Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 548 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227978--49268-3269951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
518 lief) rührender Zug zu Grunde: wurde er Talmudist und daneben Kaufmann, so konnte er bei ihr bleiben, sonst mußte sie ihn verlieren; denn in Lernberg war ja keine medizinische Fakultät. Es muß unser Mitleid erwecken, das; die Verblendete dadurch nicht-) weiter herbeiführte, als eine Beschleunigung des Verlustes, vor dem ihr Mutterherz zitterte. Bereits 1820 hatte der Vater den Entschluß gefaßt, den Knaben in Wien erziehen zu lassen, 1822 führte er ihn endlich aus. Wir werden ihm nach dem, was wir über die Beweggründe erfahren, nicht Unrecht geben dürfen. Simche hatte in Wien andere und bessere Begriffe über körperliche Erziehung erhalten; wenn er heimkam und den bleichen verzärtelten Knaben sah, gab es ihm einen Stich durch's Herz. Zu bessern war da nichts, so lange er bei der Mutter blieb; so z. B. war Moritz in seiner Trägheit zu keinem Spaziergang zu bringen; befahl ihm der Vater mitzukommen, so heulte der Knabe und die Mutter rief: „Was sind das für Sachen! Welches siidische Kind geht auf die Felder?! Das thun die Gojim!"0 Auch in der Charakter-Entwicklung des Knaben traten die Folgen der Verwöhnung und jenes Wechsels zwischen männlichem und weiblichein Regiment immer klarer hervor; auch jetzt noch war Moritz gut, weich, pflichteifrig, aber daneben auch ein kleiner launischer Haustyrann, der seinen Willen eigensinnig durchzusetzen wußte; dabei von ungezähmter Heftigkeit. Die geistigen Gaben hatten sich fortgesetzt entwickelt, die Gymnasial-Lehrer, wie der „Nuwi" rühmten ihren Schüler. Dennoch schien dem Vater auch für die intellektuelle Ausbildung die Uebersiedelung nach Wien nothwendig. Denn jener Gegensatz zwischen Talmud- und Schulstunde,! dessen der achtjährige Normalschüler nicht bewußt geworden, war ' nun dem elf- bis zwölfjährigen Gymnasiasten sehr klar aufgegangen und trug eigenthümliche Früchte. U FEUILLETON Das Purimlied. Nach einer spanisch-jüdischen Sage von D. Men dl. Die große Schaar der Hilfesuchenden hatte eben den weitberühmten Arzt Abul Hassan in Toledo verlassen. Dieser schritt nach der Mühen eines im Streben zum Wähle der Menschheit hingebrachten Tages den inneren Gemächern seines Hauses zu, wo er an der Seite einer treuen, aufopfernden Lebensgefährtin und bei seinem einzigen, heißgeliebten Kinde, der nun 17 jährigen Recha, die sowohl durch ihren Wuchs, als durch das große, fromme, schwarze Auge den Gazelle glich, Erholung suchte. Hier legte er das Amtskleid ab, das nach damaliger Sitte Jedermann nach Maßgabe seines Standes bei 0 Das war vor zwei wrenschenaltern . . Und heute?! Im Sonnuer 1890 richtete ein mir persönlich nicht bekannter jüdischer Gutspüchter in Sstgalizien an mich das Ersuchen, ihm einen Erzieher für seine Kinder zu empfehlen: der Mann müsse ein tüchtiger, modern gebildeter Pädagog, aber daneben auch fromm sein. Es war mir nicht schwer, einen geeigneten Bewerber zu finben, der sich denn auch bald auf den Weg machte. Nach einem halben Jahr schrieb mir der Erzieher, die Stellung sei ihm gekündigt, weil er angeblich seine Zöglinge körperlich überangestrengt, in Wahrheit habe er sie täglich eine halbe Stunde turnen lassen und eine Stunde zürn Spazierengehen angehalten. Da ihm die Stellung sonst lieb sei und er keine andere wisse, so möge ich doch an , den Vater schreiben. Ich that's und erhielt die Antwort: Unmöglich, der sonst brave Mensch könne nicht bleiben, weil er die Kinder „laufen und Centner heben lasse, als wären sie Bauernjungen." Und dabei blieb's. der Ausübung seines regelnläßigen Berufes trug, hier legte er aber auch den Namen Abul Hassan, unter welchen! er bei seinen arabischer. Mitbürgern in hoher Verehrung stand, ab, um den für seine Familie und seinen Glaubensgenoffen traulicheren, Rabbi Jehuda, anzunehmen. Denn Abul Hassan war kein Anderer, als der seit den Zeiten den königlichen Sängers berühmtest Dichter Israels, der nicht nur selber dichtete, sondern dessen Leben und Tod vielfach Gegenstand der Sag, und Dichtung geworden, Rabbi Jehuda ben Samuel Halevi. Kaum aber hatte Rabbi Jehuda seiner Gattin zärtlich die Hand seinem Kinde einen Kuß auf die Stirn gedrückt und sich's ein wenig bequem gemacht, als er zu einem Schreibpulte schritt und in ein j daselbst aufliegendes Pergament eifrig zu schreiben begann. Selbst in den kurzen Pausen seines emsigen Schreibens schenkt-, er den anwesenden Lieben keine Aufmerksamkeit, ja sie schienen für ihn jetzt kaum vorhanden zu sein. Denn man hätte eben kein be sonders geübter Physiognomiker sein müssen, um zu erkennen, baj; der Dichter vom Geiste der Dichtung in ferne Regionen entrück sei. Wäre dies nicht der Fall gewesen, er müßte die Wolken am den Angesichtern seiner Lieben bemerkt haben, die er doch so gern wolkenlos und heiter sehen mochte; so aber beachtete er es nicht einmal, daß Recha leise aus dem Gemache und seine Gattin bis zu seiner' Pulte schritt, bis diese sanft die Hand auf seine Schulter legte. Aber wie erschrak er, als er sich wandte und Thrünen in den Augen fand, aus denen er in trüben Stunden oft Trost, Muth und Begeisterung geschöpft. „Was fehlt meiner Theueren, meiner frommen Taube? fragte er. „Ach, die Frau eines großen und berühmten Mannes in doch bei all dem Glanze, der vom Ruhme des Mannes auf sie füll! sehr zu beklagen," erwiederte, den Vorwurf beinahe furchtsam flüsternd die Frau; „den ganzen Tag gehört der Mann der gesanunten Menschheil. Jedem, der seinen Rath, seine Hilfe braucht, und kommt er endlin Abends in den Kreis der Seinen, dann denkt er wieder an die dn draußen, wie er sie trösten, ihre Leiden rnindern, sie beglücken will, und die so ihm eigen sind, müssen mit bem letzten übrig gebliebenen Augenblick, wo die endlich eintretende Ermüdung die Arbeit nid)*, mehr gestattet, vorlieb nehmen. Freilich," setzte sie hinzu, inben sie seine Hand zärtlich faßte, „sind solche Augenblicke immer noch mehr Werth, als Jahrhunderte an der Seite gewöhnlicher Männer, es sinn Augenblicke der höchsten Seligkeit, die aber dennoch nicht den heißen Durst der Sehnsucht stillen, welche tagüber die Schmachtenden veo zehrt. Doch nicht für mich will ich mit Dir rechten, Du edler, hoher Mann, auf den alle Augen Israels gerichtet sind, ich bin glücklnd genug in der Erinnerung des Augenblicks, wo Du es für werth erachten mich zu Dir zu erheben; aber an die Schuld muß ich Dich mahnen, die Du gegen unser Kind hast. Es ist die Tochter Rabbi Jehuda Halevis, für die ich spreche." Bei den Worten der lieben Gattin war mühlig der Schrecken aus den Zügen Rabbi Jehudas gewichen, beim Schluffe ihrer Rede aber lächelte er heiter, denn er erkannte sehr wohl, das rege Gefühl, das ihn! und der Gattin gleichmäßig zu eigen und das bei ihm in mächtigem Tichtungsschwunge sich zu äußern pflegte, hatte cunli | sie einmal wieder fortgeriffen und die Phantasie hatte ihr Sorgen! geschaffen, zu welchen keine oder nur sehr geringe Ursachen voo! Händen waren. ' „Hat unsere Recha vielleicht wieder einen Bewerber zurmv gewiesen," lachte Abul Hassan, „und Du sagst nun, es werde Niemand mehr kommen wollen, die nach Kastilien verpflanzte Rose von Saron, wie das Volk sie hier nennt, zu pflücken, aus Furcht, sich an ihren Dornen zu ritzen? Laß gut sein, Theuere! Das Röschen ist ja erst in! Erblühen, und die goldenen Gitter, welche diesen Rosengarten umgeben," wobei er auf die, großen Reichthum verrathende Prack seiner iclbeit ne die wesen. m\ ti halber noch s nenn;ur A diblisck der Li armen nach L dein i miimi als Gl Hause hat, u Lehrer Liebe, and n Recht .,dem Run, werde! lone auch i morge nicht : Rorzü r mi zeben nm s wenig a, m mein .solch' deren aaß 3 MG B heschv ehner Wicht m n Worin Schak Mets - nmßt 1 dagliö 3 Stirn schöne schwuvaläst