mit mir um die Palme des Sieges auf dem Felde der Dichtung ringt. Doch jetzt muß ich gehen; ich gebe mich mit Euch hier der Freude hin, während Mancher kunnuer- und schmerzvoll meine Hilfe, meinen tröstenden Zuspruch erwartet." Und ein kurzes Tischgebet leise sprechend erhob sich Rabbi Jehuda. Aber im selben Augenblick trat ein ärmlich gekleideter Wanderer zur Thür herein. Der Anblick des Ankömmlings war sonderbar, wie er in der geblickten Haltung des Bittstellers dastand. Hoher Wuchs, ein kräftiger Bau, ein schön gewellter, schwarzer Bart, ein flammendes Auge, eine kleine zarte Hand, welche einen derben Stock trug, paßten ziemlich wenig zu dem sehr abgetragenen, mehrfach geflickten Gewände, ebensowenig als die feingeschnittenen Lippen zn der tief dunklen Gesichtsfarbe, die ein Produkt eines auf Reisen viel ertragenen Sonnenbrandes schien, und zu den demüthigen Bettlerworten: „Ein fernher kommender Wanderer bittet um Brod für seinen Hunger und um einen Trunk Wassers, seinen Durst zu löschen." „Du wirst wohl auch einen Becher alten iberischen Weines, der dem Cyprier beinahe gleichkommt, nicht verschmähen," enigegnete der Hausherr, indem er mit eigener Hand dem Gaste einschenkte und auf einen leeren Stuhl am Tische hinwies. Denn damals, wie überhaupt bei den Israeliten noch vor wenig Jahrzehnten, scheute der vornehmste und reichste Jude nicht, den ärmsten Bettler mit dem geehrtesteu Gaste zugleich an seinen Familientisch aufzunehmen.