Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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545 unbcvn, fcii ■n und isii mdlich sin! Cbfimubrip nen in bei 1 ber Inda Die antiiemi otten. „Ti r von ihm, )nten ner.ii e ihnen Lügen Verlännil c Derholten >i eton cnlinti Antisemit jin jetzt e:u verschiedlü verschiebt! ge auf bi 3eamte, w, Bluinenfrü er kräftiaci jjte imb ei gab sich!'(; betrachte kowopobot!! bie Schill! >e Kenntiibi rer Jsatsdi ber Kvleni in Benin!!i neu er liierte. üln; b«§ aii •:;te sich seit ir in seine fnnb. Kit ber Hin bei Har c ein gnu t, nnb mn sie nns »;euen Annt ben jilbis ne ht. daß i'l >regt iver ilowta. Al ndigte, eets solonisteii > ibcit piulr : bie 5ömi!i ber Minisb Ob bie Juden es verstehen? — Gerade der Jude versteht am 0 sten, bie Natur anszunntzen. Bei diesen Worten verschwand der letzte Ziveifel bei dein Minister. Ob sich dadurch aber die Lage der armen Kolonisten verbessern inb, kann man i»> Bornus nicht prophezeie». Daß aber die Juden in iiiißland, besonders in der letzten Zeit, für Ackerbau begeistert sind, inliche ich kaum zu sagen. Ein Beweis dafür, daß die meisten von v:i Juden viel Hoffnung ans Argentinien hegen, wo sie sich ans- .i ließlich mit Ackerbau beschäftigen sollen; und wollte Baron Hirsch in diesem Jahre hunderttausend Emigranten ans ein Mal hinschicken,; würde es an Personen nicht mangeln. Wie bekannt, gedenkt Baron nasch in diesem Jahre nur eine geringe Zahl zu befördern, und :: eie, bie ihre einzige Rettung in der Auswanderung nach Argentinien me», müssen vorläufig auf ihre letzte Hoffnung verzichten. In der riabt Ackermann sind viele Familien, sämmtliche gewandte Acker- :euer, zur Auswanderung gerüstet, nur sind sie nicht im Stande, : von Herrn Feinberg, Bevollmächtigten des Baron Hirsch, geformte Summe, 500 Rubel von jeder Familie, zusammen zu bringe». 7 Mi „Bessarabier Bote" zufolge, ivandten sich aus dem Städtchen i rliz ■' l.°> Familien, welche den Ackerbau treiben, an Herrn Feinberg, i seit Kurzem in Bessarabien iveilt, mit der Bitte, sie nach ümgentinien zu befördern. Eine jede Familie besitzt ein Vermögen n 500 Rubel. Nun aber stellten die, welche zur Ausivanderung b reit sind, die Bedingung von vornherein auf, von der Admiiiistration ' •' Baron Hirsch in Argentinien unabhängig zu bleiben, was Herr 0 inberg nicht zugeben konnte. Wie Herr Feinberg in der Zeitung „Hamelitz" Nr. 210 selbst re ibet, sind bis jetzt hundert Familien in Soroki, Bessarabien, und ich fünfzig in Podolien zur Auswanderung von ihm nusgewählt irden. Noch 200 Familien aus Bessarabien und ebenso viel aus dem ' 'iivernement Eherson, die vermögend sind, melden sich zur Aufn .hine, welche auch höchst wahrscheinlich aufgenonniien werden. Ein 7 brr muß sich der Prüfung einer Kommission, an deren Spitze v cr Feinberg steht, »nteriverfen, und wenn er mit dem Ackerbau i traut ist und ein sittliches Leben Nachweise» kann, so findet die tiiisnahine statt. Borlünfig gedenkt Herr Feinberg, wie er selbst in r en erwähnter Zeitung bekannt macht, nur mit 500 Familien, die e n Kolonien bilden sollen, die erste Probe abzulegen. Jetzt begeben! ' einige, von den Auswanderern geivählte Delegaten nach Argenü.iei!, um das Land zu besehen; wenn letzteres ihnen zusagen wird, ' in sollen die llebrigen nachkvnimen; falls aber die Delegaten )i gentinien zur Uebersiedelung nicht geeignet finden sollten, so erklärte 7: Herr Feinberg im Namen des Barons bereit, die Kosten der Tn- und Riickreise ans seiner Kasse zu bestreiten. Jz. Barzel. Materialismus und Indenthum. Hört und liest man auch nur gelegentlich, was unsere Wideroer Liber uns und unsere Religion sprechen und schreiben, so kann;!t leicht zu der Meinung gelangen, die jüdische Religion sei die ^erblichste, unb die Inden die verworfensten Menschen, die es giebt. - behauptet der Eine mit philosophischem Anschein, die jüdische ügion sei überhaupt keine Religion; ein Anderer redet mit Liberiner Miene von asiatisch-heidnischer Weltanschauung; ein Dritter lluibet es mit verwegener Kühnheit Allen, die es gern hören — lno solche giebt es ja immer? — die jüdische Religion verpflichte 0 Juden geradezu, Andersgläubige zu Übervortheilen — und so -t — mit alter Kunst und neuern Eifer. Noch Andere erheben j Halb entrüstet die Forderung, daß der Staat sein Anfsichtsrecht i auch auf den jüdischen Religionsunterricht und die jüdischen Religionslehrbücher ausdehnen möge. Wäre doch diese Forderung schon vor vielen Jahren aufgestellt imb befolgt worden! Wir wenigstens begrüßen sie mit Freuten, denn wir haben nicht zu fürchten, daß wir uns auch nur eines einzigen Lehrbuchs 31t schämen haben werden. Vielleicht aber wird dann unsere Sittenlehre, benn auf sie allein kommt es ja im Staate an, allgemeiner bekannt werden. Bis jetzt wenigstens gewinnt man alls den antisemitischen Anklagen nur den Eindruck bodenloser Unwissenheit und einseitigster Voreingenommenheit gegen Juden und Judenthum. Ich als Jude bekenne freudig, und schrecke auch vor dem Beweise nicht zurück, daß kein erhabener Gej danke unter den Menschen lebt, der nicht schon in unserer Religion j feinen Ausdruck gefunden hat; ich bekenne ferner, daß ich das Glück j habe, recht viele hochachtbare jüdische Personen zu kennen, die ihren christlichen Mitbürgern in keiner Beziehung nachstehen. Gründen die Antisemiten ihre Behauptung wirklich auf Erfahrung — und das soll doch jeder urtheilsfühige und ehrliche Mensch — dann müssen sie ihre Bekanntschaften mit ebenso wenig Glück wie Geschmack gewählt haben. Bisweilen freilich regt sich auch bei ihnen ein Fünkchen Gewissen, bei ihnen, die so gern uns Juden der Gewissenlosigkeit zeihen, und dann wird an irgend einer Stelle, wo es kaum beachtet wird, 1 zugestanden, es gebe and; „gute" Juden! — Wollte irgend Einer,; der in seinem Leben z. B. eine Anzahl schlechter Katholiken kennen . gelernt hat, behaupten, die Katholiken seien Lumpe, inan würde ihn! reif für das Irrenhaus oder für das Gefängnis; halten; aber die i gleiche Behauptung gegen die Juden — ja, das ist etwas anderes! j Doch genug hiervon. Der verderblichste Schaden unserer Zeit ist unleugbar der; MaterialismUZ. Ursprünglich bezeichnete dieses Wort nur eine philosophische Denkungsweise, auf die hier weder eingegangen werden; kann, noch soll; heutzutage versteht man darunter die aus dieser ' Tenkuugsweise sich ergebenden praktischen Folgen: das Leugnen - eines zukünftigen Lebens und d a s S t r e b e n n a ch s i u n l l ch e m G e n u ß.! Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß die Juden zu allen! Zeiten an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt haben; die jüdische! Geschichte, mit Strömen freudig geopferten Blutes geschrieben, predigt j es auf jeder Seite. Was aber den Vorwurf des Materialismus be-! trifft, so habe ich bereits durch die Ueberschrift augedeutet, daß ihm j eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Gewiß sind auch viele Juden genußsüchtig und streben mehr als billig nach irdischen Gütern; aber finden wir dieses Streben nur bei Juden? oder gar nur in Deutschland? Finden wir es nicht in l allen Schichten der Gesellschaft? Männer, die sich um das öffentliche Leben bekümmern und die Erscheinungen desselben verfolgen und prüfen, haben sich nicht verhehlt, daß mancherlei Ursachen diesen Schaden gezeitigt haben. Die Einen klagen Philosophie lind Wissenschaft an. Andere die „glaubenslosen" Lehrer an Schulen und Universitäten; Andere sehen in den großartigen Erfindungen und Entdeckungen, sowie den ungeahnten Verkehrserweiterungen, die den Genuß des Lebens erleichtern, aber die BedLirfnisse steigern, eine Hauptursache des Materialismus; Andere klagen über mangelhaften Religionsunterricht; wieder Andere sehen die Sozialdemokratie mld die wachsenden Ansprüche der ärmeren Klassen ans Leben als die Hauptursache des Uebels an; noch Andere beschuldigen den modernen Materialismus, die Gier nach grobsinnlichem Lebensgenuß zu fördern; Andere endlich wissen noch andere Ursachen zu nennen. Ganz anders die Antisemiten, nachgerade der Ansicht sinddas gottlob so mächtige deutsche Vaterland renne schnurstracks ins Verderben, wenn sie nicht als Retter einspringen. Nach ihrer Ansicht